Liebe Dampffreunde, liebe Leser,
hier der unter Antwort # 96 vom 19.6.2011,
http://forum-marinearchiv...x.php/topic,12823.90.htmlangekündigte Foto-Rundgang.
Im Rahmen dieses Rundganges werde ich nicht nur Fotos zeigen, sondern auch auf die wichtigsten Vorbereitungen und Maßnahmen zum Anfahren und zum Betrieb dieser Antriebsanlage hinweisen.
Wir werden den Antrieb gemeinsam Seeklar machen.
Zur besseren Orientierung habe ich einen farbig angelegten Übersichtsplan erstellt.
Die Farbgebung lehnt sich in etwa an die Lackierung der Maschinen und Apparate der Anlage an.
Ich habe den Übersichtsplan aus der Erinnerung gezeichnet; er erhebt also keinen Anspruch auf Vollständigkeit und gibt auch nicht unbedingt die wahren Maßverhältnisse wieder.
Die Zahlen in den rechteckigen Klammern [ ] des Textes, nennen die jeweils zugehörigen Bilder.
Die technischen Daten des Antriebs:
2 WAHODAG/MAN Wasserrohrkessel, ölbefeuert,
je 4,5 t/h.
2 Dreifach-Expansionsmaschinen, direkt gekuppelt,
je 500 PS,
2 Schrauben.
Im Allgemeinen beginnen die Vorbereitungen zum Seeklar machen im Kesselraum. Wir werden daher unseren Rundgang auch im Kesselraum beginnen. Wir erreichen ihn über den Niedergang zum Maschinenraum durch die wasserdichte Tür [1] des Kesselraum-Schotts.
Durch die Schott-Tür sehen wir beidseitig die Dampfleitungen der Überhitzer, die Rauchgaszüge der Kessel und im Hintergrund das Kesselfahrpult.
Bevor wir auf Details eingehen, ist darauf hinzuweisen, dass die Vorbereitungen zum Seeklar schon einige Tage vorher begonnen haben, und zwar damit, dass die Vorratstanks für Wasser und Brennstoff gepeilt und u.U. nach gebunkert wurden, sowie ggf. der Inhalt der Brennstoff-Tagestanks aus den Vorratstanks ergänzt wurde.
Die beiden Speisewasser-Hochtanks wurden mit Wasser aus dem Hydrant aufgefüllt (2 x 7,5 t) und der Kessel-Speisewassertank II (19 t) über die
Bergefeld-Wasseraufbereitungs-Anlage (Wasserenthärtung) befüllt. Die
Bergefeld-Anlage befindet im Laderaum.
Wichtig sind darüber hinaus die rechtzeitigen Überprüfungen der Starterbatterie des Hafendiesels im Vorschiff, sowie der Inhalt seiner Kühlwasser- und Kraftstofftanks. Dieser Diesel-Generator (40 kW) übernimmt 3 Stunden vor Seeklar die elektrische Eigenversorgung vor Einholen des Landanschlusses, bis mit Erreichen des Kessel-Betriebsdrucks (14,5 bar) der Hauptkreislauf, und damit die Turbo-Generatoren für die Bordversorgung hochgefahren werden.
Nachdem die ersten elektro-technischen Vorbereitungen mit Aufschaltung des 40 kW-Diesel-Generators und dem Hochfahren der beiden Wechselstrom-Umformer abgeschlossen sind (Umformer I auf Bordnetz und Umformer II auf Kesselfahrpult [2] geschaltet.), kann spätestens 2 Stunden vor Seeklar die Inbetriebnahme der beiden Kessel erfolgen.
Der Betrieb nur eines Kessels sollte grundsätzlich vermieden werden.
An beiden Kesseln werden die Entwässerungsventile der Überhitzer, sowie die Anfahrventile und die Kessel-Entlüftungen auf den Obertrommeln geöffnet.
Zudampf-Ventile für Speisewasser-Vorwärmer und Entgaser werden geöffnet und die Brennertüren geschlossen.
Die Entgaser befinden sich oberhalb des Peildecks innerhalb der Schornstein-Verkleidung.
Die Kesselgebläse werden hochgefahren, die Brennstoff-Ventile [3] geöffnet und die Brennstoff-Pumpe I oder II [3] zugeschaltet. Anschließend werden die Kessel vor der Inbetriebnahme ausreichend lange (10 bis 15 min.) belüftet. (Explosions- bzw. Verpuffungsgefahr durch angesammelte Gase.)
Selbstverständlich hat das Personal bis zu diesem Zeitpunkt noch eine Vielzahl weiterer wichtiger Aufgaben zu erledigen, auf die ich aber nicht näher eingehen möchte; z.B. Entfernen der Schornstein-Abdeckung, Hereinnahme der Opferanoden, Einschalten aller Not-Aus-Schalter, Einschalten des Kreisel-Umformers usw.
Wir setzen unseren Rundgang demnächst mit dem Zünden der Kessel fort.