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Autor Thema: S.M.S GOETZEN - Information über ein Kuriosum  (Gelesen 8438 mal)
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Leutnant Werner
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Europa


« am: 04 Juni 2007, 21:11:07 »

Auszug aus Graichen, Gisela/ Gründer, Horst: Deutsche Kolonien – Traum und Trauma
(Ullstein, ISBN: 978-3-548-36940-2)
aus dem Kapitel „Zu Lande, zu Wasser und in der Luft – Technik und Wissenschaft in kolonialem Auftrag“, S. 325 – 327.

„Ebenfalls auf diesem See (dem Tanganjika-See) unterwegs war die „Graf Goetzen“, damals nicht nur das Flaggschiff der kleinen Seen- und Flußflotte der Deutschen, sondern mit einem Gewicht von 800 Tonnen das größte Schiff auf Afrikas Seen überhaupt. 1913 war sie im niedersächsischen Papenburg von den drei Schiffsbauern Hermann Wendt, Rudolf Tellmann und dem Meister Anton Rüter auf der Papenburger Meyer-Werft erbaut worden.

Doch Deutsch-Ostafrika erreichte das Schiff nicht als Ganzes. Die „Goetzen“ wurde von Schrauben zusammengehalten und nach der Montage wieder in ihre Einzelteile zerlegt. Sie wurde in 5000 Holzkisten verpackt. Anschließend gingen die drei Ingenieure mit den Kisten von Hamburg aus auf große Fahrt durch das Mittelmeer und den Suez-Kanal bis nach Daressalam. Die Mittellandbahn in Deutsch-Ostafrika, die dann die Fracht übernahm, führte damals noch nicht bis nach Kigoma am Tanganjika-See. Und so mußten Tausende von Trägern die Kisten schultern – und auch die drei Europäer -, um sie bis an das Ufer des Sees zu tragen. Es wurde ein monatelanges Unterfangen.

Im Frühjahr 1914 war man am Ziel. Bald würde der Kaiser selbst auf dem Schiff den See befahren, hieß es damals in Kigoma, der Hafenstadt am Tanganjika-See. Auf einer Anhöhe wartete der „Kaiserhof“ auf den Besuch des Potentaten. Der kleine Palast sollte als Ausgangspunkt für kaiserliche Safaris dienen. Doch Wilhelm II. setzte weder in den Palast noch auf die „Goetzen“ je einen Fuß. Die drei Papenburger standen kurz vor Beginn des ersten Weltkrieges unter erheblichem Zeitdruck und hatten diverse Schwierigkeiten zu meistern, wie einem Brief des Leiters des Unternehmens, Anton Rüter, an die Meyer-Werft zu entnehmen ist: „ Mit Ausnahme eines unbrauchbaren Tischlers und eines Elektrikers habe ich keine weiteren Europäer bekommen. Ich beschäftige jetzt 20 Inder und 150 Schwarze.“ Doch am Ende gelang alles. Schraube für Schraube, Metallplatte für Metallplatte entstand die „Goetzen“ neu. Am 5. Februar 1915 ging sie auf Jungfernfahrt.

Doch der erste Weltkrieg machte aus dem Passagier- und Frachtdampfer bald ein Kriegsschiff. Bewaffnet mit einer 10,5-Zentimeter-Kanone, die man aus dem 1915 im Rufijidelta versenkten deutschen Kriegsschiff „Königsberg“ geborgen hatte, befuhr die „Goetzen“ den See und versenkte einen kleineren britischen Dampfer. Sie diente dem Kommandeur der Schutztruppen in Deutsch-Ostafrika, Paul von Lettow-Vorbeck, als Soldatentransporter. Aber am Ende konnte auch der Einsatz der „Goetzen“ nicht die Niederlage der Deutschen abwenden. Nach zwei Bombenangriffen belgischer Wasserflugzeuge auf das Schiff befahl Lettow-Vorbeck, die „Goetzen“ zu versenken. Denn wer dieses Schiff besaß, beherrschte den Tanganjika-See. Gemäß dem Befehl versenkten die drei Papenburger Schiffsbauer ihr eigenes Werk . nicht jedoch ohne der „Goetzen“ eine kleine Chance zu geben, irgendwann wieder den See befahren zu können: Vor der Versenkung schmierten sie alle Maschinenteile sorgfältig mit Fett ein, in dem Glauben, nach dem Krieg wiederzukommen, die „Goetzen“ zu heben und erneut in Betrieb zu setzen.

