Desaster 6. T-Flottille

Begonnen von T25, 31 Januar 2007, 16:18:48

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T25

Hallo,

hat jemand nähere Informationen zum Desaster der 6.T-Flottille im August 44 ?
Wie kann man in der eigenen Minensperre enden ?

"Bei dem Versuch, die »Seeigel«-Sperre zu verstärken, gerät am 17./18.8. die 6. T-Flottille (KKpt. Koppenhagen) in eine eigene Sperre und verliert T 22, T 30 und T 32 mit 393 Mann, die z.T. in sowjet. Gefangenschaft geraten. Nur T 23 kehrt zurück"

Gruß
T25

t-geronimo

Ich habe da nur Volkmar Kühn als Quelle.

Er schreibt, daß der Kommandant von T 23, Kptlt. Weinling, ausgesagt hat, das bei der Seeigel-Sperre IXB treibende Minen gesichtet worden sind.
Solche könnten also in der Nacht auch mal übersehen worden sein.
Die Seeigel-Sperre bestand ja schon, sie sollte nur durch einen weiteren Minenriegel verstärkt werden.

Laut Kühn hat Weigel aber auch ausgesagt, daß über das GHG Kurz nach 01.05 Uhr, also während der Rettungsarbeiten, Geräusche ausgemacht wurden, die zweifelsfrei als Torpedogeräusche angesprochen wurden. Anschließend wurden über das GHG auch Motorengeräusche geortet.
Um 01.14 wurden dann wieder Torpedogeräusche gehört und um 01.15 T 22 von einer Doppeldetonation zerrissen. Weigel sagte, die Explosionen haben ganz anders geklungen als die Minendetonationen vorher und ist sich sicher, daß T 22 von russischen Schnellbooten mit Torpedos versenkt wurde. Wiederum laut Weigel vertrete auch Kptlt. Peter-Pirkham, der sein Boot (T 31) bei anderer Gelegenheit durch russische Torpedotreffer verloren hatte, die gleiche Meinung.
Später beim Ablaufen wurde dann auch mindestens ein gegnerisches Schnellboot gesehen.
Warum T 22 trotzdem als "durch eigene Mine verloren" geführt wird, weiß ich nicht.

Insofern würden mich auch mal andere Quellen interessieren, weil Kühn ja ein wenig naja ist.
Gruß, Thorsten

"There is every possibility that things are going to change completely."
(Captain Tennant, HMS Repulse, 09.12.1941)

Forum MarineArchiv / Historisches MarineArchiv

Teddy Suhren

Hai

Etwa die gleichen Aussagen (Motoren- und Torpedogeräuche) kenne ich auch
und:

ZitatNach den wenigen Dokumenten und Berichten...muß als sicher angenommen werden, daß die 6. TFl, vielleicht durch irrtümlich falsche Navigation, auf Minen der Sperre Seeigel 9b geraten ist.

Wenn du das Buch noch nicht hast,
aus:
Wolfgang Harnack - Flottentorpedoboote
sei hiermit als Literatur dazu wärmstens empfohlen.  :O/Y
Gruß
Jörg

WoWarships Nick: Teddy191

Huszar

Hallo,

im Harnack steht auch, dass nach der Katasrophe mehrere S-Boot-Peilungen erfolgt sind (bis zu 25!), die Schlussfolgerung:

ZitatNach den wenigen Dokumenten und Berichten muss aber als sicher angenommen werden, dass die 6. TFl., vielleicht durch irrtümlich falsche Navigation, auf Minen der Sperre "Seeigel 9b" geraten ist.

Laut einer Skizze sollte die 6.TFl. die neue Sperre zwischen zwei anderen, älteren legen. Sollte also durchaus möglich sein, dass zu früh nach Norden eingedreht wurde (bzw zu weit nördlich gefahren worden ist)


mfg

alex
Reginam occidere nolite timere bonum est si omnes consentiunt ego non contradico
1213, Brief von Erzbischof Johan von Meran an Palatin Bánk von Bor-Kalán

Peter K.

ZitatWie kann man in der eigenen Minensperre enden ?
... Navigationsfehler!
vgl. auch Verlust von Z35 und Z36 am 12.12.1944 auf der eigenen "Nashorn"-Sperre
Grüße aus Österreich
Peter K.

www.forum-marinearchiv.de

Darius

Da habe ich doch wieder etwas zum Thema "friendly fire". 

Darius

T25

Hat jemand Infos zur Seeigelsperre wie Position, Ausdehnung und Art der eingesetzten Minen ?

