Carrier Glorious (engl.)

Begonnen von t-geronimo, 09 März 2007, 00:45:15

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t-geronimo

John Winton

"Carrier Glorious - The life and death of an aircraft carrier


Als Taschenbuch
Cassel & Co., 1999
254 Seiten, 31 Abbildungen, mehrere Karten

ISBN: 0-304-35244-6

Neupreis: 9,22€, versandkostenfrei!!
http://www.amazon.de/Carrier-Glorious-Aircraft-Military-Paperbacks/dp/0304352446/ref=sr_1_1/302-4609956-5061630?ie=UTF8&s=books-intl-de&qid=1173393742&sr=8-1

Inhaltsverzeichnis:
01. From Battlecruiser to Aircraft Carrier
02. Blue and Gold: flying days in the Mediterranean
03. Crisis in Abyssinia
04. The shadow of War: from Spain to Alexandria
05. Guy d'Oyly-Hughes
06. Invasion in the north
07. Carrier Task Force off Norway
08. d'Oyly-Hughes and J.B. Heath: the great feud
09. Operation JUNO: Scharnhorst and Gneisenau
10. The loss of Glorious
11. The ordeal of the survivors
Epilogue

Anhang:
- Extract from the log of Gneisenau for 8.6.40
- Extract from the log of Scharnhorst for 8.6.40
- Report by the Captain of the Scharnhorst, Hoffmann, on the gunnery action

- Quellen


John Winton zeichnet das Leben das Flugzeugträgers Glorious nach, der am 08.06.1940 unter so tragischen Umständen vor Norwegen von den deutschen Schlachtschiffen samt seiner beiden Begleit-Zerstörer versenkt wurde.
Und wie spät erst die wahren Umstände dieser Katastrophe ans Licht der Öffentlichkeit kamen, bei der nur 46 von über 1.500 Mann Besatzung überlebten, obwohl noch geschätze 900 die sinkenden Schiffe verlassen konnten.

Ich habe selten ein detailreicheres Buch gelesen!
Auch wenn eine "tabular record of movement" fehlt, so schildert Winton nach einer kurzen Einleitung mit der ebenso kurzen Geschichte des Schiffes als Schlachtkreuzer doch fast jeden Tag vom Umbau zum Träger bis zu seiner Versenkung.
Da Glorious in allererster Linie eines war, nämlich ein Versuchsobjekt zum ausloten, was die neue Waffe Flugzeugträger so bieten und erreichen konnte (und natürlich auch, wo ihre Schwächen lagen), wurde von ihr aus viel und intensiv geflogen.
Dabei schildert Winton sehr gut, wie die Briten bei der Ausführung von Torpedo-, Bomben- und Aufklärungsflügen Experten wurden und auf diesem Gebiet relativ gut vorbereitet in den Krieg gingen, wenn man die zu dünne Reserve außer acht läßt.
Ebenso zeigt der Autor auch auf, daß in Zeiten des "Denkens in Kanonen" manche Erfahrung über Flugzeugträger und ihre operative Anwendung erst in bitterer Kriegswirklichkeit gemacht werden mußte, um sie zu verinnerlichen. Man überschätzte die Schutzwirkung der Flak vor allem von einzelnen Schiffen und unterschätzte die Trefferwirkung von Torpedos auf Großkampfschiffe (vor allem der älteren Bauart). 1932 wurden z.B. bei einem Angriff auf das Schlachtschiff Resolution von 27 abgeworfenen Torpedos 7 Treffer erzielt. Man ging davon aus, daß Resolution lediglich 30% ihrer Geschwindigkeit eingebüßt hätte und noch 14 kn laufen konnte - nach 7 Torpedotreffern!!
Die vielen Angriffs-Analysen sind übrigens ein weiteres Plus dieses Buches.

