Forum Marinearchiv
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Autor Thema: Das genau ausgearbeitete Marinebudget des FGP von April 1873  (Gelesen 407 mal)
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kaimarex
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Ort: An der Lechmündung

Bayern


« am: 29 September 2011, 14:24:58 »

Ich hoffe es gibt hier genügend Lesebereitschaft, ich möchte nicht die komplette RT- Drucksache 50 abschreiben.

Bei der Beratung des Etat für 1873 hat der Reichstag von der Regierung verlangt einen " Plan über die als notwendig erkannten Abänderungen des ürsprüngl.Flottengründungs-Planes, über die in den folg. 5 Jahren zur weiteren Entwicklung der deutschen Marine vorzunehmenden Bauten und auszuführenden Anlagen und über die hierzu erforderlichen Geldmittel nebst den Vorschlägen zu ihrer Beschaffung " vorzulegen.
Damals fing das Etatjahr mit dem 1. Jan an. Die Beratungen des  Haushaltes also in den Monaten vorher bis Dezember.
Im April 73 erhielt der RT die Denkschrift vom Reichskanzler . Noch im Anschreiben machte Bismarck klar, das der Bundesrat im allgemeinen seine Zustimmung erteile, demnach "unter Anlage VIa für die jahre1873 bis 82 aufgeführten außerordentlichen Ausgaben im Gesamtbetrage von 72,812,500 Talern zu genehmigen......die aufgeführten Extraordinaria für die Jahre 1873 und 74 im Gesamtbetrage von 18,019,390 talern auf die von Frankreich zu zahlende Kriegskosten- Entschädigung, und zwar auf die reservierten 1,5 Mrd zu übernehmen " Text S. 236.

Nun folgt die Denkschrift mit den "Forderungen an die Deutsche Kriegsmarine:
1) Schutz und Vertretung des Seehandels auf allen Meeren
2) Verteidigung der vaterländischen Küsten
3) Entwicklung des eigenen Offensiv-Vermögens"

Diese wurden schon 1867 gebilligt, im Vorjahr 1872 wurde mitgeteilt, daß die Mittel nicht hinreichen, sondern ein Mehrbedarf von 35 Mio besteht.
" Die großen Fortschritte, welche seit 1867 die Technik gemacht hat, vor allen Dingen aber die großen Ereignisse, welche die Stellung Deutschlands so wesentlich geändert haben, zwingen zum Aufwerfen der Frage : sind die 1867 gestellten Aufgaben inzwischen größer geworden, bedarf es eines neuen Flotten- Gründungsplanes ?  Die 3 obengestelleten Forderungen müssen den Maßstab bei Beantwortung dieser Frage abgeben. " S. 237 ganz oben
Nun werden die 3 Fragen erörtert :
Seehandel - dazu Anlagen 1- 4
Verteidigung Häfen, Stützpunkte, NOK, Off . und Def- Torpedos, Batterien, Ausfallschiffe, offensive Defensive, Ostsee mit Kiel, Swinemünde, Danzig.
3. "Angriffe gegen Flotillen und gegen Küstenforts in mehr oder minder entfernten Gewässern".
Folgen 11 Punkte was man schon geschaffen hat.

