Neuer Mann an der Spitze der Rüstungsindustrie

Begonnen von hillus, 16 Januar 2012, 11:56:45

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hillus

Konstantin Bogdanow, RIA Novosti vom 16.01.2012

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Das Ende des Jahres 2011 ist unter anderem durch die Heimkehr des früheren russischen Nato-Botschafters Dmitri Rogosin gekennzeichnet.

Als Vizepremier wurde Rogosin nun mit der Entwicklung der nationalen Rüstungsindustrie beauftragt. Experten haben jedoch ihre Zweifel, ob sich der Diplomat als Krisenmanager in der an zahlreichen Problemen leidenden Branche etablieren kann.

Auf diesem Posten löste Rogosin Sergej Iwanow ab, der zum Präsidialamtschef ernannt wurde. In seinen Aufgabenbereich fällt  die Abstimmung der Interessen des Verteidigungsministeriums und der Waffenhersteller, die derzeit alles andere als übereinstimmend sind.

Rogosins Ernennung zum Chef der Rüstungsindustrie hat die Situation eher verwirrt als geklärt. Seine Erfahrungen als Kämpfer gegen die Gefahr Nato, die er in den letzten Jahren in Brüssel sammeln konnte, werden ihm bei der Erfüllung seiner neuen Aufgaben, mit denen er bisher noch nie in Berührung kam, kaum helfen.

Aber die Geschichte kennt viele Fälle, in denen zivile Experten mit militärischen Aufgaben betraut wurden. Besonders erfolgreich war dabei der frühere Präsident der Ford Motor Company, Robert McNamara, der unter US-Präsident John Kennedy zum Verteidigungsminister ernannt wurde. Den ,,effektiven Manager" McNamara konnten seine eigenen Generäle nicht leiden. Heute aber ist offensichtlich, dass ausgerechnet der ,,Goldjunge" von der Harvard Universität die jetzige tatkräftige US-Militärmaschinerie kreiert und in Gang gesetzt hat.

Rogosin ist allerdings kein Technokrat und auch kein Industrie-Manager. Er ist Politiker und muss in dieser Rolle zwei Dinge tun: jede neue Ernennung als Beförderung betrachten und aus seiner Arbeit eine Show machen, um seinen potenziellen Wählern zu gefallen.

Rogosins großer Artikel über die Reformierung der russischen Rüstungsindustrie, den er noch im November geschrieben hatte, war eine Art Bewerbung um den hohen Posten, die aber keine klare Vorstellung vermittelte, welche Ansichten er zu seinem neuen Zuständigkeitsbereich hat. Und mehr als das: Seine Ideen in Bezug auf den Waffenimport rufen viele neue Fragen hervor.

Das lässt sich wohl dadurch erklären, dass sich Rogosin beim Thema Waffenimport vor allem nach den Regeln der Medien richtete (dieses Thema wurde in den letzten Jahren sehr intensiv in den Medien diskutiert), und nicht nach den Interessen der Rüstungsindustrie.

Es ist bisher absolut unklar, welche Strategie der neue Branchenchef in Zukunft bei der Ausbalancierung der Interessen von Militärbehörde und Waffenherstellern verfolgen wird und wie aus dieser Strategie eine effektive Industriepolitik in Bezug auf die zahlreichen staatlichen Rüstungsbetriebe entstehen soll.

Dennoch ist Rogosins Ausgangsposition an der Spitze der Waffenindustrie eher günstig. Es sieht so aus, als ob die größten Misserfolge bei der Nichterfüllung des staatlichen Rüstungsauftrags im vergangenen Jahr geblieben wären.

Das Verteidigungsministerium hat sich zuletzt für eine völlig neue Strategie in Sachen Rüstungsauftrag entschieden und konnte mit der neuen Belastung nicht richtig umgehen. Das neue Personal der Militärbehörde geriet in eine neue Umgebung und richtete sich vor allem nach den Finanzkennziffern, was viele Experten fälschlicherweise als Kleinkrämerei gedeutet haben.

Außerdem sollten ausgerechnet im vergangenen Jahr viele große Verträge im Rahmen des staatlichen Rüstungsprogramms 2020 abgeschlossen werden, für welche die Militärbehörde nicht genug Geld hatte. Ein Teil von ihnen (darunter der Kauf der Kampfflugzeuge MiG-29K oder der an den Bedarf der russischen Fliegerkräfte angepassten Exportmaschinen Su-30SM) musste auf 2012 verschoben werden.

Nachdem aber die neuen Personen im Verteidigungsministerium vergangenes Jahr viele negative Erfahrungen gesammelt haben, sollten sie jetzt viele Probleme umgehen können.

Damit hat Dmitri Rogosin, der für die Probleme im Jahr 2011 nicht verantwortlich ist, durchaus gute Chancen, von der entstandenen Situation zu profitieren. Wenn er sich zu Beginn seines neuen Jobs von seiner besten Seite zeigt, wird das seinen künftigen Erfolg bestimmen.

Man muss jedoch festhalten, dass in dieser Branche zwar relativ leicht neue Technologien eingesetzt werden können, doch die Branche selbst sich nicht so leicht verändert. Der aktuelle Sachverhalt in der Rüstungsindustrie ist dermaßen widersprüchlich, dass er die Tagesordnung noch über viele Jahre hinweg bestimmen wird, egal wie intensiv und effektiv der Staat und die Geschäftskreise an der Modernisierung der Branche zusammenarbeiten sollten.

Die Waffenindustrie leidet an enormen Missverhältnissen: Ihr gehören sowohl erfolgreiche High-Tech-Betriebe als auch uralte Werke an, die seit Sowjetzeiten nicht modernisiert wurden. Um den immer größeren Rüstungsauftrag zu erfüllen, sollten sie effizient kooperieren, was aber objektiv gesehen unmöglich ist und schlussendlich die Erfüllung des Rüstungsauftrags zum Scheitern bringt.

Um dieses Problem zu lösen, genügt es nicht, nur den permanenten Streit zwischen Verteidigungsministerium und Waffenproduzenten zu moderieren (2011 schaffte der damalige Vizepremier Iwanow aber nicht einmal das). Zu diesem Zweck muss eine gut bedachte Branchenpolitik samt entsprechenden Instrumenten her.

Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

Original übernommen, ohne subjektive Textänderungen!

hillus

Urs Heßling

moin,

Zitat von: hillus am 16 Januar 2012, 11:56:45
Seine Erfahrungen als Kämpfer gegen die Gefahr Nato ...
wenn das die offizielle (publizierte) Meinung ist ...  :roll: :|

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

Spee

@Urs,

die NATO hat seit 1990 der russischen Förderation nicht nur Freundlichkeit angedeien lassen. Das die Russen die NATO als Gefahr betrachten, ist aus ihrer Sicht begründet.
Servus

Thomas

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