Forum Marinearchiv
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Autor Thema: Schiffe, Boote und Erlebnisse der früheren Jahre beider deutschen Marinen  (Gelesen 1737 mal)
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Hastei
Kapitän zur See
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« am: 23 Juli 2010, 08:06:24 »

hallo,
Thomas hat es ja schon angeschnitten, Es gab ja noch andere Schiffe als die Köln-Klasse (120).
Mich würden auch Geschichten,oder Döntjes ,von anderen Einheiten,natürlich nicht nur von der Bu-Ma, sonder auch von der Volksmarine ,interessieren.
Da gab es doch die Tender der Rhein-Klasse. Ich glaube ,die konnten im Hafen nie gerade liegen , immer entweder nach Steuerbord oder nach Backbord.
Das merkte man besonders wenn man in der Koje lag.
Oder die schwimmenden Hochhäuser , die Zerstörer der Hamburg-Klasse. Die Meinungen über sie gehen  stark auseinander .
Oder, oder, oder.   Es gibt da doch noch soviel zu berichten, von den alten Zossen .  Und wo bleiben die Schulfregatten der Anfangszeit ?                        (Lütjens-Klasse hatten wir ja schon, waren ja angeblich die "Gößten "und "Besten "
Von der anderen " Feldpostseite" weiß ich nichts genaues. Das sich aber durch Schilderungen jetzt  ändern könnte.
Und Fotos wünsche ich mir, viele Fotos.

So, haut rein

und ein schönes Wochenende wünscht Euch der

                             Hastei
« Letzte Änderung: 24 Juli 2010, 18:08:59 von t-geronimo » Gespeichert
brueckenhein
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« Antwort #1 am: 23 Juli 2010, 08:53:07 »

Na dann fange ich mal an!!! Bericht zum schmunzeln von Schulfregatte "Scheer" 1966!!!


Wahrschau Butter!!!!

Es was ein schöner Sonntag Abend. Der größte Teil der Besatzung war an Land. Fast nur die Wache war an Bord von "SF Scheer". Backen und Banken war angesagt. Im Deck war es unerträglich heiß. Im Seeziegendeck wurde aufgebackt, die Butter und Käse wurde aus den dafür vorgesehenen, ungekühlten Vorratsspinden genommen und auf die Back geknallt. Die Butter roch aber schon ranzig. Kein Wunder bei den Temperaturen. Was damit machen? Ein Kamerad nahm die Butter und drückte sie mit einem wohl gezielten Wurf samt Teller aus dem Bulley. Alle warteten auf das Platschen im Hafenwasser. Was folgte war ein weiblicher Aufschrei. Was war geschehen? Ein Kamerad schaute aus dem Bulley und sah unten neben dem Schiff ein Ruderboot mit einem Werftgrandi und seiner Freundin bei einem Sonntagsbootsausflug. Die Butter hatte sie voll erwischt. Au ha, wat nu?. Der wütende Werftgrandi steuerte sein Boot fluchend an die Pier und rannte zur Wache. Dann ging das Geschrei im achteren Quergang schon los. "Wer war das?" Der BdW rannte durch alle Decks. Da das 11er-Deck zuletzt zu erreichen war haben wir blitzschnell abgebackt. Als der BdW dann schäumend im Deck stand war nichts mehr auf der Back, also konnten wir es auch nicht gewesen sein. Das F-Deck hat alles einstecken müssen. Dafür das sie es nicht gewesen sind haben wir die Jungs später zum Bier eingeladen und uns köstlich amüsiert.

Der Butterwerfer war Brücki, aber nichts verraten!!!!  Matrose verlegen

« Letzte Änderung: 23 Juli 2010, 08:59:27 von brueckenhein » Gespeichert

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« Antwort #2 am: 23 Juli 2010, 10:35:15 »

Hallo Brücki,

Ich hoffe mal das so eine schöne kleine Geschichte wie von Dir jetzt auch den Einen oder Anderen überzeugt es Dir nachzumachen.

 Matrose gruesst

Manfred
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brueckenhein
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« Antwort #3 am: 23 Juli 2010, 10:58:56 »

ich hab noch einen!!!!! Matrose lacht laut

Wie konnte das passieren???!!!

