Vollbremsung Schlachtschiff

Begonnen von t-geronimo, 17 April 2006, 18:53:00

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Spee

Servus Josef,

danke dir für die genaue Information.
Aber war nicht die mechanische Verbindung und deren Nichlösbarkeit nach dem Treffer der Haken an der Sache? Soweit mein Informationsstand, daß es nicht gelang, daß Kopplungsgestänge auszukuppeln um wenigstens das zweite Ruder unabhängig benutzen zu können.
Servus

Thomas

Suicide Is Not a War-Winning Strategy

Josef

@ Spee

Hi Thomas,

die Überlebenden berichten überstimmend, dass noch ausgekuppelt und auf Handruder umgestellt wurde. Nur, das Steuerbordruder war ja gar nicht mehr da! Das zeigen die Wrackbilder eindeutig, da ist nur noch ein Loch.

Freundschaftlich
Josef

Spee

Servus Josef,

ahh, daß ist mir neu. Steuerbordruder weg, Backbordruder geklemmt. Das ist übel.
Das grundlegende Problem scheint mir der 3-Schraubenantrieb zu sein. Zu schmales Heck für weiter auseinander stehende Ruder und die Unsteuerbarkeit mit 3 Schrauben. Bei den "Vittorio Veneto's" (ich weiß, ich reite darauf herum, ich mag die Dinger einfach) war durch den 4-Schraubenantrieb und die 3 Ruder-Anordnung eine deutlich bessere Schadensbegrenzung möglich. Um diese Schiffe unsteuerbar zu machen, hätte man praktisch das Heck ab Heckturm abreißen müssen.
Servus

Thomas

Suicide Is Not a War-Winning Strategy

Huszar

Du nimmst die Leistung von der Mittelwelle weg, und hast ein Zweischraubenschiff  :wink:

Wenn aber dein einziges Ruder eingeklemmt ist, wird sich dass Schiff so oder so in diese eine Richtung drehen wollen. Oder?

mfg

alex
Reginam occidere nolite timere bonum est si omnes consentiunt ego non contradico
1213, Brief von Erzbischof Johan von Meran an Palatin Bánk von Bor-Kalán

harold

Da hatt ich doch mal -vor Zeiten, vor Zeiten!- ne Kopie bekommen (von Dr. Wegener von B&V):
"Schlachtschiff Bismarck und Seemannschaft", von Alfred Schulze-Hinrichs, aus den MOV-Nachrichten 17 (1968) 1.

Kurzgefasst geht's darin darum, dass BS über Achtersteven laufend, mit ausgeslippten Ankerketten Treibwiderstand liefernd und mit den beiden Außenschrauben steuernd davongekommen wäre -eventuell...

Soll'ch ma' ne Zusammenfassung liefern?

Harold
4 Ursachen für Irrtum:
- der Mangel an Beweisen;
- die geringe Geschicklichkeit, Beweise zu verwenden;
- ein Willensmangel, von Beweisen Gebrauch zu machen;
- die Anwendung falscher Wahrscheinlichkeitsrechnung.

Zerstörerfahrer

Ja Harold, mach mal bitte !

So eine Kopie hätte ich auch gern. :-)

Schulze-Hinrichs  war ja Kommandant von Erich Koellner, aber das wusstet ihr ja sicherlich. :-D

Huszar

Rückwärts 800sm laufen, verstehe ich das richtig?

Es gab mal einen Verrückten, der von Budapest bis Wien mit nem alten Lada gefahren ist, aber 800sm??


mfg

alex
Reginam occidere nolite timere bonum est si omnes consentiunt ego non contradico
1213, Brief von Erzbischof Johan von Meran an Palatin Bánk von Bor-Kalán

Woelfchen

Die Turbinenleistung war doch dabei auch sehr beschränkt, bzw. die Antriebsanlage lief heiß weil die Kühlwasseröffnungen dafür ausgelegt waren um vorwärts zu fahren.

Ob das gut gegangen wäre?

Aber ich freu mich schon auf den Bericht.

harold

...oh, ick kenne einen, der von Wien nach Orléans mit'm vollgepackten R4 unterwegs war, und nach m Auslandsjahr dort mit nem noch viel volleren Renault auch wieder zurück... aber das ist eine andere Geschichte (so etwa 1981).

