Forum Marinearchiv
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Autor Thema: Drehen von Aluminium  (Gelesen 3804 mal)
0 Mitglieder und 2 Gäste betrachten dieses Thema.
Hartwig
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« am: 14 Mai 2006, 13:06:45 »

Hallo,
vielleicht kann mir jemand helfen, ich möchte Aluminium drehen und habe da einige Probleme. Wenn ich dünnere Durchmesser drehen möchte, z.b. 15cm Rohre, dann biegt das Werkstück in der Mitte ca. weg und springt auf den Meißel.
Kann mir da jemand helfen oder mir ne Seite nennen wo ich das nachlesen kann ? Danke
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Teddy Suhren
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« Antwort #1 am: 14 Mai 2006, 13:36:44 »

Hallo

Holzstab auf den Innendurchmesser des Rohres drehen und in das Rohr stecken.
Beides zusammen (also Rohr mit Innenstab) in das Drehfutter spannen und den Holzstab mit dem Rohr abdrehen.

Auf Schnittgeschwindigkeit und Drehzahl achten und ganz vorsichtig bei der Zustellung.

Ein Naturstahldrehmeißel ist besser als ein Hartmetallbestückter.

Letzer Vorschlag:
Nicht Rohr sonder Vollmaterial verwenden und von Außen nach Innen arbeiten. d.h. Erst das Rohr außen abdrehen und dann innen ein Loch bohren.

Ich bin kein Modellbauer sondern hab irgendwann mal Werkzeugmacher gelernt. Wir haben aber genug Modellbauer hier, die sicher auch was dazu sagen können.
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Gruß
Jörg

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Hartwig
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« Antwort #2 am: 14 Mai 2006, 15:39:40 »

Hallo Jörg,

danke für die Antwort. Ich benutze Vollmaterial und Hartmetallmeißel, allerdings weiß ich nicht welche die richtige Geschwindigkeit für Alu ist. Bei zu hoher Geschwindigkeit muß ich es doch kühlen oder ? Wenn ja womit.
Ich habe bis jetzt immer variiert mit verschiedenen Geschwindigkeiten, meist niedrige und mittlere Umdrehnugen, allerdings immer das gleiche Problem das das Werkstück anfängt zu schwingen und dann gehts schief.

Gruß Hartwig
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Teddy Suhren
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« Antwort #3 am: 14 Mai 2006, 16:25:53 »

Hallo

Bei Alu immer volle Fahrt.
Je kleiner der Werkstückdurchmesser desto höher muß die Drehzahl sein.
Alu ist ein guter Wärmeleiter, deshalb ist Kühlung nötig. Am besten nimmt man Bohremulsion, ein Gemisch aus Wasser und Oel (muß aber Spezialöl sein). Wenn du das nicht hast kannst du mal Spiritus (kein Witz, hat dafür aber andere Nachteile, wie man sich denken kann) probieren. Das ergibt gleichzeitig eine sehr saubere Oberfläche.
Ich weiß nicht ob deine Maschine einen automatischen Vorschub hat, wenn ja diesen ziemlich klein halten und wie gesagt wenig zustellen. Bei Handvorschub möglichst langsam und Hand über Hand am Vorschub drehen.
Die Schwingungen treten durch das lange Ausspannen des Werkstückes auf. Wenn dann noch die radiale Kraft vom Drehmeißel dazukommt, passierts.
Deshalb gilt: Werkstück immer möglichst kurz spannen.
Bei einer langen Spannung muß du die Schwingungen mit einem Gegenlager auffangen.
Hat die Maschine einen Reitstock? Am besten mit mitlaufender Körnerspitze? Die ist dein Gegenlager. Mit der Spitze das Werkstück so zentrieren, das es rund läuft.
 



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Gruß
Jörg

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harold
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« Antwort #4 am: 14 Mai 2006, 17:17:27 »

Servus Hartwig,

wie lange sind deine Werkstücke vor dem Abstechen?
Das mit´m Reitstock kann ich nur unterschreiben, der lässt sich auch leicht quer verschieben, um leicht konischen Belauf herzustellen. Walkt aber ziemlich am Material, unbedingt Dreibackenfutter ... also wenn´s nicht Aluminium sein muss ... warum nicht Bronze oder Messing? Geht ja auch leichter zum Lackieren.

