Vor 60 Jahren - Konferenz von Jalta - Teilung Deutschlands

Begonnen von Scharnhorst66, 04 Februar 2005, 12:00:43

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Scharnhorst66

Die Konferenz von Jalta auf der damals sowjetischen, heute ukrainischen Schwarzmeerhalbinsel Krim fand vom 4 bis 11. Februar 1945 statt und bestimmte die Teilung Europas nach dem bevorstehenden Ende des Kriegeses. Die Vertreter der Großmächte USA, Großbritannien und Gastgeber UdSSR trafen sich zu dieser Konferenz, der verschiedene Konferenzen andernorts vorausgegangen waren und weitere folgen sollten, nahe der bereits befriedeten Badeortschaft Jalta.


Aus den Beschlussfassungen der "großen Drei" auf der Konferenz von Jalta:

I. Weltorganisation

Es wurde beschlossen: (1) dass eine Konferenz der Vereinigten Nationen über die beabsichtigte Weltorganisation für Mittwoch, den 25. April 1945 einberufen und in den Vereinigten Staaten von Amerika abgehalten werde. (2) die zu dieser Konferenz einzuladenden Nationen sollen sein (a) Die Vereinten Nationen, so wie sie am 8. Februar 1945 bestanden haben. (b) solche der assoziierten Nationen, welche dem gemeinsamen Feind bis zum 1. März 1945 den Krieg erklärt haben (...)

III. Zerstückelung Deutschlands

Es wurde beschlossen, dass Artikel 12 (a) der Kapitulationsbedingungen für Deutschland folgendermaßen ergänzt werde: 'Das Vereinigte Königreich, die Vereinigten Staaten von Amerika und die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken werden bezüglich Deutschlands höchste Machtvollkommenheit haben. In der Ausübung dieser Macht werden sie solche Maßnahmen treffen, einschließlich der völligen Entwaffnung, Entmilitarisierung und Zerstückelung, als sie für den künftigen Frieden und die Sicherheit für notwendig halten.' (...)

IV. Okkupationszone für die Franzosen und Kontrollrat für Deutschland

Es wurde beschlossen, dass eine Zone in Deutschland, welche von französischen Streitkräften besetzt werden wird, Frankreich zugeteilt wird. Diese Zone wird aus der britischen und amerikanischen Zone gebildet werden und ihre Ausdehnung wird von den Briten und Amerikanern in Beratung mit der provisorischen französischen Regierung bestimmt werden. Es wurde auch beschlossen, dass die französische provisorische Regierung eingeladen werden soll, ein Mitglied des alliierten Kontrollrates für Deutschland zu werden.

