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Autor Thema: SMS ZENTA Geschichte eines kleinen tapferen Schiffes  (Gelesen 23503 mal)

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Offline Ferenc

  • Kapitänleutnant
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SMS ZENTA Geschichte eines kleinen tapferen Schiffes
« am: 28 Februar 2007, 22:10:09 »
Hallo,

Hier der Artikel für die Tauchzeitschrift "tauchen" in Originalform.

Es wäre für mich sehr interessant wenn wer von Euch die Zeitschrift (Märzausgabe) kaufen würde und den Unterschied vom Original zum redaktionell geänderten Artikel bewerten würde.
Grüße
Ferenc
 :O/Y



Z E N T A


Geschichte einer vergessenen Tragödie in der südlichen Adria

Technische Daten:
Type:Kleiner Kreuzer
Schwesterschiffe:ASPERN, SZIGETVAR
Bauwerft:Seearsenal Pola
Kiellegung:08.08.1896
Stapellauf:18.08.1897
Indienststellung:28.05.1899
Verdrängung:2.350 t konstr. = 2.313 ts;
2.543 t max. = 2.503 ts
Länge:96,88 Meter
Breite:11,73 Meter
Tiefgang:4,81 max
Freibordhöhe:   3,6 Meter
Maschine:8 Yarrow Wasserrohr-Kessel mit 8 Feuerungen, 15 bar Betriebsdruck,
2 stehende Vierzylinder 3-fach - Expansionsmaschinen,
2 dreiflügelige Schrauben mit 3,44 Metern Durchmesser,
gebaut beim Stabilimento Tecnico Triestino 1897-99
Maschinenleistung:7.200 PSi
Segelfläche:585,8 m²
Geschwindigkeit:21,87 kn max
Kohlenvorrat:469 t Steinkohle oder
328 t Briketts in 620,4 m³
Panzerung:Deck vorne und achtern 12,5+12,5 mm, Mitte 25+25 mm,
Kommandoturm 25+25 mm, Erker 35 mm,
12 cm Schilde 45 mm
Bewaffnung:8 x 12 cm L/40 C96 Geschütze,
8 x 47 mm L/44 Skoda Schnellfeuerkanonen,
2 x 47 mm L/33 Hotchkiss Schnellfeuerkanonen,
2 x 8 mm Mitraileusen M 93,
2 x Torpedorohre Kaliber 45 cm
Besatzung:275 + 17 Mann
Baukosten:4.207.66 Kronen
Tiefe:min. 64 Meter, max 73 Meter


Geschichte des Schiffes:

Der Stapellauf erfolgte am 18.08.1897 (am 67. Geburtstag von Kaiser Franz Josef I.). Das Schiff wurde von der Erzherzogin Maria Josepha auf den Namen ZENTA getauft


Bedeutung des Namens:


Zenta ist eine Ortschaft in Ungarn südlich von Szeged und liegt am Fluss Theiß. Am 11.09.1697 besiegte der berühmte Feldherr Prinz Eugen von Savoyen die türkische Armee unter Sultan Mustafa II in der Nähe von Zenta. Die Türken waren gerade dabei die Theiß auf einer Pontonbrücke zu überqueren, als die kaiserlichen Truppen unter Prinz Eugen eintrafen. Anstatt die durch den Marsch ermüdeten Soldaten ausrasten zu lassen und am nächsten Tag die Schlacht zu schlagen, befahl Prinz Eugen aus dem Anmarsch heraus den sofortigen Angriff. Die überraschten Türken konnten keine Schlachtordnung mehr entfalten und wurden vernichtend geschlagen. Es war einer der glanzvollsten Siege des Prinzen Eugen.
Die Namen der Schwesterschiffe Aspern und Szigetvar sind ebenfalls Orte an denen Österreich in seiner Geschichte große Siege errungen hat.


Lebenslauf

Nach der Indienststellung im Mai 1899 wurde ZENTA im November als Stationsschiff nach Ostasien geschickt. Sie besuchte verschiedene Häfen in China.

