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Autor Thema: LNG Tanker = Liquified Natural Gas Tanker – Supertanker LNG  (Gelesen 12518 mal)
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Captain Hans
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« am: 20 Januar 2009, 04:44:13 »

LNG Tanker = Liquified Natural Gas Tanker – Supertanker LNG

Ich möchte hier den hochbrisanten LNG Tanker vorstellen.

Diese Erdgastanker werden sehr stark von Indonesien, Japan, Nigeria, Iran, Malaysia, Australien, Algerien ,USA sowie in Norwegen und Kanada eingesetzt.
Die größten LNGs haben eine Kapazitaet von ca 266 000 m³ verflüssigtem Gas.
Diese Super Gastanker nennt man auch Q-max Tanker.

Das Gas wird mit ca minus 160 Grad in Anlagen an Land verflüssigt und an Bord gepumpt.
Der Transport erfolgt in speziellen isolierten Drucktanks  (meistens Kugeltanks) und wird waehrend der Reise nicht gekühlt.
Da die Ladung während der Reise sich trozdem erwärmt vergast ein gewisser Teil der Ladung. Dieses Gas wird ueber Rückleitungen zum Maschinenraum abgeleitet und dient zur Befeuerung der Kesselanlagen, die den Dampf für  die Turbinenantriebe dieser Schiffe erzeugen. Alle diese Schiffe sind im Doppelrumpfverfahren aus speziellen Stahl gebaut und daher extrem teuer.
Gibt es eine Leckage und fallen Tropfen auf das Deck so würde das – 160 Grad kalte Flüssiggas sich sofort durch das Deck „schweißen“. Da bei diesen Temparaturen  die Molekularstruktur des Stahls sofort zerfaellt.
Bei Änderung des Molekularzustandes des Gases von flüssig auf gasförmig entsteht eine ca. 600 fache Volumenvergrößerung d.h. ein 266 000 m³ großer Tanker befördert also 159,6 Millionen m³ Erdgas.

Für die gerade in Europe stattfindende Gaskrise stellen solche Tanker eine Alternative dar, das Gas koennte direkt aus anderen Ländern als aus Russland importiert werden. Das Argument daß die Verfluessigung des Gases sehr teuer ist, wird teilweise durch die Bau-, Wartungs-, Pump- sowie Passagekosten(z.B: Ukraine) von Pipelines ausgeglichen
Zur politischen Unabhängigkeit, sowie für Preisverhandlungen halte ich ein solches zusätzliches Tankersystem für West Europa für absolut notwendig.


LNG Tanker sind natürlich mit ihrer Ladung sehr gefährliche Schiffe. Eine Kollision von LNG Tankern hat noch nie stattgefunden – und wird hoffenrlich nie stattfinden !!!

Anschließend 2 Bilder eines aufgeschnittenen Models, die deutlich die Rumpf- und Tankkonstruktion eines LNG Tanker zeigen. (MOS Type Storage Tanks = Kugeltanks)

Modellfotos : Modelmaster.com













Membrantank LNG Tanker (Man beachte die unterschiedlich Tankform)



Der größte LNG Tanker der Welt (266 000 m³)




LNG Terminals Zeebrugge










Bauphasen eines Membrantank LNG Tankers
(Courtesy all pictures by Teekay Shipping Comp. Canada)

Kiellegung




Rumpfbau – Tankfundamente




Maschinenraumblock




Kesseleinbau




Turbine eingebaut


Fertigteil Aufbauten wird aufgesetzt



Rohbau fertig – Fahrt zur Ausrüstungspier




Skelett eines Membrantanks



Membrantank fertig




Einbau der Wellpumpen  im Tank




Fertigstellung des Hauptdecks




Maschinenraum Bb-Turbine




Der fertige Tanker






Zum Schluss moechte ich ein wenig auf die Sicherheitsrisiken der LNG Tanker und der Land basierten LNG Anlagen eingehen.:
Terrorismus ist natürlich eine große Bedrohung solcher Anlagen am Land.
Die Schiffe sind gegen Flugzeug oder Raketenangriffe nicht zu schützen.
Verflüßigtes Gas (-160 Grad) ist nicht brennbar d.h. eine Eigenexplosion ist nicht möglich.
Bei Leckagen oder Terrorangriffen stellt die größte Gefahr, die austretende entzündete Gaswolke dar.
In den USA und in Holland hierueber große Studien mit Computer Simulationen durchgefuehrt.
Sollte z.B.: die grosse Anlage in Rhode Island (New York) explodieren, wäre auf einem Umkreis von 50 km alles zerstoert.
Tanker sind noch nie kollidiert oder explodiert.
Explosionen von LNG Anlagen haben nur an Land stattgefunden.
Natuerlich sind Hochdruck überland Pipe Lines genauso oder vielleicht noch mehr gefährdet.
Anschliessen ein paar Bilder solcher simulierten Horrorszenarien sowie Bilder nach tatsächlich stattgefunden Explosion von LNG Gasanlagen.