Muss es ein Rohr sein? Oder reicht eine L/5-Absenkung an der Mündung, in die du dann Rohrkappen-Stücke einsetzen kannst?

Welchen Winkel hat dein Drehstahl? Für so eine weiche Schmiere wie Alu müsste der um die 70° liegen, nicht so über 80° wie bei härteren Metallen. Anstellwinkel so um die 5-6°, Freiwinkel ca bis 15°.

Feinpolieren auf alle Fälle mit Naßschleif-Leinwand, oder (bei Messing) mit einen harzreichen Stück Weichholz (Lärche, Kiefer) übers Hirnholz angesetzt.

Soweit die Tricks aus der Werkstatt des Medailleurs,

Harold
« Letzte Änderung: 14 Mai 2006, 17:22:29 von harold » Gespeichert

"Wenn dies auch der Wahrheit zu widersprechen scheint, so müssen wir doch der Rechnung mehr trauen denn unsrem allgemeinen Verstande."
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Hartwig
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« Antwort #5 am: 14 Mai 2006, 22:23:09 »

Hallo Harold,

ich möchte ganze Geschützrohre drehen, die Sachen die ich jetzt so probieren haben ca 10-15cm länge. Die Drehbank hat eine mitlaufende Körnerspitze und der Drehmeißel hat ca 75 Grad, ist schmal ca 5mm und ca 1cm hoch Typ HSS. Da ich noch Anfänger an der Drehbank bin erkläre mir bitte mal was "Anstellwinkel so um die 5-6°, Freiwinkel ca bis 15° ist.
Alu nehme ich da ich das fast für lau bekomme.

Danke für die Hilfe

Gruß Hartwig
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harold
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« Antwort #6 am: 15 Mai 2006, 00:41:47 »

Servus Hartwig,

Anstellwinkel = rot;
Freiwinkel = blau.



Je kleiner das Werkstück, desto "untermittiger" anfahren. Besser "nach oben wegdrehen" (=zu kleines Anstellen, gerissener Span) als  "seitig schieben" (= Freifläche drückt weg, kein Span).

Aluminium (und ebenso Kupfer) sind nicht ohne Grund bei Drehern verhasste Materialien... und aus dem gleichen Grund auch bei Medailleuren verpönt : Tombak, Kupfer, Zinn. Für Abspanung eigentlich ungeeignet!

Harold

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« Antwort #7 am: 15 Mai 2006, 07:54:24 »

Hallo

Ah, es geht ums Abstechen, beliebtes Thema...
"Unmittig" ist ein gutes Stichwort. Die Drehmeißelspitze so mit der Höhenverstellung des Meißelhalters einstellen, daß er etwas oberhalb der gestrichelten blauen Linie steht.
Wenn du die Möglichkeit hast: Die Meißelspitze anschrägen. d.h. Unter Beibehaltung der anderen Winkel, dem Meißel eine Schräge anschleifen, so das er nicht über die ganzen 5mm flächig am Werkstück anliegt.
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Gruß
Jörg

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« Antwort #8 am: 15 Mai 2006, 11:14:59 »

Hallo,
wenn es mit Alu nicht so gut geht, worauf muß denn geachtet werden wenn ich mit Messing drehen möchte z.B. Geschwindigkeit, Kühlung usw ?
Was muß ich mir unter einem Reitstock vorstellen und wie funktioniert das ?

Danke

Gruß Hartwig
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« Antwort #9 am: 15 Mai 2006, 12:14:28 »

Fotografier doch mal deine Bank, mail mir das Foto - und ich stells dann "beschriftet" hier rein.
Sonst reden wir am Ende aneinander vorbei ... der eine sagt Support, der andre Werkzeughalter ...

Reitstock ist das Ding, dessen "mitlaufende Spitze" exakt auf Spannmitte Futter steht, und das in Banklängsrichtung verschoben werden kann (auf der Bank "reitet").

Ciao,
Harold
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« Antwort #10 am: 16 Mai 2006, 20:03:04 »

Also hier mal das Foto deiner Bank, mit den (mir geläufigen : sorry, Drehen hab ich in Italien gelernt...) Bezeichnungen.