Der Kreuzer wurde Ende Mai 1900, nach dem Ausbruch des „Boxer-Aufstandes“ nach Taku beordert. Am 03.07.1900 schiffte sich der Schiffskommandant Fregattenkapitän Eduard Thomann Edler von Montalmar mit 2 Seekadetten und 30 Mann aus, um das Wachdetachement des Gesandtschaftsviertels in Peking zu verstärken. Bei den Kampfhandlungen in Peking fielen der Schiffskommandant und drei Matrosen. Es wurde ein weiteres Landungsdetachement in der Stärke von 1 Offizier, 3 Seekadetten und 73 Mann ausgeschifft, dass sich am 17.06.1900. an der Erstürmung des Taku-Forts beteiligte.
Für das tapfere Verhalten der Besatzung bei diesen Einsätzen erhielt das Schiff eine seidene Ehrenflagge. Über das Aussehen ist leider nichts bekannt.

Am 01.10.1901 lief ZENTA nach längerem Aufenthalt in Asien, wo unter anderen Dingen auch diplomatische Aufgaben zu erledigen waren, und dem Besuch von Städten wie Kobe, Hongkong, Bangkok, Schanghai, Nagasaki, Singapur etc wieder in Pola ein.

Am 15.10.1902 lief der Kreuzer ZENTA unter Kapitän Wilhelm Ritter von Boeckmann aus Pola aus und fuhr auf einer Missionsreise um Afrika und bis nach Südamerika.

Das Schiff beendete diese Reise am 06.10.1903. An Bord befand sich der k.u.k. Konsul Julius Pisko der nach dieser Fahrt das Buch „Die Südhalbkugel im Weltverkehr“ schrieb.

1904 nahm das Schiff an der Eskadre (Manöver) Teil.  Es half mit bei der Suche nach dem Dampfer MATLEKOVITS (Der Dampfer hatte bei einer schweren Bora Schutz in einer Bucht der Insel Unije gesucht und lief später wohlbehalten in Fiume dem heutigen Rijeka ein). Das Buggeschütz wurde ausgewechselt. Von einem Handelsdampfer wurde in Triest bei einer Kollision das Vorschiff beschädigt.

1905 bis 1908 wurde es als Führerschiff der Torpedobootflottille eingesetzt, nahm an den Manövern (Eskadres) sowie an einer Flottenparade im Kanal von Calamotta (Kolocep bei Dubrovnik) teil und wurde nach Behebung einer Bodenhavarie in die Reserve versetzt.

Vom 22.04.1909 bis 09.06.1909 wirkte der kleine Kreuzer an einer internationalen Flottendemonstration in der Levante mit,

1910 musste ein Feuerlöscheinsatz auf dem Lloyddampfer TEBE durchgeführt werden und es nahm wieder an der Sommer-Eskadre teil.

Der Kreuzer wirkte 1911 an den Feierlichkeiten anlässlich des Stapellaufes der VIRIBUS UNITIS mit, dem neuen Flottenflaggschiff der k.u.k. Kriegsmarine und war wieder bei den Flottenoperationen und Landungsübungen in Dalmatien dabei.Es wurde eine Brotbackanlage eingebaut,

1912 gehörte der Kreuzer der Reserve an,

Im Jahre 1913 wurde eine neue Funkstation eingebaut. Das Schiff wirkte bei einer Flottendemonstration gegen Montenegro mit,

1914 wurden Kreuzungen mit der Schiffsjungenschule in der Adria durchgeführt. Nach Auftreten der Krankheit „Menigitis epidemica“ (Genickstarre) bei den Schiffsjungen, die sogar zu einem Todesfall führte, wurde das Schiff im Kanal von Fasana (zwischen Brionischen Inseln und Istrien nördlich von Pola) in Quarantäne gelegt.

Der Kreuzer wurde am 28.07.19014 mit 6 Zerstörern in die Bocche (Bucht von Kotor) verlegt.
Bei Kriegsausbruch wurde er bei der 1. Kreuzerdivision der Kreuzerflottille eingeteilt und in Gjenovic unweit des heutigen Herceg Novi stationiert.

Am 08.08.1914 erfolgte gemeinsam mit dem Schwesterschiff SZIGETVAR der erste Kriegseinsatz. Die Radio (Funk-)Station von Antivari (heute Bar in Montenegro) wurde angegriffen und beschossen.

