Moin Moin Forum,
wunschgemäss hier nun mal ein kleiner Einblick in die Arbeit eines Radargasten ( Verw.-Reihe 23 Operationsdienst ).
Pro Wache waren immer 4-5 Radargasten in der OPZ ( Operationszentrale ) aufgezogen. Diese hatten die unterschiedlichsten Aufgaben zu erfüllen.
1. Einer sass immer vor einer Radarkonsole , wie die aussieht, könnt ihr euch ja sicherlich denken, bestimmt schon mal im Film gesehen. Wir hatten davon sieben oder acht, die auf die verschiedenen Radargeräte aufgeschaltet werden konnten.
Meistens waren drei Konsolen auf das Seewarnradar geschaltet, die erste war meistens frei, es sei denn, es war viel Schiffsverkehr, dann sass dort ein zweiter Radargast. An der zweiten sass ein Radargast und an der dritten ein Uffz. als Radaroperator. Die Konsole bestand nun aus einen runden Bildschirm und vielen Knöpfen und einer Trackmaus ( wie mans vom Laptop kennt ). Unsere Aufgabe war es nun mittels der Maus auf das Radarecho zu gehen und " enter " zu drücken " ( das nennt man tracken ). Sinn des ganzen war es die Entfernung zum Objekt im Computer einzugeben, je öfter dies in der Minute geschah, um so genauer ist logischerweise die Entfernungs- und Richtungspeilung. Nebenaufgabe war es , auf " Stehende Peilungen " zu achten, d.h. das sich die Peilung zum Objekt nicht ändert, sondern nur die Entfernung verringert ( Kollisionskurs ).
Das ganze wurde vom Operator überwacht, der merkte dann auch ganz schnell, wenn man nicht ordentlich trackte. Damit der einen auch anschnauzen konnte, hatten wir alle BÜ-Kopfhörer auf, die so geschaltet sein sollten, das man auf dem rechten Ohr seinen Operator hört und auf dem linken Ohr dem takt. Funksprechverkehr lauschte, falls wir gerufen würden. Ich persönlich hab meistens den Kanal der Decksziegen auf mein Linkes geschaltet und mit denen Witze erzählt ( die haben sich beim Ausschau halten richtig gelangweilt ).
Der Operator hatte nun die Aufgabe uns zu überwachen und die Ziele zu identifizieren. Dies geschah in Absprache mit den Decksziegen, sofern Sichtkontakt bestand oder mit den ELOKA'S ( elektronische Aufklärung ). Er ordnete dann den Tracks Symbole zu für 1. Freund 2. Neutral 3.vermutlich feindlich 4. Feind, wobei die Russen zu meiner Zeit noch als vermutlich feindlich behandelt wurde, obwohl die Wende schon lange her war ( eine Feindeingabe hätte sofort einen Alarm ausgelöst, daher , wenn nicht im ernsten Gefecht immer vermutlich feindlich ). Da der Radargast dabei quer zur See sitzt, hält das keiner länger als 2 Stunden aus, so das dann eine Ablösung erfolgt.
2. Eine klitzekleine Nebenaufgabe bestand darin alle halbe Stunde die Eigenschiffsposition von der Brücke zu holen, natürlich von dem , der nicht gerade vor'm Radar sass.

Auf den Fregatten ist dies nicht mehr nötig, da geht das irgendwie automatisch. Und da Fregattenfahrer Weicheier sind, haben die auch eine Schwingungsgedämfte OPZ.
3. Einmal in der Woche gibts ja bekanntlich die " Nachrichten für Seefahrer " und wir mussten dann unsere Seekarten in der OPZ berichtigen.
4. Einer von uns sass immer am takt. Funksprechgerät und lauschte in den Äther.

Über diesen Funkverkehr laufen alle Anweisungen für die Verbandsfahrten , Aufstellungen fürs Manöver und alle anfallenden Absprachen , die so ein Verband mit sich bringt. Ihm zur Seite meistens auch ein Uffz zur Kontrolle ( vier Ohren hören mehr wie zwei ). Für Norddeutsche sehr prekär, da wir die Angewohnheit haben das " er " am Ende immer so lang zu ziehen. Rogeeeeer und Oveeeeer
5. Auch das Lagebild ( Gefechtsskizze ) erstellen war eine Aufgabe der Radargastes. Dabei packt man ein Stück Pergamentpapier über die entsprechende Seekarte und zeichnet während der Übung z.B. U-Jagd , alle Kurse und vermutete Feinpositionen mit , so wie wir das auch aus Büchern kennen.
6. Jeder Offizier oder Uffz. schrie rum, wenn er irgendeine Vorschrift oder Dienstanweisung brauchte, unsereins stolperte dann durchs halbdunkle in der OPZ und versuchte das Ding schnellstens zu finden.
7. Beim Manöver " Mann über Bord ", ok, eigentlich nur " Boje über Bord " musste unsereins den Koppeltisch freimachen und anschalten. In dem Tisch befand sich eine Koppelspinne mit einem kleinen Lämpchen, von uns war immer ein Stück Pergamentpapier auf der Koppelspinne vorbereitet. Stellte man den Tisch nun an , leuchtete immer ein Lämpchen in der Eigenschiffsposition. Sofort nach Einschalten, wurde über den Lämpchen ein Kreuz gemacht ( vermutliche Position der Überborgegangenden ). Das Lämpchen wanderte nun mit der Bewegung des Schiffes mit und wir machten in kurzen Zeitabständen wieder Kreuze auf dem Papier. So konnte man den Kurs des Schiffes mitverfolgen und der Brücke immer die Peilung des Mannes im Wasser geben ( wir haben alle Bojen wiedergefunden

).
So, das solls erstmal gewesen sein. Falls jemand Fragen hat, immer her damit.