Moin, moin zusammen !
Hab mal eine Frage zu etwas, was sich vor 69 Jahren (2011) im Nordatlantik zugetragen hat.
Und zwar kam am 9. November 1942 das deutsche Typ VII C Boot U 704 (Kptlt. Horst Wilhelm Kessler) dem britischen Truppentransporter > RMS Queen Elizabeth < (83.637 BRT und bis 1996 größtes Passagierdampfschiff) so nahe, dass es einen 4er Torpedo-Fächer auf das riesige Schiff abschießen konnte.
Zum Glück der Briten traf jedoch keiner der Aale sein Ziel.
Was machte die Allierten bei den Atlantiküberfahrten der riesigen Truppentransporter so sicher, dass diese im Alleinmarsch fuhren durften ?
Klar waren diese Schiffe viel schneller als die deutschen U-Boote, aber wie das oben genannte Beispiel zeigt, wäre ein Verlust durch ein solches durchaus möglich gewesen.
Ein Truppentransporter mußte ja nicht zwingend von einem U-Boot verfolgt werden, sondern hätte evtl. einem gerade vor die Rohre laufen können.
Und dann so viel Tonnage zu verlieren, zusammen mit den darauf befindlichen Truppen (bei der Vorbereitung der Invasion in Frankreich trugen diese Schiffe zwischen 10.000 - 15.000 Soldaten, jedenfalls habe ich das mal irgendwo mal gelesen / gesehen) wäre eine fatale Katastrophe gewesen.
Was denkt Ihr dazu, würde mich sehr interessieren.
Rheinmetall
Hallo,
Die Antwort hast du doch schon selbst geben. Die "Queen" läuft 29 Knoten, ein Konvoi manchmal nur 9 bis 14 Knoten. Die Wahrscheinlichkeit das ein U-Boot einen solch schnellen Einzelfahrer stellen kann ist eher gering. Außerdem überquert so ein schneller Einzelfahrer den Atlantik mindestens zweimal in der Zeit die ein Konvoi dafür benötigt.
MfG
Frank
Es wurde kein Truppentransporter als Einzelfahrer versenkt der 28 Kn oder mehr lief.
zu schnell um in Schussposition zu kommen. Es sei denn er läuft direkt vor die Rohre.
F.B. hat die Antwort ja schon gegeben.
Die "Geschwindigkeit" war die beste Waffe. Da diese Schiffe über Hochleistungsantriebe verfügten, die für die schnelle Atlanktiküberquerung (siehe Jagd auf das eher imaginäre "Blaue Band) gebaut waren, war es ihnen erstaunlicherweise möglich diese hohen Geschwindigkeiten dauerhaft aufrechtzuerhalten. Was mich immer interessiert hat, in welchem Zustand die Antriebe der beiden Schiffe nach dem Krieg wohl gewesen sind. Leider liest man dazu recht wenig.
Die Queens fuhren Zickzackkurse und hatten strikte Anweisung unter keinen Umständen die Fahrt zu verringern. Dies hatte für die Besatzung der von RMS Queen Mary gerammten HMS Curacao fatale Folgen, da Queen Mary mit Volldampf die Unglücksstelle verlassen musste und deshalb viele Seeleute ertranken.
Siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/RMS_Queen_Mary (http://de.wikipedia.org/wiki/RMS_Queen_Mary)
..außerdem.. so schöne Schiffe darf man einfach nicht versenken. Auch im Krieg nicht!
Und wer so etwas tut... den soll Poseidon holen :wink:
Gruß
Sebastian
moin,
weitere Komplettierung der Antwort
- Geleit durch U-jagd-fähige Schiffe war bei 28 kn sinnlos (Sonarbedingungen eines Rumpfsonars gehen gegen Null),
- Fraglich ist es obendrein, ob der Kraftstoffvorrat eines Zerstörers für eine Atlantiküberquerung bei dieser Fahrt ausgereicht hätte,
- Bedrohung durch Überwasserkriegsschiffe gab´s nicht mehr,
- Einer Bedrohung durch Hilfskreuzer konnte mit Geschwindigkeit entgangen werden,
- Einer Bedrohung aus der Luft konnte (siehe Queen Mary/Curacoa) durch Flakkreuzer-Geleit begegnet werden.
Interessant wäre es, herauszufinden, ob die Briten "Operations Research"-Berechungen gemacht haben, um die Wahrscheinlichkeit eines Zusammentreffens mit einem U-Boot herauszufinden.
Gruß, Urs
@Urs,
das war eher die Spezialität der Amerikaner. Für die Suche nach den Blockadebrechern z.B. haben die Amerikaner die Wahrscheinlichkeiten (Suchsysteme etc.) berechnet.
moin,
Zitat von: Spee am 09 November 2011, 22:00:39
das war eher die Spezialität der Amerikaner.
Die Behauptung stelle ich ohne Quellen in Frage.