Lange Zeit war das Thema für mich tabu weil ich mich abgrundtief geschämt habe. Heute kann ich drüber lachen.

Ich meldete mich versetzt von „Tender Main“ als junger Matrose auf „Schulfregatte Scheer“. Das übliche Ritual lief ab mit der Rollenverteilung. Ich hatte die Manöverstation auf der Brücke als Posten Maschinentelegraph. Wie üblich wurden zum Auslaufen die Schlepper wahrgenommen und wir wurden in die Kaiserschleuse verholt. Nach dem Schleusen sind wir dann mit eigener Kraft ausgelaufen. Wie ihr das ja alle noch kennt mussten wir nach der Schleuse bei Ebbe mit hart Steuerbord in das Weserfahrwasser eindrehen. Dazu mussten die Maschinen zu Hilfe genommen werden. Mit Ruder hart Steuerbord, Bb-Maschine voll voraus und Stb-Maschine voll zurück wurde das Manöver eingeleitet. Aber nicht mit mir. Im Eifer des Gefechtes verwechselte ich Bb u. Stb. und die Maschinen liefen entgegengesetzt. Ich bemerkte es als ich auf den Umdrehungsanzeiger schaute und ein Schauer ging mir den Rücken runter. Da die Brückenbesatzung bis auf den Rudergänger und einem Navigasten alle in der Nock waren bemerkte das niemand. Nur schwerfällig drehte "Scheer". Kein Wunder. Das konnte ich aber unmöglich melden. Ich riss eigenmächtig die Hebel des Telegraphen in die richtige Stellung. Jetzt half nur noch beten. Das Schnarren des Telegraphen hörte niemand weil sie alle in der Nock waren. Unendlich langsam veränderten sich die Umdrehungen. Als der IWO dann doch ins Ruderhaus gekommen ist, schaute er auf die Anzeige aber die Maschinen hatten da schon ihre Sollumdrehungen erreicht. Kopfschüttelnd ging er wieder in die Nock. Der Kelch war an mir vorrübergegangen. Natürlich hatten die Schwarzfüße im Leitstand das mitbekommen, hielten aber dicht und mit einem Schächtelchen Pils war dann der Käse gegessen so dachte ich jedenfalls. Nie wieder ist mir das passiert.

Aber eine kleine Abrechnung habe ich doch bekommen. Beim Rollenschwoof war ich Mann auf der Leiter. Beim "Mann über Bord-Manöver" mußte ich vorne auf die Leiter, wurde angeschnallt und die Leiter wurde, gehalten von 4 Schwarzfüßen, außenbords geschoben wo ich den Rettungsring rausholen mußte. Natürlich ganz zufällig senkten sie die Leiter ab und ich war mit voller Montur im Wasser verschwunden. Prustend zogen sie mich an Bord und grinsten. Strafe muß sein und erst jetzt war das thema gegessen!!!!.

 

euer brücki

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« Letzte Änderung: 23 Juli 2010, 12:55:18 von brueckenhein » Gespeichert

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t-geronimo
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« Antwort #4 am: 23 Juli 2010, 11:08:27 »

Super, so wird Militär lebendig!!  Matrose lacht
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Schöne Grüße
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« Antwort #5 am: 23 Juli 2010, 13:02:38 »

Hallo Leutz,

War von 1982-1984 Ari Gast auf Minenbock Ariadne M2650. Bei einem Luftzielschießen nahmen wir also den Luftsack ins Visier als der Schießbefehl kam feuerten wir mit unserer Kartoffel Weitfurf Maschine (40mm Bofors) dann los. Normalerweise wird das Schießen ab einem bestimmten Punkt den man nicht überschreiten kann automatisch abgebrochen  wegen den Aufbauten usw. ( meschanische Sperre ). Nicht so bei diesem Schießen.Diese war bei unserem Kahn defekt. Na was soll ich sagen. Inrgendwann kommt der Moment, da schießt schießt man hinter dem Sack her. Und genau dies geschah auch. Es kam auch von der Brücke kein Befehl das Schießen zu beenden. Und so kam es wie es kommen musste. Anstatt den Luftsack trafen wir das Leitwerk vom Flieger.Wir hörten dementsprechend einen Notruf vom Flieger, sahen dann einen Piloten mitsamt Schleudersitz und später dann den Piloten am Fallschirm hängen. So im Nachhinein für den Piloten nicht so spaßig, aber für uns schon.

