Forum Marinearchiv
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Autor Thema: Höhenflüge  (Gelesen 1546 mal)
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rosenow
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Ort: „In der völlig vergessenen Iringsstraße, beim Wächter der Götter, nähe Orionspur“

Europa


« am: 28 Februar 2006, 10:51:55 »

Moin!
Ja ich greife deinen Vorschlag auf Herr Oberleutnant Blane und würde gerne mit euch über die Zukunft aus der sicht des Günter Ludwig oder eure Ansichten, diskutieren.  Smiley

Hier nochmal in Auszügen die Gedanken von Günter Ludwig:

Der Referent und Marineoberbaurat Günter Ludwig 1941 im Marinewaffenamt, der hatte ganz dolle Höhenflüge als er seine Gedanken über die Kriegsmarine der Zukunft niederschrieb.
Na ja wie auch immer, mit euch hätte er es wohl geschafft, er ging davon aus, dass nach dem Krieg ein euroafrikanisches und ein japanisches Kraftfeld der Achsenmächte einerseits und andererseits ein nordamerikanisches Kraftfeld existieren würde, die auf einander einwirken. Weshalb der von Deutschland geführte euroafrikanische Block angesichts des mächtigen amerikanischen maritimen Gegners, eine starke Flotte brauchte.
Zum Schutz der Handelslinien braucht man Schiffe sowie zur Störung der amerikanischen Handelslinien.
Marineoberbaurat Günter Ludwig dachte sich für Drontheim eine Großwerft aus die wie folgt aussehen sollte:
Flächenbedarf 2500000 m², 26000 Arbeiter, 5000 Beamte und Angestellte.
Für das Arsenal benötigte er 9.000 Arbeiter und 4500 Beamte u. Angestellte.

Hier sollte jährlich 1Schlachtschiff vom Stapel laufen und „ repariert werden, außerdem sollten noch 6 Spähkreuzer und 24 U-Boote jährlich instandgesetzt werden.

Weiterhin kamen in seinen Gedanken eine Flotte aus 4000 bis 5000 großen Handelsstörern, jeweils bestückt mit 6 15cm Geschützen auf drehlafetten, versehen mit angemessener Torpedoarmierung, vor.
Neben dem Typ Handelstörkreuzer würden dann auch Schlachtschiffe mit stärkster technischer Armierung, der größtmöglichen Standfestigkeit, einer hohen operativen Geschwindigkeit und einer überlegenen taktischen Geschwindigkeit, die es dem Gegner schwer macht, sich von den neuen Schlachtschiffen zu lösen.
25 Schlachtschiffe sollten es werden, dazu noch 200 Kreuzer und 100 Flugzeugträger sowie eine entsprechende Anzahl an Atlantik U-Booten.
Zerstörer , S-Boote und andere Seefahrzeuge standen auch auf seine Forderungsliste.

Ludwig war damit noch nicht zufrieden und wünschte eine Änderung in der Organisation des Kriegsschiffbaues.
Er wünschte sich eine marinetechnische Akademie, Meisterschulen und Handwerksschulen.

Das sind die Träume und Höhenflüge eines nicht ganz in der damaligen realen Welt stehenden.
Die tatsächlichen Schwierigkeiten der gesamten Wirtschaft und der Kriegsverlauf stehen im krassen Gegensatz zu seinen Gedanken.
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mit freundlichen Gruß
Michael


„Macht`s gut und denkt daran!
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Hein Schonder
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« Antwort #1 am: 28 Februar 2006, 10:57:35 »

Nun es lag ja nicht einmal mehr im Rahmen des möglichen, den Ausbau der KM-Werft in Wilhelmshafen fertigzustellen.
Es ist meines Erachtens auch fraglich ob es mehr als diesen Ausbau gebraucht hätte.
Eine Großwerft in WHV für die dicken Schiffe (die ganz dicken) und die "kleineren" für den Rest !
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ufo
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« Antwort #2 am: 28 Februar 2006, 13:33:59 »

Ich denke da spielt auch ein gewaltiger psychiologischer Effekt mit rein. Ich muss gestehen ich weiss nicht, ob jener Günter Ludwig ein Nationalsozialist war oder nicht und ich will ihm da nichts unterstellen. Aber viele dieser Grossprojekte aus der Nazi Zeit beinhalten ein Element des “ganz neu anfangen”.

Das Alte war nicht mehr gut genug für die neue Zeit. Wilhelmshaven war des Kaisers Kriegshafen. Das neue Reich brauchte neue unverbrauchte Dinge. Natürlich konnte man in Städten wie Nürnberg, Berlin oder anderen neu bauen. Aber auch da wirken für mich Nationalsozialistische Bauprojekte oft bewusst entrückt, abgerückt; bewusst aussen vor dem Alten, dem Verbrauchten.