Am 13.08.1914 übernahm Fregattenkapitän Paul Pachner das Kommando von S.M.S. ZENTA.

Der kleine Kreuzer, der beim Bau noch mit einer Hilfsbesegelung ausgestattet wurde und dessen Deck zum Teil aus Holzplanken bestand war zu Beginn des Ersten Weltkrieges veraltet und hatte nur mehr geringen Gefechtswert





Der Untergang
Nachdem am 05. August 1914 Montenegro Österreich-Ungarn den Krieg erklärt hatte, war es notwendig dessen Küsten zu blockieren, um die Verbindung Montenegros mit seinen Verbündeten zu unterbinden.
Die Blockade begann am 10.August 1914.
Zur Durchführung der Blockade wurden die kleinen Kreuzer SZIGETVAR und ZENTA, die Torpedobootszerstörer der Huszar-Klasse USKOKE, STREITER und ULAN sowie die Torpedoboote 64, 68, 70 und 72 herangezogen.

Am 16.08.1914 lief ZENTA mit dem Torpedobootszerstörer ULAN aus um auf Blockadestation zu gehen. Es herrschte ruhiges Wetter und klare Sicht.

Um ca  07.45 Uhr wurden fünf Rauchsäulen in SSW gesichtet.  Da es sich dabei nur um feindliche Seestreitkräfte handeln konnte die weit überlegen waren, gab Fregattenkapitän Pachner Befehl, mit höchster Fahrtstufe zurück in die Bucht von Cattaro zu fahren.  Kurz darauf tauchten weitere Rauchsäulen in WNW auf.
ZENTA und ULAN waren von einer feindlichen Flotte in der Stärke von etwa 18 Großkampfschifffen (Schlachtschiffe und Panzerkreuzer) sowie zahlreicher kleinerer Kriegsschiffe umklammert.

Die Angreifer:
Unter dem Oberkommando des französischen, Vizeadmirals Augustin Boué de Lapeyrère, der mit seinem Flaggschiff (Schlachtschiff COURBET), einem weiteren Schlachtschiff und einem Panzerkreuzer an der Spitze stand, marschierten zwei Schlachtgeschwader (zehn Schlachtschiffe), zwei Kreuzergeschwader (sechs Panzerkreuzer) und sechs Zerstörergeschwadern (36 Einheiten) auf. Überdies befanden sich zwei englische Panzerkreuzer und vier Zerstörerdivisionen ca 8 sm südlich.
Es ist allein auf Grund der räumlichen Enge auszuschließen, dass sich alle diese Einheiten an der Beschießung der ZENTA beteiligt haben.
Weil bis jetzt niemand die französischen Gefechtsberichte eingesehen und ausgewertet hat, kann man aus den einander widersprechenden Literaturangaben nur folgende französische Einheiten herausfiltern, die sich aktiv an der Versenkung der ZENTA beteiligt haben:

Flottenflaggschiff COURBET, Schlachtschiff JEAN BART
1. Schlachtgeschwader: DIDEROT, DANTON, VERNGIAUD, VOLTAIRE,
                                                CONDORCET
2. Schlachtgeschwader: VÈRITÈ, RÈPUBLIQUE, PATRIE, JUSTICE, DEMOCRATIE
1. Kreuzerdivison: JULES MICHELET, ERNEST RENAN, ÉDGAR QUINET,
2. Kreuzerdivision: LÈON GAMBETTA, VICTOR HUGO, JULES FÈRRY

Die Masse der französischen Zerstörer jagte zu Beginn mit dem Panzerkreuzer
JURIEN DE LA GRAVIÈRE  die flüchtende ULAN

Wenn das alte Sprichwort „Viel Feind, viel Ehr“ Gültigkeit hat, so gehören die ZENTA und die ULAN zu den ehrhaftesten Kriegsschiffen der gesamten Marinegeschichte.