Doch diese Hoffnungen erfüllten sich nicht. Geborgen wurde die „Goetzen“, aber nicht von den Deutschen. Zunächst versuchten es die Belgier. Doch bald nach der Bergung ging das Schiff 1920 nach einem Sturm im Hafen von Kigoma unter. Aber die „Goetzen“ war viel zu kostbar, um sie dort verrotten zu lassen. Einige Jahre später wagten sich die Briten, ab 1922 die neuen Herren in Kigoma, an die Bergung. Die Wiederinbetriebnahme dauerte 3 Jahre und kostete 30.000 Pfund. Am 16. Mai 1927 wurde das Schiff auf den Namen „Liemba“ umgetauft und mit dem Auftrag versehen, einmal pro Woche den 700 km langen See hinauf- und hinunterzufahren.

Das Schiff erfüllt seinen Auftrag noch heute, wenn auch mit Diesel- statt Dampfantrieb, und ist damit eines der dienstältesten Schiffe der Welt. 1951 holte der Hollywood-Regisseur John Huston die ehemalige „Goetzen“ ins internationale Rampenlicht. Als „African Queen“ ist sie der Star neben Humphrey Bogart und Katherine Hepburn, die Kulisse für den verbalen Schlagabtausch zwischen dem rauhbeinigen Kapitän und der spitzzüngigen Missionarstochter. Am Ende des Films wurde die „African Queen“ versenkt – allerdings nur deren Nachbau im Studio. In der Realität fährt sie noch immer und bleibt unter unzähligen Lackschichten die alte „Graf Goetzen“, das Schiff mit der vielleicht bewegtesten Geschichte der Welt. Zweimal gebaut, zweimal gesunken, zweimal gehoben und – von Zwangspausen abgesehen – seit fast 90 Jahren im Dienst.“

Anmerkungen:
1.   Der Bericht wird von einem Foto unterstrichen. Dieser zeigt den „Goetzen“ weiß angemalt mit einer 10,5 cm- Schnellfeuerkanone hinter einem schwarzen Splitterschild auf dem Forecastle.
2.   Goetzen führte außerdem standardmäßig als Gouvernementsdampfer 1 x 8,8 cm SK hinter Schutzschild (am Heck aufgestellt)  sowie 2 x 3,7 cm Revolverkanonen (einer mittschiffs vor Brücke, eine am Heck).
3.   Es hätten drei Dampfer werden sollen, von denen das Schwesterschiff RECHENBERG auf der Werft vor dem Stapellauf abgebrochen wurde
4.   Laut Gröner Indienststellung am 09.06.1915 als SMS GOETZEN. Es handelt sich damit um das einzige, noch vorhandene Kriegsschiff der ehemaligen kaiserlichen Marine (man möge mich bei Gelegenheit korrigieren)
5.   Das mit der „African Queen“ ist falsch dargestellt. Die „Queen“ ist die vergammelte Dampf-Pinasse von Humphrey Bogart, der deutsche Gouvernementsdampfer heißt im Film „Luisa“ und ich bin nicht sicher, dass es sich dabei um den „Goetzen“ handelt.
6.   Das es auf den großen afrikanischen Seen zu Versenkungen zwischen den Fahrzeugen der verschiedenen Kolonialmächte kam, weiß ich, dass aber „Goetzen“ etwas versenkt hat, war mir nicht bekannt. Um welches Fahrzeug handelte es sich dabei?

Ansonsten: Schön erzählte Geschichte

Gruß
Lt.


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« Antwort #1 am: 04 Juni 2007, 21:36:06 »

Moin Moin,

nicht nur die Geschichte der " Goetzen ", sondern auch die der anderen Dampfer auf dem Tanganjika-See ist sehr interessant, auch nachzulesen bei Lochner " Kampf im Rufiji-Delta ".