V. Wiedergutmachung

Das folgende Protokoll wurde beschlossen: 1. Deutschland muss in natura für die Verluste zahlen, welche es den alliierten Nationen im Laufe des Krieges zugefügt hat. Wiedergutmachung sollen in erster Linie diejenigen Länder erhalten, welche die Hauptlast des Krieges getragen, die schwersten Verluste erlitten und den Sieg über den Feind gestaltet haben. 2. Wiedergutmachung in natura ist von Deutschland in den drei folgenden Formen zu nehmen: (a) innerhalb zweier Jahre nach der Übergabe Deutschlands oder dem Aufhören organisierten Widerstandes, Wegschaffungen von deutschem Nationalvermögen, welches sich sowohl auf dem Gebiete Deutschlands selbst als auch außerhalb des Gebietes befindet (Werkzeugmaschinen, Schiffe, rollendes Material, deutsche Investitionen im Auslande, Aktien Industrieller-, Transport- und anderer Unternehmungen in Deutschland), welche Wegschaffungen hauptsächlich für den Zweck der Zerstörung des Kriegspotentials Deutschlands durchzuführen sind; (b) jährliche Lieferungen von Gütern von der laufenden Produktion für eine festzusetzende Zeitspanne; (c) Benützung deutscher Arbeitskräfte. 3. Zur Ausarbeitung eines detaillierten Planes laut vorgenannter Grundsätze für die Erhebung von Reparationen von Deutschland wird eine alliierte Wiedergutmachungskommission in Moskau errichtet werden. Sie wird aus drei Vertretern bestehen – einem von der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken, einem vom Vereinten Königreich und einem von den Vereinigten Staaten von Amerika. 4. Bezüglich der Festsetzung einer Gesamtsumme der Wiedergutmachung als auch der Verteilung unter den Ländern, welche unter der deutschen Aggression gelitten haben, kamen die sowjetischen und amerikanischen Delegationen folgendermaßen überein: Die Moskauer Reparationskommission soll in ihren anfänglichen Studien als Unterlage für die Diskussion den Vorschlag der Sowjetregierung annehmen, dass die Gesamtsumme der Wiedergutmachung in Übereinstimmung mit den Punkten a und b des § 2 20 Milliarden Dollar sein sollten und dass davon 50% die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken erhalten solle.' Die britische Delegation war der Ansicht, daß während der Besprechung über die Wiedergutmachungsfrage bei der Moskauer Wiedergutmachungskommission keine Wiedergutmachungsziffern genannt werden sollten. Der vorstehende sowjet-amerikanische Vorschlag wurde der Moskauer Reparationskommission als einer der Vorschläge, welche von der Kommission in Erwägung gezogen werden sollen, weitergegeben .
" Fehler sind normal , Irrtümer üblich , Informationen selten vollständig , oft unzutreffend und häufig irreführend "
Sound Military Decision 1936
Gruss Micha

Scheer

Ketzerisch gefragt !

Worin bestand eigentlich der Grund, Frankreich zu einer der Siegermächte zu machen ?
Die Hauptlast bei der Befreiung Europas trugen doch die Sowjets, Briten und Amerikaner !

Scharnhorst66

Aus meiner Sicht gäbe es verschiedene Gründe die Franzosen mit ins Boot geholt zu haben:

1. gewachse Verbindung zwischen England & Frankreich durch den
   1. Weltkrieg , den man auch schon zusammen geschlagen / gewonnen hat.

2. Als Entschädigung für´s Versagen beim Kampf gegen Nazideutschland.
   siehe Dünkirchen.

3. Teile von Frankreich waren ja nicht besetzt und führten eine eigene
   autoritäre Regierung etabliert in Vichy (État Francais).
   Ebenso als Sprecher des Freien Frankreich bemühte sich in London
   C. de Gaulle um die Sammlung der Exilkräfte , welche ja beim
   D-Day mit dabei waren und Ihr eigenes Land wieder befreiten.

4. War Frankreich ja einer der ersten Staaten ( zusammen mit GB ) ,
   welches sich gegen die Expansionspolitik von Deutschland gewehrt hat bzw. den Krieg erklärte ( siehe Bündnis mit Polen ).
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Gruss Micha

Mario

ZitatWorin bestand eigentlich der Grund, Frankreich zu einer der Siegermächte zu machen ?

Genau das frage ich mich auch immer wieder. An eine gewachsene Freundschaft, wie es Scharnhorst im Punkt 1. anführt, mag ich nicht glauben. Dazu gab es nach Mers el Kebir noch viele andere Gründe für französische Abneigungen gegen alles Britische. Man denke nur an Syrien, Madagasskar, Nordafrika usw.
Ich denke eher, es war eine Wiedergutmachung für die erlittenen Schäden durch die beiden Landungen im Sommer 1944 und die anschließenden Offensiven gegen die deutsche Wehrmacht, durch die sicher viele Schäden in Frankreich entstanden sind.