Vizeadmiral Lapeyrère griff die beiden österreichischen Schiffe gegen 09.00 Uhr an. Während der Torpedobootzerstörer ULAN wegen seiner hohen Geschwindigkeit von 28 kn, ohne getroffen zu werden, in die Bucht von Cattaro entkommen konnte, wurde dem Kreuzer ZENTA der Weg in den sicheren Hafen abgeschnitten. Bereits aus ca 10 bis 12 km Entfernung eröffneten die französischen Schlachtschiffe COURBET und JEAN BART mit ihren Geschützen vom Kaliber 30,5 cm das Feuer. Erst als die Distanz sich auf etwa 10.000 bis 9.000 Meter verringert hatte, konnte ZENTA mit ihrer 12 cm Artillerie beginnen den Beschuss zu erwidern.
Bereits nach kurzer Zeit wurde durch einen Treffer im Maschinenraum der ZENTA die rechte Hauptdampfleitung getroffen. Die Maschinenmannschaft wurde getötet und beide Maschinen außer Betrieb gesetzt. Die ZENTA verlor an Fahrt, feuerte aber noch mit allen Geschützen der Backbordseite. Durch weitere Treffer entstanden Brände an Deck und in den Batterien. Es wurde das Vorschiff zerschossen, die Brücke teilweise zertrümmert und es brach Wasser in den ersten Kesselraum ein. Die Brände konnten nicht gelöscht werden, da die Steigleitungen für das Löschwasser zerstört waren. Kapitän Pachner musste den Befehl zum Verlassen des Schiffes geben. Er selbst sprang erst ins Wasser als er dachte, dass alle Mann bereits vom Schiff herunten wären. Als er jedoch sah, dass am Achterdeck noch ein paar Leute an Bord waren, dreht er um, kletterte wieder auf das Schiff und erst als diese gesprungen waren, verließ er als Letzter die ZENTA.
ZENTA, welche im Gefecht die, nach den Kämpfen in China erhaltene, seidene Ehrenflagge gesetzt hatte, sank kurz darauf, gegen 09.40 Uhr über Heck, etwa auf Höhe von Castellastua dem heutigen Petrovac.
Die Franzosen machten keinerlei Anstalten die im Wasser schwimmenden Matrosen zu Retten.
Von der Besatzung der ZENTA waren 1 Offizier und 173 Mann gefallen. 139 Mann konnten sich schwimmend zur Küste bzw der vor Castellastua liegenden Insel retten. Sie wurden von den Montenegrinern gefangen genommen. Einige von ihnen konnten flüchten. Der Rest wurde beim Vormarsch der k.u.k. Truppen in Montenegro im Jahre 1916 befreit.

Der französische Vizeadmiral Bienaimè schreibt in seinem Werk „La Guerre Navale, 1914 – 1915, Fautes et Responsabilites“ über die Versenkung der ZENTA:
Die Vernichtung dieses kleinen Kreuzers von 2.500 Tonnen, der ohne Schutz 20 Minuten lang dem ungeregeltem Feuer der gesamten Artillerie der Flotte preisgegeben war, wobei diese 500 großkalibrige Geschosse verbrauchten, zwei 24 cm Geschütze und ein 19 cm Geschütz funktionsuntüchtig wurden, während doch ein einziger unserer Panzerkreuzer in 5 Minuten mit einigen wohlgezielten Schüssen dasselbe Ergebnis erreicht hätte, diese Vernichtung sage ich, war im Verhältnis zum getätigten Aufwand nur eine lächerliche Genugtuung“.

Quellenangabe und Literaturhinweise:
Österr. Staatsarchiv/Kriegsarchiv, Marinesektion/II. GG 1914 45 E 11
ÖStA/KA MS/PK 1897 I-4/3
MARINE – Gestern, Heute, Dezember 1982, Seiten 150, 151
Fremden-Blatt Nr. 229 vom 19. August 1897
Österreich Ungarns Seekrieg 1914-18 v. Hans Sokol
Kreuzer und Kreuzerprojekte der k.u.k. Kriegsmarine 1889-1918 v. Erwin Sieche
Die Öst.-Ung. Kriegsmarine vor und im Ersten Weltkrieg v. Peter Handel-Mazzetti
Bilddokumente aus Österreich-Ungarns Seekrieg 1914-1918 v.Nikolaus von Martiny
Register der k.(u.) k. Kriegsschiffe v. Wladimir Aichelburg
Die K.u.K. Flotte 1900 – 1918 v. Wladimir Aichelburg
Marine Arsenal Bd 27; Die Kreuzer der k.u.k. Marine v. Erwin Sieche
Die Schiffe der k.(u.)k. Kriegsmarine im Bild, Bd. 2 v. L. Baumgartner u. E. Sieche
Mit S.M.S. Zenta in China v. Claudia Ham und Christian Ortner
Privatarchiv  Erwin Sieche


