Liebe Forumsgemeinde
Unermüdlich auf der Suche nach Informationen über das Thema Seenotdienst sowie Schiffe und Boote der Luftwaffe, bei dem ich hier wahrscheinlich allein auf weiter Flur bin, habe ich das Glück gehabt einen Zeitzeugen zu finden der bereit ist mit mir Informationen über dieses Thema auszutauschen! Es handelt sich um den ehm. Uffz. G. Voigt von FL. B 5503.
An diese Informationen möchte ich Euch teilhaben lassen, sind sie doch aus allererster Hand! Herr Voigt hat seine Erinnerungen notiert und mir die Erlaubniss gegeben diese hier wieder zu geben. Euer Einverständniss natürlich vorausgesetzt.
Hier also einmal eine "Leseprobe" Quelle: G. Voigt
Bei Interesse tippe ich mir für Euch natürlich gerne weiter die Finger wund

Ich habe extra keinen neuen Thread eröffnet, bin ich doch der Meinung das der Bericht hier gut aufgehoben ist. So hier nun die Notizen meines Freundes und Kameraden ( ich darf Ihn so nennen!) G. Voigt:
Meine Erinnerungen an den Einsatz der Seenotgruppe 81 in der Ostsee 1944/45
Als die neue Luftwaffe Entstand bzw. Ausgebaut wurde, galt es Überlegungen zum Weiterausbau des Seenotdienstes zu verwirklichen. Die Katapultschiffe „Westfalen“, „Ostmark“, Schwabenland“ und „Friesenland“ konnten diese Aufgabe nicht lösen. Am 12.04.39 kam es zur Aufstellung des Seenotflug-Kommandos 1 in Zwischenahn. Der Initiator des Seenotflugdienstes und der Aufbau wurde zur Lebensaufgabe des späteren Hptm. Karl Born, der auch der Kommandeur der Seenotgruppe 81 wurde. Der damalige Oberstleutnant Konrad Golz unterstützte als Inspekteur des Seenotdienstes diese Einrichtung.
So wurden in der Nord und Ostsee in allen Häfen längs der Küste vom DGzRS, Lotsendampfer, Zollkreuzer und Schleppdampfer der verschiedenen Firmen erfasst und angewiesen, auf Aufforderung der Seenotzentrale des betreffenden Bezirkes sofort auszulaufen, um entsprechende Hilfe zu leisten!
Aufgabe des Seenotdienstes war, alle Menschen, ob Soldat oder Zivilist, gleich welcher Nation vor dem Ertrinkungstod auf See zu retten und unter ihnen die Verwundeten zu versorgen. Wenn also eine Meldung über ein notgelandetes Flugzeug eintraf, so brauchte nur von dem der Unfallstelle am nächsten gelegenen Hafen eines der erfassten Fahrzeuge angefordert werden. Außer diesen erfassten Hilfsschiffen und Booten verfügten die Seefliegerhorste über Flugbetriebsboote und auch hochseefähige größere Fahrzeuge die eigens für diesen Zweck gebaut waren. Eine vorläufige „Seenotdienstordnung“ führte aus, das die fliegenden Verbände an der Küste mit eigenen Mitteln einschließlich der Flugsicherungsschiffe und Boote der A und B-Klassen eine Rettung auf See vorzunehmen hatten. Eine weitere vorläufige „Seenotdienstordnung“ teilte die Nordsee in Zwei und die Ostsee in drei Seenotbezirke ein. Nordsee: Norderney und List a. Sylt – Ostsee: Kiel-Holtenau, Bug a. Rügen, Nest b. Großmöllen und Pillau. Im weitern Verlaufe des Krieges erhielt jede Luftflotte, deren Flugzeuge über See eingesetzt waren einen Seenotdienstführer
(SNDF). Als 1940 die gesamte Nord- und Westfranzösische Küste besetzt wurde, hatte der Wirkungsberei des Seenotdienstes seine größte Ausdehnung von ca. 18000 Km erreicht, was wiederum zu einer Strukturänderung führte. Die offiziellen Bezeichnungen änderten sich, z.B.
Seenotzentrale, Seenotbereichskommando und Seenotbezirksstelle, ab 01.06.42 in Seenotkommando! Die vorstehende Einteilung hielt sich etwa zwei Jahre. Im September 1944 wurde vom Oberkommando der Luftwaffe eine Vereinfachung der Führung des Seenotdienstes befohlen. Die Seenotstaffeln und Seenotflotillen wurden zusammengelegt zu „Seenotgruppen“. Die He59 wurde auf Grund Ihrer guten Flugeigenschaften als Seenotrettungsflugzeug und als Transportflugzeug eingesetzt. Nach Ausdehnung der zu versorgenden Küsten musste der Bootsbestand der Heimatdienststellen erheblich verringert werden. Aber der Bedarf an Seenotrettungsfahrzeugen wuchs ständig und so wurden die gebildeten Seenotgruppen mit Flugsicherungsbooten und –Schiffen verstärkt. FLB Boote wurden in größeren Serien von der Werft Gebr. Kröger in Warnemünde und Stralsund, in Kröger Lizenz auch von der Rolandwerft in Bremen und der Werft de Vries-Lensch in Amsterdam gebaut. Die Boote haben sich als wetterfeste mit guten Seeeigenschaften beim Seenotrettungsdienst an allen Fronten bestens bewährt. In der zweiten Jahreshälfte 1944, als der Durchbruch der Roten Armee bis an die Ostseeküste bei Reval und Riga gelang, die Baltischen Staaten nach und nach aufgegeben wurden, änderte sich die Lage schlagartig.
An allen Fronten mussten unsere Armeen der großen Übermacht der Gegner weichen. So standen z.B. der Heeresgruppe Mitte mit ihren 35 angeschlagenen Divisionen wie über 100 ausgeruhte sowjetische Divisionen gegenüber. Im Raum der Heeresgruppe Mitte lebten aber über 2 Millionen deutsche Kinder, Frauen und Männer, denn Gauleiter Erich Koch hatte geschworen „Ostpreußen bis zum letzten Blutstropfen zu verteidigen!“ Kein Zivilist durfte ohne Genehmigung der Partei Ostpreußen verlassen. Auf grund dieser Lage hatte Großadmiral Karl Dönitz befohlen, „jedes weitere Blutvergießen zu vermeiden“. Er befahl allen noch fahrbereiten Kriegs- und Handelsschiffen unter Reichsdienstflagge in der Ostsee die Kurlandhäfen anzulaufen, um auch noch die letzten Soldaten, Verwundete und Flüchtlinge vor dem Zugriff der Russen zu retten. Für die Seenotgruppe 81 hieß das : Flugsicherungsfahrzeuge an diese Front.
Fortsetzung folgt.
Schöne Grüße:
Chrischnix