Kurz vor Kriegsbeginn bekam Glorious dann ihren letzten Kommandanten. Der Autor durchleuchtet diese Person intensiv und schildert, wie praktisch sofort die Moral an Bord des Trägers, die lange Zeit sehr hoch gewesen war, in den Keller ging. Und das ausgerechnet kurz vor Kriegsbeginn.
Auch vom Einsatz vor Norwegen zusammen mit Ark Royal wird ausführlich berichtet.
Dabei geht Winton natürlich ausführlich auf den Konflikt zwischen dem Kommandanten und seinem Kommandanten der Luftkräfte ein und wie dieser in letzter Konsequenz sehr stark zum Untergang des Schiffes und seiner beiden Begleit-Zerstörer beitrug.
Operation JUNO und das Zusammentreffen der beiden Kampfgruppen wird dargestellt. Vom letzten Gefecht des Trägers werden dann vor allem Aussagen der Überlebenden angeführt, ebenso wie bei der Schilderung des langen Leidens der Überlebenden.

Am Ende stellt Winton dann das Schicksal einiger der Überlebenden dar und geht ausführlich darauf ein, wie lange es dauerte, bis die wahren Umstände dieser Katastrophe öffentlich wurden.

Letztendlich gelingt es auch Winton nicht, das letzte und große Geheimnis zu lüften: Warum ein so dekorierter und erfahrener Offizier, der sich von ganz unten bis ganz oben durchgearbeitet hatte und dem eigentlich nur noch das Victoria-Kreuz fehlte, die Moral seiner Männer, vor allem die seiner Offiziere, die für die Flugabteilung zuständig waren, innerhalb eines Augenblicks ins Bodenlose stürzte.
Warum dieser Mann einerseits ein hervorragender Analytiker war. Aufgestiegen im 1. Wk in der U-Boot-Waffe, erkannte er früh: "das Flugzeug ist die größte Bedrohung der U-Boote."
Warum hielt er dann später als Kommandant des Trägers keine fliegende Anti-U-Boot-Patrouille für nötig mit der Begründung "Es ist noch nie ein U-Boot von einem Flugzeug versenkt worden und das wird auch nie passieren"??
Warum ließ er an seinen Flugoffizieren oft kein gutes Haar und hatte doch immer Besorgnis und ein offenes Ohr für die Mannschaftsdienstgrade?
Winton gibt offen zu, daß auch er nach aller Recherche und nach vielen Gesprächen letztendlich diese Frage nicht bis ins letzte beantworten kann. Hindeuten tut allerdings einiges darauf hin, daß Guy d'Oyly-Hughes seine sehr egozentrische Person letztendlich zum Verhängnis geworden sein könnte.

Hervorzuheben ist noch, daß der Autor bei allem Aufzeigen des Versagens des Kommandanten (eigenwilliges herauslösen aus dem Verband aus egoistischen Motiven, keine Luftaufklärung, kein Krähennest besetzt trotz bester Sicht von 40+ km) doch nie anklagend den Finger hebt, sondern immer wieder auch seine positiven Seiten erwähnt.

Ich habe in der letzten Zeit selten ein solch gutes Buch gelesen!
Das Englisch von Winton ist allerdings sehr vokabelreich und somit nicht immer ganz einfach zu lesen gewesen. Aber aus dem Kontext heraus ist das meiste auch ohne Wörterbuch klar geworden.
Gruß, Thorsten

"There is every possibility that things are going to change completely."
(Captain Tennant, HMS Repulse, 09.12.1941)

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rosenow

Schade! in englischer Schrift :O/S
mit freundlichen Gruß
Michael


,,Macht`s gut und denkt daran!
Es gibt drei Sorten von Menschen:
Die Lebenden.
Die Toten.
Und die, die zur See fahren."
Hein Schonder

