Forum Marinearchiv
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Autor Thema: Vollbremsung Schlachtschiff  (Gelesen 4784 mal)
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t-geronimo
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« am: 17 April 2006, 18:53:00 »

Ebenfalls über ein bekanntes dänisches Forum bin ich über folgenden Artikel bei NavWeapons gestolpert:

http://www.navweaps.com/index_tech/tech-054.htm

Eine Vollbremsung einer Iowa-Klasse braucht nur knapp 2 km bzw. bei "enggestellten" Rudern nur 600 Fuß, was knapp 183 m sind???
Selbst bei einem Druckfehler und gemeinten 600 yards wären das nur knapp 550 m???

Wie schaffen die das, die Wellen so schnell auszukuppeln und dann ebenso schnell voll zurück laufen zu lassen und daß in dieser kurzen Zeit?

Im SSF hatte En Echolon mal geschrieben, daß allein daß runterbremsen einer Welle und dann von der Turbine wegkuppeln bei einem absoluten Notfallmanöver 30-40 Sekunden dauerte. In dieser Zeit würde Iowa aber immer noch über 600m zurücklegen, wenn ich mich nicht verrechnet habe (nach 5 Alstern...).

Mal als Vergleich:

Prinz Eugen brauchte mit allen Kesseln auf allen drei Wellen mit den Kommandos "Alle Maschinen Stopp" und dann "Alle Maschinen äußerste Kraft zurück" bei einer Fahrt von 25 kn eine Stoppstrecke von 3.412 m, was 11 Minuten und 46 Sekunden dauerte (laut Schmalenbach).

Habe ich nun irgendetwas völlig falsch verstanden oder war das Design der Iowa-Maschinenanlage so anders, daß sie so schnell stoppen konnte oder was?
« Letzte Änderung: 09 September 2006, 23:07:10 von Tri » Gespeichert

Schöne Grüße
Thorsten
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"There is every possibility that things are going to change completely."

Captain W.H. Tennant, HMS Repulse, 09.12.1941
Huszar
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« Antwort #1 am: 17 April 2006, 19:30:44 »

Von über 30 Knoten auf 0 in weniger, als 550 Meter? Würde ich stark bezweifeln!

Höchtens wenn das Schiff gegen eine Kaimauer kracht...


mfg

alex
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Keine Panik! Wir werden sie schon demoralisieren!
t-geronimo
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« Antwort #2 am: 17 April 2006, 19:39:14 »

Darum ja meine Frage, ob und was ich da falsch verstanden habe.

Oder messen die erst ab dem Zeitpunkt, wo die Wellen beginnen rückwärts zu laufen?
Klingt aber anders.
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Schöne Grüße
Thorsten
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Spee
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« Antwort #3 am: 17 April 2006, 19:52:24 »

Einzig in der Anordnung der Ruder und in deren Schwenkbereich könnte die Lösung liegen. Lassen sich beide Ruder um 90° schwenken, wirkt die Ruderfläche wie ein rießiges Schild, der Effekt der dadurch entsteht heißt bei Flugzeugen "Schubumkehr", d.h., die Schrauben müssen nicht in Gegenrichtung drehen um das Schiff abzubremsen, auskuppeln reicht.
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Servus

Thomas

"Well, I suppose you’ll shove the little men off."

Sir Shenton Thomas
t-geronimo
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« Antwort #4 am: 17 April 2006, 20:02:21 »

Ja, das ist mir schon klar (hat die Ruder ja auch ordentlich mitgenommen und wurde nur ein einziges mal auf Wisconsin gemacht).

Mir ging es eher um das Auskuppel und Umkehren der Wellen auch als "normales" Not-Stopp-Manöver (was wir ja schon mal groß und breit im SSF diskutiert hatten (im Versenkungs-Thread POW wegen des Torpedo-Treffers auf den Wellenbock und dem anschließenden Amok laufen der Welle).

Und damit dem Unterschied z.B. zu PG.

Und auch bei den Rudern als Schild: nur knapp 200m aus über 30 kn (so ja der Original-Text - wärs ein Druckfehler, hätte nicht schon jemand den Autor darauf hingewiesen??)
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Thorsten
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Wilfried
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« Antwort #5 am: 17 April 2006, 21:08:32 »

Moin, moin zusammen!