Ohne Worte



Ausbreitung einer entzündeten Gaswolke Stufe1 (Computersimulation)




Die Ausbreitung einer entzündeten Gaswolke Stufe 2 (Computersimulation)



Gastanker nach Brand




Algerien 1998  Verarbeitungsanlage nach LNG Explosion (37 Tote)



Belgien LNG Gasleitungsbrand 2004 (50 Tote)




Weitere interessante links zum LNG Tanker System

http://de.wikipedia.org/wiki/Tanker#LNG-Tanker

http://en.wikipedia.org/wiki/LNG_carrier

http://www.zeit.de/2009/04/T-Erdgastanker

http://hormuz.robertstrausscenter.org/lng_tankers


Ich hoffe dies war eines interessantes Thema für Euch

Beste Grüße
Hans
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« Antwort #1 am: 20 Januar 2009, 09:00:19 »

Wieder eine ganz, ganz feine Zusammenstellung!! Klasse
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Schöne Grüße
Thorsten
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« Antwort #2 am: 20 Januar 2009, 09:12:13 »

Wie immer, Hans, brilliant!
Als Hinweis: Die USCG nimmt die Bedrohung durch willentlich in einen Hafen  gesteuerte LNG-Tanker als quasi schwimmende Bomben sehr ernst und arbeitet mit der USN an Lösungen, diese Schiffe ggf. zu stoppen ohne sie zur Detonation zu bringen - z.B. Leichttorpedo  in die Schrauben, wobei das ziemlich weit draußen passieren muss, wenn man den "Bremsweg" bzw. die Auslaufstrecke dieser Dinger berücksichtigt.
Ein schlüssiges Konzept wurde jedenfalls noch nicht vorgelegt, zumindest hier nicht bekannt!

Axel
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« Antwort #3 am: 20 Januar 2009, 09:19:57 »

Super interessant !  Top
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« Antwort #4 am: 20 Januar 2009, 13:27:08 »

Hallo Hans!

Danke, dass Du mir die "weniger interessanten" Schiffstypen nahebringst.

Denn: Die sind doch sehr interessant!
Habe Deine anderen Beiträge über die "normalen" Supertanker auch gelesen. Glatte 1!

MfG
Robert
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Captain Hans
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« Antwort #5 am: 21 Januar 2009, 14:26:17 »

hab noch was vergessen.

Es gibt weltweit ca. 235 LNG Tanker gegenüber ca. 3500 Rohöltanker

Gruss

Hans
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« Antwort #6 am: 08 April 2009, 12:05:35 »

man mag sich gar nicht ausdenken was passieren würde wenn wircklich son gas tanker  mal explodieren würde soweit ich weis haben sie auch ein verbot den golf von aden zu durchqwehren  !!!
man betrachte weis net genau welches jahr das war war glaub ich erster weltkrieg  was damals in Halifax passiert is und dieses schiff war nur mit sprengstoff und voller munition beladen die gesamte stadt wurd den erdboden gleich gemacht deswegen mag ich mir gar nicht ausdenken was passiert wenn son gas tanker explodiert ....

http://de.wikipedia.org/wiki/Halifax-Explosion
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« Antwort #7 am: 08 April 2009, 14:25:48 »

Jetzt stelle Dir mal vor, so ein LNG-Tanker wird durch Terroristen gekapert und rast auf einen Hafen zu! Wie willst Du den stoppen ohne dass er gleich explodiert.
Eine bei der US-Coast-Guard durchaus heiß diskutierte Frage...

Axel
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Ralf
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« Antwort #8 am: 08 April 2009, 15:24:43 »

@Hans: Super Beitrag!  Matrose gruesst Top
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Gruß
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Captain Hans
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« Antwort #9 am: 08 April 2009, 16:46:33 »

das Problem, Schiffe mit gefährlichen, hochexplosiven und toxischen Ladungen zu Terroranschlägen zu benutzen, ist ein Problem an dem weltweit
gearbeitet wird ohne eine absolute Sicherheit bieten zu können.

Wie leicht es ist, ein solches Schiff anzugreifen, zeigt das Beispiel der amerikanischen Fregatte im Jemen, der sich ein kleines Terroristenboot, voll
mit Sprengstoff einfach nähern konnte.

Man stelle sich das einmal bei einem LNG oder Chemikalientanker vor.

Beste Grüße

Hans
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« Antwort #10 am: 08 April 2009, 18:46:04 »

Das war ein Zertörer der "Arleigh Burke" Klasse, die "Cole".
Aber mal ernsthaft, welche Alternativen hat man denn? Kleiner Torpedo in die Schrauben? Und wenn der Dampfer das zu spät abkriegt rauscht er erstmal weiter für ein paar Meilen.
Entern, von See/ aus der Luft? Dann eben ab zu den 72 Jungfrauen, gezündet würde das Ding immer! und nun??? huh

axel
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« Antwort #11 am: 08 April 2009, 19:05:59 »

@axel

du hast ja recht - es ist fast unmöglich ein Schiff aber auch Hafenanlagen absolut zu schützen.

Die Gefahrenzonen militärisch abzusichern wäre ein gewaltiger Aufwand.
Eine umfassende Lösung dieses Problems gibt es, so viel ich weiß, momentan nirgendwo.