Nach deinem Foto scheint´s mir, dass der Support bei dir senkrecht zum Werkstück steht ... und der Stahl ebenso.
Rotier den Support mal so 12-17° gegen die Vorschubrichtung (wie in Schemazechnung), dann schneidet dein Stahl nur noch mit éiner Kante, und kann bei konischen Formabläufen den Rohling nicht mehr so leicht wegdrücken -
-vielleicht liegt´s daran?
Da deine Bank offenbar feinerweise mit einem Supportschlitten augestattet ist, bring diesen einfach nur in die benötigte konische Stellung und dreh die konischen Verläufe  damit!

Den Stahl feiner zu schleifen würde ich nicht empfehlen - immerhin braucht er noch ein klein wenig Masse, um die entstehende thermische Energie aufzunehmen, ohne "anzulassen" (=weich zu werden).

So mal für´s Erste,
Harold
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« Antwort #11 am: 17 Mai 2006, 22:16:25 »

Hallo Harold,

danke für die Tips, jetzt hat es schon besser geklappt. Hab da aber noch eine Frage, wie kann ich konisch drehen ? Ich bekomme das nich hin. Das sieht irgendwie völlig verrissen aus. Wenn ich die Geschützrohre aus Messing drehen möchte, auf was für eine Geschwindigkeit kommt es an ? Eher langsam oder sehr hochtourig.

Danke für die Hilfe

Gruß Hartwig
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« Antwort #12 am: 18 Mai 2006, 00:47:26 »

Servus Hartwig,

Messing relativ hochtourig, jedoch nur mit der SPITZE des Drehstahls. NIE vollflächig rangehen!!!

Auf deinem Support seh ich ja noch eine kleine Support-Spindel (das hellglänzende Ding unterhalb der Spitze ist ihre Vorschubhandel).
Versuch die konische Dreherei in Abssätzen doch entweder damit, - oder versetze den Reitstock (vermutlich mit den beiden Muttern oberhalb seines Bankfutters) um die Konizität hin zu dir. Geht aber nur bei Dreibackenfutter - Vierbacken-Futter walkt dir den Drehling "zu müde".

Ciao,
Harold


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« Antwort #13 am: 09 August 2006, 02:41:56 »

@hartwig


Hallo Hartwig, ich sehe von deinen Beiträgen raus, dass du ein wahrer Fachmann bist. Hast du einen Vorschlag, wie man eine 4mm Bohrung ca 200 mm lang in eine Baustahlwelle reinbekommt??

Grüße Manni
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« Antwort #14 am: 06 Dezember 2011, 16:17:43 »

Hi,
ich als Neuling in diesem Forum (aber gelernter Zerspanungsmechaniker) möchte auch mal meinen Senf zu dem Thema geben Smiley

Einer von euch schrieb: "Aluminium (und ebenso Kupfer) sind nicht ohne Grund bei Drehern verhasste Materialien..."

Würde ich so nicht unterschreiben. Beim Alukauf einfach drauf achten, welche Legierung euch angeboten wird. Einfach zu zerspanen ist AlMgCuPb, ne Legierung mit Bleianteil, lässt die Späne schön brechen. Je nach Zustelltiefe lässt sich Alu trocken bearbeiten (zumindest mit Hartmetallmeißeln oder Wendeschneidplatten).

Konisch drehen gelingt auf konventionellen Drehmaschinen am besten durch Verstellen des Oberschlittens. Noch besser: Jemanden fragen, der ne CNC-Drehmaschine hat und dir die Teile drehen kann Smiley. Ich weiss aus meiner Lehrzeit, wie sehr einem das Kegeldrehen von Hand auf den Sack gehen kann.

Zu der letzten Frage mit der 4mm Bohrung in ne Baustahlwelle:
1. unbedingt anzentrieren mit nem Zentrierbohrer
2. immer ausreichend kühlen, der KSS muss die Späne aus der Bohrung spülen, sonst knackt dir der Bohrer weg
3. fortlaufend entspanen. 10mm tief bohren, Bohrer raus aus der Bohrung, Späne wegspülen und weiterbohren.
4. N ausreichend langen Bohrer besorgen Tongue




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