Forum Marinearchiv
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Autor Thema: Kriegsschiffdesign Damals und Heute  (Gelesen 1739 mal)
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ufo
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« am: 25 Juli 2005, 13:03:16 »

Tja – ich muss ja doch gestehen, dass ich mich, wenn es um moderne Kriegsschiffe geht, mit einer gewissen Ignoranz umgebe.

Ausgehend von einigen Hinweisen aus Kamerad schiffbauer’s Erfahrungsschatz in einem anderen Thread kamen mir einige Fragen in den Sinn:


Wie ist das denn Heutzutage eigentlich bei ‘Gross-Serien’; sowas wie die Arleigh Burke oder die Sovremeny Klasse … kauft die betreffende Marine da bei der Werft die Katzen im Sack? Wird da also von vorne herein ein Lot von fünf, sechs, sieben Schiffen geordert oder gibt es da doch soetwas wie einen Prototypen, ehe der Auftrag über die Folgebauten rechtsgültig wird?
Wie läuft da die Qualitätskontrolle seitens des Auftraggebers, wenn der erste Kasten offensichtlich nicht den Erwartungen entspricht?

Und ist es eigentlich noch gebräuchlich, dass eine Schiffsklasse vom Auftraggeber fertig durchgeplant bei zahlreichen Werften synchron bestellt wird oder ist die Spezialisierung soweit fortgeschritten, dass nurmehr einzelne Werften ganze Schiffsklassen liefern (können)?
Es gab es ja durchaus noch vor nicht so langer Zeit, dass ein Dampfer aus Emden kommt, einer aus Kiel, noch einer aus Hamburg. Liegt das daran, dass da ein Werftenverbund geplant hat und der Marine ein Fertigprodukt anbieten kann oder ist dass wie zu Führers Zeiten, dass die Marine selbst detailiert geplante Entwürfe bestellt und die verschiedenen Werften nur die Bauten liefern?  

Überhaupt – auf mich wirkt es so als habe sich die Aufgabe von Werften seit Mitte des letzten Jahrhunderts vom Bau von Kriegsschiffen viel weiter zum Entwurf und der Entwicklung von Kriegsschiffen bewegt.
Stimmt das so?

Haben moderne Marinen ein Äquivalent zum K-Amt?

So die Beobachtung stimmt – was hat diese Entwicklung bedingt? Warum ist die Kompetenz Kriegsschiffe zu Bauen von den Marinen zu den Werften gewandert?
Ist das auch in anderen Ländern so? Auf mich wirkt das so. Die US Träger aber auch Zerstörer kommen ja nur noch aus jeweils einem Haus.


Ja; wie bei mir üblich; wortreiche Ab-, Um- und Linksvorbeischweifungen. Dazwischen stehen viele Fragen. Über viele Antwortan würde sich freuen …

Ufo
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Mario
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« Antwort #1 am: 25 Juli 2005, 14:52:27 »

Und dabei hast Du noch die Tatsache vergessen, daß heutzutage viele Kriegsschiffe nicht nur für eine Marine, sondern gleich für mehrere Staaten entworfen werden. Früher hat jede Konstruktionsabteilung argwöhnisch auf die anderen geschielt und selbst den Mantel des Schweigens über ihre Neubauten gelegt. (Japans Yamato)  
Die Volksmarine bestand ja fast ausschließlich aus russischen Kriegsschiffe. Nur die Entwicklung einiger kleinerer Boote stammten aus einer DDR-Feder. Ich bin mir sicher, in der Bundesmarine sah und sieht es keineswegs anders aus.
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Scheer
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« Antwort #2 am: 03 August 2005, 23:48:35 »

Ich weiß nicht, ob ich damit wirklich richtig liege, aber ich sehe den Unterschied zwische damals und heute etwa so:
Damals war das Kriegsschiff ein Objekt zur Wahrung der Staatsmacht, welches dieses Staatsmacht massgeschneidert haben wollte.
Es war also ein den Staat darstellendes Objekt, und somit oblag seine Konstruktion natürlich dem Staat, bzw. den entsprechenden Organen.

