Forum Marinearchiv
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Autor Thema: Schornsteinfeger - was ist das?  (Gelesen 716 mal)
0 Mitglieder und 2 Gäste betrachten dieses Thema.
Spökenkieker
Oberfähnrich
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Beiträge: 308


« am: 25 Februar 2009, 16:51:51 »

Habe in einem Unterseeboots-KTB den Passus entdeckt "Abbau Schornsteinfeger". Was ist damit gemeint?
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Reiner
Fähnrich
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Beiträge: 281

Deutschland


« Antwort #1 am: 26 Februar 2009, 07:35:32 »

Zitat Peter K. aus einem anderen Thread hier :

"ALBERICH", ein gummiähnlicher, gewaffelter Überzug, sollte die gegnerische Sonar- bzw. Asdic-Ortung minimieren, während
"SCHORNSTEINFEGER", ein ähnlicher Überzug aus reflexionsminderndem Material auf Kautschukbasis, die Ortung durch gegnerische Radargeräte auf den cm-Wellen verhindern sollte. Mit letzterem sollte allerdings nur der Schnorchelkopf der neuen Uboote (Typ XXI, etc.) überzogen werden, die ja sowieso nur noch unter Wasser fahren sollten.


Gruß
Reiner
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Spökenkieker
Oberfähnrich
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Beiträge: 308


« Antwort #2 am: 02 März 2009, 11:23:13 »

Hallo, Reiner,

im Kriegstagebuch von U 390 finden sich die folgenden Einträge:

24.08.-06.10.1943; Gotenhafen, Deutsche Werke "Einbau Schornsteinfeger"
07.10.-16.11.1943; Neustadt/Holstein "Erprobungen"
17.11.-26.11.1943; Kiel, Howaldwerke "Abbau Schornsteinfeger"

Zu dieser Zeit diente das Boot laut Erich Stein als Versuchsboot. "Schornsteinfeger" wurde auf das Boot aufgetragen, das dann als "Scheinziel" für Flugzeuge fungierte. Dabei sollte eine Stealth-Eigenschaft erreicht werden, was aber mißlang. Einen Schnorchel hatte das Boot zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Könnte es sein, dass man auf den Schnorchel-Gedanken kam, nachdem sich der Überzug auf U 390 nicht bewährt hatte? Immerhin lassen die langen Ein- und Abbau-Zeiten den Schluss zu, dass grössere Flächen des Bootes beschichtet wurden -

Gruss,

Christian

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Schorsch
Oberleutnant zur See
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« Antwort #3 am: 02 März 2009, 18:04:40 »

Hallo Christian,

„Schornsteinfeger“ war zunächst die Deckbezeichnung für eine ganze Reihe von Materialien oder Maßnahmen, die durch absorbierende oder streuende Wirkung die Entdeckung von Ubooten mittels Radar erschweren oder gar unmöglich machen sollten. Man versuchte damit, ein „schwarzes“, also nicht reflektierendes Uboot zu schaffen; mit Sicherheit ist hier die Erklärung für die Wahl des Decknamens zu suchen.

Eine Variante zur Umsetzung der angestrebten Ziele im Frequenzbereich oberhalb von 180 MHz (1,7 m Wellenlänge) war die Absorption der elektromagnetischen Wellen durch ein am Außenschiff angebrachtes Dipolgitter, in dem je zwei Dipole über 100 Ohm-Widerstände verbunden waren.
Eine zweite Variante nutzte ein schmal- bzw. breitbandiges Netzwerk aus 120 bzw. 377 Ohm-Widerständen, die in Lamba/4-Abständen in einer Schaumstoffschicht eingebettet worden waren (sogenanntes „Bachem-Netz“ nach dem Verantwortlichem Dr. Bachem). Ein damit versehener Turm sah aus, als wäre er im Abstand von 40 cm zur Turmwand in ein grobmaschiges Gitter aus Hühnerdraht mit einer Maschenweite von 30 ..40 cm gehüllt worden. Die Reflexionsrate konnte teilweise bis auf 5 % im Vergleich zum ungeschützten Turm gesenkt werden. Allerdings war die Anbringung wenig seefest und die Wirkung beschränkte sich auf relativ schmale Frequenzbereiche (f +/- 15 %), stand also beim Aufwand in keinem Verhältnis zum erreichbaren Nutzen. Diese zweite Variante ist in F. Trenkle: „Die deutschen Funkstörverfahren bis 1945“ fotographisch belegt und wurde laut E. Rössler: „Geschichte des deutschen Ubootbaus“, Band 2, 1987, S. 324f. auf U 968 installiert. Das zuerst erwähnte Dipolgitter wurde auf U 708 Ende 1943/44 erprobt.

Gegen Radarstrahlung im cm-Bereich versuchte man, mit verschiedenen Absorptionsschichten (sogenannte „Sümpfe“, z.B. Dielektrischer S., Leitwert-, Magnetischer S., Düppel- und Interferenz-), mit Streuschichten (blasen-, wellen- oder pyramidenförmige Oberflächen) und über „abweisende Tarnungen“ (Verkleidung des Außenschiffes mit parabolisch geformten Metallnetzen oder Metallflächen, die sicherstellen sollten, dass keine Strahlung in Richtung des Empfängers gelangt) die Entdeckung der Uboote zu erschweren. Nach Rössler war U 390 Ende 1943 im Rahmen der Tests der Absorptionsschichten eingesetzt, an U 1277 wurden im Sommer 1944 „abweisende Tarnungen“ in Form von parabolischen Blechen erprobt.

Der Interferenzsumpf mit dem charakteristischen Waffelmuster, der nach seinem Erfinder Professor Wesch auch als Wesch-Matte bezeichnet wurde, sollte später für die Tarnung kleinerer Bootsteile, die unbedingt über Wasser bleiben mussten (Schnorchelköpfe), zum „Schornsteinfeger“-Material im engeren Sinne werden. Diese Maßnahme konnte die Reflexionsrate im Wellenlängenbereich von 3 cm bis 20 cm auf durchschnittlich etwa 10 % reduzieren.

Mit freundlichen Grüßen
Schorsch
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Männer wissen, dass kleine Leute bei ihnen wohnen.
Indy
Gefreiter
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Beiträge: 9


« Antwort #4 am: 04 Februar 2012, 20:18:18 »

CIOS-Dok über Schornsteinfeger:
http://www.cdvandt.org/cios_xxvi-24.htm
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