Forum Marinearchiv
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Autor Thema: Aus dem Leben eines Versorgung-Uffz bei der Bundesmarine  (Gelesen 1110 mal)
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Helge_Nielsen
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« am: 22 Februar 2011, 23:01:56 »

Ich kam am 02. April 1974 als frischgebackener Maat auf die "Lütjens".
Eine meiner ersten Aufträge war es, die Bekleidungsstücke der beförderten Mannschaften und Unteroffiziere
in die Schneiderei des MStpKdos Kiel zu bringen und auf schnelle Arbeit zu dringen, da in den nächsten Tag ein Auslaufen in die Ostsee anstand.
Also 'nen kleinen Lkw angefordert und mit 2 Mannschaftsdienstgraden und den Klamotten rauf und ab zur Schneiderei.
Dort angekommen gleich bei so einem "Zivilunken" vorstellig geworden und mein Anliegen vorgetragen.
"Wenn Du nicht 2 Kisten Bier und 1 Dutzend Tafeln Vollmilchschokolade anschleppst, bekommst Du die Klamotten als Letzter ausgeliefert!
Dauert dann eine Woche." - Ich habe alles wieder aufladen lassen und fuhr, vor Wut schäumend an Bord. Rauf zum IO und dort meiner
Seele Luft gemacht. "Stellen Sie sich mal vor meine Kammer und atmen 10mal tief ein und aus!" Gestaunt, gemacht und gewartet.
"So, ich habe mit dem Stützpunktkommandeur gesprochen, Sie können wieder hinfahren und die Bekleidungsstücke abgeben. Ohne Sonstiges!"
Was ich auch getan habe. Und alles lief wie am Schnürchen. Da kannste mal sehen was ich noch alles zu lernen hatte.
Aber die im Stützpunkt Kiel haben sich wohl mein Gesicht gemerkt.
Und so bekam ich im Familien- und Bekanntenkreis (ich bin nämlich ein "Kieler Jung") so einiges zu hören. Was mich aber nicht weiter störte.

Schreibe demnächst weiter.
Gruß Helge
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« Antwort #1 am: 23 Februar 2011, 07:45:56 »

@Helge

Welcome to the club, insbesondere als "63er" freue ich mich über die Verstärkung.
Dein Bericht ist klasse, ja, so sind die LiZiMis (Lieben zivilen Mitarbeiter). So was hatte ich malmit dem Zoll in Caracas erlebt, wollte am Flughafen unseren Nahschub abholen, dem Zöller insgesamt 20 $ unter den Formularen zugeschoben tat sich aber nix. Zurück an Bord, Pedro (unseren Verbindungsoffizier) aktiviert, der schäumte vor Wut, denn der "normale Satz" seine 5 $ (Bolivares, die einheimische Währung nahm damls keiner), er fährt mit zu Flughafen, rein ins Zollschapp, dort lautstark das Pontificalamt gelesen, mir die 20 $ zurückgegeben und den Zöllner veranlaßt, alles aufzuladen.
Dafür habe ich ihm das Goldene Versorgerabzeichen verliehen! grin

Axel
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Helge_Nielsen
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« Antwort #2 am: 27 Februar 2011, 16:59:52 »

Noch eine weitere Schote aus meiner Versorgerlaufbahn:

