Hallo Hades,
im Prinzip hast Du recht, die Zusammenstellung hat natürlich ihre Zwecke.
Grosses "Aber": soweit Originaldokumente veröffentlicht werden (Band 2 ist das sog. Archiv Dirksen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Herbert_von_Dirksen ), ist das natürlich historisch interessant, ebenso wie deutsche Weißbücher (mit den Planungen der alliierten Generalstäbe) französische Gelbbücher und britische Blaubücher zum Kriegsausbruch.
Alles frisiert - aber soweit authentisch - interessant. Man muss ja nicht die jeweiligen Interpretationen mit übernehmen (wie das gewisse dt. Autoren mit den deutschen Veröffentlichungen machen).
Grüße
Thomas
EDIT Zur britischen Reaktion:
Im Report an das Kriegskabinett vom 1.11.1940 wurde ein Angriff deutscher Truppen durch den Balkan und Syrien hindurch in den Mittleren Osten für möglich gehalten. Der nächste Schritt der Achse wäre demnach die Okkupation Bulgariens und Griechenlands, danach Türkisch-Thrazien. Dabei würde Brückenköpfe auf der anderen Seite der Dardanellen gebildet.
Der Abschluß dieser Operationen wird für Ende 1940 eingeschätzt. Danach wäre eine Konsolidierung der Position in Anatolien zu befürchten, die Grundlage für einen Vormarsch nach Syrien und den nördlichen Irak ist. Die englische Ägypten-Position wäre danach unhaltbar, da die alternative Versorgungslinie über Palästina gekappt wäre.
Der englische Report geht davon aus, dass der deutsche Generalstab an diesem Vorgehen interessiert ist. Es lagen Informationen über den Bericht von General Paulus vor, dass eine Operation über den Balkan und die Türkei mit zwei motorisierten Korps durchzuführen sind. Dafür wurden drei Monate Zeitbedarf veranschlagt.
Das britische Oberkommando bezog diese Informationen in die strategische Planung ein, die sich wie folgt darstellte
1. die beste Gegenmaßnahme bestand in der Stärkung der möglichen türkischen Abwehr eines solchen Vorstosses. Damit wurde die Türkei - ähnlich wie im Frühjahr 1940 - erneut in die strategischen Überlegungen einbezogen.
2. gefordert und eingeleitet wurde die Verstärkung der Landverbände im Mittleren Osten für das Frühjahr 1941, um direkte Unterstützung für die Türkei zu bilden. Vorsorglich wurde eine britische Militärmission gebildet, die sofort nach dem Kriegseintritt in die Türkei verlegt werden sollte. Das Generalkommando wollte die verfügbare Zeit für eine türkische Unterstützung nutzen, und war dafür, den sofortigen Kriegseintritt der Türkei zu erreichen (vor den deutschen Balkan-Operationen). Dieses sollte desaströse Auswirkungen auf die italienische Offensive gegen Griechenland haben und das Risiko kompensieren, den deutschen Vorstoss vorzuverlegen (Stand der Beratung 17.11.1940). Die Beitritte von Ungarn (20.11.) und Rumänien (23.11.) zum Dreimächtepakt bildeten dabei schwere Rückschläge. Das britische Außenamt widersetzte sich dieser Strategie, hielt einen späteren Kriegseintritt für besser. Das Kriegskabinett entschied, den sofortigen Beitritt der Türkei (und Jugoslawiens) zu fördern für den Fall, dass deutsche Truppen in Bulgarien auftauchen. Die Türkei habe dann keine andere Fall, da sie bei Erfolgen der Achse im östlichen Mittelmeer ansonsten schnell isoliert dastehen würde.
3. Wavells Offensive gegen die Italiener (realisiert Anfang Dez.40) musste in der Konsequenz so schnell wie möglich erfolgen, da die Truppen im Frühjahr aus Nordafrika abgezogen werden müssen, wenn die Achse in Bulgarien einrücken würde.
4. Türkische Anfragen auf materielle Unterstützung müssen befürwortet werden.
Im Februar 1941 reiste Eden nach Ankara. Dabei äußerte die Türkei in den Gesprächen die Befürchtung, dass sie von Rußland angegrifffen werden, sobald sie in einen Krieg mit Deutschland verwickelt werden. Daraus zogen sie den Schluss, nur unter dem Umstand in den Krieg einzutreten, dass sie direkt angegriffen werden (im Gegensatz zur Position vom Herbst 1940, den Kriegseintritt mit Truppenbewegungen der Achse nach Bulgarien vorzunehmen).
zusammengefaßt aus Butler, Grand Strategy II, HMSO, S. 342 und 444