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Frage zur Namensgebung des schweren Kreuzers „Prinz Eugen“ der Kriegsmarine

Begonnen von Asahi.3, 17 Februar 2013, 10:30:25

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Asahi.3

Mehrfach ist in der Fachliteratur erwähnt, dass der schwere Kreuzer ,,Prinz Eugen" der Kriegsmarine die Aufgabe hatte, die Tradition der österreich-ungarischen Kriegsmarine zu pflegen, u.a. wurde am Skagerraktag statt der kaiserlich deutschen, die k.u.k. Marineflagge gehisst. Dabei wird am Rande immer wieder darauf hingewiesen, dass für das Schiff eigentlich der Name des österreichischen Admirals Wilhelm Tegetthoff vorgesehen war, dem Sieger der Seeschlacht von Lissa 1866 gegen die Italiener, aber mit Rücksicht auf den italienische Verbündeten dann der Name ,,Prinz Eugen" gewählt wurde. Es heißt sogar manchmal, auf ausdrücklichen Befehl von ganz oberster Stelle in Berlin.

Auch Paul Schmalenbach, ehemaliger Artillerieoffizier von ,,Prinz Eugen" und Beauftragter zur Pflege der österreichisch-ungarischen Marinetradition am Schiff, schreibt in seinem Buch ,,Kurze Geschichte der k.u.k. Marine" (Herford, 1970, S.9) ebenfalls nur kryptisch, es ,,...wurde beabsichtigt, dem dritten schweren Kreuzer der deutschen Kriegsmarine den Namen ,,Tegetthoff" zu geben. Aus Rücksicht auf die Gefühle des italienischen Bundesgenossen nahm man jedoch hiervon Abstand und bestimmte ,,Prinz Eugen" als Namen für das Schiff."

Meine Frage: War der Name ,,Tegetthoff" tatsächlich ernsthaft ,,beabsichtigt" bzw. wurde er aktenmäßig innerhalb der Kriegsmarine irgendwo vorgeschlagen? Wenn ja, von wem wurde er abgelehnt oder verhindert? Oder war das nur eine unverbindliche Namensanregung des ,,Deutschen Marinebundes e.V.", nach der Integration 1938 des ,,Traditionsverbandes der ehemaligen k.u.k. österreichisch-ungarischen Kriegsmarine", und war nie ernsthaft innerhalb der Kriegsmarine als Name vorgesehen?

Danke im Voraus, mit besten Grüßen aus Manila,
Asahi.3

Urs Heßling

moin,

mehr als 10 Jahre später (!) schließe ich mich mit einer zweiten Frage an die von Herrn Donko an.

Die "Fortführung der Tradition der k.u.k. Marine" in der Kriegsmarine erscheint nur logisch nach dem "Anschluß" Österreichs im März 1938.

Da war der Schwere Kreuzer J aber schon im Bau, weniger als 6 Monate vor dem Stapellauf.

Gab es vor dieser Zeit (sagen wir am 1.1.1938) noch keine Überlegung, welchen Namen das Schiff tragen sollte ?

Ich füge noch einmal einen ganz eigenen Gedankengang an
Anscheinend gab es bei der Namensgebung der Schweren Kreuzer der Kriegsmarine eine erkennbare Pflege der Tradition der 1. Aufklärungsgruppe der Hochseeflotte. Dafür stehen die Namen Hipper, Blücher, Seydlitz und Lützow
Wenn man "von der Tann" als eher weniger bekannt und "Goeben" aufgrund der Übergabe an die Türkei außer Acht ließe, könnte "Moltke" eine zumindest denkbare Namenidee gewesen sein.

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

Thor

Grüß Euch,

viel kann ich zum Thema leider nicht beitragen, wenngleich die Frage wirklich interessant, mir aber die Aktenlage hinsichtlich der Namensgebungen in RM/KM gänzlich unbekannt ist - oder weiß jemand von den Mitforisten welches "Amt" in den Spitzenbehörden dafür zuständig war ?