Hab jetzt mal kurz drin geblättert, aber nichts von der von dir angesprochenen Versenkung gefunden.
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Leutnant Werner
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« Antwort #2 am: 04 Juni 2007, 21:51:57 »

Das ist das, was ich meine, Rene: Der Röhr sagt auch nichts, und in dem stehen einige andere Versenkungen drin. Muss nicht alles stimmen, was Graichen/Gründner da herausgefunden haben.

Gruß
Ekke
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« Antwort #3 am: 04 Juni 2007, 23:38:28 »

Vielleicht als kleine Ergänzung, für alle die wie ich das Buch nicht haben und trotzdem gerne mal ein Foto sehen würden.

Als Graf Goetzen in Kisten auf Reisen ging

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Peter K.
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« Antwort #4 am: 05 Juni 2007, 08:46:05 »

Irgendwann ´mal gab´s da sogar eine brauchbare Fernsehdokumentation zum Thema !
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Grüße aus Österreich
Peter K.

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Kuestenjaeger
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« Antwort #5 am: 02 Dezember 2007, 19:26:13 »

Gestern,ich hatte nur mit halben Ohr hingehört,lief,ich glaube in "Hallo Niedersachsen",eine Sendung,in der einige Bücher vorgestellt wurden,darunter ein relativ neues Buch von Alex Capus,Titel  "Eine Frage der Zeit".

Wollte eigentlich das Kugler Buch "Landungswesen" mit in den Urlaub nehmen,aber das reizt mich jetzt doch etwas.

hier der Link mit Beschreibung und Leseprobe:

http://www.randomhouse.de...jsp?edi=184153&men=37

http://www.randomhouse.de...53&isbn=9783813502725  (35 Seiten Leseprobe)

sehr interessant ist aber auch die Homepage von Capus selber:

http://www.alexcapus.de/l...nks.html#einefragederzeit

Einfach auf das Foto klicken

Peter erwähnte eione Doku,keine Ahnung,ob es diese war,aber knapp über 6 min aus einer "aspekte"- Sendung,findest Ihr dort,tolle Quali.
Dort wird auch auf die Versenkung eingegangen,inklusive einiger alter Filmaufnahmen der Deutschen und der Briten.
(Empfehlung Breitband 2000)

bei Liemba.org sehe ich leider nichts,da ich Quicktime nicht installiert habe,vielleicht klärt mich jemand auf,ob es sich lohnt
..................
Voriges Jahr hatte ich mir dieses Buch mitgenommen,passend zum Thema:
http://www.figuren-modell...hichte-african-queen.html (einfach köstlich....) Matrose zwinkert



« Letzte Änderung: 02 Dezember 2007, 19:33:44 von Kuestenjaeger » Gespeichert
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« Antwort #6 am: 26 Januar 2008, 11:52:06 »

Aktuell----Gerade läuft auf NDR3 Ende: 12.15 Uhr :

Die lange Fahrt der "Graf Goetzen"
"Ein Schiff für Afrika"