Am 10. Oktober 1974 wurde ich von der Lütjens zur Marinefernmeldegruppe 12 versetzt(die war auf dem Gelände der Technischen Marineschule TMS angesiedelt).
Der dortige Posten hieß "Sachverwalter", na was soll's.
Ich war nicht nur für die im Hause befindliche Fernschreibstelle,
sondern auch für die Außenstellen in Jägersberg (MMunDep), Neustadt und Friedrichsort (Marinesendestelle und -signalstelle) zuständig.
Dafür stand mir dann auch ständig ein VW-Bulli zur Verfügung. Also mußte ich einen Bundeswehrführerschein machen, bzw. meinen zivilen Führerschein
(damals III) überschreiben lassen und einen Lehrgang machen. (Mitten auf der Pläne an der Geltinger Bucht)
Die Marinesendestelle war in den ehemaligen Kasematten der Festung Friedrichsort untergebracht. (sie stehen noch immer, Besichtigung ?)
Diese Gebäude zeichnen sich für eine besonders große Luftfeuchtigkeit aus. Welcher Bundeswehrplaner sich das ausgedacht hat, gehört erschossen).
Die Feuchtigkeit schlug sich auf Decke und Wände nieder und rieselte auf den Boden, wo es keinen geregelten Abfluß gab.
Die gesamte Elektronik stand zwar erhöht auf Betonfundamenten, aber die Bediener mußten durch das Wasser gehen. Sehr gefährdet.
Es gab zwar schwarze Gummimatten, aber unter den schwabte das Wasser und mußte mit Feudeln (Lappen) aufgenommen werden.
- Da fiel mir ein, daß es auf den Zerstörern blaue Duschmatten gegeben hatte, die eine Verdunstung des Wassers fördern würde.
Also Bestellung geschrieben und an den MStKdo Kiel abgeschickt.
Zurückbekommen mit der Bemerkung, ich sei nicht anforderungsberechtigt.
Neu geschrieben und vom Leiter des Marinefernmeldekommandos abzeichnen lassen.
Zurückbekommen mit der Bemerkung, der sei auch nicht anforderungsberechtigt.
Neu geschrieben und ab zum A4 des MAKdo Ostsee (Marineabschnittskommando), dem die Lage geschildert und schwupps hatte ich die Unterschrift.
Damit zum Verantwortlichen HBtsm (!!!) im Marinestützpunktkommando Kiel. Der las sich das durch und zerriß die Belege: Unsinn. Hauen Sie ab!
Mit dem zerissenen Beleg zurück zum A4. Der sagte, gehen Sie bitte mal vor die Tür. Knapp 3 Minuten später gab er mir den bewußten Beleg und sagte:
geben sie diesen Beleg so wie er ist, wieder dort ab. Gesagt getan.
Rund 2 Monate später wurden die Matten per Lkw direkt nach Friedrichsort geliefert und verlegt. Ich brauchte keinen Handschlag mehr zu rühren.
Und in der Folge hatte ich keine Schwierigkeiten mehr mit dem Stützpunktpersonal.
 grin
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seeziege
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« Antwort #3 am: 27 Februar 2011, 18:10:16 »

Hallo!
Gibt es das MunDepot noch in Jägersberg?
Haben dort immer Minen und weiter Sachen mit dem Minensucher übernommen!
Wenn nicht wo wird den heute Mun und solche Sachen übernommen oder gibt es noch eine anderes Depot in der Marine?Wo findet z.B für die in der Nordsee stationierten Einheiten eine Übernahme statt!
Gruß Seeziege
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« Antwort #4 am: 27 Februar 2011, 19:52:56 »

..ach Helge, heute kann ich ja petzen...
Nach meiner Versetzung von der Fregatte nach Sengwardöng meinte mein Versorger: "Was nur noch 5 Tage Urlaub?"
Und schon stand 15 in den Papieren... smiley

Ich liebe die Versorger grin

Grüße Ronny
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« Antwort #5 am: 28 Februar 2011, 09:43:57 »

@ seeziege
Das MunDepot gibt es noch, heisst aber wohl heute Laboe. Im letzten Jahr wurde mal in der KN gemutmasst das im Rahmen der Strukturreform dieses Depot geschlossen werden könnte. Nichts genaues weiss man.
Noch kann man beobachten das die Minensucher/jäger dort anlegen.
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« Antwort #6 am: 28 Februar 2011, 13:39:04 »

Zitat
Ich liebe die Versorger

wenigstens einer grin

Axel
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seeziege
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« Antwort #7 am: 28 Februar 2011, 18:06:32 »

@ Blinki!
Zitat
Im letzten Jahr wurde mal in der KN gemutmasst das im Rahmen der Strukturreform dieses Depot geschlossen werden könnte. Nichts genaues weiss man.
Wenn Dieses geschlossen werden sollte wie & wo wollen sie den dann übernehmen?Etwa noch was neues bauen?
Jedenfalls erstmal Danke für die Info!
Gruß Thorsten
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Helge_Nielsen
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« Antwort #8 am: 10 März 2011, 17:48:37 »

Bei den Entlassungen der Wehrpflichtigen und Kurzzeit-SaZ's hatte ich immer diverse Bekleidungsstücke dabei, die schnell ersetzt werden konnten.
Das gab dann schnell 'nen paar Mark ins DGzRS-Schiffchen.
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Helge_Nielsen
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« Antwort #9 am: 12 März 2011, 23:10:42 »

Habe noch ein Bild von meiner Zeit auf der "Lütjens" gefunden.


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Maat Helge Nielsen 1974 Lütjens.jpg
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