Schorsch
Oberleutnant zur See
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« Antwort #3 am: 07 Februar 2012, 10:54:13 » |
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Hallo zusammen!
Der von Manfred gefundene Wikipedia-Eintrag und dessen Grundlagen sind meiner Meinung nach ein schönes Beispiel dafür, wie aus einigen Koinzidenzen ein tolles Garn gesponnen und als die Neuheit präsentiert werden kann, der man endlich und unter den unsäglichen Mühen des investigativen Journalismus den Schleier des Geheimnisses von der hässlichen Fratze gerissen hat. Allerdings gebe ich zu bedenken:
Ende der Fünfziger-Jahre sollte bis hin zur Kaffeemaschine und zum Toaster nahezu alles mit Kernenergie angetrieben werden. Warum entsetzt plötzlich der Gedanke, dass diesbezügliche Überlegungen auch auf deutsche U-Boote ausgedehnt worden sein könnten?
Dann wird als Schreckgespenst der Name Franz Joseph Strauß ins Spiel gebracht. Auch hier ist imho nur zu sehen, dass Strauß als Minister für Verteidigung lediglich das weiterführte, was er zuvor als Minister für Atomfragen in seinem Aufgabengebiet zu bearbeiten hatte.
Aus der Kommandantschaft Lehmann-Willenbrocks auf der OTTO HAHN wird sofort auf konkrete U-Boot-Pläne geschlussfolgert. Da frage ich mich doch, ob der Mann auch versucht hat, bei den Schiffen, die er zuvor kommandierte, Flutschlitze in den Rumpf zu schneiden oder einen Schnorchel einzubauen. Und wie groß das U-Boot sein müsste, in den der ach so kleine Reaktor der OTTO HAHN passen sollte, wird auch nichts ausgesagt. Wohlgemerkt, der Reaktordruckbehälter auf der OTTO HAHN maß in der Höhe 8580 mm, ein Typ XXI-Boot hatte eine Seitenhöhe von 7,7 m.
Noch ein weiterer Aspekt des Spiegel-Artikels, auf dem der Wikipedia-Eintrag wesentlich beruht, erscheint mir seltsam: Vom „verbotenen“ Walter-Antrieb hat man deutscherseits offensichtlich doch nicht abgelassen, schließlich sollte die U-Boot-Klasse 204 von 1961 einen solchen Antrieb erhalten. Dafür wurden sogar schon 1960 zwei Testanlagen bei der Firma Helmuth Walters bestellt, von denen eine ab März 1964 ihren Betrieb aufnahm. Zum Bau von Booten der Klasse 204 kam es zwar nicht, jedoch ist eine der Testanlagen in Bremerhaven auf dem Gelände des Deutschen Schifffahrtsmuseums zu besichtigen. Diesbezüglich scheinen die NATO-Verbündeten also doch keine so großen Manschetten gehabt zu haben, den Deutschen einen außenluftunabhängigen Antrieb für U-Boote zu erlauben.
Also, schön die Kirche im Dorf lassen!
Mit freundlichen Grüßen Schorsch
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