Ob Piraterie oder Terrorrismus, welches ich gleich setze, müßte globalisiert gemeinsam und viel intensiver bekämpft werden und zwar
dort wo sie entstehen und nicht dort wo sie bereits zugeschlagen haben.
Das dies politisch sowie realistisch ein Traum bleibt, ist mir schon klar.

Also müssen wir mit diesen Gefahren leben.!!!!

Gott sei Dank gibt es in Costa Rica nichts, was sich lohnt in die Luft zu jagen und politisch hat dieses Land auch keinen Einfluß.

Dafür ist es "Refuge" für einige Ex-Diktatoren, allerdings nur, wenn sie mit viel Geld kamen.
 
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Bluesky2233
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« Antwort #12 am: 18 Februar 2010, 18:00:14 »

hallo capt.hans,

schoen das sich jemand des thema LNG annimmt, doch sollte vorher richtig recherchiert werden.

wenn man den artikel schon mit "hochbrisant" anfaengt, weiss unsereiner gleich wo es hingeht,
unsereiner soll heissen , jemand der seit 15 jahren auf LNG tankern faehrt und davon die letzten 7 als kapitaen.

bis heute wurden 413 schiffe und bargen gebaut oder befinden sich in der planung, 27 davon sind ausser dienst oder im umbau
zu FRSU.

18 schiffe der aktiven flotte koennen ihre ladung kühlen und rückverflüssigen, diese schiffe sind durch dieselmotoren angetrieben.

die meistgebräuchlichsten tankformen sind kvaerner-moss (kugel) und NO96 oder Mk.III systeme als membranetanks,
ca.60% der schiffe sind mit mebranetanks ausgerüstet da diese kostengünstiger beim bau sind.

die bildergalerie gibt einen schoenen überblick zum thema, leider sind einige bildbeschreibungen nicht ganz korrekt,

Bild der "LNG Lokoja" - dies ist ein schiff der 148000m3 klasse, das erste schiff der 266000m3 klasse war die "Mozah" und
damit das groesste LNG schiff.

gruss bluesky
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olpe
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« Antwort #13 am: 18 Februar 2010, 21:18:51 »

Für die gerade in Europe stattfindende Gaskrise stellen solche Tanker eine Alternative dar, das Gas koennte direkt aus anderen Ländern als aus Russland importiert werden.
Hallo,
ja, das ist in der Tat ein interessantes Thema. Ein Jahr nach der genannten Feststellung von Kapitän Hans ist die Situation auf dem europäischen Gasmarkt genau umgekehrt: aufgrund der Wirtschaftskrise, der vertragskonformen Lieferung von Erdgas aus Russland über das östliche Festlandsleitungssystem (JAMAL-Europa/NORDLICHT, PROGRESS/SOYUS u.a.)  und der verstärkten Anlandung von 'frei' handelbarem LNG ist die Situation genau umgekehrt: es ist zuviel Gas im Markt, die Leitungen und Speicher sind voll, der Preis an der EEX (Energiebörse in Leipzig) relativ niedrig.

Zwei Fachfragen an bluesky:
1. Technik: im Leitpost ganz zu Anfang wurde erwähnt, dass Leck-Gas aus dem Tank aufgefangen und für den Antrieb genutzt wird. Ist das in der Tat so? Erdgas möchte in Motoren gerne fremdgezündet werden, bei Dieselmaschinen ist der Einsatz etwas schwieriger ... wie wird es an Bord gemacht ... ?

2. Gasmarkt: es hält sich das Gerücht, dass - ähnlich wie bei Öltankern - bei einer möglichen besseren Erlössituation mitten auf der Fahrt die Tanker umgeleitet werden, statt Hafen A (Europa) in den Hafen B (z.B. USA). Wie sieht das in Praxis aus, wird so wirklich 'gehandelt'?

Freue mich auf Dein Re:
Grüsse
OLPE
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« Antwort #14 am: 19 Februar 2010, 00:49:13 »

hallo olpe,

erstmal handelt es sich nicht um "leckgas" sondern boil off, sollheissen das gas was auf der flüssigkeitsoberfläche im tank verdampft.
dieses wird erwärmt und dann über gasbrenner in den kesseln verbrannt (bei turbinenschiffen),
also ein dualbetrieb mit schweröl und gas, es besteht aber auch die möglichkeit nur mit gas (ladung) zu fahren,
gern genommen wenn der gaspreis weit unter dem schwerölpreis liegt.
bei viertaktern geht das ganze nur bei sogenannten konstantläufern auf schiffen mit gas/diesel-elektrischem antrieb.


zur zweiten frage: es gibt einen sogenannten spotmarkt, wo ladung ohne festen käufer auf obtion gekauft und gehandelt wird,
besonders gern im winter und auf dem US-markt, dabei kann es sein das man seine ladung in nigeria für belgien nimmt, sie aber
auf dem weg dorthin weiterverkauft wurde und man dann z.b. nach lake charles in USA fährt.
die sache hat natürlich grenzen, wenn soviel gas verdampft das 90% der geodätischen tankhöhe erreicht wird muss die ladung raus.

gruss bluesky
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