Trotz der kleiner Abschweifungen zwischendurch, haben wir uns nicht von den nötigen Vorbereitungen zum Anfahren des Hauptkreislaufes abhalten lassen.
Der Kesselwärter hat uns bereits informiert, dass er die Hauptdampfventile geöffnet hat.
Wir können demnach die beiden Hauptmaschinen mit ihren Umsteuermaschinen, sowie den 60 kW-Turbo-Generator für die Bordstromversorgung [53,54] vorwärmen.
Der zweite Turbo-Generator (50 kW) [55] dient der Stromversorgung des Deck-Kranes und wird nur bei Bedarf angefahren.
Die Entwässerungshähne der Zylinder, der Schieber und der Kolbenstangen-Stopfbüchsen beider Hauptmaschinen, sowie die Entwässerungshähne an den Umsteuermaschinen wurden bereits geöffnet.
Die Entwässerungsventile an den Fahrventilen öffnen wir nur, bis Dampf austritt. Diesen Vorgang wiederholen wir in einigen Abständen.
Wir öffnen die Abdampfventile an den Umsteuermaschinen. An den Fahrventilen öffnen wir etwas die Zudampfventile zu den Hilfsschiebern und den Umsteuermaschinen und werfen die Umsteuermaschinen auf die bereits beschriebene Weise in eine beliebige Drehrichtung an.
Die Maschinensteuerungen pendeln nunmehr bekanntermaßen ständig zwischen „Voraus“ und „Rückwärts“ und wir können die Entwässerungen der Umsteuermaschinen wieder schließen.
Wir stellen zur Beschleunigung des Vorwärmens der Hauptmaschinen ihre Hilfsschieber auf die Mitteldruck-Zylinder (MD) und während die Umsteuermaschinen weiter laufen, öffnen wir nach etwa 1 Minute ganz leicht die Fahrventile.
Nach etwa 5 Minuten schließen wir die Fahrventile wieder und stoppen die Umsteuermaschinen.
Wir steuern die beiden Hauptmaschinen auf gegensinnige Drehrichtungen um; wobei es nebensächlich ist, in welche Richtung sie dabei drehen.
Bevor wir die Fahrventile leicht öffnen und die Hauptmaschinen anspringen, informieren wir hierüber die Leinenwachen an Deck.
Wir regeln die jeweiligen Drehzahlen der Hauptmaschinen und damit auch der beiden Schrauben auf 35 U/min. (ganz langsam) ein.
Sollte eine der Hauptmaschinen nicht anspringen, kann man bei geöffnetem Fahrventil ihre Umsteuermaschine einmal durchlaufen lassen, andernfalls kommt der Hilfsschieber zum Einsatz. Bei weit geöffnetem Zudampfventil wird der Hilfsschieber auf MD oder ND gestellt, bis die Maschine anspringt.
Die Maschinen verbleiben für etwa eine halbe Stunde in diesem Betriebszustand und wir können uns dem Anfahren des Turbo-Generators zuwenden.
Wir schließen am Turbinenregler [56] das Schnellschluss-Ventil mit dem Schnellschluss-Hebel. Mit dem Handrad spannen wir die Auslöseeinrichtung durch Rechtsdrehen bis die Klinke hörbar einrastet und öffnen danach das Schnellschluss-Ventil ganz.
Eine Beschreibung mechanischer Schnellschluss-Einrichtungen findet ihr im Beitrag „Schiff-Dampfturbinen“ unter Antwort #26 vom 8.12.2010.
http://forum-marinearchiv...x.php/topic,13029.15.htmlWir öffnen die Entwässerungsventile des Turbinengehäuses und der Wellen-Stopfbuchsen.
Weiterhin öffnen wir die Ventile des Stopfbuchsen-Sperrdampfes sowie der Abdampfleitung zum Hilfskondensator.
Zum Vorwärmen öffnen wir das Dampf-Absperrventil ein ganz klein wenig, um es nach etwa 1 Minute soweit zu öffnen, bis der Läufer etwa 500 U/min. erreicht hat. Wir schließen die Gehäuse-Entwässerung und lassen die Turbine in diesem Betriebszustand etwa 10 Minuten durchwärmen um anschließend das Entwässerungsventil zum Kondensator zu schließen.
Wir steigern langsam die Turbinendrehzahl auf 3500 U/min. und beobachten, ob bei höherer Drehzahl der Regler greift. Wir öffnen das Dampf-Absperrventil vollständig, stellen den Drehzahl-Versteller auf 3500 U/min und sichern das Handrad mit der Lasche.
Die Ventile des Stopfbuchsen-Sperrdampfes regeln wir auf leichtes Wrasen (kleine Dampf-Wölkchen) ein.
An den E-Schalttafeln erregen wir den 60 kW-Generator und wir hören ob die Turbine nachregelt.
Wir schließen nun auch die Stopfbuchsen-Entwässerung.
Wir informieren das Kesselraumpersonal über die bevorstehende Umschaltung auf den Turbo-Generator.
An der E-Schalttafel stellen wir den Generator-Wahlschalter auf 60 kW-Generator und veranlassen, dass im Dieselraum der 40 kW-Generator entregt und still gesetzt wird.
Wir schalten die Alarmanlage ab.
Bevor wir unseren gemeinsamen Rundgang durch den Antrieb beenden, melden wir der Brücke:
Antrieb seeklar!