 Dann 10 Punkte was man noch tun muß:
1. Herstellung des Bedarfs an Schiffen  2. Vollendung Hafen und Werft in W-haven
3. Herstellung der Werft in Ellerbeck   4. Ausbau Werft zu Danzig
5. Vollendung der sonst. Bauten, namentlich Garnisonbauten       6. Fortführung des ostfriesischen Kanals bis WHV
7. Beschaffung von Betriebsmitteln und Vorräten        8. Beschaffung von Torpedo- Kriegsmaterial
9. Herstellung von Feuerschiffen/ Leuchtapparaten, eines Observattoriums und verschied andere einmal. Bedürfnisse.
10. Verstärkung und Ausbildung des Personals und die Erhaltung des Materials.
nach  Anlage 6a würden 72,8 Mio benötigt, der Plan von 67 sah bis 1877 nur 9,2 Mio vor, also jetzt 63,6 Mio mehr erforderlich.
Auf S. 239 wird nun der Schiffsbedarf gegeben , auch wo gebraucht.
1 ) für Übersee         2) Torpedoflottille     3) schwimmende Batt und Monitors
4) für lebendige Küstenverteidigung _ Nordsee 8 Panzerfreg / Ostsee 6 Panzerkorvetten
5 ) Ausbildungsschulschiffe      6 ) zu allgem. Zwecken
Gesamt : 23 Panzerschiffe ( 8/ 6/ 7/2), 20 Korv, 6 Avisos, 18 kanboot, 2 Artschul, 3 Segelbrigg, 28 Torpedofahrzeuge
Dann beginnt ab S.240 die Berechnung/ Erläuterung der Geldsummen für Punkt 1 bis 10.
Verweise auf die jeweiligen Anlagen VI bis XVI für die einmaligen Kosten.
Anlage XVII bis XIX behandeln die fortdauernden Ausgaben für Personal und Material.
Die Marine unterteilt dies in 26 Titel jeweils für 1874 bis 82 (erläutert S.243 -46)
Ab S. 247 bis 322 die 19 Anlagen
Ausführliche Angaben wohin man schaut !
zb. Anlage 7 Anschlags. bzw. wirkl.Kosten der Schiffe

Anlage 17 gibt den Etat für die Zeit bis 1882 in feiner Unterteilung an.S.318/319 )von 5,43 Mio in 1874 auf 10,456 Mio in 1882.
WER weiß was Taler waren ?
 die gültige Währung im norddeut. Bund. Bayern hatte den Gulden.
Ab 1875 wurde die MARK eingeführt 1 T = 3 M, also ein Panzerschiff zu 2, 7 Mio T = 8,1 Mio M und fortdauernde Kosten von 75,7 Mio T = 227,1 Mio M

Ich wundere mich wieso man nicht diese Sachen zitiert, die in allen Offenheit dem kritischen, unabhängigen RT-Abgeordneten erläutert wurden und die darauf immer Bezug nahmen, zb. Hr. Rickert( lange Jahre Bericherstatter für Marinehaushalt) als er in den 90er Jahren Hollmann kritisierte- Motto : ja ,General Stosch hat uns damals genaue Forderungen/ Baupläne vorgelegt für eine längere Zeit und wir haben die Kosten sogar unterschritten. Heute erfahren wir nur den Bedarf eines Jahres und es wird immer teurer.
Die MdR erhielten damals kein Geld, nix mit Diäten, waren keine Parteisoldaten, sondern erfolgreiche Unternehmer/ Rechtsanwälte/Gutsbesitzer, die sich solche Kosten( Aufenthalt in Berlin) leisten konnten !
Tirpitz hat 25 Jahre später im Flottengesetz nur eine modernisierte, aber nicht so in einzelne gehende Form gewählt. Nicht  bei den Schiffskosten , sondern bei den Werft und anderen Landbauten.


Und wie wurde über die Fesselung des Parlaments als sein  angebliches Hauptziel gejammert.
Gerade HEUTE ist dies mehr als komisch, wie hoch ist der Blankoscheck, die Fesselung heute ?
« Letzte Änderung: 31 Januar 2012, 22:46:34 von t-geronimo » Gespeichert
kaimarex
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« Antwort #1 am: 23 Januar 2012, 00:43:31 »

Als man in den 8o er Jahren   die Ausgaben des Flottengründungsplans kontrollierte, stellte man fest :
statt 72,81 Mio T = 218,43 Mio Mark hatte man nur 209,1 Mio für einmaliges wie Schiffe, Waffen, Werften, Häfen ausgegeben. Man hatte seit 1876 den Bau mehrerer Schiffe verzögert, die 5. neue Pzkorv " um gut 2 Mio zu kurz gebaut ".
Der Untergang der "großen Kürfürst" brachte Gen.Stosch in Probleme mit dem Parlament.
Im fortdauernden Etat wurden 209 statt 227 Mio Mark ausgegeben, dabei noch ein Vierteljahr zugesetzt.
Insgesamt also 18 + 9,3 Mio =27,3 Mio eingespart bis Ablauf des Jahres 1882.
Es wirkte sich dabei aus, daß die kurze Oldenburg nicht fertig war, sondern erst `81 Baubeginn hatte.
Von 74 bis 77 wurden gut 41 Mio gegenüber dem Plan eingespart, von 78 bis 80 dann 16 Mio mehr ausgegeben, bis 82 nochmals 2 Mio gespart.
1878 war der Marinehaushalt so hoch, wie dann gut 10 lang Jahre nicht mehr !
1877 : 50,2 M / 1878: 57,1 M /  1879 : 45,7 M / 1880 : 39,3 M/ 1881 : 38,9 M / 1882 : 36,3 M
Bei den einmaligen Ausgaben wurde 51 % durch Kredite finanziert, die erste Anleihe des Reiches 1875 für die Marine aufgenommen.

