Transport Gefangener durch die Kriegsmarine

Begonnen von bettika61, 28 Juni 2016, 23:29:53

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bettika61

Zitat von: Darius am 10 Oktober 2020, 22:52:10
Zitat von: bettika61 am 17 Juli 2016, 13:12:28Hallo,
der Abtransport der Juden aus Korfu erfolgte am 11.,14. und 17.Juni 1944
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Deportation_und_Ermordung_der_griechischen_Juden_durch_das_NS-Regime
insgesamt 1765 Personen, darunter 300 Schwangere wurden deportiert
http://bayern.vvn-bda.de/2014/03/19/die-vernichtung-der-judischen-gemeinde-auf-korfu/

ermöglicht wurde dies durch die Bereitstellung des knappen Schiffraums durch die Kriegsmarine.
Zitat...Inselkommandant Jäger forderte sie daraufhin beim Vizeadmiral Lange an. Kapitän Magnus übernahm die Bereitstellung des Schiffraums
"Blutiges Edelweiß"

Vizeadmiral Lange dürfte Wilhelm Lange Kommandierender Admiral Ägäis sein
http://www.geocities.ws/orion47.geo/WEHRMACHT/KRIEGSMARINE/Vizeadmirals/LANGE_WERNER.html
Magnus habe ich in der Crewliste einen Werner und Alexander Magnus gefunden.
Weiß jemand , ober einer der beiden in Griechenland war?

KTB Seeko Westgriechenland:

Zitat10.06.1944
Hafenkommandant Korfu meldet, dass Juden auf Insel festgenommen worden sind.
SF 45 Korfu aus mit 300 Juden.

14.06.1944
0410 Uhr, SF 45 und SF 295 mit erstem Judentransport (400) in Patras aus KOrfu eingetroffen.

15.06.1944
1930 Uhr, Abtransport 750 Juden mit MS nach Piraeus.

17.06.1944
1840 Uhr, SF 292, 293 mit restlichen 1100 Juden von Patras aus nach Piraeus.
Insgesamt wurden etwa 1850 Juden aus Korfu evakuiert.


 :MG:

Darius
Hallo,
An das Schicksal der ermordeten Juden erinnert seit 2001 ein Denkmal unterhalb der neuen Venezianischen Festung am Eingang in die Altstadt von Korfu.
https://www.hagalil.com/2017/05/korfu-2/
ZitatDie Historikerin Diana Siebert beschreibt in einer Studie die Geschichte der Schoa auf der Insel.... .

Deutsche Täter

Geplant und durchgeführt wurde die Shoah durch Obersturmführer Anton Burger, in Athen Leiter des ,,Judenreferats". Dieser ging davon aus, dass die griechische Bevölkerung die Ermordung der Juden hinnehmen werde. Das Rote Kreuz versorgte zwar, mit Einwilligung der deutschen Besatzer, Menschen mit Essen, schaute beim Abtransport der Juden jedoch zu. Der 1911 geborene Burger wurde nach Kriegsende zwar von der Tschechoslowakei in Abwesenheit zum Tode verurteilt, floh jedoch und lebte bis 1991 mit falschem Pass als Rentner in Essen. Auch Geheimdienstler Starl erwarb, ungerührt von den Verbrechen, nach Kriegsende ein Anwesen auf Korfu und verbrachte dort seine Urlaube. Ein gelegentlicher Gast war General der Gebirgstruppe Hubert Lanz, Befehlshaber des Massakers auf Kefalonia vom September 1943. Er wurde 1947 zu zwölf Jahren Haft verurteilt, kam nach vier Jahren wieder frei und wurde in der FDP Berater für militär- und sicherheitspolitische Fragen.
Grüße
Beate

,,Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen." George Santayana

bettika61

Zitat von: TW am 09 Juli 2016, 20:09:34..
Aber die Diskussion in Finnland ist nicht bei dem Buch von Elina Suominen stehen geblieben. Nachdem renommierte finnische Historiker behauptet hatten, dass zahlenmäßig es keine nennenswerte Deportation von Juden aus Finnland gegeben habe, erschien ein Buch von Elina Sana (dieses publiziert auf englisch), in dem sie eine Zahl von 500 Juden nennt, die in Konzentrationslager deportiert wurden. Ob wiederum mit der "Hohenhörn", kann ich nicht sagen, weil ich kein Finnisch verstehe.