kalli

Denkt dabei auch an einen politischen Aspekt. Wenn man den Verlauf und das Hick Hack von Jalta untersucht, kann man leicht zu dem Schluss kommen, das bereits dort der Kalte Krieg begonnen hat.
Einen für diesen Krieg wichtigen Verbündeten an der Grenze zu Deutschland zu haben, war von grösster Bedeutung.
Um diesen Verbündeten zu binden, war es wichtig, ihm Verantwortung für die westliche Vorstellung und Realisierung eines Nachkriegseuropas zu übertragen.
Diese Verantwortung erwuchs aus dem übertragenen Alliiertenstatus.
Das hat Stalin durchaus durchschaut und war strikt gegen diese Pläne.
Letztlich konnte er es aber nicht verhindern, erhielt aber dafür Zugeständnisse.
Was Scharnhorst schrieb, so mögen diese Gründe Bestandteil der "offiziellen" Begründung gewesen sein.

Scharnhorst66

@Mario,
an Deinen Grund hatte ich auch erst gedacht - ihn dann aber wieder verworfen - dann hätte man ja alle anderen Staaten , welche man befreit  hat , auch mit ins Boot holen müssen - den die Schäden waren aufgrund der Befreiung und den damit verbundenen Schäden wohl überall gleich.
Ging ja auch immer nach dem selbem Schema ab - erst Bombenangriffe auf bekannte Stellungen der Deutschen , dann Atilleriefeuer und dann erst hinterlaufen ..

Ein wichtiger Punkt wäre für mich der Hinweiss von Kalli ..
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Sound Military Decision 1936
Gruss Micha

Scheer

Mhh, bei weiterer Betrachtung denke ich, daß wir es tatsächlich mit einem Zugeständnis gegenüber Frankreich zu tun haben, welches aus einem Zögern der Briten herleitet.
Eines der Kernprobleme des 2.WK in Europa war das fehlende Handeln nach Hitlers Überfall auf Polen.
Anstatt eigene Stärke auszunutzen und durch einen Gegenschlag an der Westgrenze Deutschlands sofort eine zweite Front zu eröffnen, blieben die Allierten bei einer Haltung des Zuschauens. Htler brauchte für seinen "Blitzkrieg" gegen Polen etliches an Material und Truppen. Der franz. Armee und dem britischen Expeditionsheer hätte an der "Westfront" ein geschwächter Gegner gegenüber gestanden. Durch rascheres Reagieren hätte meines Erachtens die Besetzung Frankreichs (mit all ihren Folgen) nicht in diesem Maße stattfinden können.
In Anbetracht der Vorgeschichte des 2. Weltkrieges sehe ich aber Chamberlain als das Problem. Er zeigte sich nur all zu oft als zögerlich.
Die Folgen hatte Frankreich zu tragen. Und so erscheint mir eine "Wiedergutmachung" immerhin als eine Möglichkeit.

Richtiger Gedankengang ???

kalli

Aus moralischer Sicht sicherlich ein guter Ansatzpunkt.
Auch was Du zu Chamberlain gesagt hast- aber was zählt in der Politik die Moral ? Und dann in den Jahren 44/45 als der Sieg feststand ?
Man hätte den Franzosen auch viel Schuld in die Stiefel kippen können, wenn man gewollt hätte ( "Restfrankreich" Petain ).

Scheer

ZitatUnd dann in den Jahren 44/45 als der Sieg feststand ?
Man hätte den Franzosen auch viel Schuld in die Stiefel kippen können, wenn man gewollt hätte ( "Restfrankreich" Petain ).

Ein Grund mehr warum mir das ganze etwas seltsam anmutet.

kalli

deshalb kann man diese Sache m.E. nur mit politischen Überlegungen der USA zur Nachkriegsordnung erklären.
Und was mag der Ausgleich gegenüber der Sowjetunion gewesen sein ?
( abgesehen von den Zonenfragen ) - Vielleicht die UNO- Sitze für die UdSSR, Bjelorussland und Ukraine ( die beiden gehörten zur UdSSR )?
Die offizielle Begründung war die gleiche wie für den Alliiertenstatus Frankreichs.

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