Jo, ist schon da:
Artikel im Weser-KurierBREMERHAVEN. Die "Emma Maersk" war zu früh dran. Bereits um elf Uhr am Vormittag lag sie in der Außenweser auf Reede. Einige hundert Menschen warteten auf den Deichen, eine kleine Flotille von Booten war dem Neuling entgegen gefahren. Dass das gewaltige Containerschiff erst am Nachmittag in Bremerhaven auftauchte, lag an seiner schieren Größe. Denn der knapp 400 Meter lange Gigant schafft es mit seinem Tiefgang von bis zu 16 Metern nur bei Stauwasser bis zu den Containerterminals.
Gerade noch rechtzeitig war die auf einen Durchmesser von 600 Metern ausgebaggerte Wendestelle vor den Containerterminals fertig geworden. Erst am Donnerstag hatte die Hafengesellschaft bremenports Vollzug gemeldet - und damit in letzter Minute dafür gesorgt, dass die Reederei, Branchenprimus und größter Kunde in Bremerhaven, nicht noch umdisponierte. "Hätten wir es nicht geschafft, hätte Maersk sein neues Schiff gleich nach Rotterdam geschickt", bestätigte bremenports-Chef Jürgen Holtermann.
So aber konnten die Bremerhavener bei schönstem Sonnenschein zum ersten Mal den Anblick des himmelblauen Riesen mit dem roten Streifen genießen.Schon am Horizont ließ die "Emma Maersk" erahnen, mit welch gewaltigen Dimension sie daherkommt. Tatsächlich setzt dieser Maersk-Bau völlig neue Maßstäbe in der Containerschifffahrt. Offiziell mit eine Tragfähigkeit von 11 000 Standardcontainern (TEU) angegeben, gehen Experten davon aus, dass der Maersk-Neuling locker 13 000 Boxen laden kann - mal eben ein Drittel mehr als die bislang größten Frachter. Gestern waren allerdings nur ein paar hundert Container an Bord.
Denn erst vor zwei Tagen hatte die "Emma" mit der Abfahrt vom Ausrüstungspier in Aarhus ihre erste Rundreise im Maersk-Liniendienst zwischen Europa und Asien gestartet. Die erste große Ladung, rund 3000 Container für Rotterdam, sollen bis morgen Abend in Bremerhaven an Bord gewuchtet werden. Trotz der geringen Ladung warteten auch Fachleute gespannt auf die ersten Manöver. Das Wasser- und Schifffahrtsamt Bremerhaven hatte vorsorglich das teilweise nur 220 Meter breite Weserfahrwasser für den Gegenverkehr gesperrt. Zudem hatte sich Maersk den größtmöglichen Sachverstand an der Weser zusammengeholt.
Nach einer rund zweistündigen Revierfahrt enterten der Chef der Bremerhavener Hafenlotsen, Ältermann Jochen Schreiber, und der Hafenkapitän Andreas Mai die Brücke und lotsten zusammen mit Henrik Solmer, dem Kapitän der "Emma", den Giganten an die Kaje. Geleitschutz gaben die zwei stärksten Hafenschlepper, die Bremerhaven derzeit aufzubieten hat. Die "Bugsier 1" und die "Elbe". Der 7200 PS starke Kraftprotz der Unterweser Reederei (URAG) spannte sich als Zugpferd vor den mächtigen Bug. Majestätisch zog das Schiff in langsamer Fahrt an den Schaulustigen vorbei. "Ein Koloss", zeigte sich auch Schlepperkapitän Frank Hoten vor allem von der Höhe beeindruckt.
"Wir mussten ziemlich hart ziehen." Vor allem beim Wendemanöver. Petrus aber sorgte mit einem lauen Lüftchen aus Ost für optimale Bedingungen.Vorn ein Schlepper, hinten ein Schlepper, dazu wirbelten Bug- und Heckstrahlruder des schweren Containerschiffes das Wasser auf - und die "Emma Maersk" ließ sich auf engstem Raum drehen. Da erst, erzählte Mai später, löste sich die Anspannung auf der Brücke. "Das erste Mal ist doch ganz besonders", sagte der Hafenkapitän. Wie geplant lag die "Emma Maersk" kurz nach 16 Uhr fest vertäut an der Kaje. Bei der Premiere war alles wie am Schnürchen gelaufen. Musste es auch. "Solch riesigen Schiffe verzeihen kaum Fehler", so Mai. "Aber wir hatten alles gut im Griff."
Auch Häfensenator Jörg Kastendiek hatte sich das Anlegemanöver angeschaut und war begeistert: "Bremerhaven ist für das größte Schiff der größten Reederei erste Anlaufstation in Europa. Das beweist die Leistungsfähigkeit unseres Hafens." Für die "Emma Maersk" geht es ab morgen erst einmal nach Singapore, China und Japan. In acht Wochen ist der Riese wieder zurück - dann sicher auch mit deutlich mehr Ladung.