Einer PN-Anfrage folgend
("... wie errechnet man den Verdrängungsschwerpunkt eines Schiffskörpers?") hier ein Fortsetzungsartikel zu
http://forum-marinearchiv...dex.php/topic,1013.0.html und
http://forum-marinearchiv...ndex.php/topic,372.0.htmlDie Lage des Verdrängungs- (oder auch: Form-) Schwerpunkts einer Unterwasserform kann durch 3 Koordinaten festgelegt werden - gehn wir mal vom auf CWL getrimmten Schiff aus, so sind dies
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lateral auf der Mittschiffs-Linie (denn unsere Form ist lateral symmetrisch)
-
longitudinal der Punkt, von dem aus die Verdrängungen vorlich und achterlich identisch sind (siehe auch
http://forum-marinearchiv...ndex.php/topic,753.0.html ... von dem es inzwischen eine verbesserte Version gibt) - dieser Punkt lässt sich sehr leicht durch eine prozentuelle Teilung des schiffsmittigen Auftriebsvolumens errechnen (calc-U liefert das per linearer Funktion), und
-
vertikal: also
in welcher Höhe über Kiel (oder unterhalb der CWL) ist der Schwerpunkt der Verdrängung?
Step by step... wie üblich, ohne mathematisch-physikalische Vorbelastungen...
Als Schwerpunkt der Verdrängung definiert: Formschwerpunkt des Unterwasserschiffs -und wenn ich nun eine Schiffs-Scheibe (wir reden hier nur von dem Unterwasserschiff!) hernehme (genauso, wie ich einen Brotwecken in Scheiben schneide)- dann kann ich aus diesen einzelnen Scheiben den Gesamtschwerpunkt ermitteln (wo er in Längsrichtung sein soll, wissen wir inzwischen, und auch, dass er seitlich mittig liegt. Also interessiert uns nur noch die Höhe).
Gedankenexperiment: ich nehm ne U-förmige Brotscheibe, und spieße sie so auf einen Bleistift, dass sie waagrecht ist.
Klar: exakt zwischen linker und die rechter Hälfte des U (die Scheibe ist symmetrisch);
und auch klar: eher ein wenig vom Bauch des U weg hin zu seiner "geraden" (in unserm Fall: CWL) Begrenzung.
Da meine Bleistift-Spitze die Gewichte exakt nach jeder Seite auspendelt, weiß ich, dass (in jeder Richtung) die Hälfte des Gewichts jeseitig gleich sein muss - also auch zwischen "Bauch" und "rechteckiger Seite" meiner Brotscheibe.
Das heißt also auch, dass die Fläche meiner Brotscheibe "unterhalb" (zur graden Seite hin) und "oberhalb" (zur U-förmigen Seite hin) identisch sein muss.-
Statt Brotscheibe neh'm mer mal Spantquerschnitt des Unterwasserschiffs, und schaun wir uns dies (unser Brotwecken liegt jetzt allerdings aufm Rücken) an:
Oben die Ermittlung des Spant-Koeffizienten (cS) - entweder zählt man die Kästchen aus, oder ein gnädiges Computerprogramm übernimmt dies - aber cS = o.96 heißt, dass 96% des Rechtecks von lokaler Breite und Tiefgang durch den Schiffsquerschnitt ausgefüllt werden (also durch die "Schiffs-Scheibe", analog zu Brot).

Erfreulicherweise hat unser Hauptspant kaum Aufkimmung - d.h. wir können 48% des Tiefgangs T (also die Hälfte unserer "Ausfüllung") von oben her weg nehmen, um auf den "Schwerpunkt der Scheibe" zu gelangen (wir reduzieren den Tiefgang auf die Hälfte des Spantkoeffizienten, tun so, als ob wir jetzt ein Rechteck von [(T mal cS) mal lokale Breite] hätten) ... und da isser, unser
Formschwerpunkt, vertikal (ob wir'n jetzt über Kiel messen, oder unterhalb CWL, ist wurscht. Hauptsache, wir haben ihn!
Soweit mal (macht euch n Bier auf!)... und dann kommen die leidigen Sonderfälle.
Und so wenige sind das gar nicht!
Lassen wir mal vorerst die Rümpfe mit fast dreieckiger Eintauchung (Katamarane!) beiseite -
- denn wir haben sowohl im Heck, als auch im Bugbereich von Schiffs-Formen andere Koeffizienten (und natürlich Formen) ... und da gilt die oben genannte Näherung aber schon lange nicht mehr.-
Aber bevor ich darauf näher eingehn möcht, hier noch ("zur Beruhigung") die vertikale Schwerpunktlage desselben Rumpfes:

Die orangen Punkte sind die jeweilige Lage "pro Scheibe".
Der Spant-Riss zeigt die Lage für den gesamten Schiffskörper ; die Seitenansicht die Lage der jeweiligen Form-(Verdrängungs-) Schwerpunkte lateral.
Die Bestimmung des vertikalen Formschwerpunkts nach unserer handgeschnitzten Berechnung
F (unter CWL) = T*cS/2 (Lage F ist bei : halbem Tiefgang mal Spantkoeffizient -unter CWL)
gilt hier annäherungsweise (Puristen bitte für mich fremdschämen!);
aber sowohl an Heck als auch Bug (beides auftriebsarme, und daher für hydrostatische Berechnungen zu vernachlässigende Bereiche) gilt dies schon bald nicht mehr.
Als nächstes möchte ich deshalb auf
- Heckgestaltung britischer Kreuzer, bzw der dt. Panzerschiffe, und Flugzeugträger-Heck- sowie Bug-Gestaltung in Japan, US und D in den Ausführungen/Planungen der Dreißigerjahre eingehen (Krängungsbelastungen der Schiffsenden);
- und eventuell auch noch auf vertikale Form- und Massen-Schwerpunkte von "dauergekrängten" Schiffen, zB solchen unter Segeln eingehen.
Aber ich fürchte, zuvor muss ich noch a bissl Theorie machen...

Harold