Stosch bekam sogar Ärger mit Bismarck wg der Nachgiebigkeit sich vom Parlament Schiffe streichen zu lassen, zumal Stosch als Haupt der Kronprinzenfraktion galt, also als viel zu liberal gesinnt( politisch).
Und Bismarck hat sich ab 79 gegen die Liberalen gewandt, das große Thema Schutzzoll und schon wurde das Zentrum die wichtigste Partei und setzte allerwichtige Dinge durch, die  über 30 Jahre immer stärkere Wirkungen hatten.
Wie wird sich Bismarck gefreut haben, später( nach 1890). Wenn Willy sich ärgerte, wenn ein Schiff gestrichen wurde.

1883 wurde Stosch durch den brillanten General Caprivi ersetzt, der nicht ganz froh war zur Marine versetzt zu werden, denn er galt als ein möglicher Nachfolger Moltkes ! Der ruhmreichste Posten der dt. Armee.
Caprivi hat dann die Generalstabsmethoden bei der Marine eingeführt und die großen Tboote. Geschaffen wurde auch die selbständige Stellung des Inspekteurs des Torpedowesens, es war dies Korvkap Tirpitz.
Seit dieser Zeit konnte Tirpitz seine Ideen vertreten an oberster Marinestelle.

1884 wurden 70 große Tboote( über 100 t) in einer Denkschrift beantragt, es ging finanziell aufwärts.
1883 : 40,28 M / 1884 : 37 M + NT 19 M( Tb) = 56 M / 1885 : 42,34 M / 1886 : 46,8 M (der Kreuzerbau begann, Fahrten in die Kolonien) 1887 : 47,48 M / 1888 : 48,67 M . In dem Jahr starben 2 Kaiser und für den jungen Willy wollte Caprivi nicht auf Befehl seinen Posten/Admiralität abschaffen, er ging lieber zurück zur Armee.
Sehr interessant ist die Ausrichtung der Marine auf der 2- Frontenkrieg, das war der Grund für Küstenpanzer und Tboote.
Tirpitz schreibt : " der von wenigen recht verstandene Mann lebte und webte in  der Vorstellung : " Nächstes Frühjahr haben wir den Zweifrontenkrieg".
Da kann man nicht große Schiffe bauen, sondern muß schnell viele kleine bauen.
Der Ersatz der Panzerschiffe wurde deshalb  lange verzögert. An Personal hatte die Marine im Jahr 88 gut 15000 Mann.

Es spricht für den jungen Kaiser Wilhelm, wenn er sofort erkannte,die Marine braucht neue große Panzerschiffe( Die Brandenburg-Klasse). Und neue Kreuzer und neue Avisos. Und auch eine neue Yacht.
Ausgaben für die Marine 1889 : 51,1 M / 1890 : 79,9 M . Da begannen dann die Streitereien und starken Kürzungen durch den Reichstag.
Jahrelang hatten wir Haushalte um 45 Mio und jetzt will der neue Kaiser ca. 90 Mio im Jahr. Das ist doch viel zuviel. so dachten viele MdR.
Ja, und da kommt dann die Unkenntnis der heutigen Leser ins Spiel.
Gesamtetat  des  dt. Reiches 1890 : gefordert 1208,66 M, bewilligt 1193,1 M, gekürzt gut 15,5 M, davon 9 M beim Marineetat.
 Heeretat 1890 :614,48 M, im Sommer 90 noch 68,5 M dazu. Fast soviel wie die Marine im ganzen Jahr hat, erhielt das Heer als Nachschlag !
 Bei der Marine im März 91 Nachtrag : Korvette K nachträglich gestrichen, bitte 2,3 Mio zurückzahlen !

