@Blane
Hmmmm. So, so. Tjaaaa - ich versuche Dir mal meinen Tellerrand zu erläutern – vielleicht klappt’s ja.
Schaust Du Dir in den US Naval Proceedings die jährlichen Schiffsveränderungen der US Navy an, so bringen die im Jahr zwischen einem Dutzend und vielleicht fünfzehn Schiffe unter Wasser. Die überwiegende Mehrheit davon bei Sinkex Übungen.
Das hat auch USS America erhascht. Was die da genau getestet haben, werden die nicht verraten. Aber man darf vermuten, dass die US Navy schon immer mal wissen wollte, wie ein moderner Träger eine Seidenraupe (Schiff – Schiff Rakete) verträgt. Jedenfalls hat die US Navy relativ kurz vor der Versenkung einige dieser Raketen gekauft.
Da ist nix mit kuenstlichem Riff. Sinkex Übungen finden normalerweise im Tiefwasser statt. Da hat der Tauchsport absolut nix davon. Die Wracks gehen in bodenlose Tiefen.
Und von Zeit zu Zeit geht auch immer mal ein US Navy Schiff als künstliches Riff drauf. Hauptkundschaft sind dabei erstens komerzielle und touristische Fischerei und zweitens der Tauchsport.
Tja – diese Riffe? – sollen die das nicht machen?
Wer soll denen sagen, dass die das nicht machen sollen?
Wir?
Wir leben hier nicht von der Fischerei und nicht vom Tauchsport.
Ok – die haben ihre Fischgründe selbst rouiniert. Logisch. Böse. Böseböse!
Oder deren Väter. Oder deren Väterväter. Oder …
Jedenfalls böse! Und dumm!
Ok – jetzt versuchen die halt zu flicken. Und nun hat man halt rausgefunden, dass Schiffswracks Fische anziehen und über relativ kurzfristige Zeiträume regional Fischbestände vergrössern können.
Ok – die machen das nicht aus reiner Güte und nicht aus Liebe zur Natur. Die wollen weiter Fischen gehen. Kann man aber doch irgendwie verstehen. Jemand, der in dritter Generation Volkswagen zusammenbratzelt möcht, das oft auch gern weiter machen. Scheint ein menschlicher Zug zu sein.
Ausserdem bringen diese Wracks eben auch Touristen; Angler und Taucher. Auch nett. Touristen bringen Geld. Sehr willkommen. Besonders, wenn sich die regionale Fischerei selbst mit Überfischung rouiniert hat.
Gemeinden versuchen halt irgendwie passabel zu leben. Die Bewerbungslisten von US Küstengemeinden für einen dicken Stahlpott unter Wasser am Besten direkt vor ihrer Marina sind lang.
Die Genehmigungsverfahren sind länger, länger auch als seinerzeit der Entwurf und der Bau des Schiffes selbst.
Tja – so Dampfer versenken ist also ein Verfahren Geld zu machen an Orten wo man das sonst nicht so gut kann. Sehr menschlich das.
Tja – und die Sinkex? Nun – Rheinmetall ist immer rasend glücklich, wenn die ihre Projektile ma’ in was Echtes ballern lassen können und gucken ob dass alles so geht wie versprochen. Wirtschaft halt.
Die Amerikaner verkaufen relativ wenig Marineschiffe und Amerikas NATO Partner (die ihre Dampfer ganz gern zu Geld machen) freuen sich dann immer ‘n Ast wenn sie ma’ mit draufhalten dürfen. Ist das jetzt besonders garstig von den Amerikanern, die den Dampfer zu Verfügung stellen oder von den Deutschen (ersetzte nach Belieben Franzosen, Briten, Niederländern, …), die ihre lieber nach Indonesien (ersetze nach belieben jede andere potentiele Kriesenregion der Welt) verscherbeln und mit ins Amerikanische Schiff ballern.
Ja – wenn die mehr für den Schrott bekommen würden – warum machen die das nicht?
Nicht sooo rasend schwierig, oder?
Weil die die Daten aus den Sinkex Übungen haben wollen für den Bau neuer Schiffe.
Und weil die die Krücke für die regionale Ökonomie wollen aus den Versenkungen als Riffe.
Eigentlich ganz einfach.
Gibt es am Ende eine menschliche Verpflichtung zum Recyclen?
Darf man Schiffe gar nicht wegwerfen? Schwierig! Der Versuch der Ölkonzerne eine Wild Card zur Versenkung ungeliebter Bohrplattformen zu bekommen ist seinerzeit um haaresbreite abgewehrt worden. Was ich gut fand und finde.
Ob Schiffe genrell nichts auf dem Meeresboden verloren haben? Weiss nicht! Bin ich gar nicht so sicher!
Der positive Einfluss von Schiffswracks auf regionale Fischbestände ist belegt. Ob man das aus Güte oder Profitgier macht oder um vergangen Dummheiten zu flicken ist dabei erstmal zweitrangig.
Der Artenreichtum im Meer nimmt ab. OK – so what? Freeze? Nicht mehr bewegen? Zugucken? Abwarten?
Natürlich geht es nicht um ein künstliches Riff generell, irgendwo. Jahr für Jahr verliert der Welthandes rund hundert Schiffe über hundert gt. Darunter auch jedes Jahr vier, fünf oder auch mal acht so formidable Brocken wie Bulk Carrier.
Die Fische bekommen schon ihren Tribut. Nur fallen die gesunkenen Schiffe selten dahin, wo man den Nutzen eines Wracks gern hätte. Also versenkt man gleich selbst noch einige mehr.
Scheint zu funktionieren.
Scheint tatsächlich Fische, Angler und Taucher anzuziehen sonst würde man das inzwischen (Stahlpreise) nicht mehr machen.
Warum es nicht machen, wenn es funktioniert?
Weil es ‘nur’ etwas flicken soll, was in Jahrzehnten kaputt gefischt und getaucht worden ist?
Hm – leuchtet mir nicht ein! Ich sehe da mehr Nutzen denn Schaden oder Ignoranz
Warum willst Du nicht wissen wieviele Schiffe jährlich vorsätzlich versenkt werden? Das leuchtet mir nicht ein und tut Deinem Tellerrand nicht gut. Man soll auch schon mal hingucken!
Auch wenn Ratten und die Seefahrt eine lange und meist unheilige Allianz bilden, so ist dein Schlussatz … ähm … vielleicht klemmte der Ironie Modus.
Ciao,
Ufo
@toppertino
Schaust Du Dir so Tauchberichte wie diesen
http://www.divernet.com/wrecks/wtour640604.shtmlüber Scylla an, so scheint die Gemeinde auch mit künstlichen Wracks ganz zufrieden zu sein.
Was die Besiedlung mit Lebewesen betrifft, denke ich sind die Dampfer über ihre Aufbauten eh so zerlöchert, dass die Fische da bequem ein und aus gehen können. Aber an der Grafik zur Scylla sieht man auch recht gut, dass sie das reichlich ‘Türen’ reingeschnitten haben für Fisch und Mensch.