Die Idee von Spee sehe ich als einzige Möglichkeit, um in den genannten Bereich ansatzweise zu kommen - die Ruderschäfte kannste nachher aber direkt vergessen ... und trotzdem kommen mir ein paar Zweifel.
Ein Kollege von mir ist auf der alten "Bremen V" vom NDL gefahren. Die brauchten aus der Höchstgeschwindigkeit von ca. 24 Knoten bis zum Stillstand ungefähr 2 Seemeilen ...  Sad

Mit einem lieben Gruß
der Wilfried
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harold
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« Antwort #6 am: 17 April 2006, 23:15:34 »

"It takes a little over a mile for the ship to come to a stop before going in reverse, but there is no feeling of inertia throwing you forward - unless you turn the rudders inboard toward each other to close off the passage of water between the twin keels.", so schreibt unser Dick L.

Also ca acht bis zehn Schiffslängen. Immer noch sehr sehr wenig, aber eventuell im glaubhaften Bereich? (a little over kann ja auch 1,49 sein ...)

"That is called a "Barn Door Stop" and only the Wisconsin has ever tested it."

Aha. Ein singuläres Ereignis. Und, wie es sich gehört, ein singulärer Zeuge, mit einer gradezu high-tech-Meßmethode:

"A former XO of Whisky said that when they threw a piece of wood over the side from the bow at the onset of that maneuver, the ship came to a stop with that wood no further aft than turret III.  That's stopping a 57,000 ton ship traveling at 33 knots in about 600 feet, which means that anything that is not tied down winds up on deck or against a forward bulkhead."

Bei dieser "Log"-Methode vermute ich nur, dass das Hölzlein alleine durch den Rückstau in stagnantes Wasser gekommen ist und vom Schiff mitgezogen wurde.

Auffallend die parallele Struktur zu unserem damaligen Drei-Buchstaben-Onkel: "ein ehemaliger ... hat mir persönlich versichert, dass ...  und dies ist eine ernstzunehmende Quelle, ja?!"

So lange da nur geschätzte Meilen angegeben werden, und keine exakten Zeiten in Sekunden, lassen wir ihn mal schwadronieren.
Hat ja sein Schiff vielleicht sehr lieb gewonnen, und muss ihm jetzt noch ne goldene Aura geben... ist auch bloß menschlich.

Harold
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"Wenn dies auch der Wahrheit zu widersprechen scheint, so müssen wir doch der Rechnung mehr trauen denn unsrem allgemeinen Verstande."
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Peter K.
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« Antwort #7 am: 17 April 2006, 23:25:06 »

Cheesy
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Grüße aus Österreich
Peter K.

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Scharnhorst66
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« Antwort #8 am: 17 April 2006, 23:51:16 »

Zitat von: Spee
Einzig in der Anordnung der Ruder und in deren Schwenkbereich könnte die Lösung liegen. Lassen sich beide Ruder um 90° schwenken, wirkt die Ruderfläche wie ein rießiges Schild, der Effekt der dadurch entsteht heißt bei Flugzeugen "Schubumkehr", d.h., die Schrauben müssen nicht in Gegenrichtung drehen um das Schiff abzubremsen, auskuppeln reicht.


Würden das die ruder denn überhaupt aushalten ..
versuche mir das gerade "bildlich" vorzustellen - welche Kräfte dann auf den Rudern und dessen Befestigung wirken würde !???
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« Antwort #9 am: 18 April 2006, 10:48:23 »

Möglich wäre das nur, wenn die Iowas Verstellpropeller hätten. Da müssen dann keine Maschinen umgesteuert werden oder rotierende Massen gestoppt und wieder in Schwung gebracht werden.

Die Fregatten ab F122 (Bremen) haben das. Für ein Notstopp legen die einfach die Propellersteigung auf negativ und erreichen damit bei gleicher Drehrichtung eine volle Schubumkehr. Damit stoppen die von 30 kn innerhalb einer Schiffslänge auf. Für einen Kavalierstart sind die auch gut: GT auf volle Umdrehungen bei null Propellersteigung, dann die Steigung rein und ab geht's. Das reicht dann für 10 Knoten pro Schiffslänge. Bei 30 kn ist aber Schluss.