Zerstörerfahrer

Wäre ja glatt ein Grund doch noch englisch zu lernen.  :-D

Spass beiseite, Schau ich mir den Anhang so an, fällt mir doch die Ähnlichkeit zu Lochner's " Als das Eis brach " auf.
Lochner betrachtet bei der Beschreibung des Gefechtes beide Seiten, wobei mir wieder die Ähnlichkeit bei den Zeugenaussagen brit. Überlebener auffällt, könnte von gleicher Quellenauswertung zeugen.
Geht Winton eigentlich auch auf die Verwechslung der beiden Zerstörer ein, indem die brit. Admiralität der ARDENT den erfolgreichen Torpedoschuss zuschrieb  und das einige Überlebende der GLORIUS angaben , im Wasser beschossen worden zu sein, was Überlebende der Zerstörer Splittern des Artilleriegefechtes zuschrieben ?

Hans Jehee


t-geronimo

@ ZF:

Ja, darüber berichtet Winton am Ende, als er die "Aufarbeitung" des ganzen Vorfalls beschreibt.
Er schildert z.B. kurz, wie Leading Seaman Nick Carter, der einzige Überlabende von Acasta, offiziell von der Regierung als Lügner bezeichnet wurde, als er auf seiner Version beharrte, daß sein Schiff die letzte und erfolgreiche Torpedo-Attacke fuhr, nicht Ardent. Er wurde in seiner Heimatstadt Portsmouth auf offener Straße angegangen deshalb und bekam ständig Haß-Briefe.
Aber Carter blieb hartnäckig und konnte schließlich 1947 seinen Namen reinwaschen.


@ Hans:
Irgendwo gab es auch mal einen Link zu einer Anhörung im britischen Parlament zur ganzen Glorious-Geschichte.
Wenn ich ihn doch nur wiederfinden könnte...:roll:

War glaube ich im Schlachtschiff-Forum.
Gruß, Thorsten

"There is every possibility that things are going to change completely."
(Captain Tennant, HMS Repulse, 09.12.1941)

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t-geronimo

Noch ein kleiner Nachtrag:

Die Detail-Fülle erweist sich leider bei der Buchgestaltung als Nachteil, da die Schrift in der Taschenbuchausgabe, die mir vorliegt, sehr klein und das Buch somit sehr anstrengend zu lesen ist.
Da mußte ich mich erst mal dran gewöhnen... :|
Gruß, Thorsten

"There is every possibility that things are going to change completely."
(Captain Tennant, HMS Repulse, 09.12.1941)

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Hades

Zitat von: t-geronimo am 09 März 2007, 20:50:37
... da die Schrift in der Taschenbuchausgabe, die mir vorliegt, sehr klein und das Buch somit sehr anstrengend zu lesen ist.

Danke Thorsten, das war eine wichtige Information für mich und Ausschlusskriterium für die Taschenbuchausgabe. :-o Da muss ich mich nach einer gebundenen Ausgabe umsehen damit ich das stressfrei, ohne Anstrengung und genüsslich lesen kann.

Warum wurden nur so wenige Engländer gerettet?
Servus
Lothar

t-geronimo

Da die Briten erst sehr spät überhaupt bemerkten, daß ihnen drei Schiffe fehlten, gab es kaum Rettungs-Einsätze.
Die meisten Überlebenden wurden von norwegischen Booten gerettet, aber erst nach drei Tagen.
Bis dahin hatten Verwundungen, Erschöpfung und Unterkühlung bereits einen hohen Tribut gefordert.
Gruß, Thorsten

"There is every possibility that things are going to change completely."
(Captain Tennant, HMS Repulse, 09.12.1941)

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Darius

Hallo,

ich habe das Buch nun auch gelesen.

Ich kann es wirklich auch empfehlen.

Im Vergliech zu
http://forum-marinearchiv.de/smf/index.php/topic,3403.0.html

und

http://forum-marinearchiv.de/smf/index.php/topic,2954.0.html

hat es mir besser gefallen.

Gruß

Darius

P.S.: Taschenbücher lesen sich in der U-Bahn besser.

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