Heute ist das Kriegsschiff eine "Ware". Dem Staat ist das Schiff im Grunde egal. Hauptsache der Kosten-Nutzen-Faktor stimmt. Ein Masschneidern kostet viel, eine "Konfektionsware" - designed by Werft - ist günstiger und erfüllt auch ihren Zweck.

Werften sind doch stark export abhängig. Warum also das Design von einem Staat diktieren lassen und blind auf durch eben diesen Staat) gefüllte Auftragsbücher hoffen. anstatt selber zu stylen und das Ergebnis unabhängig von der eigenen Nation zu verkaufen?
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schiffbauer
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« Antwort #3 am: 04 August 2005, 11:58:41 »

So ganz richtig ist das nicht, Scheer.
Auch heute ist noch jedes Kriegsschiff ein maßgeschneiderter Entwurf spezifisch auf die Forderungen der jeweiligen Marine hin konstruiert.
Eine Konfektionsware ist es nicht.
Du kannst einen Fregattenentwurf, der für die deutsche Marine konzipiert wurde, nicht an eine ausländische Marine verkaufen weil
 1. dazu eine staatliche Genehmigung notwendig ist (was vielleicht noch möglich wäre)
2. die ausländische Marine mit einer Reihe von Änderungen kommt, die sowieso eine Neukonstruktion erfordert.

Generell ist es hier in Deutschland so, dass die Schiffe für die heimische Marine in enger Zusammenarbeit zwischen der Werft (oder den Werften, die in einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen sind) und dem Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB) und der Marine konzipiert wird. Die Werften arbeiten den Entwurf dann detailiert aus.

Im Export läuft das anders. Da die ausländischen Marinen oder deren Staaten (normalerweise) nicht diese Fähigkeiten besitzen, werden die Exportschiffe von den deutschen Werften vollständig konzipiert und konstruiert. natürlich in enger Abstimmung mit dem jeweiligen zukünftigen Nutzer.
Das hat für die Werften den Vorteil, mehr technische "Bewegungsfreiheit" zu haben, verglichen mit dem oben beschriebenen Vorgehen für die deutsche Marine.
Deshalb beinhalten (normalerweise) die Exportschiffe im Vergleich zu den entsprechenden Schiffen der deutschen Marine einige interessante technischen Neuerungen, die in der Summe dazu geführt haben, dass Deutschland im Bereich von Fregatten und U-Booten und anderen Schiffsklassen weltweit führend ist und hoffentlich auch bleibt.

Aber dass kann nur so bleiben, wenn der nationale Auftraggeber weiterhin in ,mehr oder weniger regelmäßigen Abständen Aufträge vergibt. Die Mischung nationaler und internationaler Aufträge macht's!

Gruß
Schiffbauer
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ufo
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Name: Jens Uwe Sutter

Ort: Rhu, Scotland

Scotland


« Antwort #4 am: 04 August 2005, 12:58:24 »

Zitat von: schiffbauer

...
Generell ist es hier in Deutschland so, dass die Schiffe für die heimische Marine in enger Zusammenarbeit zwischen der Werft (oder den Werften, die in einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen sind) und dem Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB) und der Marine konzipiert wird. Die Werften arbeiten den Entwurf dann detailiert aus.
...
Gruß
Schiffbauer


War das zu Bismarcks Zeiten (des Dampfers, nicht des Kanzlers!) auch schon so? Haben B&V und Kriegsmarinewerft nennenswerte Beitraege an der Bismarck Klasse gehabt oder hat sich die Qualifikation ein Kriegsschiff zu entwerfen tatsaechlich von staatlichen Stellen mehr zu den Werften hin verlagert?

Danke!
Ciao,
Ufo
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schiffbauer
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« Antwort #5 am: 05 August 2005, 14:01:47 »

@ ufo,
das war zu Bismarcks und (Schiff) Zeiten auch so. Die Schiffe wurden von staatlichen Stellen (Konstruktionsamt) konzipiert und in ihren wesentlichen Merkmalen festgelegt. Die werften haben dann (nur noch) die Detailkonstruktion und die Fertigungszeichnungen erstellt (und natürlich die Schiffe gebaut!).
Nach dem Krieg hat sich dann die Qualifikation immer mehr zu den Werften hin verlagert.
Gruß
Schiffbauer
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