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Autor Thema: Restaurierung eines total zerstörten Modells einer Gaffelyawl von 1898  (Gelesen 813 mal)
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Captain Hans
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Name: Hans Werner Schleiter

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« am: 07 Oktober 2010, 00:06:25 »

Restaurierung eines total zerstörten Modells einer Gaffelyawl von 1898

Möchte hier mal was anderes als ein Schlachtschiff vorstellen-

Kurze Vorgeschichte:

Mein holländischer Freund Peter (ex Kapitän/Lotse/Nachbar) Alles gut Prost Kamerad bat mich vor einigen Monaten ein kaputtes Modell für ihn zu reparieren..
Ich sagte laß mal sehen  - aber was ich dann zu sehen bekam war ein total zerstörtes Wrack eines Modells. Weiss nicht Weiss nicht

Ich hätte es weggeschmissen aber Peter ist Holländer und schmeißt damit nichts weg. grin

Ich Dussel hab leider kein Bild von dem Wrack gemacht. Bin ich blöd.

Ich versprach Peter, daß ich peu a peu versuchen werde zu retten was zu retten ist. huh

Vor 4 Wochen stellte sich heraus , daß Peter Prostata Krebs hat und sich in Deutschland operieren lassen muß.
Um ihn bei seiner Rückkehr eine Freude zu machen entschied ich mich, meinen Schachtschiffbau zu unterbrechen und für Peter das Modell fertig zu restaurieren um
ihn eine Freude bei seiner Rückkehr zu machen.

Aus Mangel eines Fotos hier eine Aufzählung der Beschädigungen:

1.   Bugspriet und Hauptmast abgebrochen
2.   Takelage in Fetzen umherhängend
3.   2 fehlende Gaffeln
4.   kein Ruder
5.   kein Stockanker
6.   das Haupdeck gerissen
7.   Als Koffeinnägel waren  normale Messingnägel reingekloppt.
8.   sämtliche Nagelbänke abgerissen
9.   Der Rumpf (Balsaholz) voller Löcher und mit Ölfarbe übergeschmiert
10.   Verschanzung teilweise kaputt und gerissen
11.   drei vorhandene Segel voller Löcher und bei inem Versuch sie waschen lösten
sie sich in Staub auf.
12.   Kiel (Sperrholz) total zersetzt.
13.   sogar ein Holzwurm drin

Sequenz der Restaurierung:

1.
Als erstes hab ich alles abgebaut bis der Rumpf noch übrig war. Den Holzwurm mit einen spez. Mittel (gibts hier) entfernt.
Dann hab alle Farbe abgebeizt bzw. abgeschiffen, und den Rumpf  ausgespachtelt(Feinspachtel)
Dann hab ich das Balsaholz versiegelt.
Nun konnte ich den Rumpf neu einschleifen.
Die gerissenen Decksplanken hab ich erneuert (Nußbaumleisten)
Den zerbrochenen Bugspriet mußte ich stückweise ausbohren und durch einen neuen ersetzen . Das gleiche geschah mit dem Hauptmast.
Den Besanmast konnte ich noch retten.
Die teilweise zerstörte Verschanzung habe ich mit kleinen Stücken repariert
Der Unterwasserrumpf erhielt einen Anstrich mit Holzprimer und wurde dann feingeschliffen.
2.
Zwei neue Gaffeln wurden gebaut ebenso das Ruder

Nun überlegte ich, wie ich die Masten und die Takelage bauen müßte.
Das Problem war, daß es keinerlei Unterlagen zu diesem Modell gab geschweige den Zeichnungen.. Das einizige was ich wußte war,
daß der Maßstab angeblich 1:72 ist  und das Original ca. um 1898 gebaut worden war.

Deshalb suchte ich im Internet nach Informationen und Bilder solcher Segler.
Ich fand 100te von Gaffelketchen aber nicht eine Gaffelyawl in dieser Größe.

Schließlich fand ich ein Boot das aus dieser Zeit stammte und eine extreme Gaffelketch Takelung hatte die einer Yawl sehr nahe kam.
Bugspriet, Masten, Takelung und Besegelung glich ich diesem Schiff an.

Es gab zig verschiedene Besegellungen dieser Art von Schiffen und ich wählte eine aus,
die ich für logisch ansah und die der Besegelung einer Gaffelyawl, auf der ich mal mitgesegelt war, ähnelte.
Das größte Problem waren jedoch die Segel selbst.
Fertige Segel für so ein Modell gibt es nicht und das hieß also selber nähen.
Meine Frau meinte sie hriegt das mit 100 Jahre alten Singer Nähmaschine hin, die mein Schwiervater als Andenken an seine Oma  noch besitzt. (siehe Foto)
Gesagt getan. Ich fertigte ein paar Schablonen für die Segel und zeichnete die Nähte der Segelbahnen sowie der Reffbahnen auf..
Unter lautem Fluchen und mehrfachen Reißen des Unter-sowie Oberfadens schaffte sie es eine Satz Segel herzustellen., die zwar nicht perfekt aber gut brauchbar sind.
Das Leak wurde von Hand umgenäht.

3.
Nun wurde der Rumpf gestrichen und ich nahm hier die holländischen Nationalfarben
nur in umgekehrter Reihenfolgen also Blau/Weiß/Rot.
Die Masten und der Bugspriet wurden gesetzt und das stehende Gut angebracht.
Von hier an bis zur Fertigstellung hab ich einige Fotos gemacht und ich hoffe , daß sie euch gefallen .