Die Geschichte mit dem Ruder "zusammenklappen" halte ich für Seemannsgarn. Ich denke, dass das ohne größere Werkstattarbeiten oder Sprengstoffeinwirkungen nicht möglich sein dürfte...

Ich glaube nicht, dass die Iowas auch mit Verstellpropellern so aufgestoppt werden könnten. Man muss sich nur mal vorstellen, was für Kräfte da an den Propellerblättern und an den Wellen zerren. Wer so einen Notstopp auf einem Schiff mal erlebt hat, der kann sich vorstellen, was da für Kräfte wirken, da hat man schnell mal das Gefühl, der ganze Kasten reißt gleich auseinander.

Einen Zerstörer mit Dampfturbinen und Festpropellern aus 30 kn nach einer Dreiviertelmeile zum stehen zu bringen, war schon eine Leistung. 600 Yards sind etwas mehr als eine Viertelmeile! Und 600 Fuß sind 200 m!
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Gruß

Jan


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« Antwort #10 am: 18 April 2006, 11:48:24 »

Bei Fregatten macht das ganze ja auch sinn, z. B. bei der U-Boot-jagd...

Ich halte das ganze auch für ziemlich aus den Bereich der Märchen, man stelle sich mal vor, 50.000 tonnen aus einer Geschwindigkeit von 50-60 km/h auf Null zu bringen, da braucht schon jeder Güterzug 1-2 km.

Was ich mir natürlich vorstellen kann, um auf die Ruderverstllung zu kommen: die Wellen werden ausgekoppelt und so schnell wie möglich auf rückwärts geschaltet, während man das Ruder komplett nach Steuer- oder Backbord umlegt. Wer sagt denn, daß das Schiff geradeaus bremsen muß, zumal ich bei Kurvenfahrt ohne Antrieb doch auch schon an Geschwindigkeit verliere.

Grüße

Dirk
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t-geronimo
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« Antwort #11 am: 18 April 2006, 12:21:53 »

Gut, also wäre dieser Vorfall insoweit geklärt, daß hier mehr Legende als Tatsache vorherrscht.

So viel also zum Thema, daß alles bei Navweapons immer so hoch gelobt wird.
Mehr wollte ich nämlich gar nicht (ohne jetzt die Seite völlig zu diskreditieren, die hat mit Sicherheit auch viel, viel Wissenswertes im Angebot)...
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Schöne Grüße
Thorsten
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« Antwort #12 am: 18 April 2006, 12:34:38 »

Ich könnte mir vorstellen, dass es möglich, aber nicht ratsam ist... Bei PoW ist es sicher, dass es besser ist, ein kaputtes Ruder zu haben, als das Schiff zu verlieren, auch wenn letzteres dann nur eine Frage der Zeit ist bzw. dann auch war... Aber das Ruder muss dadurch erheblich beschädigt worden sein...

Noch mal zum Ruder querstellen: Ich stelle mir vor, man hält einen Spaten in den Schotter und versucht einen Güterzug zu bremsen... Wahnsinn... Das muss mit Beschädigungen einher gehen...

Ich kann mir aber nicht vor stellen, dass man dann auf 500 m so einen Pott zum Stehen bekommt.
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Gruß
Ralf
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Gorch Fock
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« Antwort #13 am: 18 April 2006, 12:43:45 »

Das es Schäden gab, steht ja auch mehr oder minder dort. Mit Philadelphia ist mit Sicherheit die dortige Marinewerft gemeint. Wisconsin wurde dort auch gebaut.
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Schöne Grüße
Thorsten
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« Antwort #14 am: 14 Mai 2006, 18:53:12 »

Habe gerade im Schmalenbach: PE eine interessante Zusammenstellung gefunden:

Stopp- und Auslaufstrecken:
von 20 Knoten, Bb- und Stb-Maschine stopp. Bb- und Stb-Maschine äußerste Kraft zurück!, 1300 Meter Stoppstrecke, 3min 37sec Stoppzeit

Von 17 Knoten, Alle Maschinen Stopp. Alle Maschinen äußerste Kraft zurück! 2170 Meter Stoppstrecke, 8min 45 sec Stoppzeit

Von 25 Knoten, wie oben, 3412 Meter Stoppstrecke, 11min 46 sec stoppzeit.


Die Stoppstrecke wurde übrigens von einem Fachmann als zu gering bezweifelt!


mfg

alex
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