Ich fasse den Artikel mal kurz zusammen und stell ihn dann rein - aber nicht hier... mach n neuen thread auf (und geb dann gleich hier die Verweisadresse).

Harold
4 Ursachen für Irrtum:
- der Mangel an Beweisen;
- die geringe Geschicklichkeit, Beweise zu verwenden;
- ein Willensmangel, von Beweisen Gebrauch zu machen;
- die Anwendung falscher Wahrscheinlichkeitsrechnung.

Peter K.

Nu, Kapitän zur See Alfred Schulze-Hinrichs gilt ja als DER Spezialist der Kriegsmarine für praktische Seemannschaft!
Zusammen mit Admiral Walter Gladisch hat er 1943 die vierte Auflage der "Seemannschaft - Handbuch für Unterricht und Praxis" auf Veranlassung der Inspektion des Bildungswesens bearbeitet!

Die ausgeslippten Ankerketten am Bug hätten bei Rückwärtsfahrt jedenfalls als Treibanker, also kursstabilisierend gewirkt!
Das selbe Verfahren kennen Hochseesegler als "Lenzen vor Topp und Takel" - eine Methode schwerstes Wetter zu überstehen!
Auch Seitenfänger bedienen sich meines Wissens teilweise dieses Manövers!
Nachdenklich stimmt allerdings, daß gerade BS über den Achtersteven schon in unbeschädigtem Zustand sehr schwer steuerbar war!

Jedenfalls bin ich ´mal auf diesen Bericht gespannt, HAROLD!
Grüße aus Österreich
Peter K.

www.forum-marinearchiv.de

Zerstörerfahrer

*OFFTOPIC*

Zitat von: Peter K.Nu, Kapitän zur See Alfred Schulze-Hinrichs gilt ja als DER Spezialist der Kriegsmarine für praktische Seemannschaft!
Zusammen mit Admiral Walter Gladisch hat er 1943 die vierte Auflage der "Seemannschaft - Handbuch für Unterricht und Praxis" auf Veranlassung der Inspektion des Bildungswesens bearbeitet!

Joo Peter, diese Ausgabe hab ich mal von einem Arbeitskollegen geschenkt bekommen. War wohl ein Überbleibsel des ersten Mannes seiner Mutter, der auf der Aviso Grille war.

*END OFFTOPIC*

Peter K.

Oh ja, RENE, seeehr empfehlenswerte Lektüre!  :wink:
Grüße aus Österreich
Peter K.

www.forum-marinearchiv.de

harold

4 Ursachen für Irrtum:
- der Mangel an Beweisen;
- die geringe Geschicklichkeit, Beweise zu verwenden;
- ein Willensmangel, von Beweisen Gebrauch zu machen;
- die Anwendung falscher Wahrscheinlichkeitsrechnung.

Captain Hans

Verfolge mit großem Interesse diesen Thread.

Als  Kapitän habe ich mehrere Supertanker (ULCC) (VLCC) gefahren. (16 Jahre lang)
Einige dieser Schiffe hatten die 8-fache Wasserverdrängung der Bismarck.
Mein letzter Turbinentanker (Einschraubenschiff) hatte hatte drei Turbinen, nämlich Hoch-,Mittel-und Niederdruckturbinen, die über 3 separate Getriebe auf eine Welle wirkten. (zusammen 40 000 PS)
Für Rückwärtsfahrt hatten wir nur eine Rückwärtsturbine, die nur 30% des Vorausantriebs brachte.
Wir hatten eine nette Stoppstrecke von 7 sm (also fast 11 km).
Wie war das nun bei der Bismarck??


Hatte sie spezielle Rüchwärtsturbinen oder konnten die Getriebe umgesteuert werden, denn Turbinen laufen bekantlicherweise nur in eine Richtung?????

Von AK Voraus auf AK Zurück bringt erst einmal gar nichts (nur gigantische Kavitation) meine Schrauben griffen erst,
wenn die Vorausgeschwindigkeit sich etwa auf die Hälfte reduziert hatte.( ein paar Mal bei Notmanövern ausprobiert)

Der Schraubenwirkungsgrad ist bei Rückwärtsfahrt sehr stark verringert, da die Anströmung auf den Rumpf erfolgt und die Steigung der Schraube nicht mehr stimmt..
Die indirekte Steuerwirkung einer Mittelschraube ist sehr groß. (das Heck zieht nach Bb bei rechts drehender Schraube)
Sie kann bei einem 3 Schraubenschiff durch unterschiedliche Drehzahlen der Außenschrauben nur bedingt korrigiert werden.
Ich habe nur einen 2 Schrauben Tanker gefahren, Rückwärtsfahren und Kurs zu halten war die Pest.

Das Ruder hat bei Rückwärtsfahrt ebenfalls wenig Einfluß, da es verkehrt angeströmt wird. Ein quer geschlagenes
Ruder bei 15 kn Rückwärts würde abbrechen (siehe Kräfte Parallelogramm)

Ankerketten auszuhieven zur Stabilisierung der Steuerung funktioniert nur bedingt auf kleinen Schiffen (Boote) bei einem so großen Schiff wie der Bismarck, hätten sie mindestens 7 -8 Schäkel (a 27 m)ausstecken müssen, um eine Wirkung zu erzielen. Der Druck auf Ketten und Anker wäre so groß gewesen, daß die Spills und jegliche zusätzliche Verzurrung aus dem Deck gerissen wären.

Einige Zahlen von einem meiner Tanker:
Für 8 Schäkel zu Wasser plus 8 Tonnen Anker benötigte unsere Ankerwinde ca. 450 Tonnen Zugkraft, um das Ganze hochzuhieven.
Unsere Rudermaschine (elektro/hydraulisch) schaffte 800 - 1000 Tonnen Druck und das nur bei 15 kn Marschfahrt.

Kommen wir zum Wind:
In jedem Falle wäre die Bismarck immer angeluvt durch die Form und Anordnung ihrer Aufbauten.

Daß die Bismarck sich mit Rückwärtsfahrt aus der Affäre (wie in einigen Büchern beschrieben)hätte ziehen können, halte ich persönlich für einen seemännischen Blödsinn. Ganz zu schweigen von dem zerstörten Ruder und der kaputten Schraube.

Zu guterletzt: Ich habe die Bismarck als Modell gebaut (siehe Bauprojekte), mit einer 7-fachen Modellgeschwindigkeit nach Bernoille berechnet (um der Nichtskalierung des Wassers gerecht zu werden). Fahren sie die mal rückwärts, dann sehen sie genau was ich meine.
Die Schiffbauversuchsanstalten in Hamburg und Potsdam können Ihnen ebenfalls dazu etwas sagen.
Die Hamburger haben, soviel ich weiß, auch die Bismarck getestet. (als Modell)

Beste Grüße

Kapitän Hans




,Nur wer sich ändert,bleibt sich treu"!!!
,,Nicht was du bist,ist das was dich ehrt,wie du bist,bestimmt den Wert"!!!

Hastei

Hallo Kapitän Hans,

ich danke Dir für diese fundierte Ausführung ! Endlich mal ein Praktiker mit Erfahrung. Diese Theorien, wenn und könnte, ich finde es furchtbar .
z.B. Überlebende der Bismarch haben berichtet, die Ruder wären ausgekuppelt, woher wollten die das denn wissen ? (Sch--hausparolen)
Verstellpropeller bei Schlachtschiffen ? Doppelruder ausklappen ,prakisch wie ein Treibanker ? U-Boot im Schlepp um Gegenzug zu bekommen ,Ketten ausbringen u.ä. Hat noch Einer einen Vorschlag was wäre geschenen wenn ?
Ich mach mir jetzt bestimmt keine Freunde, aber das mußte raus.
Ich fuhr paarmal auf der Elbe im Notruderraum auf der alten D 183. Natürlich konnte man auskuppeln,schön glatte See, Geschwindigkeit ca. 12Kn (?) ,     aber bei großen Schiffen,wie z.B. Kreuzer oder Schlachtschiffe , bei Seegang, im Gefecht unter Stress, stelle ich mir das sehr schwierig vor.
Die Frage bezog sich auf die ,wenn ich mich noch recht entsinne ,IOWA-Klasse und schon waren wir wieder bei der Bismarck.
Was ich gut finde, dass sich so viele zu Wort meldeten, aber eine richtige Antwort hat m. M. nach nur Kap. Hans gegeben.

Nichts für Ungut, wie man so bei uns sagt

  Hastei


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