Ich hab a bissl gerechnet und gezeichnet. Das Folgende ist mein Ansatz zu einer Rekonstruktion.... mehr nicht!
Um so schnell Schlagseite zu bekommen, muss das Leck
1) a) mindestens über 20 m verteilt sein, dabei maximal 7 cm breit sein (muss auch kein durchgängiger Schlitz sein, punktuelle Durchbrüche vor den Spanten sind wahrscheinlicher) : das entspräche einem Wassereinbruch von ca 0,5 t /sec auf 2- 3 Sektionen (unten: über Foto die "Umzeichnung" seitenverkehrt).
b) es muss knapp unterhalb / an der Kante des Lower Deck entstanden sein - so werden wenige der Eiszellen geflutet, aber eben auch zT. die Kabinen des Lower Deck - mit fatalen Konsequenzen.
c) bis zu den ersten effektiven Gegenmaßnahmen müssen ungefähr 8 - 9 min vergangen sein (= ca 250-280 t Wasser im Schiff). Offenbar kann/konnte die Pumpenleistung die dabei eingetretene Schlagseite von ca 12° stabil halten.
(siehe unten, erste Skizze). Allerdings wird der Wassereinbruch nicht dort abgepumpt, wo er auftritt, sondern ein Deck darunter.
Vermutlich bleibt dieser Zustand während der Evakuierung des Schiffes stabil, es ist aber mehr als wahrscheinlich, dass die unterste Lukenreihe (Lower Deck) nicht oder nur teilweise in Verschluß ist.
Herstellen eines Verschlußzustandes wird infolge der raschen Evakuierung offensichtlich unterlassen.
Bis zu diesem Zeitpunkt gibt es (veröffentlichte) Augenzeugenberichte - ab Kollision ca 45 - 60 min.
Ab hier: meine Rekonstruktion:
2) Ab teilweiser Überflutung der untersten Bullaugenreihe steigt der Wassereinbruch schlagartig auf ca 1 t / sec (unten, zweite Skizze) - durch die ruckartige Zunahme der Schlagseite auf etwa 18-20° verringert sich jedoch der Einbruch auf die unteren Decks.
Zwar können diese zunehmend gelenzt werden, damit verbreitert sich die freie Fläche auf dem Lower Deck jedoch wieder, und es kommt zu erneuten und vermehrten Wassereinbrüchen und Flutungen der unteren Decks durch das Lower Deck und die in der Mitte angelegten Niedergänge.
In diesem Stadium wird offensichtlich versucht, den Druck von den noch nicht geborstenen Luken wegzunehmen, indem die "Explorer" mit AK über Achtersteven um ihre Schlagseite kurvt (Schiff durch Zentrifugalkraft aufrichten, Anströmdruck verringern). Das gelingt offensichtlich nur für kurze Zeit.

3) dritte Skizze: ab dem Zeitpunkt, als die zweite Lukenreihe teilweise überspült ist, erhöht sich der Wassereinbruch auf ca 2 t / sec. Die Pumpenleistung (die ausschließlich in den unteren Decks Folge zeigt) kann zwar die überströmende Menge bewältigen und somit die Flutung unter dem Lower Deck stabil halten, ein Abpumpen darüber ist jedoch illusorisch (Schiff evakuiert, keine Mannschaften um Schlauchleitungen zu legen). Ab hier ist sie nicht mehr zu halten.
4) vierte Skizze: stabiler Zustand für einige Stunden. Die Bbd-Abteilungen können nur sehr langsam durch die mittigen Niedergänge volllaufen. Jede Art von Pumpenansatz an StBd wäre kapazitätsmäßig weit davon entfernt, die Einbrüche über die oberen Decks zu kompensieren.
Früher oder später liegt sie mit fast 90° Schlagseite nach StBd. Über Rohrleitungen, Lüfter, Kabelschächte sickert sie Bbd voll und richtet sich teilweise sogar wieder auf. Wahrscheinliches Untergangsbild (nachts, nicht dokumentiert) auf ca 45° Schlagseite Bbd, über Bug abkippend.
Soweit meine Rekonstruktion...