Deutsche Geschützkaliber und ihr Ursprung

Begonnen von Sven L., 28 Januar 2024, 20:48:37

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Sven L.

Deutsche Geschützkaliber und ihr Ursprung

Ich hatte mich schon öfters gefragt, warum das deutsche 15-cm-Kaliber tatsächliche 14,91 cm, oder als weiteres Beispiel das 8,8-cm-Kaliber nicht metrische 9,0 cm betrug. Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen.
Dann kam mir die Idee, weil die Fa. Krupp im Rheinland liegt und dieses eine preußische Provinz war, mal zu schauen, welche Maßeinheiten in Preußen seinerzeit gültig waren. Der Umstand, dass der Zollstock als solcher bezeichnet wurde, tat sein Übriges. Während meiner Ausbildung haben die Lehrkräfte uns versucht einzubläuen, dass der Zollstock als Gliedermessstab zu bezeichnen ist. 😉
  Bei meinen Recherchen bin ich letztlich auf den preußischen Zoll gestoßen. Dieser Zoll war über die Jahrzehnte und Jahrhunderte nicht einheitlich gleichgeblieben. Zu Unterscheiden sind drei Perioden.     
  1) Die Grundlage für das Berliner Maß bildete nach dem Edikt vom 16. Januar 1713 der Berliner Fuß, für welchen eine Länge von 137,3 Pariser Linien festgestellt worden war. Eine Linie war ~3,226 mm und 1 Zoll betrug 8 Linien, also ca. 25,81 mm.
  2) Die Grundlage des rheinländischen oder brandenburgischen Maßes war der rheinländische Fuß, für den laut einem Direktorialbefehl vom 28. Oktober 1773 eine Länge von 139,13 Pariser Linien festgelegt worden war. Jetzt war eine Linie 2,179 mm lang und der Zoll bestand aus 12 Linien und somit ~26,15 mm. Es wurde auch als Werkmaß bezeichnet. Hier sah ich zum ersten Mal den Bezug zum Rheinland hergestellt, aber noch lange vor der Zeit der Krupp'schen Geschützproduktion.
  3) Mit der Einführung der neuen Maß- und Gewichtsordnung am 16. Mai 1816 ergaben sich für die Längenmaße, mit Ausnahme der Elle, keine Veränderungen. Sie wurden jetzt lediglich noch als ein preußisches Maß bezeichnet.

Des Weiteren fand ich einen Hinweis auf ein Preußisches Artilleriemaß.
Auch für das preußische Artillerie-Maß muss mindestens zwischen 3 verschiedenen Perioden unterschieden werden.
1.    Das alte preußische Artillerie-Maß für den Zeitraum vor 1773.
2.    Das preußische Artillerie-Maß für den Zeitraum zwischen 1773 und 1816.
3.    Das preußische Artillerie-Maß für den Zeitraum zwischen 1816 und 1872.
1) Hier liegen für das preußische Artilleriemaß keine genauen Angaben vor, da erst 1773 das preußische Maß genau definiert worden ist.
2) Das preußische Artillerie-Maß für diesen Zeitraum hat eine Sonderstellung in Bezug auf seine Einteilung. Während in der Normaleinteilung die Einteilung eine duodezimale ist, ist bei dem Artillerie-Maß die Rute in Fuß und Zoll duodezimal geteilt, während der Zoll in Linien und Skrupel oder Punkte dezimal geteilt ist. Die Linie hat nun eine Länge von ca. 2,615 mm und der Zoll, bestehend aus zehn Linien, hat eine ungefähre Länge von 26,15 mm.
3) Mit der Einführung der neuen Maß- und Gewichtsordnung am 16. Mai 1816 ergaben sich folgende Änderungen. Während die Einteilung der Rute in 12 Fuß und des Fußes in 12 Zoll erhalten blieb, wurde die Einteilung des Zolls in Linien und Punkte ersatzlos gestrichen. Diese kleineren Einheiten wurden ohne besondere Benennung dem Zoll als Dezimalstellen zugeordnet.
Auf dieser Grundlage habe ich eine Excel-Tabelle erstellt, um die bekannten Deutschen Geschützkaliber nach dem preußischem Maßsystem zu berechnen.
In der linken Hälfte erfolgt die Berechnung nach der Teilung des Zolls in die Zwölf Linien und in der rechten entsprechend dem Zoll und seiner Zehnerteilung.

Linke Hälfte:


Rechte Hälfte:



Anlage:
Excel-Tabelle


Nachtrag
1. In der Tabelle ist die dritte Spalte noch mit "in cm" tituliert. Das muss "in mm" heißen.
2. Die Exceltabelle bzgl. 17-cm korrigiert.
Grüße vom Oberschlickrutscher
Sven


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Solange man seinen Gegner nicht bezwungen hat, läuft man Gefahr, selbst bezwungen zu werden.
Clausewitz - Vom Kriege

Strandurlauber

Moin Sven,

 top

Anmerkung: Die 17-cm waren eigentlich 17,26 und würden in deiner Übersicht genau 6 Zoll 6/10 entsprechen.

Gruß Ulf
 


"Damn the torpedoes! Full speed ahead!" D. G.  Farragut

(1864 Battle of Mobile Bay; ... er wusste offenbar was USS Cairo auf dem Yazoo River zum Verhängnis wurde, aber auch dass die Minen schon längere Zeit im Wasser lagen und durchsickerndes Wasser in den Trimmtanks diese nach und nach absacken ließ ...)

