Moin Moin liebes Forum,
einige werden sich jetzt sicherlich fragen, was ein Beitrag übers Kutter-pullen wohl soll. Aber bedenkt dabei, dass das pullen zur Ausbildung des Marinesoldaten gehört ( naja, ausser die Sani's vielleicht ).
Ich kann natürlich nur wiedergeben, wie wir das damals gemacht haben, aber ich denke, seit Kaiser's Zeiten wird sich da nicht viel verändert haben. Da ich alles aus dem Gedächtnis wiedergebe und dies mit zunehmenden Alter nicht mehr das beste ist, wäre ich für Vervollständigungen oder Fehlerberichtigungen dankbar.
Meine Grundausbildung zur Verwendungsreihe 23 " Operationsdienst " ( meist Radargast genannt ) absolvierte ich in der 11. Inspektion Marineortungsschule ( MOS ) Bremerhaven. Während dieser Ausbildung gabs natürlich allerhand Theorei zu büffeln, so das wir uns immer wieder freuten pullen zu gehen. Die MOS liegt an der Geeste und besass damals 2 Kutter ( MOS 2 und MOS 3 ).
Wie so ein Kutter aussieht, wird sich wohl jeder denken können, denn techn. Daten hab ich keider nicht im Kopf.

Man kann aber auch mal hier kucken :
KutterEin Kutter bietet Platz für 11, wenn's sein muss aber auch für 12 Leute. Ein Mann sitzt achtern am Ruder ( seemännisch Pinne genannt ) und ist damit der Kutterführer oder auch Steuermann. Ihm gegenüber befinden sich 5 Holzbänke, eigentlich Duchten genannt, auf denen sich 10 Mann befinden. Diese 10 Mann haben einen Riemen, Landraten würden Ruder sagen, um das Boot vorwärts zu bewegen.

Die dem Steuermann ( in der Ausbildung meistens ein Maat oder Obermaat ) gegenüber sitzenden 2 Mann der ersten Reihe heissen Backbord- und Steuerbord- Schlagmann, warum klären wir später. Für die nächsten 3 Pärchen ist mir die genaue Bezeichnung entfallen, jedenfalls waren das die Arbeitstiere. Die beiden Personen, die sich ganz vorn am Bug befanden, hatten etwas kürzere Riemen und hiessen auch Backbord- und Steuerbord-Irgendwas.

Das Pullen selbst erfolgte nach Kommandos des Steuermanns. Kommando 1 war Riemen richten oder so , d.h. den Riemen so drehen, das die breitee Seite zur Wasseroberfläche zeigte, um so wenig Luftwiderstand wie möglich zu bieten. Beim Kommando 2 wurden die Riemen eingetaucht und wieder leicht gedreht, um jetzt so viel wie möglich Widerstand zu bieten. Dann erfolgte das Kommando 3 , der Riemen wurde jetzt voll durchs Wasser gezogen und auf Kommando 4 aus dem Wasser herausgezogen. Bevor 10 Hohlköpfe das kapiert haben vergeht natürlich einige Zeit und daher haben wir nicht wenig Zeit auf dem Kutter verbracht.
Allerdings kam es auch vor , das der Steuermann keine Lust auf " Kommando geben " hatte ( bei Maaten meist der Fall ) . Dann folgt meist der Befehl " Rudern nach Steuerbord-Schlagmann " und das war ich. Der Steuerbord- Schlagmann hatte nun die Aufgabe das sogenannte Kommando 1 zu geben. Aber nur eine 1 zu rufen wäre natürlich zu einfach, daher musste der Schlagmann seinen Riemen ( die waren gewiss nicht leicht ) etwas anzuheben und in der Dolle ( Öffnung an der Bordwand [ Dollbord ], in der der Riemen liegt ) knallen zu lassen. Dies war sozusagen das Startsignal für jeden " Riemen durchs Wasser ziehen Vorgang ", der dann ohne Kommando 2- 4 erfolgte. Es musste also vor jedem Durchziehen der Riemen nur noch dieser Knall erfolgen. Zur Abwechslung durft dann nach einiger Zeit der Bachbord-Schlagmann übernehmen.
Meistens pullten wir auf der Geeste, obwohl wenn der Maat gut drauf war, wir auch mit Motorkraft auf die Weser hinaus schipperten und dort am deich vor den Mädels pullten.

Eine Begebenheit ist mir da noch in Erinnerung geblieben und zwar wieder mal beim pullen auf der Geeste.
Kommt da doch so ein Kerl mit einem Kanu vorbei und wie 10 junge Sprutze nun einmal so sind, werden die doch gleich frech und verlangten ein Rennen von den Kanufahrer.
Der natürlich mit einem Grinsen im Gesicht einverstanden. Jedenfalls erfolgte dann das Startkommando und ehe wir noch das Kommando 2 ausführten, war der Kerl doch schon um die nächste Flussbiegung verschwunden. Man war das wieder peinlich !
So ich hoffe, ich hab euch nicht zu sehr gelangweilt.
Bis dann