Die Briten haben sich schon im 1. Weltkrieg über OR Gedanken gemacht (Lanchester) und ab 1937 und vor 7.12.1941 daran und damit gearbeitet.
Gruß, Urs
@Urs,
kein Einspruch gegen die Arbeit von Lanchester, aber die Amerikaner haben bereits im Juli 1915 das Naval Consulting Board unter Leitung von Thomas A. Edison ins Leben gerufen. Damit dürfte sie wohl die Ersten sein, die OR ganz offiziell als Zweig des Militärs eingeführt haben.
moin,
Diesmal kein Einspruch von meiner Seite, obwohl ich das Naval Consulting Board, zumindest von der Ausgangsidee her, eher für so etwas wie einen "think tank" halte.
Gruß, Urs
@Urs,
"think tank" ist sicher auch kein falscher Begriff, aber die haben sich da auch mit ganz konkreten Dingen des OR beschäftigt:
" Edison thought he should begin by analyzing the successes scored by German submarines. ... To better understand the threat posed by submarines to merchant shipping in waters around Britain, Edison developed a simulation technique."
:x Bitte mal allgemeinverständlich: Was ist ein OR? :?
Jürgen
Zitat von: Seekrieg am 10 November 2011, 13:02:06
:x Bitte mal allgemeinverständlich: Was ist ein OR? :?
Jürgen
OR ist die Abkürzung für Operation Research. Ein sehr interessanter Zweig der Wissenschaft. Hier findest du dazu mehr: http://de.wikipedia.org/wiki/Operations_Research
Ich hatte das Glück in meinem Studium im Lehrangebot die Vorlesung zu OR besuchen zu können. Absolut empfehlenswert :)
hallo,Jürgen,
Zitat von: Seekrieg am 10 November 2011, 13:02:06
:x Bitte mal allgemeinverständlich: Was ist ein OR? :?
Dein :x ist als Unmutszeichen verständlich, aber
in diesem Fall wurde OR vorher einmal ausgeschrieben (wie es sich gehört) :
Zitat von: Urs Hessling am 09 November 2011, 21:48:58
Interessant wäre es, herauszufinden, ob die Briten "Operations Research"-Berechungen gemacht haben,
Zitat von: Urs Hessling am 09 November 2011, 22:35:11
Die Briten haben sich schon im 1. Weltkrieg über OR Gedanken gemacht
Gruß, Urs
@Urs,
nochmal nachgesehen und die Briten geben offiziell 1937 als Gründungjahr der Operational Research (engl.) an. Damit sind sie auf Platz 1 für den Namen, durchgeführt haben es die Amerikaner aber wie gesagt ebenfalls schon in Ersten Weltkrieg.
Ja Urs, in englisch, stimmt. Aber wir in der Zone hatten nur Russisch :MS: als Pflichtfach!
Jürgen
Guten Abend in die Runde !
Danke für die zahlreichen, interessanten Beiträge. :-D
Man lernt eben nie aus. :MG:
"Gute Leute muß man haben, gute Leute".
Rheinmetall
Moin !
Hab noch eine Ergänzung zu meinem Thema.
Und zwar bekam heute vor 70 Jahren (01.10.1942) das deutsche U-Boot U 407 (Kptlt. Ernst-Ulrich Brüller) die
RMS Queen Mary vor die Rohre und schoß einen 4er Fächer auf den Ozeanriesen ab.
Jedoch traf keiner der Aale sein vorgesehenes Ziel.
Bei www.wikipedia.de habe ich diese Passage hier gefunden:
Zitat"Am 2. Oktober 1942 befand sich die Queen Mary auf einem Transporteinsatz von den USA nach Britannien, bei dem ca. 10.000 GIs an Bord waren, von denen bis zu 14 Mann in einer eigentlich für zwei Personen vorgesehenen Kabine hineingestopft waren. Die Queen Mary kreuzte aufgrund der U-Boot-Gefahr die gesamte Fahrt über in einem beständigen Zickzackkurs, wobei sie alle vier Minuten die Richtung um wenige Grad wechselte. Laut Befehl der Flottenführung (es war von Hitler persönlich eine Belohnung für die Versenkung dieses Schiffs ausgeschrieben worden) durfte sie niemals stoppen."
Auf den vergeblichen Torpedoeinsatz wird hierbei nicht eingegangen, jedoch ist von einer Belohnung Hitlers für die Vernichtung der Queen Mary die Rede.
Davon ist mir noch nie etwas zu Ohren gekommen.
Wenn ja, was sollte der Kommandant / seine Besatzung hierfür bekommen ?
Kann jemand diese Quelle vielleicht belegen / bestätigen ?
Oder ist es eben "Wikipedia-Wissen". :-D
Viele Grüße,
Rheinmetall
Zum Thema OR
http://www.jstor.org/discover/10.2307/170920?uid=2129&uid=2&uid=70&uid=4&sid=21101268070777
Alles Gute
Andreas