Das war die Zeit als klar wurde der Zweifrontenkrieg kann schnell dasein, nur Bismarck konnte durch sein mächtiges Ansehen die Lage besser aussehen lassen.
Aber er hatte dazu stärkste Mittel nötig.
1888 hat er den ReichsEtat von 921 M auf 1225 M erhöht, davon  300 Millionen MEHR fürs Heer in EINEM JAHR. Dies erreichte er durch seine meisterhafte Rede : " Wir Deutschen fürchten nur Gott, aber sonst niemand "


Die schlimmste Folge des Untergangs des " Kurfürsten " war für die Marine also der Rückfall auf die Ebene des  40 Mio Jahresetats während Frankreich, Rußland und sogar Italien fleißig Panzerschiffe bauten und das Dt. Reich auf Platz 5 abfiel. Man baute keine Ersatzschiffe und so veraltete das Material schnell.
Hatte keiner gehört was schon Caprivi zwischen den Zeilen gesagt hatte ?
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« Antwort #2 am: 23 Januar 2012, 05:54:06 »

Ich denke mal, es war damals schon wie heute. Das Geld wurde nicht unbedingt nach Notwendigkeit (?) sondern nach politisch augenscheinlicher Effektivität (heute würde man wahrscheinlich medienwirksam sagen) vergeben.
Sorry, dass in einem Marineforum sagen zu müssen, aber die Marine war damals in den Augen der Politiker ein netter Zeitvertreib, aber nichts nützliches. Dafür war 1873 einfach noch nicht die Zeit. Zehn Jahre später sah das dann anders aus. Bis dahin war Preußen (und damit faktisch Deutschland) einzig und allein in Richtung Festland orentiert.
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« Antwort #3 am: 23 Januar 2012, 12:05:29 »

andererseits, was hat die große "Schlachtflotte" 1914-1918 gebracht?

Irgendwie war es nicht so verkehrt so viel mehr in Heer zu investieren.
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« Antwort #4 am: 23 Januar 2012, 15:18:36 »

Naja, viel rumdümpeln im Heimathafen ...
Ich dachte nicht so sehr an 1914-1918 sondern eher an die Zeit ab 1884. Eine Flotte war da notwendig, um die Logistik zu den Schutzgebieten abzusichern. Und die schienen (!) damals durchaus vielversprechend. Das es dann anders kam, naja ...
Und wenn ich an die multinationale Blockade von Ostafrika denke, hatte die deutsche Flotte damals offensichtlich auch genug bedeutung, um dazu mit herangezogen zu werden. Und das ist schon ein Erfolg denke ich mal ...
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« Antwort #5 am: 23 Januar 2012, 17:17:26 »

Suedwester,
 hast du gesehen daß 1877 und 78 der Marineetat über 50  Mio lag, was dann 10 Jahre nicht mehr so war.
Nix mit Bereitschaft 1883 mehr auszugeben !
Der Plan von 73 sah spezielle Baupläne vor, mit allen Kosten!
 Neubauten A;B;C; usw. und Ersatzbauten zb. Ersatz Prinz Adalbert,der sollte 1878 beginnen .
http://www.reichstagsprot...k1_bsb00018365_00250.html
http://www.reichstagsprot...k1_bsb00018365_00251.html
die Neubauten, wann, wo, wie teuer, alles da.
http://www.reichstagsprot...k1_bsb00018365_00252.html
ja, bis zu den kleinen Tbooten.

http://www.reichstagsprot...k1_bsb00018365_00256.html
Wann welcher Kahn zu welchen Preis wo ersetzt werden soll.
http://www.reichstagsprot...k1_bsb00018365_00257.html
bis zu den kleinsten Einheiten.

Der " Prinz" also in den Jahren  78 bis 80 zu je 280 /410/ 310- tausend Thaler bei der Kieler Werft.
Der Prinz wurde aber nie ersetzt !!