Was hätte da passieren können. Na Glück im Unglück.

Gruß
uwe
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« Antwort #6 am: 23 Juli 2010, 13:23:02 »

So ein ähnliches Missgeschick hatten wir mit dem Tender. Es wurde mit der 100mm-Kanone bei schlechter Sicht nicht auf das Schleppziel gefeuert sondern auf den Schlepper. Gottseidank nur Übungsmunition weil wir den Schlepper getroffen haben. Ist niemand zu Schaden gekommen!!!  shocked
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t-geronimo
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« Antwort #7 am: 23 Juli 2010, 15:38:47 »

Hallo Uwe!

Habt ihr wenigstens eine Abschuß-Markierung ans Geschütz gemalt?  grin
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« Antwort #8 am: 23 Juli 2010, 16:50:24 »

Hallo t-geronimo,

Nein, dies ist uns verweigert worden. Aber ein Bierchen nach der Rettung des Piloten hat es dann schon gegeben. Und dann schleunigst ab in die Werft den Schaden beheben. Und was dann dort lag konnte ich kaum glauben. Also neben der Werfthalle in der wir lagen. lag doch glatt ein russischer havarierter Lenkwaffenzerstörer zur Reparatur in einer deutschen Werft. Natürlich schwer abgesichert. Aber das eine oder andere Pläuschen mit den Wachen war dann doch drin. konnten ziemlich gut deutsch.


Gruß
Uwe
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« Antwort #9 am: 23 Juli 2010, 16:57:11 »

Hallo,

Kleiner Zusatz. Die Werft in der wir damals lagen war Travemünde.
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« Antwort #10 am: 24 Juli 2010, 12:17:41 »

Genau die gleichen Fälle gab es auch bei uns. 1987, wir waren mit der 573, Prj 1241 (Tarantul), in See zum Arischießen mit der 76er auf Seeziele. Ich war 1.WO, Ari und Rakete unterstand mir. Das Ziel wird Backbord querab anvisiert, Feuererlaubnis kommt, und im Moment des Drücken des Abfeuerungspedals saust die Waffe in Steuerbord Endlage und feuert 20 m neben uns in die See. Großer Schreck, alles wird untersucht, nichts gefunden. Zweiter Anlauf. Dasselbe Prozedere wie immer beim Schießen, Feuererlaubnis. Im Moment des Feuerns saust die Waffe wieder in die Stb. Endlage und schießt direkt neben uns ins Wasser. Schießen wird abgebrochem, wir laufen dann später ein. Im Hafen wird alles noch einmal überprüft, alle Anschlußkästen und wir fanden einen lose herumhängenden Trafo und ein Relais, welche immer auf einen anderen bei Seegang schlugen und dadurch einen Impuls auslösten. der die Waffe in die andere Richtung drehte. Soweit war an Bord alles in Ordnung, bis auf einige aus der Verankerung gerissene Spinde im  Steuerbord 8 Manndeck, daneben schlug die Granate ja ein. Beim nächstenb Schießen hat alles geklappt. Als ich dann ein Jahr später Kommandant war, gelang es mir auch einmal einen Schlepper zu beschießen. Paul, der Kapitän des Schleppers, sah es dann aber nach ein paar Flaschen guten Schnaps auch recht locker. Allerdings, ein Flugzeug haben wir noch nicht runtergeholt. Wobei es beim Raketenschießen in Baltijsk fast mal eine Atlantik erwischt hätte. Es wurde dort neben dem Schießen der eigenen Raketen auf Seeziele auch das Schießen auf anfliegende Raketen trainiert. Alle schießenden Boote und Schiffe (es waren ja uch U-Läger und KSS dort) lagen in Kiellinie und warteten auf die anfliegende Rakete. Sie kam und die 574 hatte die Rakete aufgefasst und es wurde noch einmal schnell im Fernsehvisier überprüft. Im Moment des Feuerbefehls sieht mein Freund Lipf, damals I.WO auf der 4, in gerader Visierlinie der Ak 176 und der Ak 630 eine Breugeot Atlantik, die wohl mal sehen wollte, was wir da so machen. Das Schießen wurde sofort gestoppt. Beide flogen unbehelligt weiter.
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« Antwort #11 am: 24 Juli 2010, 14:27:48 »

