Ich möchte Adm Kummetz im Rückblick auf die Ereignisse und mit dem heutigen Wissen über den weiteren Verlauf der Operation im Oslofjord nach über 70 Jahren aus meinem bequemen Bürosessel heraus vom Schreibtisch keinen Vorwurf machen.
Aber ich möchte verstehen, welche Umstände den Menschen Kummetz in seinen Entscheidungen beeinflusst haben, um daraus Schlussfolgerungen ziehen zu können.
Ein besonders unglücklicher Umstand für Kummetz stellt sich für mich dadurch dar, einen Adm Raeder 'im Nacken' zu haben, der nicht den Prototyp eines flexibel denkenden Truppenführers repräsentiert.
Eingeschiffte Heerestruppen mit leichtem Gerät auf einem Kriegsschiff (bzw. auf allen großen Einheiten der Kriegsschiffgruppe 5) sind ein zusätzlicher Klotz am Bein.
Das fehlen von Truppentransportern kann ich mir nur dadurch erklären, dass diese die hohe Marschfahrt der Kriegsschiffe nicht hätten einhalten können. - *Spekulation*
(Vielleicht hat jemand eine andere Erklärung dafür.)
Die Annäherung an die Dröback-Enge während der Dunkelheit stellte zweifellos einen taktischen Vorteil für die Deutschen Einheiten dar. Ob dieser für Maßnahmen genutzt wurde, geht aus meinen Quellen nicht hervor. - Naheliegend wäre gewesen, in Richtung Oskarsborg und Dröback zu morsen, sich als Englisches Kriegsschiff (bzw. Kriegsschiffgruppe) auszugeben und die Reaktionen zu analysieren. - Möglicherweise ist dies ja auch so erfolgt.
Frühestmöglich (Lichtverhältnisse) hätten auch Augen in der Luft sein müssen. Der Start von zwei Bordflugzeugen wäre auch in der Enge des Fjordes möglich gewesen.
Auch darüber steht in meinen Quellen nichts, was aber nichts bedeuten muss.
Jetzt kommt wieder der menschliche Faktor ins Spiel. Kummetz stand unter Zeitdruck.
Die Sperrbrecher waren aus unbekannten Gründen nicht verfügbar, die Transportmaschinen für den geplanten Sprungeinsatz auf Oslo-Fornebu (ich weiß nicht, ob ich den Flugplatz aus dem Gedächtnis jetzt richtig bezeichnet habe) würden bald starten (oder waren bereits unterwegs, je nach Zeitpunkt der Situation vor Dröback), er musste nach Oslo, ohne lange Verzögerung.
Unter Zeitdruck kommt nur schwer der Gedanke auf, den Klotz am Bein (Teile der eingeschifften Gebirgstruppen) in eine für den Gegner gefährliche Keule zu verwandeln. Teile der Truppen noch im Schutz der Dunkelheit zu landen hätte wieder Zeit gekostet.
Irgendwann reift in einer solchen Situation der tragische Entschluss: *Durchbrechen*.