Wenn man sich in Berlin in den Daimler gesetzt hätte und die Reichsautobahn durch Preussen, Dänemark, Schweden und Norwegen bis nach Drontheim gefahren wäre, hätte da etwas ganz aus einem Guss gestanden. Nichts, was aus einem Dutzend Werften aller möglicher Herkunft und Tradition zusammengeschustert gewesen wäre, keine Werften mit roter Vergangenheit, keine Werften mit unzuverlässigem Personal, keine Werften die über hunderte von Meilen verstreut sind – eben alles in einem Stück und ganz neu.

Ich glaube dieser Gedanke hat die damals sehr gereizt und fasziniert.


Und als Grundlage für diese Ideen ein geeinter Wirtschaftraum von Lisabon bis Moskau und vom Nordkap bis etwa Mittelafrika. Das ist schon eine gewaltige Wirtschaftsmacht. Ob sich das nach dem damals (1941) noch gern beschworenen Siegfrieden wirtschaftlich so einfach wieder erholt hätte, darf bezweifelt werden. Aber man muss bedenken, dass diese Ideen auf dem Gipfel Deutscher Expansion entstanden sind.
Noch ein, vielleicht anderthalb Jahre Krieg und dann rüsten für für die Urgrossmutter aller Kriege, gegen die das kleine Gerangel mit dem altersschwachen Empire und dem abgewirtschafteten Bolschewismus zur Einigung Europas dann nur ein kleines Vorspiel gewesen wäre.
Gruselig!

Dass so ein Werftenmoloch das Traumziel eines jeden Bomberflottenkommandanten ist, dass man eine Jahresproduktion Mienen, U-Boote und Torpedos auf sowas ansetzen kann – das hat damals wohl nicht richtig gegriffen bei den Träumern.
 

Schon fazsinierend und unheimlich wie tief die damals in ihren Ideen und Vorstellungen verstrickt waren!

Ufo
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rosenow
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« Antwort #3 am: 01 März 2006, 08:48:48 »

Moin, man könnte meinen deinen Ausführugen zufolge, daß die Gedanken und Pläne dieser Nationalisten oder Anhänger dieser, große Träumer waren sowie große Kinder nur verschärfter und gefährlicher.
Man muß ja auch berücksichtigen,daß das nicht nur Träume mit dem Gesellschaftlichen Einverständnis waren sondern auch Menschenfeindliche
Ideen die umgesetzt werden sollten.
Doch der Traum von einem großen Land, ungeteilt überall die gleiche Sprache, damit auch keine Verständigungsprobleme, überall sich Sicher fühlen, wo man auch hinreist, ist damals wie heute vorhanden.
Heute ist die Menschheit im mutikulturellen begriffen ein Land draus zumachen, Sprich EU oder was da sonst noch kommen mag.
Der G.Ludwig hatte für die damalige  Zeit m.E. eine typisch Deutsche Verhaltenweise an den Tag gelegt.
Ich habe auch irgendwie das Gefühl, ihm ging es sehr gut und er war im großen Sorgenfrei, so daß er nur noch in seinen Träumen wirkte.
Was muß es für ihn eine Entäuschung gewesen sein, als der Krieg nach Deutschland kam und seine Pläne sich in Luft auflösten.
Die Realität ist oft Grausam.
Wäre es überhaupt Sinnvoll an einem Standort so eine Konzentration zu erbauen?
Wäre es doch für den Feind ein leichtes Ziel, vor allem schnell auszumachen, da hätten doch eine Unmenge an Abwehrmaßnahmen geschaffen werden müssen.
Wie sollte mann das Sichern? Hat einer eine Idee?
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Michael


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« Antwort #4 am: 01 März 2006, 09:09:27 »

Klar!!

Mit 10.000 Flugzeugen. cheesy  cheesy  cheesy
Wenn schon Größenwahn, dann aber richtig!!!
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Kapitän zur See Zenker "von der Tann" 31.05.1916
rosenow
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« Antwort #5 am: 01 März 2006, 09:33:29 »

Genial, da wird der Traum von Göring gleich mit verwirklicht!   cheesy
Die armen Spatzen.
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Michael


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« Antwort #6 am: 01 März 2006, 18:52:39 »

Hallo rosenow,

ich finde besonders das Verhältniss zwischen Häuptlingen (Beamten) und Indianern (Arbeitern) spannend.

Etwas ganz anderes: Waren es wirklich 4 - 5 tausend Handelsstörer?

Danke für die Aufklärung

Volker
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« Antwort #7 am: 02 März 2006, 13:08:47 »

Um jährlich ein Schlachtschiff fertigzustellen, braucht man mindestens 4 Hallen a la Meyer-Werft Papenburg mit 3-Schichtbetrieb, von den Erzbergwerken, Stahlhütten und sonstigen Zuliefer-Industrien mal abgesehen. Nur stelle ich mir mal vor, wie schnell man 100 FT bauen muß, damit die ersten nicht schon wieder das Rentenalter erreicht haben bevor der hundertste fertiggestellt ist. Allein die Vorstellung 24.000  smiley 15 cm Geschütze für 4.000 handelsstörer zu fertigen...