Hallo der erste,

Ist ja toll das wir solche Mitglieder hier im Forum haben. Klasse  Wenn Du Kommandant auf einer Tarantul warst, stell uns das Boot doch bitte mal vor,

vielleicht über das hinaus was man so kennt, z.B. seine Stärken und seine Schwächen aus Deiner Sicht...... smiley

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Manfred
« Letzte Änderung: 24 Juli 2010, 15:17:24 von Albatros » Gespeichert
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« Antwort #12 am: 24 Juli 2010, 17:24:03 »

zu dem, was Brueckenheini erzählte, möchte ich was eigenes erzählen.
Wenn man aus Flensburg in die Ostsee fahren will, muss man in der Förde einige scharfe Kurven fahren , bis man in freien Wasser ist.Die Fahrt dauert ungefähr eine Stund. Das 3.SG mit dem Tender Rhein, A 58 , auch "Beule" genannt , fuhr eines Tages also raus und hatten schon in der ersten Kurve starke Schwierigkeiten ,sie zu nehmen. Der Kommandant musste mit den Schrauben nachhelfen und der Rudergänger kriegte einen Anschiss. Bei der nächsten Kurve das gleiche. Wieder ein gehöriger Anschiss und der Rudergänger,es war der Gefechtsrudergänger, der eigentlich sein Handwerk beherrschte ,verstand die Welt nicht mehr. Er beteuerte ,zu steuern wie schon x mal vorher. Was war nur los ? Irgend etwas mit dem Ruder nicht in Ordnung ? Wir ankerten und ein Taucher stieg runter. Er stellte fest ,das eines der zwei Ruderblätter ,das Backbord-Ruder , fehlte. Jetzt war auch klar, warum der Zossen nicht so richtig auf die Ruder reagierte. Der Kommandant entschuldigte sich vor allen Besatzungsmitgliedern beim Rudergänger und der war erleichtert .
Wir verlegten nach Kiel in die Werft um den Schaden beheben zu lassen. Warum das Ruder verloren ging ist mir nicht bekannt. Es muss zu der Zeit gewesen sein, als ,ich glaube es war in Laibach, 1969 einige Wachsoldaten bei einem Überfall ermordet wurden . Kann sich einer noch daran erinnern ? Eine tragische Geschicht ! So musste das Schiff in Trockendock stärker bewacht werden und zwar auch unten im Dock. Man bekam eine Maschinenpistole mit scharfer Munition und tiefelte da unten stundenlag ums Schiff. Die Aufnahmen habe ich da mit einer einfachen Kamera gemacht. Es ist schon imposant, wie groß so ein Schiff wirkt, wenn man unten steht.

es grüßt der Hastei

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« Letzte Änderung: 24 Juli 2010, 17:46:57 von Hastei » Gespeichert
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« Antwort #13 am: 24 Juli 2010, 18:10:34 »

Ich habe mir mal erlaubt, den Themen-Titel leicht anzupassen (und die Erlebnisse hinzuzufügen) und das Thema in die Abteilung "Erlebnisberichte" zu verschieben, denn dort scheint ja der absolute Schwerpunkt zu sein.

Und das ist gut so!!
Weitermachen!!!  Kaptn lach
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« Antwort #14 am: 24 Juli 2010, 18:11:33 »

Es muss zu der Zeit gewesen sein, als ,ich glaube es war in Laibach, 1969 einige Wachsoldaten bei einem Überfall ermordet wurden . K

Mord im Bundeswehr-Depot

http://www.zeit.de/1969/0.../Mord-im-Bundeswehr-Depot 

 Matrose gruesst

Manfred
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