Heute:
Lange Jahrzehnte ruhte das Wrack der ZENTA vergessen am Meeresgrund vor der montenegrinischen Küste. Der Erste Weltkrieg ging zu Ende. Es folgte bald darauf der noch blutigerere zweite Weltkrieg und in der jüngsten Geschichte der mit dem Auseinanderfall Jugoslawiens verbundene letzte Balkankrieg.
Als sich die Lage normalisierte entwickelte sich auch der Tauchtourismus. Es dauerte nicht lange und man fing man an sich für das Wrack zu interessieren.
Die ersten Besucher dürften 1998 Taucher des serbischen Tauchklubs Triton gewesen sein, die sich in die Tiefe von 70 Metern wagten.
2002 waren zum ersten Mal Österreichische Taucher am Wrack und ich hatte das Glück dabei zu sein.
Im Frühjahr 2005 führte ein tschechisches Team eine Tauchexpedition durch
Im Herbst 2005 nach dem ich wieder einen Tauchgang bei der ZENTA machte, wurde im Gespräch mit meinen montenegrinischen Freunden die Idee geboren, eine kleine internationale Tauchexpedition zu organisieren, bei der die Teilnehmer aus Ländern die einen Bezug zur Geschichte des Wracks, bzw der Seekriegsgeschichte in der Adria haben, stammen sollen. Der Zeitpunkt wurde so gewählt, dass ein Tauchgang am 16.08.2006, genau am 92. Jahrestag der Versenkung gemacht werden kann.

Teilnehmer: Dragan Gacevic, Inhaber der Tauchbasis TC Marina in Herceg Novi/Montenegro; Karol Kovac, Tauchlehrer aus Ungarn, Cesare Balzi IANTD Instruktor-Trainer aus Italien, Engelbert Apfelthaler ein alterfahrener UW-Fotograph  aus Österreich und ich.
Unser Ziel war es, den allgemeinen Zustand des Wracks zu erkunden und mit Fotos zu dokumentieren. Da es sich um ein Kriegsgrab handelt ist es uns sehr wichtig, zum Gedenken der Ereignisse vor genau 92 Jahren, einen Kranz des Schiffshistorikervereines FHS aus Wien dem ich angehöre, am Wrack niederzulegen.
Aufgrund der Tiefe von 64 bis 73 Metern, war es notwendig Trimix als Atemgas zu verwenden. Wegen der großen Tiefe wird das Wrack erfahrenen Tauchern vorbehalten bleiben.

Mit dem Wetter haben wir Glück. Nach einem Tag mit Tramontana, Gewitter und strömenden Regen, wird das Wetter rasch bedeutend besser. Strahlender Sonnenschein und spiegelglattes Meer.
Am 16.08.2006 war ein Team der privaten serbischen Filmproduktionsfirma NAVODI TV zusätzlich mit an Bord.
Die NORMA II ist zwar nicht das eleganteste und modernste aber ein recht braves und für unsere Zwecke brauchbares Tauchboot.
Für die Anfahrt zur Wrackstelle benötigen wir von Herceg Novi aus 4 Stunden.
Dragan findet das Wrack sofort. Wir bereiten das Deco Rigg vor und überprüfen noch einmal unsere Ausrüstung.
Wir gleiten im Bewusstsein der Tragödie des kleinen Kreuzers ZENTA, die sich heute vor genau 92 Jahren ereignete in die Tiefe,.
Etwa bereits in knapp über 50 Metern tauchen die Konturen des Schiffes unter auf.
Die am Wrack herrschende Strömung sorgt dafür, dass die Sicht mit ca 6 bis 8 Metern recht gut ist.
Die 12 cm Geschütze ragen drohend auf die Backbordseite. Es ist die Richtung aus welcher der übermächtige Flottenverband den sich verzweifelt wehrenden alten kleinen Kreuzer zusammenschoss.
Der Sockel des am Achterdeck stehenden Geschützes scheint uns am besten geeignet um den  mitgebrachten Kranz des Marinevereines niederzulegen. Er soll das Wrack als Kriegsgrab kennzeichnen und als Mahnmal dienen.
Im Standardwerk über die Österreichische Seekriegsgeschichte „Österreich-Ungarns Seekrieg 1914-1918“ von Linienschiffsleutnant a.D. Hans Sokol verfasst und 1933 herausgegeben, heißt es dazu:
Am Deck waren mittlerweile sämtliche Backbordgeschütze bis auf das Geschütz II, das Geschütz auf dem achteren Freidecke, undienstbar geworden. Als auch die Bedienungsmannschaft dieses Geschützes außer Gefecht gesetzt wurde, feuerte der Artillerieoffizier allein weiter. Überall lagen Tote und Verwundete“.

