Forum Marinearchiv
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Autor Thema: Deutsche Marine schenkt Piraten Schlauchboote...  (Gelesen 948 mal)
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RePe
Oberbootsmann
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« Antwort #15 am: 24 November 2011, 16:05:45 »

Hallo,

die Beiträge von ufo und Lutscha bringen mich dazu, auch Anmerkungen zum Thema Piraterie und Umgang mit
Gewalt einzubringen.
Sicher ist die Piraterie wahrscheinlich so alt wie die Seefahrt selbst. Wer kennt nicht die Piraten bei "Asterix",
also aus der Römerzeit. Und wie man damals und später mit Piraten umging (ich weise nur auf Störtebecker
hin!) wissen wir auch. Übrigens kann man in alten Atlanten noch von einer "Piratenküste" lesen, gemeint war
damit die Küste des heutigen Staates Vereinigte Arabische Emirate mit den damaligen kleinen Räubernestern
wie Abu Dhabi, Dubai usw. (so ändern sich die Zeiten!).
Bekämpft haben die Seemächte damals die Piraterie jeder auf eigene Faust. Im Wiener Kongress 1815 gab es
dann erstmals eine völkerrechtliche Übereinkunft der beteiligten Mächte zur Ächtung und Bekämpfung der
Piraterie. Dazu eine Episode: Die genannte völkerrechtliche Übereinkunft wurde auch vom damaligen Osmanischen
Reich unterschrieben. Das heutige Algerien gehörte seiner Zeit jedenfalls formal zum Osmanischen Reich. Die damaligen
Machthaber in Algier und anderen nordafrikanischen Küstenstädten lebten aber von der Piraterie und sagten sich
"Was kümmert uns was der Sultan da unterschreibt!" und machten weiter, bis im August 1816 ein britisch-nieder-
ländisches Geschwader vor Algier erschien und nach der Weigerung des Dey's die Piraterie einzustellen und
Gefangene freizulassen die Stadt (die heutige Kasbah) niederschossen und die Piratenschiffe versenkten.
Ich kenne die Geschichte deswegen, weil ich in einem früheren Leben fast fünf Jahre in Algier gearbeitet und
gewohnt habe.
Ja, das war eben die damalige "Kanonenboot-Diplomatie". Natürlich macht man das heute nicht mehr so. Aber ob
man deswegen den somalischen Piraten gleich Schlauchboote spendieren soll, darf man schon mal in Frage stellen.

Zu Lutschas Bemerkungen zum mitunter merkwürdigen Verhalten geschlagener Frauen:
Ich bin ehrenamtlicher Mitarbeiter der Opferschutzorganisation "WEISSER RING" (die wurde gegründet von
Eduard Zimmermann, erster Moderator der Sendung "Aktenzeichen XY") und da erlebt man bzw. bekommt man
in dieser Richtung so einiges mit (unsere Statuten verbieten es aber - zu Recht - von den Fällen zu erzählen).
Meine Erklärung und Erfahrung zu diesem Verhalten ist ganz einfach die, dass es wirklich viele Opfer gibt, die
das Alleinsein nicht längere Zeit durchstehen können und immer wieder auf Änderung und Besserung des Täters
hoffen und den gegebenen Versprechungen trauen (die dann meist doch wieder gebrochen werden).
In Sachen Dummheit in Liebesdingen stehen sich nach meiner Lebenserfahrung Männlein und Weiblein in nichts
nach!
Trotzdem bleiben Frauenhäuser in solchen Fällen eine gute Einrichtung.

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Karlchen
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« Antwort #16 am: 24 November 2011, 21:30:20 »

Ach ja, und natürlich kann man Jugendlichen solche Gegenstände auch gefahrenabwehrrechtlich problemlos abnehmen und sicherstellen. Dann können sie diese in Begleitung ihrer Eltern am nächsten Tag abholen...

Guter Beitrag von Lutscha!

und auch im Bild Artikel wird nicht erwähnt das man den gefangenen Piraten mit Sicherheit ertmal die Waffen weggenommen und ihr Boot versenkt und somit die Schurken erstmal ihres Handwerkszeuges beraubt hat
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Urs Hessling
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« Antwort #17 am: 24 November 2011, 23:19:17 »

moin,

... bis im August 1816 ein britisch-niederländisches Geschwader vor Algier erschien und nach der Weigerung des Dey's die Piraterie einzustellen und
Gefangene freizulassen die Stadt (die heutige Kasbah) niederschossen und die Piratenschiffe versenkten.

ein kleiner Beitrag zu einem guten ...

Gruß, Urs

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Bombardement of Algiers by Martinus Schouman 1823.jpg
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"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"
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« Antwort #18 am: 25 November 2011, 11:28:19 »

Na, ich denke das andere, was der Artikel so ausgesprochen deutlich macht ist halt auch die Diskrepanz zwischen Pressedarstellung und Wirklichkeit.

Die Schlauchboote werden nicht verschenkt. Die sind ausgesonderter Muell. Die werden in recht eleganter Weise nochmal recycled um damit mutmassliche (!) Straftaeter sicher an Land zu bringen. Danach wird das Schlauchboot vom Helikopter aus zerschraddelt.

Man koennte genausogut einen Artikel schreiben wo man sich ueber die elegante Loesung vergnuegt die Somalier an Land zu bringen ohne entweder ein leicht bewaffnetes Begleitkommando der Gefahr einer Geiselnahme oder eines Schusschwechsels mit ueberlegenen Kraeften auszusetzen oder aber ein schwer bewaffnetes Begleitkommando einsetzen zu muessen und damit wieder bei den Leuten an Land ein unerwuenschtes Bild vom Europaeer zu geben. Durch diese recht pfiffige Loesung umgeht man das Problem indem die mutmasslichen Straftaeter allein an Land koennen und dann wird das ausgesonderte Schlauchboot unbrauchbar gemacht.

Jaaa – aber irgendwie scheint so eine Darstellung der Presse nicht zu liegen. Nicht irgendwie erstaunlich ...

Ufo
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« Antwort #19 am: 25 November 2011, 11:46:22 »

@Ufo, genau Deine Gedanken über Alternativen zu dieser Vorgehensweise hatte ich mir auch gemacht. Nur das mit den Außenbordern befremdet mich noch. Einerseits denke ich hier an die VEBEG, andererseits habe ich Zweifel ob man die vom Heli aus auch unbrauchbar bekommt.

Was die Presse angeht, der Artikel war von der Bild am Sonntag - und hat mich positiv überrascht. Es wurden die Hintergründe ausführlich erläutert, und es wurd gesagt daß andere Staaten genauso handeln. Von "Verschenken" hab ich da nix gelesen. Ich frage mich, ob das in der Überschrift zum Artikel stand oder nur hier im Forum.
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