Die russische Nachrichtenagentur NOVOSTI meldete am 28.10.2011:
Indien least russisches Atom-U-Boot
Indien will nun doch das das russische Atom-U-Boot
K-152 NERPA leasen. Wie in letzter Zeit schon bekannt wurde, reagieren die Inder recht unterkühlt ob der Zuverlässigkeit der Bordwaffen. Vor diesem Hintergrund sollen am 30. Oktober nochmals letzte Tests der
NERPA stattfinden. Die offizielle Übergabe des U-Bootes an die indische Marine ist für den 22. bzw. 23. November geplant. Diesen Termin vereinbarte die zuständige russisch-indische Regierungskommission, die am 4. und 5. Oktober in Moskau zusammenkam. Die Inder wollen nach der Übergabe das russische Atom-U-Boot in
CHAKRA umbenennen. Diesen Namen trug bereits das erste an Indien geliehene Atom-U-Boot. (Bereits im Marinearchiv erschöpfend behandelt - hillus)
Allerdings ist die indische Marine beunruhigt über die
Zuverlässigkeit der Waffen an Bord der
NERPA, genauer gesagt über die mangelhafte Präzision bei der Anvisierung der möglichen Ziele. Wie sie betont, lag in Sowjetzeiten die Zuverlässigkeit der Waffen bei 95 bzw. 97 Prozent, heute erreicht sie gerademal 35 Prozent.
Gut informierte Kreise ließen verlauten, dass die indische Regierung auf den U-Boots-Kauf verzichten wollte, sich das aber nicht mehr leisten könne, weil der vorgesehene U-Boot-Stützpunkt bereits kostspielig umgebaut worden sei. Die Übergabe des U-Boots sollte eigentlich schon 2008 stattfinden. „Die Inder wollen keine neuen Probleme mit russischen Schiffen“, verriet ein Insider. "Es sei wahrscheinlich, dass die russischen Schiffbauer keine solchen Verträge mehr bekommen werden", ergänzte er.

Das Wissen um diese Probleme führte bereits zu Konsequenzen. Der Präsident der Vereinigten Schiffbau-Korporation (russ. Abkürzung OSK), Roman Trozenko, teilte vor kurzem mit, dass die Werft in Komsomolsk am Amur (Region Chabarowsk) keine Atom-U-Boote wie die
NERPA mehr bauen werde.
(Ergänzung hillus - Die Amurwerft hatte schon immer so ihre Probleme mit dem Bau von Atom-U-Booten. Nicht nur die Qualität ihrer Atom-U-Boote war schlechter als die von SEVMASH gebauten Boote, sondern es mußte einige Male die Hilfe von SEVMASH in Anspruch genommen werden, um die Boote fertigzustellen oder umzubauen. Wäre mal einen Artikel wert!)
Interessant ist für den Leser der Hinweis, dass Indien inzwischen über ein eigenes Atom-U-Boot namens
ARIHARTverfügt, das mit ballistischen Raketen ausgerüstet ist. Die
CHAKRA sollte dann bestenfalls nur noch als Übungs-U-Boot eingesetzt werden. Insgesamt planen die Inder mit insgesamt fünf Atom-U-Booten. Das erste U-Boot lief 2009 vom Stapel. Zwei weitere werden bereits gebaut.
Laut dem schätzungsweise 650 Millionen Dollar schweren Vertrag wird Indien die
K-152 NERPA für zehn Jahre leasen. Das U-Boot hätte 2008 Neu-Delhi übergeben werden sollen. Im November 2008 wurden jedoch bei einer Explosion an Bord des U-Boots 20 Menschen getötet. Die Übergabe musste verschoben werden und sollte nun endlich Ende 2011 erfolgen.
(Ergänzung hillus - Der beschuldigte russische Kommandant, Kapitän zur See Lawrentjew und der angebliche Verursacher des Unglücks, wurden jüngst freigesprochen)Das Atom-U-Boot
K-152 NERPA (Projekt 971-I Schtschuka-B (NATO Code AKULA I-MOD), ist ein U-Boot der dritten Generation. Es ist mit Torpedos, Raketentorpedos und Marschflugkörpern „Granat“ (Reichweite bis 3000 Kilometer) ausgerüstet.
Die Wasserverdrängung liegt bei 8 140 bzw. 12 770 Tonnen. Die Höchstgeschwindigkeit erreicht 30 Knoten. Die Tauchtiefe beträgt 600 Meter. 100 Tage lange kann das U-Boot autonom in der See unterwegs sein. Die Besatzung besteht aus 73 Mann. Seit 1984 wurden insgesamt 15 solche U-Boote gebaut. (TTD nach Angabe NOVOSTI)
Das ich das noch erleben durfte!

Grüße aus Braunschweig
hillus