BEIM NEUBAU : Pzkorv A, ab 73/ B ab 74/ C+D ab 75 / E ab 77, alle bis 1879 fertig.
Das ist die Sachsenklasse, die sollten schnell fertig sein und zu fünft !
Der Bau wurde bei A bis D je ein Jahr verschoben, und E wurde abgemagert = "zu kurz" gebaut ab 1881

Gründe :ist bekannt, daß Frankreich 5000 Mio Franc, gut 4 Mrd Mark nach 1871 zahlen mußte ??
Die Marine, siehe erster Text erhielt nur 18 Mio T = 54 mio Mark, sind des 1,3 % ?
Für die Jahre 73 und 74.
 Und weil die Politiker das Geld so schnell raushauen, brauchte man 75 einen KREDIT zum Schiffbau, da bremst man die Baurate. Werften  sowieso überlastet.
 Außerdem die Teueroptik der MARK :statt 1 Million(T) kostet der Prinz jetzt 3 Mio (M).

Der Reichstag entwickelte Scheu viel Geld auszugeben, Ärger mit dem Kanzler, die Staaten wollen nix zahlen, zb. Die Bayern für die " Preußen " .
Zentrum, Bayern und Bismarck holen ab 1879 Geld beim Reichstag für BAYERN UND PREUSSEN !
Muß wo gespart werden, gibts da nicht " selbst Schiffe versenker " ??  Wenn die großen Pötte so schnell absaufen, hats Sinn neue zu bauen ?

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kaimarex
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« Antwort #6 am: 23 Januar 2012, 18:32:48 »

Zur finanziellen Einordnung aus dem Reichsgesetzblatt 1880 der Haushalt:
Fortdauernde Ausgaben:
Auswärtiges Amt - 6, 5 Mio / Reichsamt Inneres  - 2,6 Mio /Reichsheer - 325,92 Mio / Marine - 25,6 Mio
Reichsschatzamt - 43,79 Mio / Reichschuld - 9 Mio / Pensionsfond - 17, 9 Mio / R-Invalidenfond 32,1 Mio
Insgesamte FA : 466,29 Mio
Einmalige Ausgaben : Post + Telegraph - 8, 45 Mio / Rheer - 35,97 Mio /Marine - 13,66 Mio / Rschatzamt - 3,8 Mio
Eisenbahn - 3,12 Mio/ FEHLBETRAG von ETAT 1878 - 5,99 Mio   Insgesamt : 72,96 Mio
Gesamtausgaben : 539, 25 Mio Mark
Auch damals holte sich der Staat das Geld bei den Bürgern und bei den 26 Bundesstaaten( dort pro Kopf, deshalb Matrikularbeiträge genannt)
Einnahmen:
Zölle und Verbrauchssteuern - 307,2 Mio / Wechselstempelsteuer - 6,28 Mio / Post + Telegraph - 16,65 Mio / R-Invalidenfond 32,1 Mio / Überschüsseaus früheren Jahren 16,67 Mio/ Verschiedene - 6,69 Mio /Zinsen - 4,76 Mio
Matrikularbeiträge(zahlen die Einzelstaaten) - 81,67 Mio / außerordentliche Zuschüsse = neue Kreditschulden - 52,975 Mio, ergibt mit  paar kleinen Posten inges : 539,25 Mio Mark.  Hurra, die Einnahmen = Ausgaben.

DAS WAR die Zeit als noch keine Kriegsgefahr drohte mit den Russen, aber der Ärger über die Österreicher wuchs in Petersburg und die 3 Kaiserallianz ging dann bald dahin.
Etat 1881 : 592,96 Mio
Etat 1882 : 610,63 Mio
Etat 1883 : 590,56 Mio
Etat 1884 : 590,82 Mio + NachtragvMarine/ Tboote 19 Mio
Etat 1885 : 611, 93 Mio
Etat 1886 : 696,61 Mio
Etat 1887 :745,21 Mio + Heeresnovelle/Gefahr FR + Ruß 176 Mio
Etat 1888 :Ansatz 921,7 Mio wg   Kriegs-Gefahr auf 1225,92 Mio erhöht , 300 der 304 Mio für Heeresausbau

Nach dem Gesetzblatt von 1888: Fortdauernd : AA -8,14 M /RdI 8,06 M /Rheer 362,82 M / Marine 35,9 M
Rschatzamt - 271,67 M  / Rschuld -30,6 M /Pension -28,72 M / R-Invalid - 26,36 M also 775, 59 Mio Mark
Einmalig : RdI -17,88M(fürs Buddeln) / Post  + Telegraph -14,94 M / Rheer - 372,47 M / Marine - 12,775 M
Rschatz -7,42 M  / Fehl von 1886 - 22,16 M /Eisenbahn - 2 M also 450,33 Mio Mark, ergibt die obigen 1225,92 Mio .

