Könnten dann die Turbinenräume kleiner dimensioniert werden?
Ja, bei Verwendung von Zahnradgetrieben können die Turbinen viel kleiner und mit höherer Drehzahl gebaut werden, als wenn sie die Antriebswellen über Föttinger-Transformatoren oder gar direkt antreiben.
Fallen die Rückwärts- und Niederdruckturbinen weg?
Nein, Zahnradgetriebe sind im Gegensatz zu Föttinger-Transformatoren und deren Weterentwicklung, dem Vulcan-Getriebe, nicht umsteuerbar und benötigen daher eine Rückwärtsturbine!
Dazu ist vielleicht noch folgendes zu schreiben:
Alle deutschen Schlachtkreuzer einschließlich HINDENBURG hatten das selbe Antriebskonzept:
Zwei Turbinensätze trieben
vier Wellen an, indem je eine HD-Turbine direkt auf jede Außenwelle und je eine ND- mit RW-Turbine direkt auf jede Innenwelle wirkte. Die Turbinendrehzahlen mussten damit auch gleich der Wellendrehzahl sein und kamen über 330 nicht hinaus, um die Kavitation der Schrauben zu verhinden.
Diese Schiffe konnten also nur mit den beiden Innenwellen rückwärts fahren und die Innen- und Aussenwelle jeder Schiffsseite waren dampfmässige zusammengehörig, was wiederum erhöhte Gefahrenmomente im Gefecht bedeutete.
Etwas undurchsichtiger - zumindest für mich - ist die Sachlage bei der MACKENSEN- bzw. Ersatz YORCK - Klasse:
Klar ist lediglich, dass nur
drei der sieben Schiffe - Ersatz FRIEDRICH CARL (Neubau A), Ersatz YORCK und Ersatz GNEISENAU - jeweils
vier Turbinensätze mit Föttinger-Transformatoren auf die
vier Antriebswellen und zusätzlich zwei Marschturbinensätze, bestehend aus je einer HD- und ND-Turbine über zwei Zahnradgetriebe auf die beiden
Außenwellen wirkend, erhalten sollten.
Hier haben wir also vier Turbinensätze, die jeder für sich und ausschließlich auf eine eigene Welle arbeiten, umsteuerbar sind und durch die beiden Marschturbinensätze ergänzt werden.
Die Drehzahl der Hauptturbinen dürfte bei maximal 1.350 Umdrehungen gelegen haben, jene der Antriebswellen bei 320, was einer Untersetzung durch die Föttinger-Transformatoren von 1:4,2 entsprach. Die Rädergetriebe für die Marschturbinen arbeiteten hingegen mit einer Untersetzung von etwa 1:9,4!
Auch die vier restlichen Schiffe - MACKENSEN, GRAF SPEE, PRINZ EITEL FRIEDRICH und Ersatz SCHARNHORST - sollten die beiden Marschturbinensätze mit Rädergetrieben bekommen, allerdings auf die beiden
Innenwellen wirkend.
Betreffend der Hauptturbinen schreiben verschiedene Autoren, dass
zwei direkt wirkende Turbinensätze für die
vier Antriebswellen vorgesehen gewesen seien. Schematische Skizzen zeigen aber neben den beiden Marschturbinensätzen
vier Aggregate in den Maschinenräumen, was wiederum die Vermutung zulässt, dass das "alte" Antriebsschema - HD-Turbinen auf den Außenwellen und ND- mit RW-Turbine zusätzlich zu den Marschturbinen auf den Innenwellen - zur Anwendung kommen sollte. Dagegen spricht allerdings die teilweise Beschriftung dieser Aggregate mit "HD-
und ND-Turbine" ...