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Autor Thema: Besuch im ehem. deutschen Pachtgebiet Kiautschou  (Gelesen 366 mal)
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Seekrieg
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« am: 10 August 2011, 14:20:29 »

Schon 1861unterzeichnete man einen chinesisch-preußischen Handelsvertrag. Die kaiserliche Marine suchte aber auch einen Flottenstützpunkt in Ostasien. Nachdem am 1.11.1897 zwei deutsche Missionare in China ermordet wurden, gingen am 14.11. deutsche Marineinfanteristen in der Kiautschou-Bucht kampflos an Land. Die am 20.11. begonnenen deutsch-chinesischen Verhandlungen endeten am 6.3.1898 mit dem Pachtvertrag (99 Jahre). Er betraf die Bucht und die beiden, sie begrenzenden Halbinseln. Chinesische Konzessionen erlaubten den Deutschen auch den Bau zweier Eisenbahnlinien und die Anlage von Kohle- und Eisenerzgruben. Ab 1899 entwickelte sich aus einem Sumpf- und Mückengebiet, bei Regen sanken die Karren trotz großer Räder bis an sie Achse ein, eine  Musterkolonie. Die Straßen wurden nach deutschen Vorgaben über 10 m breit angelegt, damit die Ochsenkarren wenden konnten. Die Bau- vorschrift bestimmte auch, dass der erste Hausflur wegen des Monsuns min. 30 cm über der Straße liegen mußte. Der Gouverneur der Kolonie, stets ein Marineoffizier, unterstand dem Großadmiral von Tirpitz. Mit Reichszuschüssen in dreistelligen Millionenbeträgen wurde Tsingtao im wilhelminischen Stil erbaut: zuerst Gouverneurspalast, Kasernen, Marinelazarett, E-werk, Post, Bank. Später folgten Gericht, Bahnhof, Schulen, ev. Kirche und verschiedene Fabriken. Das Wichtigste aber war der Hafen und die Werft mit ihrem großen Schwimmdock. 1912 lebten in der Stadt ca. 200 000 Chinesen und nur 400 Deutsche! Die deutsche Anwesenheit aktivierte die anderen Großmächte. China musste Port Arthur an Russland, Weihai an Großbritannien und Kwang-chowan an Frankreich abtreten. 1914 war in Kiautschou das III. Seebataillon (1 400 Mann) stationiert, zu Kriegsbeginn um > 3 000 Mann verstärkt. Mit dem Ultimatum vom 10.8. verlangte Japan die vollständige Übergabe. Weil es unbeantwortet blieb, eröffneten am 27.08. Japaner und Briten die Feindselig-keiten mit einer Blockade des Gebietes. Am 2.9. landeten die ersten Soldaten. Alle Sturmangriffe auf die deutschen Stellungen wurden erfolgreich zurück-geschlagen. Deshalb „schnürten“ die Alliierten am 28.9. das Pachtgebiet komplett ab. Mit permanent verstärkten Truppen begannen sie am 31.10. einen großangelegten Angriff auf die Festung. Dem ging ein neuntägiges Artillerie-Dauerfeuer voraus. Auch dieser Angriff konnte abgewehrt werden. Dazu trug auch die Luftaufklärung des Marinefliegers Gunther Plüschow bei. Nachdem alle Munition verschossen war, zerstörten die Eingeschlossenen ihre Artillerie und die armierten Schiffe, kapitulierten am 7.11.14. Durch den Versailler Vertrag verlor Deutschland auch das Kiautschou-Gebiet. Japan musste das besetzte Gebiet 1922 an China zurückgeben - auf Drängen der USA (nanu?).
Das deutsche Engagement 1897–1914 war eine ungebetene Entwicklungshilfe. Heute stehen neben den alten Bauten an der Prinz Heinrich- und Albert-Straße die Hochhäuser. Das Vorhandene wird erhalten und darauf aufgebaut. Kann man sich das vorstellen? Eine Superkanone nur als geschichtliche Erinnerung (ohne Funktion) neu aufzustellen? Quingdao ist heute eine Stadt mit fröhlich pulsierendem Leben, nicht nur wegen des Tsing Tao-Biers, das seit 1903 nach Deutschem Reinheitsgebot gebraut wird! Die Lebensqualität ist wesentlich besser als in Peking, nicht nur wegen dem feh- lendem Smoke. Zwischen Hafen- und Industrieviertel im Norden und der Gartenstadt im Süden am Meer liegt ja der von den Deutschen angelegte Grün- gürtel. Weil sich Stadt, Landschaft und Meer ergänzen, ist die Hafenstadt trotz Stützpunkt der chinesischen Kriegsmarine auch Bade- und Erholungsort.
Am Beethovendenkmal an der Uferpromenade legen die Brautpaare einen Strauß nieder. In der Stadt haben sich große Firmen etabliert, z. B. Haier (Haushaltmaschinen usw.) und VW. Die 3 Häfen, Kriegs- und Handelsmarine sowie Fischerei, boomen. In Ufernähe liegt ein U-Boot mit brüderlicher Ähnlichkeit zum XXI erTyp. (Museum) Der deutsche Beobachtungsbunker war bis nach dem Ende des Kalten Krieges in Betrieb! Andere Anlagen sind es noch. Es gäbe noch viel zu sagen, aber es soll nur ein kurzer Beitrag zu den Bildern von sein. (Reise Arb.kreis Sä. Militärgeschichte Dresden e.V. 2002.)
Literatur: Lexikon, Gunther Plüschow: Der Flieger von Tsingtau, Bundesarchiv: Die Entstehung der Musterkolonie Kiautschou.


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O.Maat Dienst 1908-11.jpg
Quingdao Beob.bunker.jpg
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« Antwort #1 am: 10 August 2011, 15:54:03 »

 Hallo,

sehr beeindruckend finde ich den Signalberg. Weißt Du inwieweit der noch aus der Kolonialphase stammt?

 Matrose gruesst

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bodrog
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« Antwort #2 am: 10 August 2011, 17:08:30 »

Was ist denn eigentlich aus dem Diederichsstein geworden - im Netz ließt man ja dazu die unterschiedlichsten Angaben?

MfG

Ulli
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Seekrieg
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« Antwort #3 am: 10 August 2011, 17:42:09 »

Ja, vom Signalberg ist nicht mehr viel zu sehen. Da oben befindet sich jetzt eine Gaststätte. Leider sind die Reiseeindrücke nach so langer Zeit auch verblasst. Tut mir leid. Jürgen
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