Da ich natürlich auch kein Takelgarn hatte wurde der lokale Nähladen geräubert und es gelang mir geeignete Seile und Fäden (alles Perlon, fusselfrei und wegen der hohen Luftfeuchtigkeit hier) zu finden.
Das Modell erhielt eine Volltakelung mit der man es hätte segeln können.

Die Wanten habe ich mit Webleinenstege handgeknüpft.

Ständer und Standbrett habe ich aus lokaler Zeder gefertigt.

Alles in allem ist es noch ein sehr ansehnliches Modell geworden und ich hoffe, daß Peter sich freuen wird wenn er wieder kommt.
Seine Operation war war erfolgreich und der Krebs hatte noch nicht gestreut und so wird er uns noch eine Weile erhalten bleiben.
Ich hoffe nur, daß er keine weiteren kaputte Modelle hat.

Zwischen den ganzen Schlachtschiffen hat es mal wieder Spaß gemacht einen Segler zu bauen obwohl ein Neubau , so glaube ich, einfacher gewesen wäre.

Der Name des Seglers war „Charlelemagne“ zu Deutsch „Karl der Große“

Viel Spaß mit den folgenden Bildern. Und ich hoffe euch gefällt das Modell.


viele Grüße

Hans

Beim Takeln:







Bau des Bugspriets




Anbringung Juffern



Das stehende Gut


Vor und Achterdeck




100 Jahre alte Singer Nähmaschine


Die ersten fertigen Segel mit laufendem Gut



seitenansicht luvseite



Luvseite von oben





Das fertige Deck



Schließlich: Das Modell und sein Vorbild


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Albatros
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« Antwort #1 am: 07 Oktober 2010, 07:00:49 »

Moin Hans,

ein wahrer Freundschaftsdienst und eine tolle Arbeit..... Klasse

 Matrose gruesst

Manfred
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« Antwort #2 am: 07 Oktober 2010, 08:19:05 »

Ich denke es wird ihm gefallen  smiley

ein wirklich schöner Freundschaftsdienst!

Gruß

Sebastian
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Gruß

Sebastian
Albatros
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« Antwort #3 am: 07 Oktober 2010, 11:52:49 »

Hans, ich hätte da noch eine Frage, die „Charlelemagne“ diente wohl 1898 dem Fischfang aber welcher Art der Fischerei ?

 Matrose gruesst

Manfred
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Captain Hans
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« Antwort #4 am: 07 Oktober 2010, 14:14:38 »

Hallo Manfred

wenn ich das man wüßte huh

aber wenn , dann nur als Schleppnetzfischer

viele Grüße

Hans
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« Antwort #5 am: 07 Oktober 2010, 16:23:14 »

Hallo Manfred

wenn ich das man wüßte huh

aber wenn , dann nur als Schleppnetzfischer

viele Grüße

Hans

Dann könnte es auch sein das es gar kein Fischer ist ?

Für welchen Zweck könnte es dann 1898 in Auftrag gegeben worden sein ?

 Matrose gruesst

Manfred
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« Antwort #6 am: 07 Oktober 2010, 18:29:18 »

Lieber Hans,
ganz ganz herzliche liebe Grüße an Peter, den lieben ollen Süffel! ...
... und bring's ihm a bissl schonend bei: seine Bregenzerin Sybille ist vor drei oder vier Jahren gestorben, Autounfall.-
Hab leider keine e-mail-Adresse von ihm, also richt' ihm bitte alles Gute aus, dem alten Sturschädl.

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« Antwort #7 am: 07 Oktober 2010, 19:02:50 »

Hallo Hans!

Was für ein lieber Freundschaftsdienst, und was für ein Schmuckkästchen ist da wiedererstanden!!!
Und wie im wahren Leben: beim Blohm&Voss liefen ja auch nicht nur schicke Graue vom Stapel wink

Ich hoff sie bekommt n Ehrenplatz! smiley

Liebe Grüße aussm Pott!

Joachim
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Captain Hans
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« Antwort #8 am: 07 Oktober 2010, 20:04:54 »

Hallo Harold

werd es ihm ausrichten sobald er da ist.


viele Grüße

Hans
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« Antwort #9 am: 19 Oktober 2010, 10:24:19 »

hallo, captain Hans

große Klasse  Top da könnte ich jetzt "neidisch" werden (wie Du bei Ligurien), bin ich aber nicht Matrose zwinkert, sondern freue mich mit Dir  smiley.

Hans, ich hätte da noch eine Frage, die „Charlelemagne“ diente wohl 1898 dem Fischfang aber welcher Art der Fischerei ?

das glaube ich nicht, dann wäre das Boot (und -sichtbar- das Deck) anders ausgelegt, denn es hat keine Luken für Fracht oder Fisch.

Ich tippe auf eine (Vergnügungs-)Yacht.

btw - und ohne irgendetwas schmälern zu wollen (!)  wink - "Karl der Große" wäre CHARLEMAGNE ohne das "doppelte" LE

Gruß, Urs
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"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"
Captain Hans
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« Antwort #10 am: 19 Oktober 2010, 15:02:25 »

Hallo Urs

freut mich, daß dir mein kleiner Segler gefällt.
Ich glaube auch, daß sie eine Yacht war.
Erstaunlich ist auch, daß die Ankerwinde schon unter Deck war.
Damals wurden schon enorme Yachten gebaut - mir fällt da der Schoner Atlantik
(Kaiser Cup) ein, der sogar alle Segelwinden schon unter Deck hatte.

viele grüße

Hans
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