Teddy Suhren

Hai

Im Buch "Minenschiffe 1939-1945" von Kurzleben, Schroeder, Brennecke gibts eigentlich alle von dir gewünschten Angaben.
Kleine Teilskizzen, Positionen, Art und Menge der Minen und Bojen usw.
Die Teilstücke der Seeigel Sperren sind über mehrere Seiten beschrieben. Leider fehlt ausgerechnet die 9b.
Von 3b bis 8b wird aber alles genauestens beschrieben.
Gruß
Jörg

WoWarships Nick: Teddy191

Peter K.

"Seeigel 9b" wurde am 06./07.08.44 von T22, T23 und T32, gesichert durch T30, geworfen.
exakte Sperrlage unbekannt
Grüße aus Österreich
Peter K.

www.forum-marinearchiv.de

Huszar

@TS:

"minenschiffe" beschreibt nur solche Unternehmungen, und Sperren, die NICHT von den Flottenstreitkräften (=von den aktiven Schiffen) gelegt wurden. Also Kreuzer, Zerstörer, T-/S-/M-/R-Boote werden nicht behandelt!

mfg

alex
Reginam occidere nolite timere bonum est si omnes consentiunt ego non contradico
1213, Brief von Erzbischof Johan von Meran an Palatin Bánk von Bor-Kalán

Teddy Suhren

Hai

Okay, hab ich doch glatt nicht dran gedacht.  :](*,)
Aber dann ist 9b ja im Harnack.  :-D
Gruß
Jörg

WoWarships Nick: Teddy191

Zerstörerfahrer

Wirich von Gartzen schildert die Ereignisse in " Flottentorpedoboote " so ähnlich.
Er kommt zu dem Schluss :
" Über Schuld und Verantwortung für diese Katastrophe wurde später eingehend recherchiert. Sind die Boote infolge Wind und Strom auf die früher geworfene Sperre gelaufen ? Sind sie in eine russische Flankensperre geraten ? Sind sie etwa von feindlichen Schnellbooten torpediert, oder sind frühere Sperren ungenau geworfen worden ? Die Fragen sind offen geblieben. "

Fazit : keiner weiss es genau, weil der letzte Beweis fehlt.

Teddy Suhren

Zitat von: Peter K. am 31 Januar 2007, 19:00:07
vgl. auch Verlust von Z35 und Z36 am 12.12.1944 auf der eigenen "Nashorn"-Sperre

Wurde diese Katastrophe genauso untersucht wie die der 6.TFl?
Gibts eigentlich Literatur speziell zu Typ 1936 B?
Gruß
Jörg

WoWarships Nick: Teddy191

Peter K.

@ALEX
ZitatLaut einer Skizze sollte die 6.TFl. die neue Sperre zwischen zwei anderen, älteren legen.
... das ist so nicht richtig, denn hier irrt Harnack!
Die Sperre "Seeigel 10b" war ja von der 9. Sicherungsdivision dafür gedacht, das Freiräumen eines Durchbruchsweges durch die Sperre "Seeigel 9b" durch sowjetische Mnenräumboote zu verhindern. Dazu hatten die vier Torpedoboote auch die entsprechenden Minentypen - jeweils 31 UMB und 23 EMR(K) - geladen, die in vier Reihen (Abstand 100 m) mit einem Minenabstand von 175 m von 59°31,3N/27°34,6E in Richtung 329° nach 59°35,5N/27°29,5E gelegt werden sollten. Davon warf aber nur T30 versehentlich 11 UMB und 7 EMR(K)!
Das im Harnack eingezeichnete, südwestliche Minenfeld (Nr.6) ist die dann tatsächlich ausgelegte "Seeigel 10B", die nach dem Desaster erst am 07.09.1944 von der 1.R-Flottille und der 24.L-Flottille mit 300 UMB, 84 EMR(K) und 80 RB zwischen 59°32,1N/27°37E, 59°36,3N/27°32E, 59°31,95N/27°36,4E und 59°36,1N/27°31,4E geworfen wurde.
Grüße aus Österreich
Peter K.

www.forum-marinearchiv.de

Peter K.

Ach ja, M.J. Whitley hat da zwei ausgezeichnete Artikel in der Marine-Rundschau dazu veröffentlicht:

Ausgabe 10/1983
Das Desaster in der Narwa-Bucht - Die Minenoperation der 6. T-Flottille von 18./19. August 1944

Ausgabe 5/1981
Kriegsschauplatz Finnenbusen 1944: Der Verlust der Zerstörer Z35 und Z36
Grüße aus Österreich
Peter K.

www.forum-marinearchiv.de

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