Danach schwammen wir weiter in Richtung Bug.
Die Rohre der an Deck stehenden kleineren 4,7 cm Geschütze zeigen nach vor in Richtung Bug. Das deutet darauf hin, dass bis zum Untergang die Entfernung zu groß gewesen ist um sie einsetzen hätte zu können.
Die achteren Decksaufbauten sind zwar vorhanden, je weiter man aber in Richtung Maschinenraum schwimmt desto größer werden Beschädigungen und Zerstörungen. Der Bereich des Maschinenraumes ist ein Trümmerfeld.
In „Österreich-Ungarns Seekrieg 1914-1918“ ließt man:
„Sprengstücke einer feindlichen Granate durchschlugen die rechte Hauptdampfleitung der ZENTA, töteten den Maschinenbetriebsleiter wie fast alle im Maschinenraum befindlichen Personen und setzten beide Maschinen außer Betrieb. Weitere feindliche Treffer verursachten Brände auf Deck und in den Batterien, verhinderten jegliche Verbindung zwischen der Brücke und dem  Achterdeck und gefährdeten die Munitionsräume. Trotz aller Bemühungen des Feuers Herr zu werden, waren die Flammen nicht zu dämmen, da die Steigleitungen der Pumpen zerstört waren.

Das Brückenhaus ist erhalten und das vordere Deckgeschütz weist wieder in Richtung Backbord. Der Schutzschild ist beschädigt.
Schornsteine und Masten gibt es keine mehr bzw sind umgeknickt und abgebrochen. Die  Davids der Rettungsboote ragen leer in die Höhe.
Die Holzplanken des Decks sind größtenteils vermodert und nicht mehr vorhanden. Im darunter befindliche Deck hat sich eine dicke Schlammschicht abgelagert.
Das Wrack ist im hinteren Bereich sehr schön mit Schwämmen bewachsen. Dadurch werden die Formen der Aufbauten und Bewaffnung schwerer erkenntlich. Das Leben am Wrack vermittelt einen friedlichen und harmonischen Eindruck. Am Wrack haben sich im Laufe der Jahre viele Netze verhängt auf die man achten muss um sich nicht mit Teilen der umfangreichen Ausrüstung zu verhängen.
Das Heck ist im schlammigen Grund eingesunken. Schrauben, und Ruder sind nicht zu sehen. Dies bestätigt die weiteren Ausführungen in „Österreich-Ungarns Seekrieg 1914-1918“:
Plötzlich richtete ZENTA sich jäh mit ihrem Buge auf, so dass der Sporn sichtbar wurde und versank mit dem Heck voraus, mit wehenden Flaggen in die Tiefe“.
 
Die Grundzeit ist leider abgelaufen und wir müssen den Aufstieg beginnen.
Wir verlassen das Wrack, die Umrisse verschwinden in der Dunkelheit und mit dem Hellerwerden des Wasser ist es uns als ob unter uns die Zeitkapsel einer anderen, längst vergangenen Welt, zurückbleiben würde.