Außerdem muß so eine einzelne Werftanlage auch erst einmal gebaut werden. bis diese Kapazitäten gebaut werden können vergehen doch nochmals 25 jahre... ach ja, ich vergaß, im tausendjährigem Reich hat man ja viiieeel Zeit... cheesy

Grüße

Dirk
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rosenow
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« Antwort #8 am: 02 März 2006, 21:49:14 »

Moin, nach seinen Vorstellungen waren es 4 bis 5 Tausend Handelsstörer.
Ich seh schon, ich muß das Buch wiederfinden, um noch mal rein zu lesen.
Mal sehen was da noch so war?
Bis dann!
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Michael


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« Antwort #9 am: 02 März 2006, 22:08:31 »

Diese Werft hätte wohl auch H-44 gebaut Cheesy
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Schöne Grüsse Christian
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harold
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« Antwort #10 am: 02 März 2006, 22:59:51 »

Tja, vann H hadde vunnet ...
... mit ein paar übriggebliebenen Kenntnissen aus Studienzeiten vor´m Vierteljahrhundert sowie Wein vom vorigen Jahr (nicht zu wenig!) lässt sich der Artikel sogar für mich entziffern.
http://www.dagbladet.no/m...et/2005/05/19/432133.html

Aber vielleicht können einige von euch norwegisch? Ich nicht.
Harold
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Blane
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« Antwort #11 am: 02 März 2006, 23:04:50 »

Ein bißchen verstehe ich:

Berlin, Neue Drontheim cheesy  cheesy
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Schöne Grüsse Christian
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« Antwort #12 am: 03 März 2006, 11:09:01 »

Ich wüßte mal gerne wo man mal ebenso die Besatzungen für die 4-5000
Handelsstörer hernehmen soll. Ich meine Backen oder Malen geht ja wohl schlecht.

 smiley  Ich habs!!! Die werden Ferndesteuert über die Meere Geschickt  und der jeweilige Bediener bekommt en Teleskop.

Mist, geht ja auch nicht. Wegen der Erdkrümmung. cheesy  cheesy
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« Antwort #13 am: 03 März 2006, 13:04:08 »

Allein die Werftkapazitäten, um diese Schiffe zu warten und zu überholen.

Oder werden die gleich weggeschmissen, wenn mal was kaputt geht?
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Thorsten
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« Antwort #14 am: 03 März 2006, 13:46:42 »

Die gehen nicht kaput! Die sind hart wie Wotan Stahl!  cheesy

Solche Pläne sind in gewissem Sinne was wir auch 6o Jahre später manchmal in Foren zur Marine-Geschichte wiederfinden. Da wird überlegt, ob man jenes Deck besser in RAL 8o13 oder eher in RAL 8o21 pönen soll und ob es wohl eher 136 Schuss panzerbrechende Munition sein sollen oder vielleicht 141?!
Wichtige Fragen!

Manchmal wird dabei übersehen, dass das Ding auch noch schwimmen muss!
Und fahren!

So wie begeisterte Amateure jahrzehnte später Phantasiegebilde entwerfen, so haben die im Nationalsozialistischen Deutschland in manchen Dingen geplant. Schaut man wieviel Gewese das hier im Forum ist einen Fleuzer oder eine weiterentwickelte H-Klasse halbwegs realistisch zu entwerfen, so wird klar wie unendlich komplex die Wirklichkeit eigentlich ist.

Das scheint einen Günter Ludwig nicht gestört zu haben. Diese lästige Realität, die einem all die schönen Zeichnungen und Modelle versaut – einfach ignoriert. So wie das Theater in Nürnberg mit einer Dachkonstruktion geplant war, die damals beim besten Willen technisch nicht machbar war, so wurde im Nationnalsozialistischen Reich manchmal einfach gern ohne die lästige Wirklichkeit geplant.
Das fasziniert mich an dem Reich! Die haben sowas wie den Bau in Nürnberg wirklich angefangen. Niemand hat ‘Halt’ gesagt. Niemand hat ‘Entschuldigen sie, Herr Ober-Reichsarchitekturfutzi …’ gesagt. Die haben angefangen was zu bauen, was technisch nicht machbar war.

Von was waren die beseelt?
War das was Positives?
War das was Negatives?
Diesen Mut und diese Dummheit einfach loszulegen – faszinierend!

Da muss ein so enormer Schwung hintergesteckt haben, eine Aufbruchsstimmung nach den Jahren nach 1918. Alles war machbar. Jedes Hindernis war überwindbar. Keine Widrigkeit zu gross.
Man schaue sich in dem von Harold angegebenen Artikel mal die Kuppel der Reichshalle in Berlin an. Ich bezweifle, das sowas Heute baubar ist. Das hat die nicht davon abgehalten davon Modelle zu bauen und hätten die Zeit genug gehabt so muss man vermuten, dass die mit sowas auch angefangen hätten.
Faszinierend!

Ufo

@rosenow

Waer' toll wenn Du nochmal Details zu diesen Plaenen ausbuddeln koenntest! Waidmans Heil!
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