Zu der finnischen Auseinandersetzung dieser Artikel im Internet:
http://jcpa.org/article/finlands-tarnished-holocaust-record/
Hallo,
Im o.g verlinkten Artikel wird u.a daraufhingewiesen, das jüdischen Flüchtlingen die Einreise nach Finnland verweigert wurde bzw. diese zurückgeschickt wurden
ZitatEnde August 1938 wurden jüdische Flüchtlinge auf dem Schiff Adriane in den Hafen von Stettin in Deutschland, dem heutigen Stettin in Polen, zurückgeschickt."
Das war nicht das einzige Ereignis dieser Art
ZitatEine Folge der rigiden Flüchtlingspolitik war die Abweisung von zwei größeren Gruppen jüdischer Flüchtlinge. Das betraf 60 jüdische Schutzsuchende aus Österreich, die im August 1938 an Bord des Schiffes »Ariadne« nach Helsinki kamen, und eine noch größere Anzahl von Juden, die im Februar 1939 von Stettin aus mit der »Nordland« den Nazischergen zu entkommen hofften.
https://www.sopos.org/aufsaetze/40617a8072777/1.phtml.html
Weiß jemand mehr über diese Ereignisse und/oder Schiffe?
Waren die "Ariadne" bzw "Nordland" Schiffe die als Fähren von Stettin nach Helsinki verkehrten?

Grüße
Beate

,,Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen." George Santayana

bodrog

Nordland könnte ein Schiff der Stettin Rigaer Dampfschiffs Ges. Th. Gribel KG gewesen sein. Gebaut 1924 beim Stettiner Vulcan.
Ariadne ist evtl. ein Dampfer der DG Neptun, gebaut 1898 bei Seebeck, im WK I Sperrfahrzeug.Div. d. Ems

bettika61

Hallo bodrog,
Danke  :MG: damit kann ich die Nordland zuordnen
ZitatDie Nordland war ein kleiner Passagierdampfer, welcher auch etwas Fracht mit nehmen konnte. Das Schiff wurde in der Ostseefahrt eingesetzt und hatte einen Eisbrecherbug und konnte somit auch im Winter eingesetzt werden. Es befuhr von 1924 bis zu II. Weltkrieg die Route Stettin, Riga, Reval und Hesingfors. Die Marine setzte es für ihr 24. U-Boot Flottille ein.
https://www.kartonbau.de/forum/thema/19949-nordland-khkk-1-250/
Mit Helsingfors ist Helsinki gemeint
Grüße
Beate

,,Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen." George Santayana

SchlPr11

Liebe Beate,
ARIADNE hier bei Transporten im Krieg - finnischer Ostseepassagierdampfer und Datenmäßig in den eingeführten Quellen zu finden.
FROHE OSTERN - REINHARD

bettika61

Lieber Reinhard,
 :MG:  --/>/> S/S Ariadne  https://fi.wikipedia.org/wiki/S/S_Ariadne

Zum Hintergrund der Transporte
FZH Ursula Büttner " Das Unrechtsregime
Teil einer Aktion von Partei- und Gestapoinstanzen zur "Austreibung" jüdischer Bürger , um den betroffenen Staaten die Verantwortung für die Vertriebenen aufzubürden.
Im Fall Finnlands wälzte  die finnische Regierung die Verantwortung auf die dortige jüdische Gemeinde ab, die Versorgung und den Weitertransport der Vertriebeben zu übernehmen .
Grüße
Beate

,,Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen." George Santayana

Violoncello

Hallo zusammen,

am 24.10.1942 15.00 Uhr legte der Dampfer "Moero" (6111 BRT) auf dem Marsch von Loedingen nach Bodoe um 15.00 Uhr einen Zwischenstop im Flagsundet an der Südseite der Insel Engelöy ein, um bei Toerrisneset Gefangene auszuschiffen.

1. Kennt jemand eine Primärquelle, die die Anzahl der mutmaßlichen Kriegsgefangenen und ihre
Herkunft (sowjetische Soldaten?) nennt?

2. Stand die Ausschiffung in Zuammenhang mit dem Bau der Geschützstellungen für die Batterie "Dietl", die mit Ihren drei 40,6-cm-Kanonen den Zugang zum Vestfjord im Süden decken sollte?

Am 16.11.1942 lief der Dampfer "Rüdesheimer" (2036 BRT) von Flagsundet nach Bodoe. Hier erheben sich für mich die gleichen Fragen.

(BArch RM 102/3746)

Viele Grüße

Violoncello

t-geronimo

 --/>/> https://www.degruyter.com/database/HBOL/entry/hb.24003012/html

Darin enthalten ein PDF:  --/>/>  "Zum Volltext"

Auszug daraus:
ZitatIm Spätsommer 1942 treffen die ersten sowjetischen Kriegsgefangenen auf der Insel Engelöy
ein. Ende Oktober kommt ein größerer Transport mit 700 Kriegsgefangenen des Kriegsgefangenenarbeitsbataillons 1868. Am Ende des Jahres 1942 sind 240 von ihnen nicht mehr am Leben.