Mir fällt ein Absatz, vor allem der letzte Halbsatz, des vom Kommandanten des Torpedobootszersörers ULAN Korvettenkapitän Egon Panfili abgefassten Gefechtsberichtes ein. In dem heißt es wörtlich:
„Um 9 Uhr erschien S.M.S. ZENTA von dunklen Rauchwolken vollständig eingehüllt, schoss nicht mehr, wurde jedoch von französischen Schiffen noch weiter beschossen. Das weitere Schicksal S.M. Schiffes ZENTA konnte von S.M.S. ULAN, welchem Schiffe durch die vielen Wassergarben der in nächster Nähe einschlagenden Granaten die Aussicht oft ganz benommen war, nicht mehr konstatiert werden; es wurde von nun an nicht mehr gesehen“.


Der Untergang der ZENTA, nach verzweifeltem Kampf der Besatzung, gleich zu Beginn des Ersten Weltkrieges, wurde von der Kriegspropaganda gehörig ausgeschlachtet. Es wurden viele Propagandapostkarten gedruckt und sogar ein Heldenlied mit dem Titel „Die kühnen Helden der Zenta“ komponiert. Kapitän Paul Pachner wurde vom österreichischen Kriegspressequartier zum Kriegshelden stilisiert. Der Krieg ging jedoch verloren und Paul Pachner starb am 13.10.1937 in tiefer Armut in Graz. 

Das Wrack ist ein Mahnmal der Gefallenen und stellt auch ein Stück Schiffsbaugeschichte sowie Österr. Ung. Marinegeschichte dar. Es sollte mit entsprechendem Respekt besucht werden. Das Wrack ist leider dem langsamen Zerfall ausgesetzt und wird in einigen Jahrzehnten nur mehr als eine überwachsene Erhebung am Meeresgrund zu erkennen sein.

Die Fotos der Ansichts- u. Propagandakarten sowie des Post- und Innendienstbeleges stammen aus meiner Sammlung.
Die Bilder sind mit kurzem erläuterten Text versehen.

Ein Bild zeigt den franz. Panzerkreuzer JULES MICHELET, der in der 1. Kreuzerdivision an der Versenkung der ZENTA mitwirkte.
Seine Daten: Stapellauf 1905, Länge 147 Meter, Breite 21 Meter, 12.570 ton. Verdrängung, Panzerung Gürtel: 170 mm, Kommandodeck: 200 mm, Deck: 65 mm, Bewaffnung: 4 x 19 cm 12 x 16 cm, 24 x 4,7 cm, 2 Unterwasser-Torpedorohre; 29.000 PS, 1.320 t. Kohle und 2.100 t. Öl, 674 Mann Besatzung

Einige Bilder wurden von meinem Freund Engelbert Apfelthaler angefertigt. Der Name steht darunter und sollte im Artikel ebenfalls angeführt werden.

Bei den Fotos aus den Publikationen (meist Erwin Sieche) wurde die Erlaubnis zur Veröffentlichung eingeholt soweit es sich nicht um alte antiquarische Bücher handelt.

Das in diesem Artikel verwendete Material ist ein Teil der von mir über Jahre hinweg zusammengetragenen Marinesammlung sowie recherchierter Schiffsgeschichte.
Die Rechte am Artikel und den Bildern liegen bei mir.

Franz Mittermayer
« Letzte Änderung: 02 März 2007, 16:39:01 von t-geronimo »

Offline Ferenc

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Re: SMS ZENTA Geschichte eines kleinen tapferen Schiffes
« Antwort #1 am: 28 Februar 2007, 22:13:56 »
Die nächsten Bilder
(Bei der Tabelle habe ich leider gepatzt, Computer ist nicht unbedingt meines)

mfg
Ferenc
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« Letzte Änderung: 02 März 2007, 16:40:35 von t-geronimo »

Offline Ferenc

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Re: SMS ZENTA Geschichte eines kleinen tapferen Schiffes
« Antwort #2 am: 28 Februar 2007, 22:16:38 »
Die nächsten Bilder:
« Letzte Änderung: 02 März 2007, 16:42:14 von t-geronimo »

Offline Ferenc

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Re: SMS ZENTA Geschichte eines kleinen tapferen Schiffes
« Antwort #3 am: 28 Februar 2007, 22:19:18 »
Die nächsten Bilder:
« Letzte Änderung: 02 März 2007, 16:43:39 von t-geronimo »