Sven L.

Hallo Ulf,

Danke für den Hinweis. Ein Kaliber welches ich nicht nachgeschaut hatte.  :BangHead:
Grüße vom Oberschlickrutscher
Sven


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Sven L.

Wie man anhand der Tabelle ersehen kann, funktioniert das 17-cm-Kaliber, mit tatsächlichen 17,26 cm, nur bei 1/10-Teilung. Bei 1/12-Teilung wären es 6 Zoll und 7,2 Linien, wobei ich jetzt nicht weiß, ob eine so feine Teilung machbar gewesen wäre.
Grüße vom Oberschlickrutscher
Sven


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Thoddy

Kaliber 12,7 cm fehlt

gehe aber konform dass 12,7 cm = 12,8 cm (wahres Kaliber)
Meine Herren, es kann ein siebenjähriger, es kann ein dreißigjähriger Krieg werden – und wehe dem, der zuerst die Lunte in das Pulverfaß schleudert!
WoWs : [FMA]Captain_Hook_

Sven L.

Hallo Thoddy,

In der Kaiserlichen Marine gab es kein 12,7-cm Geschütz und wurde auch nirgendwo erwähnt. 12, 12,5 oder 13-cm sind wahrscheinlichsten Kaliber.
Im übrigen hatte das deutsche 12,7-cm eine Bohrung von 128 mm. Probier es doch mal mit der Tabelle aus.
Ach,  gerade geschaut. 128 mm sind enthalten.
Grüße vom Oberschlickrutscher
Sven


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Thoddy

#6
Du sagst genau dasselbe wie ich. Bei der Kriegsmarine gabs sehr wohl  12,7 cm SK.
Es gab im 1WK noch paar Kaliber
5,7 cm
7,7 cm
9,0 cm
Meine Herren, es kann ein siebenjähriger, es kann ein dreißigjähriger Krieg werden – und wehe dem, der zuerst die Lunte in das Pulverfaß schleudert!
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Urs Heßling

moin,

Zitat von: Thoddy am 29 Januar 2024, 09:42:45konform dass 12,7 cm = 12,8 cm (wahres Kaliber)
Zitat von: Sven L. am 29 Januar 2024, 20:14:30Im übrigen hatte das deutsche 12,7-cm eine Bohrung von 128 mm.
Frage
Gröner, DDK, Bd. 2., Seite 90 nennt als Artillerie-Bewaffnung der Zerstörer Z 52-56 (Zerstörer 1942A, später Zerstörer 1944) 3x2 - Sk 12,8 L/45

Ist das ein Druckfehler oder gab es dieses Geschütz (evt. nur als Projekt ?) wirklich ?

Wenn ja, was war der Unterschied zum Geschütz Sk 12,7 L/45 ?

Danke im Voraus,

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

Thoddy

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Sven L.

Hallo,

Aufgrund meines ersten Posts sollte eigentlich klar sein, dass ich mich auf die kaiserliche Marine beziehen, auch wenn ich "früher" durchaus mal WW2 Dingens gemalt habe.
Grüße vom Oberschlickrutscher
Sven


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Thoddy

Zitat von: Sven L. am 30 Januar 2024, 08:58:14Hallo,

Aufgrund meines ersten Posts sollte eigentlich klar sein, dass ich mich auf die kaiserliche Marine beziehen, auch wenn ich "früher" durchaus mal WW2 Dingens gemalt habe.
#
die Begrenzung auf Geschütze bis/einschließlich zum 1 WK konnte ich dem Post nicht entnehmen.
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Sven L.

Zitat von: Thoddy am 30 Januar 2024, 08:56:5812,7 cm SK C34


Zu beachten:
Mit Durchmesser über den Zügen 128 mm = 12,8 cm!!!

Somit ist Urs seine Frage auch beantwortet.

Grüße vom Oberschlickrutscher
Sven


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Urs Heßling

moin,

Zitat von: Sven L. am 30 Januar 2024, 09:13:39Somit ist Urs seine Frage auch beantwortet.

nicht ganz, aber danke :TU:)

Gruß, Urs
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Sven L.

Du hast insoweit recht. Ich dachte das dies durch im Text erwähnten Zeiträume erklärt würde. Da habe ich leider falsch gedacht.

Wenn man die Kaliber-Bezeichnungen der Kaiserlichen Marine mit den tatsächlichen Bohrungen vergleicht, halte ich es für durchaus möglich, dass das gelegentlich erwähnte 13-cm tatsächlich eine Bohrung von 128 mm gehabt hätte und später einfach als 12,7-cm genommen wurde.
Bzgl. des von dir genannten und mir gänzlich unbekannten 90 mm die frage von mir, ob du dafür ein Datenblatt ähnlich dem geposteten hast.
Grüße vom Oberschlickrutscher
Sven


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Thoddy

#14
Zitat von: Urs Heßling am 30 Januar 2024, 00:13:53moin,


Frage
Gröner, DDK, Bd. 2., Seite 90 nennt als Artillerie-Bewaffnung der Zerstörer Z 52-56 (Zerstörer 1942A, später Zerstörer 1944) 3x2 - Sk 12,8 L/45



Danke im Voraus,

Gruß, Urs

12,8 cm SK C/41
inwieweit durchkonstruiert vermag ich nicht zu sagen
mit Einheitspatrone

Z51 ist jedoch noch mit 12,7 cm SK C/34 im BAMA genannt (RM 6-107)
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