@ Wilhelm:
Zitat von: Asahi.3 am 17 Februar 2013, 10:30:25Mehrfach ist in der Fachliteratur erwähnt, dass der schwere Kreuzer ,,Prinz Eugen" der Kriegsmarine die Aufgabe hatte, die Tradition der österreich-ungarischen Kriegsmarine zu pflegen, u.a. wurde am Skagerraktag statt der kaiserlich deutschen, die k.u.k. Marineflagge gehisst. Dabei wird am Rande immer wieder darauf hingewiesen, dass für das Schiff eigentlich der Name des österreichischen Admirals Wilhelm Tegetthoff vorgesehen war, dem Sieger der Seeschlacht von Lissa 1866 gegen die Italiener, aber mit Rücksicht auf den italienischen Verbündeten dann der Name ,,Prinz Eugen" gewählt wurde. Es heißt sogar manchmal, auf ausdrücklichen Befehl von ganz oberster Stelle in Berlin.

Auch Paul Schmalenbach, ehemaliger Artillerieoffizier von ,,Prinz Eugen" und Beauftragter zur Pflege der österreichisch-ungarischen Marinetradition am Schiff, schreibt in seinem Buch ,,Kurze Geschichte der k.u.k. Marine" Herford, 1970, S.9) ebenfalls nur kryptisch, es ,,...wurde beabsichtigt, dem dritten schweren Kreuzer der deutschen Kriegsmarine den Namen ,,Tegetthoff" zu geben. Aus Rücksicht auf die Gefühle des italienischen Bundesgenossen nahm man jedoch hiervon Abstand und bestimmte ,,Prinz Eugen" als Namen für das Schiff."

Meine Frage: War der Name ,,Tegetthoff" tatsächlich ernsthaft ,,beabsichtigt" bzw. wurde er aktenmäßig innerhalb der Kriegsmarine irgendwo vorgeschlagen? Wenn ja, von wem wurde er abgelehnt oder verhindert? Oder war das nur eine unverbindliche Namensanregung des ,,Deutschen Marinebundes e.V.", nach der Integration 1938 des ,,Traditionsverbandes der ehemaligen k.u.k. österreichisch-ungarischen Kriegsmarine", und war nie ernsthaft innerhalb der Kriegsmarine als Name vorgesehen?

Schmalenbach schreibt dasselbe nochmal in "Kreuzer Prinz Eugen ... unter 3 Flaggen" - leider aber wieder ohne Quellenangabe ....
Darüber hinaus schreibt er, dass ".... die Namensreihe erfolgreicher Admirale zunächst mit Tegetthoff fortgeführt werden soll, da Reichsregierung und OKM entschlossen sind, nach der Vereinigung Österreichs mit dem Reich auch die Überlieferung der einstigen Kaiserlichen und Könglichen Kriegsmarine (K.u.K. Marine ) Österreich-Ungarns zu pflegen."

@ all:
Zwar etwas offtopic, aber zum Thema Namensgebung sicher erwähnenswert, sind im Anhang zwei Auszüge aus Akten:

- Alternativname zu "Gorch Fock" wäre "Hansa" gewesen [RM 6/30]
- Schlachtschiff H wurde 1941 (B&V-intern ?) als "Graf Spee" bezeichnet - Marc hat das auch schonmal erwähnt: https://forum-marinearchiv.de/smf/index.php?topic=19929.msg222732#msg222732

Gruß
David
"Wooden ships with iron men beat iron ships with wooden men" - Zusammenfassung der Seeschlacht von Lissa (1866)

Urs Heßling

moin,

Zitat von: Thor am 13 August 2023, 14:58:41Darüber hinaus schreibt er, dass ".... die Namensreihe erfolgreicher Admirale zunächst mit Tegetthoff fortgeführt werden soll, da Reichsregierung und OKM entschlossen sind, nach der Vereinigung Österreichs mit dem Reich auch die Überlieferung der einstigen Kaiserlichen und Könglichen Kriegsmarine (K.u.K. Marine ) Österreich-Ungarns zu pflegen."
Danke :TU:)  das (von mir fett gesetzt) war der Ausgangspunkt für meine Nach-Frage

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

Thor

Hello again,

hab' jetzt noch etwas recherchiert und die beiliegenden Auszüge auf der NARA-Rolle 1834 gefunden; es handelt sich hierbei zwar um Namen von Küstenbatterien, aber der Vorgang der Namensgebung kann hier so verstanden werden, dass die einzelnen Ämter diese dem OB vorschlagen und der dann entscheidet.

Gruß
David
"Wooden ships with iron men beat iron ships with wooden men" - Zusammenfassung der Seeschlacht von Lissa (1866)

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