
Wie versprochen, hier ein paar Fotos von der Reise Hamburg-Antwerpen-Le Havre-Kingston-Cartagena-Sto.Tomas-Puerto Cortes-Moín ...
Los gings in Hamburg / Brookdorfquai, an einem klaren frostigen Tag anfangs März:

Ich hab gestaunt, wie schwach so ein Containerfrachter neuester Bauart (2007!) eigentlich gebaut ist. Mit ihren um 200 m Länge, 22 m Breite und 13 m Tiefe hat sie ja voll doch so um die 32000 Tonnen - und ziemliche Verwindungen auszuhalten mit hochgestapelter Deckslast.
Die Abschnitte zwischen den einzelnen Luken sind nicht etwa quer ausgesteift, und auch die Schotts zwischen den Laderäumen sind sehr, sehr dünn...

Auch die Luken haben eine Größe, von der ich mal vermute, dass allein die Bewegungen des Rumpfs Wasserdichtigkeit illusorisch macht:

Über all dies hatte ich genug Zeit, mit dem hamburger Hafenlotsen, dem Lotsen bis Brunsbüttel und dem dritten bis Cuxhaven (oder doch -"dorf"?) auf der Brücke zu schnacken... wir machten so gegen 2100 los, und der letzte Lotse ging so gegen 0400 von Bord (übrigens auf ein nettes Squath-Boot).
Schon ein interessanter Einstieg: Verkehrsdichte auf der Elbe, Hinweise auf Dinge, die man bei Nacht leider nicht sieht (zB Atomkraftwerke), den Rammelstau vor der Schleuse (nur aufm Radar), und dauernd Bojenleger unterwegs (die die vom Eisgang abrasierten Seezeichen wieder setzten).
Auch eine neue Theorie über die "München"-Katastrophe hab ich mir angehorcht: die klang sehr gut überlegt.
An dieser Stelle noch mal großen Dank an diese drei Herren, die mir in wenigen Stunden viel beibrachten!
Zwei Nächte später wurde es dann wieder interessant für mich, Wache 0000-0400 im English Channel, diesmal "nur" der dritte Offizier (Roberto) auf der Brücke ... und trotz der Zwangswege -zig Ausweichmanöver gegen Netzfischer, kleine Yachten die aufm Radar kaum aufscheinen und auch keinen Transponder haben.
Irgendwann-dann eben Antwerpen (keine Fotos, jedoch eine Beobachtung: die Art, wie niederländische Maler so um 1600-1750 die See gemalt hatten: völlig identisch, kleine feine geriffelte Hüpfwogen mit braungrünem Untergrund und leicht ockerfarbigen Kronen).
Und dann, paar Tage später, weg vom Festland: letzter Blick zurück, auf ein (mir in sehr ambivalenter Weise erinnerliches) Le Havre:

Am Anfang unseres Kurses waren wir nicht allein unterwegs, da gabs Begleiter...

...die auch kräftig stampften.
Wir selber hielten uns brav nach Wellenradar-Meldungen möglichst außerhalb der 4 m - Wellenhöhe - alles was über drei Containerlagen gestaut ist, sitzt nur auf den kleinen Spitzen per Schwerkraft (und prompt, als wir im Verlassen der Biskaya in eine etwas schwerere nachlaufende See kamen, verloren wir zwei (leere) Kühlcontainer achtern).
Aber die Passage hatte auch ihre geradezu linden Momente,
zB:

oder

Nach etwa 9 Tagen gab es Land zu sehen (nein, stimmt nicht: südlich der Azoren tauchte mal kurz St.Maria aus dem Nebel) - oder jedenfalls: der neue Kontinent ist erreicht, Kingston Harbour: ich bin zum ersten Mal in America.

Hier für Ekke eines seiner Forts:

... und hier auch einer der Gründe, warum ich dort nicht an Land ging:

Kingston Town liegt weit-weit ab vom Industriehafen, und abgesehn davon wars mir ein Vergnügen einfach zuzusehn, wie die Kranführer auf den Brücken die Container wesentlich schneller und auch präziser ab- und aufstapelten als je in Europa ... ob da wohl jeder Rasta-Man vor Dienstantritt seinen Dienst-Ziel-Joint inhaliert?
Aber was solls, raus gings quer über die Karibik:

Was soll ich sagen? Fliegende Fische? Seeschwalben? Delfine am Bug? Meerleuchten? Sternenhimmel, auch bei Vollmond? Ich hab mir mein Bettzeug genommen und einige Nächte aufm Peildeck geschlafen...
Nach drei Tagen kamen wir dann nach Cartagena:

Das muss einstmals eine wunderschöne Stadt gewesen sein, aber die Modernisierungswelle hat sie in Grund und Boden betoniert. Gut, die Mädls dort warn extrem fesch, die Drinks ziemlich feurig und die Speisen auch ... trotzdem hatte ich das Gefühl, irgendwie in leeren Kulissen zu sitzen (während das wahre Leben vielleicht nur wenige Kilometer entfernt ist).
Das ist sicher auch einer der Nachteile einer Frachterreise: du bist genausolange an Land, wie dein Schiff - im besten Fall also knappe 15 Stunden (du weißt das allerdings vorher nicht, und auch nicht, zu welcher Uhrzeit du ankommst).
Aber ich würde das nie und nimmer gegen eine organisierte Kreuzfahrt tauschen wollen!
Allein schon die Möglichkeit, zu jeder Zeit auf die Brücke, oder in den Maschinenraum zu kommen... jetzt mal abgesehn davon, dass die philippinische Besatzung (alles Philippinos, bis rauf zum Käpt'n) mich voll und ganz in ihr Leben integriert hat (tja..., auch bis zum Karaoke-Singen; außer "Lily Marleen", "Je ne regrette rien" und "Penny Lane" gabs wenig Kompatibles) -
: also ich fühlte mich pudelwohl. Schweinchen-Grillen direkt neben den Treibstoff-Stutzen, mit Arbeitsschuhen über Deck schlittern und fliegende Fische einsammeln (ab in die Kombüse damit!), auch mal ne Runde mitpönen und sich dabei die (sowieso obsolete) Winterhose versauen.
Auch mitkriegen, was die Sailors so verdienen (~600 USD/m) und mal ihren Zukunftsplänen lauschen; der eine will Crabfisher werden, der andre träumt von seiner Insel ... jeder liest brav im englischsprachigen Journal der deutschen Reederei NSB ... und keiner weiß, ob er morgen noch gebraucht wird, in der Firma die sich da so überaus toll darstellt.-
Damit lass ichs fürs erste; a bissl Cartagena, Guatemala, Honduras, und schließlich Moín liefere ich dann bald mal nach.
Ciao,
Harold