Was mir auch spanisch zu seien scheint, Warum in Afrika die italienische Armee nicht von zwei Seiten (Libyen und Eritrea) Richtung Aegypten-Sudan angegriffen hat?
Weil dazu weder die Motivation noch die erforderlichen Mittel vorhanden waren.
Wie war denn die Ausgangslage dafür…
Betrachten wir zunächst einmal die italienische Kolonie
Libia Italiana. Gouverneur war dort seit 1934 der Faschist Italo Balbo.
Nach der deutschen Invasion Polens wandte er sich vehement gegen Mussolinis Bündnis mit Hitler und befürwortete einen
Kriegseintritt Italiens an der Seite Großbritanniens. Am 28. Juni 1940 wurde er nach offizieller Darstellung über Tobruk
versehentlich durch Eigenbeschuss von der italienischen Flugabwehr abgeschossen. Bis heute wird darüber spekuliert, ob es sich dabei wirklich um ein Versehen handelte.
Nachfolger wurde Rodolfo Graziani. Obwohl Graziani überzeugter Faschist war, war er zugleich (wie Balbo)
gegen einen italienischen Kriegseintritt an der Seite Hitlers. Durch allerlei Vorwände verzögerte er den von Mussolini befohlenen Angriff auf die Briten in Ägypten, bis dieser drohte ihn abzusetzen.
Unter Grazianis Führung griffen von den
zehn kaum motorisierten Divisionen der 10. italienischen Armee
vier Infanteriedivisionen zusammen mit einer leicht gepanzerten Kampfgruppe Ägypten an und drangen bis Sidi el Barrani vor, wo sie wegen angeblicher Nachschubprobleme und Wasserknappheit stoppten. Aus politischen Gründen verbot Mussolini bis 1941 die Verlegung der motorisierten und gepanzerten italienischen Divisionen von der Poebene nach Nordafrika, wo sie die einzigen in dieser Region brauchbaren Kräfte gewesen wären. Grazianis langjährige Erfahrung bei der Niederschlagung von Aufständen und bei der Führung von Kolonialkriegen beeinflussten ganz wesentlich seine Operationsführung, wobei er nicht voll erkannte, dass er einen europäischen Krieg in der afrikanischen Wüste nach völlig neuartigen Kriterien zu führen hatte. Der Gegenangriff der britischen Panzerverbände auf die
unmotivierten Fußsoldaten Grazianis (Operation Compass) führte schnell zum Zusammenbruch der 10. Armee und zur Entsendung des Deutschen Afrikakorps unter Erwin Rommel.
Operation Compass
Truppenstärke
Briten
36.000 Mann,
120 Artilleriegeschütze,
275 Panzer
Italiener
200.000 Mann,
1.600 Artilleriegeschütze,
600 Panzer
Verluste
Briten
494 Tote,
1.225 VerwundeteItaliener
400 Panzer,
1.292 Artilleriegeschütze,
130.000 KriegsgefangeneItalienisch OstafrikaVor allem wegen der Aufstände gegen die faschistische Herrschaft in Äthiopien waren dort beträchtliche italienische Truppenkontingente stationiert.
Im Mai 1940 waren es insgesamt 285.000 Soldaten, davon 85.000 Italiener.
Diese Truppen sollten und mussten im Falle eines Kriegs auf sich allein gestellt kämpfen.
Ihr Befehlshaber, Marschall Rodolfo Graziani, forderte im Dezember 1937 u. a. drei Panzerbrigaden (praktisch die ganze damalige italienische Panzertruppe) zur wirksamen Verteidigung des Gebiets, was mit der Begründung abgelehnt wurde, er solle sich vorrangig um die innere Sicherheit kümmern. Erst im Mai 1940 trafen 50 minderwertige Panzer und einige Artilleriegeschütze ein. Wegen
mangelnder Motorisierung konnten sich die zahlenmäßig starken italienischen Verbände kaum auf angemessene Weise in den enormen Operationsräumen bewegen. Die ständigen Aufstände banden darüber hinaus einen großen Teil dieser Verbände in Äthiopien. Die Nachschublage war weit davon entfernt, die „autonome“ Kriegsführung - vorgesehene Dauer: ein Jahr - zu ermöglichen. Die Italiener und ihre Eritreer konnten mit diesen Verbänden gerade noch Aufstände niederschlagen, aber keinen modernen Krieg gegen eine Großmacht führen.
Was allen in Afrika stationierten Verbänden gemein war das war ihr vergleichsweise
geringer Kampfgeist…
(was ich persönlich vollkommen verstehen kann)
Gruss
Berd