Offline Ferenc

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Re: SMS ZENTA Geschichte eines kleinen tapferen Schiffes
« Antwort #4 am: 28 Februar 2007, 22:21:21 »
Die nächsten Bilder:
« Letzte Änderung: 02 März 2007, 16:46:49 von t-geronimo »

Offline Ferenc

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Re: SMS ZENTA Geschichte eines kleinen tapferen Schiffes
« Antwort #5 am: 28 Februar 2007, 22:24:14 »
Endlich die Unterwasserbilder:

« Letzte Änderung: 02 März 2007, 16:48:36 von t-geronimo »

Offline Ferenc

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Re: SMS ZENTA Geschichte eines kleinen tapferen Schiffes
« Antwort #6 am: 28 Februar 2007, 22:26:03 »
Wir tauchen noch immer:
« Letzte Änderung: 02 März 2007, 16:52:13 von t-geronimo »

Offline Ferenc

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Re: SMS ZENTA Geschichte eines kleinen tapferen Schiffes
« Antwort #7 am: 28 Februar 2007, 22:28:39 »
Noch ein paar:
« Letzte Änderung: 02 März 2007, 16:55:12 von t-geronimo »

Offline Ferenc

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Re: SMS ZENTA Geschichte eines kleinen tapferen Schiffes
« Antwort #8 am: 28 Februar 2007, 22:30:47 »
Und noch ein paar:
« Letzte Änderung: 02 März 2007, 16:57:45 von t-geronimo »

Offline Ferenc

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Re: SMS ZENTA Geschichte eines kleinen tapferen Schiffes
« Antwort #9 am: 28 Februar 2007, 22:37:18 »
Hier die letzten:
(Ich weise noch einmal darauf hin, dass die Rechte der Bilder ausschliesslich bei mir liegen)

mfg
Ferenc
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« Letzte Änderung: 02 März 2007, 16:59:45 von t-geronimo »

Offline Ferenc

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Re: SMS ZENTA Geschichte eines kleinen tapferen Schiffes
« Antwort #10 am: 28 Februar 2007, 22:39:08 »
Eines hab ich vergessen
Jules Michelet:

« Letzte Änderung: 02 März 2007, 16:58:35 von t-geronimo »

Offline Wilfried

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Re: SMS ZENTA Geschichte eines kleinen tapferen Schiffes
« Antwort #11 am: 28 Februar 2007, 22:42:56 »
Moin Franz,

eine ganz wunderbare Ergänzung zu einem Buch was ich vor einigen Jahren geschenkt bekam; "Mit SMS Zenta in China" ... möglicherweise noch antiquarisch zu erhalten?!
Es handelt sich bei diesem Druckwerk um Auszüge aus dem Tagebuch eines kuk-Matrosen während des Boxeraufstandes ...

Mit einem lieben Gruß
der Wilfried
... Tradition pflegen, bedeutet nicht, Asche aufzubewahren sondern Glut am Glühen zu halten ...
http://www.passat-verlag.de
http://www.kartonskipper.wordpress.com
http://www.forum-marinearchiv.de - wenn Marine Dein Ding ist!

Offline Ferenc

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Re: SMS ZENTA Geschichte eines kleinen tapferen Schiffes
« Antwort #12 am: 28 Februar 2007, 22:46:49 »

Hallo Wilfried,
Das Buch ist in meiner Sammlung. Ein gutes Stück.
Es ist dem heutigen "Ohrwaschel-Österreich" ein Marineeinsatz in China nicht zuzutrauen.
mfg
Ferenc
 :-)

Offline haya149

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Re: SMS ZENTA Geschichte eines kleinen tapferen Schiffes
« Antwort #13 am: 28 Februar 2007, 22:48:18 »
Sehr schöne Geschichte und super Unterwasserfotos!

Danke!
"Wer gewinnt , hat Recht und wer verliert, ist schlecht!"

Offline Brandenburger

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  • Das Heer grüßt die Marine !!!!!
    • sturmboot-kommandos
Re: SMS ZENTA Geschichte eines kleinen tapferen Schiffes
« Antwort #14 am: 28 Februar 2007, 22:53:06 »

    Hallo Ferenc  !!!!

Bin begeistert von Deinem Beitrag , Danke !!!!   :=D>

                MfG Andreas  :lol: