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Autor Thema: Ronny bei der Bundesmarine...  (Gelesen 2669 mal)
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RonnyM
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« am: 26 Juli 2010, 15:39:07 »

Moin Lüüds,

durch Zufall bin ich auf Wilfrieds Fred gestossen und fühle mich animiert, auch zu meinen Anfängen beizutragen. Normalerweise wollte ich mit 14 zur See fahren, weil Opa, Onkel und Vaddern alle beim Nordd. Lloyd gefahren sind. Aber der alte Herr sprach ein Machtwort - ich sollte erst einen Beruf lernen. So lernte ich Eisengroßhandelskaufmann. Ach war das schön, die Fittings bei den Inventuren zu zählen undecided

Zwischenzeitlich wurde ich gemustert und das Leben ging weiter. Plötzlich kam ein Einberufungsbescheid  angry. Ich sollte als Stoppelhopser zu den Grauen nach Buxtehude am 01.07.1963. So mit ner`Rolle Draht auf dem Rücken durch`s Gelände. Da kam aber die alte Frau Meyer in die Puschen. tongue Ich schrieb an die SDM in Schlicktown. Das war so Ende März. Ich hatte dann ausgelernt und jeden Tag, wenn ich heimkam; die erste Frage: Hab`ich Post  rolleyes Das zog sich bis zum 20. Mai hin. Die Nerven gespannt. Dann die erlösende Nachricht, dass ich für 3 Tage nach WHV zur Prüfung soll. Bei der Vorstellung zückte ich als Erstes meinen E-Bescheid. Der kuckte drauf und meinte nur, den lassen Sie mal hier. Gottseidank, die Steine polterten nur so... grin
Forts folgt.
« Letzte Änderung: 26 Juli 2010, 18:40:34 von RonnyM » Gespeichert

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« Antwort #1 am: 26 Juli 2010, 17:33:12 »

Und so ging es am 01.07.63 von BHV-Lehe mit einem Original PERSIL-Karton nach Eckernförde. Meine bis dahin längste Zugfahrt tongue. Das ganze Procedere hat ja schon Wilfried trefflich geschildert.

Was mir (heute) bemerkenwert scheint, das in der Kompanie ganze 4 Wehrpflichtige waren wink. Aber generell konnte man sagen, dass 75% südlich der Main-Linie kamen. Auf alle Fälle konnte ich meinen Fremdsprachenschatz unheimlich erweitern grin. Ich füge mal ein "Kompanie-Bild" bei.

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« Antwort #2 am: 26 Juli 2010, 17:56:15 »

Im Gegensatz zu Wilfried haben wir nicht gefroren, aber bei über +25° im Gelände war der Flüssigkeitsbedarf nicht unerheblich. Das einzig Gute war der AFFE, der als Kopfkissen wunderbare Dienste leistete.

Mit Landgang sah es ja bei uns ganz mager aus. Bis zur Vereidigung durften wir noch nicht einmal die Kaserne verlassen. Es hieß: "Erst müssen Sie mal grüßen lernen". Das hieß also 6 Wochen Spass in der Kantine, sofern man nicht zu müde war. Nach der Vereidigung gabs auch keine Heimfahrten, denn man durfte den Standort nicht verlassen. Heute undenkbar!!!
Ja, auch die Maate waren sehr unterschiedlich. Wenn ein OVH nicht zu Hause sein Recht bekam ober BRAVO gesetzt war, spürten wir das beim Formaldienst. tongue tongue tongue. Die  Carshöhe hatte eine Schweinerei. Das war eine 30 m (gefühlte 60 m) tiefe Grube. Wenn man glaubte, im Sommer war das schön kühl da unten - nix da. Heute sage ich, da hatte ich die Chance, an meine Grenzen herangeführt zu werden.

Ich behaupte sogar, die Marine hat so manchen Unbeholfenen das Essen mit Messer und Gabel beigebracht. Auf die Haltung beim Essen wurde großen Wert gelegt shocked.

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« Letzte Änderung: 26 Juli 2010, 18:43:13 von RonnyM » Gespeichert

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« Antwort #3 am: 26 Juli 2010, 18:38:50 »

Ein Highlight für uns in ECK war das GeWe. Im Gerwerkschaftshaus war am Wochenende immer Danz op de Deel. Da konnten wir noch "antesten", ob für das weibliche Geschlecht noch Gefühle vorhanden waren, oder wir sie im Feld gelassen haben. cheesy

Beliebt waren bei den UvD`s das Flaggalutzi - nicht wahr Wilfried?. Da ja sommerliche Temperaturen herrschten, fanden die Versammlungen auf dem Hof statt. Aber grundsätzlich erst nach 22:00 Uhr, nachdem wir vorher alle ganz brav: "Guten Abend, gute Nacht" gesungen haben. Überhaupt singen. Waren meine Lieblingsstunden, denn da wurden die Knochen geschont grin.

Zusammenfassend konnte ich nach 8 Jahren Marine feststellen, dass in der Grundausbildung die beste Kameradschaft herrschte, da ja keiner vorbelastet war und wir sprichwörtlich alle in einem Boot saßen. Anbei noch ein Bild vom ersten Ausgang (Kamm, Taschentuch, Bügelfalte und Schuhe ohne Beanstandung)  Matrose gruesst

Ach ja, einen Tip habe ich beherzigt und die ältesten Stiefel der Kleiderkammer gefordert und bekommen.

Grüße Ronny
Fazit: Der 25 Km-Marsch ohne (füßliche) Beanstandung.


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« Antwort #4 am: 26 Juli 2010, 19:30:13 »

Am Schluß der Grundi dann die große Verkündung, wer wohin. Als ich dann meinen Namen hörte und die MOS in Fishtown, da kam ein Urschrei... cheesy Denn die MOS war in meiner Heimatstadt und ich durfte endlich nach 3 Monaten nach Hause. Der F1-Lehrgang wurde brav absolviert und mein erstes Bordkommando war dann die LÜBECK für ein Jahr.

Familiäre Gründe haben mich veranlaßt, von 4 auf 8 Jahre zu verlängern. Von der Prämie sprang ein VW Käfer raus. So war man beim F2-Lehrgang schon motorisiert und entsprechend mobil grin. Beim F2 machte ich den Führerschein mit insgesamt 5,5 Std. Praktisch - die 0,5 h war die prakt. Prüfung. Der ganze Fü-Schein hat 120,00 DM gekostet. Die Fahrschule hatte genug Gasten und mußte keine Std. schinden. Daher fahre ich bis heute mit 0,0, denn so billig komme ich nie wieder dran. wink

Zu der Zeit war der Sportplatz noch ein Schlackenplatz und ich hatte schon genug Spuren an den Beinen aus meiner Fußballzeit. Jeden Donnerstag hatten wir vormittags Sport und bei freier Arztwahl hatte ich mir einen Zahnarzt in der Rickmersstr. gesucht. Da meine Zähne ja i. O. waren, habe ich den Arzt überzeugt, dass ich jeden Donnerstag zum Abstempeln meiner 10ner-Karte kam, um anschließend bei Muttern zu frühstücken und die Nordsee-Zeitung studieren. Gegen Mittag war ich dann pünktlich zum Backen + Banken in der MOS. Abwechslung waren die Tagesfahrten mit der SCHEER rund um Helgoland.

In sehr guter Erinnereung habe ich die Kantine  Matrose lacht laut
Zur sog. NATO-Pause flitzten wir aus den Hörsaal, um in der Kantine für 50 Pfennig die heißen lockeren Frikadellen zu genießen. Was die Kneipen betrifft  war ich gaaanz brav, weil ich dann meine persönlichen Kontakte pflegte.

Grüße Ronny                     
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« Antwort #5 am: 26 Juli 2010, 19:49:07 »

Zu meiner Zeit war die MOS ja noch ordenlich mit Booten bestückt. Neben der Schulfregatte SCHEER lief noch OT 1 als Ausbilder und es waren auch V-Boote und Kutter in der Geeste festgemacht. Wir schwelgten quasi in Schiffen. Leider war 1967 alles vorbei. Volle 5 Jahre fuhr nur noch die SCHEER nach Umbau auf der Seebeck-Werft. Noch auf dem letzten Treffen im April in der MOS sagten die 4-Streifen-Herren, dass nur der liebe Gott nachvollziehen kann, warum die Ausserdienststellung vorgenommen wurde.

Die weiteren Gastspiele in Glücksburg (Sommerhalbjahr), oh Mann, all die Däninnen auf den Campingplatz. 3 Tage Dienst, 2 Tage frei - war dass schön...
Dann SS DONAU und Z 4, wobei ich auf Z4 bei voller Breitseite im Dunkeln stand in der OPZ. Da kamem die Kakerlaken von 1943  zum Vorschein...

Ab 1967 war ich die letzten Jahre auf der MFmSt 622 in Hörnum. Bericht folgt...

Grüße Ronny
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Wilfried
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« Antwort #6 am: 26 Juli 2010, 21:03:34 »

Moin Ronny,

normalerweise quatsche ich ja nicht gerne in solche Erlebnisberichte, aber da Du mich explizit erwähnst, möchte ich Dir erst einmal für Deine Zeilen danken. Schön, dass ich wieder jemanden motivieren konnte. Zeitzeugen - man spricht immer von solchen. In vielen Jahren werden wir auch mal als solche gelten, wenn die Marine nur noch aus Kolbenringträgern besteht, die in Bonn oder Berlin virtuell Schiffe auf Bildschirmen hin- und herschwimmen lassen ...  grin Der Text, "damals gab es bei der MOS noch Schiffe" - erstens kann ich den Schlackeplatz noch bestätigen und zweitens, dass es bei uns 1/70-3/70 wohl nur noch theoretisch die SCHEER gab. Als alter Kartonverbieger wäre ich natürlich an Bildmaterial interessiert, da ich das Spantengerüst für die "Schwester" SCHARNHORST schon konstruiert und auf Kiel gelegt habe ...

In diesem Sinne - mit einem ganz lieben Gruß
der Wilfried
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RonnyM
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« Antwort #7 am: 27 Juli 2010, 08:57:21 »

Moin Moin, lieber Wilfried,
ich glaube, dass ich den alten Kartonverbieger helfen kann shocked. Ich kann dir vielleicht mit einem Generalplan der SCHEER von der Seebeckwerft im Maßstab 1:100 aushelfen Kaptn lach. Alles weitere über PM???

Grüße Ronny
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« Antwort #8 am: 27 Juli 2010, 12:22:14 »

Ach ja, zu den Bordzeiten muß ich noch eine Schwangerschaft lang den U-Jäger UW 12 erwähnen. Fahrtmäßig war das ein astreines Bordkommando. Wir fuhren für die MUWS (Marineunterwasserwaffenschule) Eckernförde. Kommandant war ein Kaleu, der vorher als 1. Offizier auf der TS BREMEN vom NDL fuhr. Wie es so schön in der Werbung heißt: Meine Familie, mein Haus, mein Boot und mein Auto - befand sich alles in ECK. Daher wechselte er zur BUMA und war jetzt immer zu Hause.

Damals war vor der Schleimündung (später Olpenitz) noch ein Übungsgebiet. Es war Hedgehog-Schießen angesagt. Da ja bekanntlich die Ostsee als "überschwemmte Wiese" eingestuft wird, wurden die Dinger "oberflächenmäßig" eingestellt. Nach der ersten Salve stellten wir fest, dass wir ein Teil vom Heringsschwarm getroffen haben. Und nun schlug wieder der Zivilist vom Alten durch. Er befahl das Schießen einzustellen, klar bei Ketcher an BB und STB. Mit mehreren Anläufen wurde wie wild geketscht. grin. Die Schanz sah aus wie ein Wahlfänger, alles rot, denn die Heringe wurden gleich ausgenommen. Abends sah man die OVH´s mit vollen Säcken von Bord keuchen. Überhaupt war das eine schöne Zeit, denn als die Sonarmixer in der Schule die Grundlagen hatten, fuhren wir mit einem Teil der Gasten Montag früh raus, Mittwoch abends rein, Gastenwechsel und Freitagabend wieder ein. Als einziger Radarmixer und Hauptdödel war ich mein eigener "Hauptabschnittsleiter"! grin. Aber trotz Gegenwehr meinte der Alte, es wird Zeit für die MUS.

Grüße Ronny
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« Antwort #9 am: 27 Juli 2010, 12:32:21 »

Zur "Heringsfischerei" fällt mit noch Kiel ein. Im Mai/Juni ziehen die Heringe in Massen in die Förden zum Laichen - früher jedenfalls. Auf der LÜBECK durfte ich mal zuschauen. Als es Dunkel wurde, ging der von der Schiffsicherung gebastelte Scheinwerfer zwischen Kai und Bordwand unter Wasser. Nun kamen hier auch die Ketcher zum Einsatz. Später stank der Dampfer drinnen wie eine Fischbratküche. Aber die Dinger waren ein Genuß cheesy. Nix wie die staubigen Heringe in der Kaserne, wo man nur den Salat essen konnte...

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« Antwort #10 am: 27 Juli 2010, 17:43:24 »

So`n Schiet, der letzte Beitrag "wegen Überfüllung geschlossen" und der Text verschwunden... rätselhafte Technik huh
Also once more: Die MUS war nix auftegendes. Nur die Plöner Polizei war der Meinung, dass bei meinem Käfer das linke Auspuffrohr ohne Schalldämpfer-Matte war. Mit einem Heiermann und einer Mängelbeseitigungskarte war ich dabei (wieder Paar Biere weniger).

Dann die Fahrt nach Niebüll zum Autozug. Die Abfertigung war noch am Bahnhof und viel dörflicher als heute. Von Westerland bis Rantum war meine kleine Welt noch i. O.. Aber danach einspurig mit lauter Ausweichen. Klappte prima, wer zuerst ne Weiche erwischte, wartete. Aber links und rechts nur Sand, kein Baum, kein Strauch. Ohweia undecided Machte mir dann Mut, das der Sommer ja erst kommt und daher Augen zu und durch. Auf der Station bezog ich dann ein Einzelzimmer! Nachdem ich mich mit einer Runde Schluck vorgestellt hatte, ging ich schurstracks Richtung Westen zum Strand. Wat`n dat`n? Klares Wasser wie bei Helgoland. Alles klar, her mit der Saison. Kaptn lach
F.f.
PS Mit Bild = Datei zu groß - ich mach michganz klein
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« Antwort #11 am: 27 Juli 2010, 17:56:13 »

So, nun habe ich das Bild abgespeckt. Die Aufnahme stammt von einem VFW-Mann, der am Sonntag seinen Rundgang machte. Das Auto vor der Tür ist mir, denn zu Fuß ist die Düne zu hoch. Man muß ja schleßlich fit auf Wache sein! grin
Zu sehen ist die 3 und 10 cm-Anlagen Mike und November von Telefunken.
F.f

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« Antwort #12 am: 27 Juli 2010, 17:58:41 »

Ist das da, wo die LORAN-Station ist?
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Sometimes it is entirely appropriate to kill a fly with a sledge-hammer.

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« Antwort #13 am: 27 Juli 2010, 18:08:36 »

Das Auto vor der Tür ist mir

sieht gar nicht wie ein Käfer aus.....    wink

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Manfred

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« Antwort #14 am: 27 Juli 2010, 19:41:45 »

@Big A
Nein, die LORAN-Station ist von Hörnum Richtung Rantum ca. 3 Km davor (heute noch!)

@Manfred
Hast ja Recht, aber der Käfer hatte vorher einen 2-fachen Überschlag in der Klawitter-Kurve. K. war Badearzt in Hörnum und hatte vor mir  sein Wagen zerlegt. Daher der Name.
Den Ford Consul Capri hatte ich "geheiratet" War von meiner Frau. grin
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