Finanziert durch Einnahmen: Zölle - 493,36 Mio / Rstempel - 27,66 Mio / Post 28,155 Mio / Bahn 18,09 Mio / verschiedenes 7,66 Mio / R-invalid -26,36 Mio / Matrikular - 219,375 Mio / Außerord = Kredite 401,5 Mio Mark, ergeben wieder 1225,92  Mio
Die 400 Mio neuen Schulden erstaunen sogar mich, also waren wohl  ursprünglich 100 Mio neue Schulden geplant und die Krise vom  Winter 1887 führte zur sofortigen Reaktion. Großer Heeresausbau, damit neue Waffen, Munition, Ausrüstung nötig, sofort bestellt und sofort vom Reichstag genehmigt !
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« Antwort #7 am: 31 Januar 2012, 21:29:46 »

Naja, viel rumdümpeln im Heimathafen ...
Ich dachte nicht so sehr an 1914-1918 sondern eher an die Zeit ab 1884. Eine Flotte war da notwendig, um die Logistik zu den Schutzgebieten abzusichern. Und die schienen (!) damals durchaus vielversprechend. Das es dann anders kam, naja ...
Und wenn ich an die multinationale Blockade von Ostafrika denke, hatte die deutsche Flotte damals offensichtlich auch genug bedeutung, um dazu mit herangezogen zu werden. Und das ist schon ein Erfolg denke ich mal ...
das war Politik, Bismark, er war nicht auf Schutzgebiete sondern Frankreich konzentriert, hat versucht Frankreich zu isolieren, Russland durch einen Konflikt mit England und ÖU zu neutralisieren, am besten England zu einem Bündniss mit Deutschland zu bewegen.
Hier wären aktive Flotten und besonders Kolonialpolitik kontrproduktiv, tatsächlich stand England bis 1905 kurz vor einem Krieg gegen Frankreich und/oder Russland, alles wegen Streitigkeiten in Übersee.

Naja, hat nicht so funktioniert, England war zu schlau, Russland zu vorsichtig und Frankreich noch ohne Verbündete viel zu verängstigt um zu provozieren.

Bismark scheiterte aber seine Nachfolger machten alles noch schlimmer, kurz darauf wurde russisch französischer Bündniss zur Realität, das war wohl zu wenig, die Herren haben angefangen mit großen Flottenbau und aggresiven Kolonialpolitik, wups hatte man nun auch England gegen sich.

Mehrausgaben für die Flotte haben dann nicht viel gebracht.
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« Antwort #8 am: 25 Februar 2012, 17:05:41 »

Mensch, denkt doch mal nach !
Es deprimiert  mich stark, wenn IHR hier NICHT auf die offiziellen DATEN reagiert, sondern eine feste Auffassung bezieht.
Falls Bismarck keine Kolonien will, wieso war er 1880 schon sauer, als der Reichstag dagegen war- Samoa?
Falls Bismarck keine Kolonien will, wieso läßt er es 1884 zu, welche zu gründen ?
Falls Bismarck keine Gefahr von den Russen sieht, wieso macht er den Dreibund ?
Falls Bismarck keine große Flotte will, wieso will er nach GB und FR die 3. Stelle haben ?
Falls Bismarck keine große Flotte will, wieso ist er sauer, wenn Stosch im RT nachgibt huh
Falls Bismarck keine Gefahr sieht, wieso macht er 1887 und 88 große Forderungen fürs Militär ?
Falls Bismarck keine Gefahr sieht, wieso hält er sehr ernste Reden ?