Zur Quelle 8:
8 RA Krigsgravtjenestens arkiv, eske 52; Bundesarchiv – Militärachiv Potsdam (zukünftig BArch), RW
39/175, pag. 77.
Gruß, Thorsten

"There is every possibility that things are going to change completely."
(Captain Tennant, HMS Repulse, 09.12.1941)

Forum MarineArchiv / Historisches MarineArchiv

Violoncello

Hallo Thorsten,
danke für die perfekte Aufklärung!
Viele Grüße
Violoncello

bettika61

Hallo violoncello,
Zitatam 24.10.1942 15.00 Uhr legte der Dampfer "Moero" (6111 BRT) auf dem Marsch von Loedingen nach Bodoe ..
aus meiner Datenbank Gefangenentransport, da stehen die Transporte von /nach Deutschland im Vordergrund:
"11.10.1942 Moero    Stettin    22.10.1942 Narvik    1000    Kgf 1/186 og stab,  (russ KG)"
Quellen:  KMD Stettin und
RW 39/90  Wehrmachtsbefehlshaber in Norwegen Transportoffizier https://invenio.bundesarchiv.de/invenio/direktlink/c2dea43b-df72-40ed-8bd3-d7fac54df58b/
(digital verfügbar)
Kgf 1/186 steht für Kriegsgefangenen-Arbeits-Bataillon 186
https://www.lexikon-der-wehrmacht.de/Gliederungen/KgfArbeitsbataillone/KgfArbeitsbataillon186.htm

Der von Dir gesuchten Transport  am 24.10.42 ging von Narvik nach Engelöy mit 400 Gefangenen.
RW 39/90 s.o

Für Deine weiteren Fragen kann ich nur auf die RW 39/90 verweisen, die habe ich nicht vollständig ausgewertet.
Grüße
Beate

,,Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen." George Santayana

Violoncello

Hallo Beate,
herzlichen Dank!
Viele Grüße
Violoncello

bettika61

Zitat von: Olaf Berg Nielsen am 10 Juli 2016, 17:54:05Hallo Theo,

mit dem Kahn, der auf Klintholm, Møn landete waren 12 Zeugen Jehovas, dabei Hermine Schmidt. Sie hat in das Buch: "Die gerettete Freude" von seine Aufenthalt in KZ Stutthof und die Rettung in Dänemark geschrieben.

Hallo,
Hermine Schmidt ist im Alter von 98 Jahren gestorben. Sie ist die letzte bekannte KZ-Überlebende der Zeugen Jehovas
  :MG: R.I.P
https://jehovaszeugen.de/de/nachruf-hermine-schmidt/
Grüße
Beate

,,Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen." George Santayana

Olaf Berg Nielsen

Liebe Beate,

vielen Dank für die Neuheit. Ich habe in vielen Jahren mit Hermine geschrieben. In unsere Versammlung haben wir eine Frau, der mit ihren Eltern Hermine und andere Jehovas Zeugen in der Flüchtlingslager Grove in Dänemark geholfen haben. Einige deutsche Priester in diesen Lager haben Lügen über diesen gesagt, so daß die Verfolgt wurden.

Herzliche Grüßen
Olaf

Violoncello

12.5.1943 11.00 Uhr Auslaufen Dampfer "Kerkplein" mit 686 (Kriegs-)gefangenen und 80 Mann Begleitpersonal von Bodö nach Narvik. Der Dampfer war um 7.00 Uhr von Trondheim kommend in Bodö eingelaufen und wurde zunöächst den Vestfjord querend nach Lödingen weitergeleitet.
(TNA DEFE 3/276, S. 867, Meldung Hafenkapitän Bodö 12.5. 20.00 Uhr)

Nach dem Tätigkeitsbericht des Bevollmächtigten Transportoffiziers soll "Kerkplein" sogar mit 919 Gefangenen von Trondheim nach Narvik gelaufen sein.
(BArch RW 39/62, f. 161)

An anderer Stelle in den Tätigkeitsberichten mit Anlagen wird spezifiziert, das "Kerkplein" mit 686 Kriegsgefangenen der 1./Kgf.Arb.Btl 182 und 73 Mann Begleitpersonal von Trondheim ausgelaufen sei, 486 Kriegsgefangene seien für Hambukt und 200 für Narvik bestimmt gewesen.
(BArch RW 39/62, f. 199)

Da besteht evtl. hinsidchtlich der Diskrepanz deer Zahlen noch Klärungsbedarf.

Viele Grüße

Violoncello



Urs Heßling

"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

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