Die Papenburger Meyer-Werft ist für den Bau luxuriöser Super-Kreuzfahrtschiffe bekannt. Weniger luxuriös, dafür aber äußerst beständig, ist ein Papenburger Dampfschiff, das seit fast 90 Jahren den Tanganjikasee im Herzen Afrikas befährt: die "Graf Goetzen". Sie hat so ziemlich alles erlebt, was einem Schiff zustoßen kann: Sie lief als Frachter, Fährschiff, Flüchtlingstransporter, Kanonenboot, sank mehrfach, wurde immer wieder gehoben und einmal sogar in die Luft gesprengt - allerdings nur mit Trick in dem Filmklassiker "African Queen". Heute heißt der Dampfer "Liemba" und ist das wohl älteste regelmäßig verkehrende Linienschiff der Welt. Seine ursprünglichen Besitzer hatten ihn nach dem deutschen Afrika-Forscher Graf von Goetzen benannt. Das Schiff wurde 1913 zur Unterstützung deutscher Schutztruppen in den afrikanischen Kolonien von Kaiser Wilhelm II. in Auftrag gegeben und im Baukastenprinzip von der Papenburger Meyer-Werft gebaut und gleich wieder in seine Einzelteile zerlegt. Per Schiff, per Bahn und sogar zu Fuß gelangte es in 5.000 Kisten von der Ems bis zum Tanganjikasee, in der damaligen Kolonie Deutsch-Ostafrika. Dort bauten drei Papenburger Ingenieure das Schiff zusammen und bekamen dafür "Tropenzuschlag". Und bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges präsentierte sich "Graf Goetzen" sogar als Kanonenboot. Der Film schildert die bewegte und streckenweise unfreiwillig komische Geschichte dieses schwimmenden Museumsstückes aus der Perspektive von Personen, deren Leben schicksalhaft mit dem Schiff verbunden war oder ist: Deutsche, Belgier, Briten, Tansanier. Ein Stückchen Kolonialgeschichte und eine Zeitreise durch die jüngere tansanische Geschichte, vielleicht auch ein Hauch von "Fitzcarraldo".
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« Antwort #7 am: 26 Januar 2008, 14:34:07 »

Wurde in dem Film gesagt mit welchen Flugzeugen die Belgier das Schiff 1915 angegriffen haben? Habs leider verpasst  sad
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Ulrich Rudofsky
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« Antwort #8 am: 26 Januar 2008, 15:13:51 »

Hier ist ein Modell  der legendären kleinen SMS GOETZEN (1915 HKS/Kanonenboot) die heute noch als MV LIEMBA am Tanganyika See schwimmt und z.Z. hunderte von Flüchtlingen  transportiert.  [Argos Modellbau V-29, LA 5,8 cm, Masstab 1:1250] http://www.alertnet.org/t...ea98860d1d3c0bb15f7cb.htm
http://s18.photobucket.co...&current=Goetzen1.jpg
http://s18.photobucket.co...&current=Goetzen2.jpg
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« Antwort #9 am: 26 Januar 2008, 15:23:08 »

Alles klar hat sich erledigt  grin Die Belgier hatten britische Short Admiralty 827 Wasserflugzeuge benutzt.

http://www.aviastar.org/a...nd/short_admiralty827.php
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« Antwort #10 am: 26 Januar 2008, 16:48:42 »

Habs leider verpasst  sad

Hatte es ja leider auch zu spät gesehen,kein Mensch denkt daran,das sowas auch mal mittags gesendet wird. Bin ich blöd.
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Ulrich Rudofsky
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« Antwort #11 am: 29 Januar 2008, 22:22:21 »

Zwei Mini-Videos über MS LIEMBA ex GRAF von GOETZEN: 

http://liemba.org/trailer.htm
http://ca.youtube.com/watch?v=fSLIEruoE38
http://de.wikipedia.org/wiki/MS_Liemba

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« Antwort #12 am: 18 Januar 2009, 08:19:47 »

Die Sammlung der Deutsche Kolonialgeschichte.

Graf Götzen

http://www.ub.bildarchiv-...1&user=RKigomaSPFV250

http://www.ub.bildarchiv-...t=1&user=RSGrafPFV250

http://www.ub.bildarchiv-...t=1&user=RSGrafPFV250

Korvettenkapitän Gustaw Zimmer

http://www.ub.bildarchiv-...1&user=RSPZimmerFV250

Schöne Grüße
Alex



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« Antwort #13 am: 18 Januar 2009, 10:01:31 »

Ich sehe da leider kein Foto,auch keinen Text,nur die Standardvorgaben,versucht mit Firefox und IE.
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Peter Strasser
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« Antwort #14 am: 18 Januar 2009, 10:52:07 »

Geht eine Ebene höher rein unter:

http://www.ub.bildarchiv-dkg.uni-frankfurt.de/

Da dann "Recherche im Bildarchiv" und fröhlich Suchbegriffe ausdenken.

Dort ist dann auch sowas zu finden, wie das anliegende koloniale Flußpatrouilienboot aus Deutschostafrika.


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