Wieso sagt er darin, fast jedes JAHR bestand eine Kriegsgefahr, gar "Kriegsdrohungen von obersten Stellen"
Wieso lässt er mit Riesenkosten Wehrdienst verlängern, wenn er doch die Russen durch ÖU und GB im Griff hätte ?

Falls Bismarck keine Gefahren sieht, wieso läßt er zu, daß Heer und Marine sich am Zweifrontenkrieg ausrichten ?
Ist Moltke außerhalb Bismarcks Einfluß ?
 ist es der Kriegsminister ?   der Marinegeneral ?

Ist Bismarck untertänig zum alten Willy oder gibts den Satz " es ist nicht leicht unter Bismarck Kaiser zu sein "
Wieso sprechen Historiker vom Bismarckreich und nicht vom Hohenzollernreich ?
Ist Bismarck dafür bekannt, daß er andere Auffassungen duldet oder eher dafür Gegner aus den Ministerien rauszuwerfen ?
Falls Bismarck keine Gefahr sieht, wieso drängt er aufs neue Gewehr 88 ? Meint er etwa gar das Kriegsmin. tut zu wenig ?
Falls Bismarck keine Gefahr sieht, weshalb hält er die 7 Jahresfrist nicht ein ? Will er nur gerne Neuwahlen und Wahlkampf ?
Falls Bismarck keine starke Marine will, wieso läßt er 1889 das neue Bauprogramm zu(  Brandenburgs/Küpanzer/starke Kreuzer) ?

Oder gab es damals auch schon kalten Krieg ?
Oder könnte es sein, daß Rußland riesige Ansprüche hatte, die Bismarck weder befriedigen konnte, es auch gar nicht wollte ? der Battenberger ? Zar von Bulgarien, Putsch- wer stand da im Hintergrund ?

Der Name Boulanger, der franz. Kriegsminister, seine Reden - wenn der sich bzw. der Armee zutraut nach Berlin zu
marschieren ? neue franz Waffen, Gewehr und rauchloses Pulver ? 
Der Rückversicherungsvertrag, Sommer 1887 (später als gemeine bismarcksche Doppelzüngkeit bewertet ) sollte die Russen " vier Wochen aufhalten " . das ist Konstantinopel als Lockspeise.

Das ist  eine eher verzweifelte Aushilfe ! Wozu, wenn die Russen so vorsichtig waren ?
DAS WAREN SIE ABER NICHT !
Die Erinnerungen des dt. Botschafters Graf Schweinitz sind dazu da, gelesen zu werden.
Ich war überrascht wie KRIEGERISCH die Stimmung in Petersburg im Jahr 1887 war.

Bismarck konnte nur durch vollen Einsatz und mit HUNDERTEN Mio Rüstungsausgaben die ruhigen, vorsichtigen, ängstlichen von  Marsch der Millionen in gleicher Kleidung, uni- form,  ( nach Berlin !) abschrecken.

Koordinierte politische, psychologische, militärische,finanzielle Maßnahmen.
zb. den Russen eine Anleihe in Berlin verwehren.
Den Dreibund mit Italien gründen, um den Franzosen eine zweite Front zu schenken !
Gespräche mit den Briten über ein Bündnis.
Riesenforderungen fürs Militär im Parlament, bei der Ablehnung sofort Neuwahlen und Sieg der "bismarck-treuen " Parteien.
Bismarck hatte die Fähigkeit mit 5 Bällen zu spielen, damit sind die 5 Großmächte gemeint !
Ohne das alles zusammenkracht. Lag aber stark an seinem Image !
Da wußte man, tritt ihm ans Bein und dann renn weg, seine Antwort wird stark sein !
Probier es lieber nicht !
Bismarck hat die Heeresreform, der er 1862 seinen Posten verdankte, 1888 aufgehoben in der Wirkung.
Man hatte die Soldaten 3 Jahre im Dienst, nach 12 Jahren dafür endgültige Freistellung.
Und GENAU d i e s   hat man 88 geändert, jetzt sollen die 32 - 39 jährigen aufs Schlachtfeld !
Aber Bismarck sagt, die brauchen die besten Waffen, das sind unsere Besten Männer.
Wir rufen sie nicht, wenn wir sie nicht brauchen, aber wenn...

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