Flottenplanung unter Tirpitz

Begonnen von maxim, 02 Juli 2025, 07:04:30

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Matrose71

#180
Zitat von: maxim am 12 Dezember 2025, 22:24:37Ja, Carsten, du magst es einseitig sehen, aber betrachte mal die ganzen Aktionen Bismarcks davor oder eben die Flottengesetze (auch davor). Man kann halt nicht erwarten, dass etwas was man macht, keine Folgen hat. Natürlich entwickelt sich daraus dann eine Dynamik, auch eine Dynamik, die dann von beiden Seiten ausgeht und die keine Seite so leicht wieder unter Kontrolle bringt.

Soweit d'accord

Zitat von: maxim am 12 Dezember 2025, 22:24:37Ja, Carsten, du magst es einseitig sehen, aber betrachte mal die ganzen Aktionen Bismarcks davor oder eben die Flottengesetze (auch davor). Man kann halt nicht erwarten, dass etwas was man macht, keine Folgen hat. Natürlich entwickelt sich daraus dann eine Dynamik, auch eine Dynamik, die dann von beiden Seiten ausgeht und die keine Seite so leicht wieder unter Kontrolle bringt.

Es ist nicht so, dass das Deutsche Reich das arme Opfer alle anderen war. Die deutsche Politik hat sehr viel selbst dazu beitragen, dass andere das Deutsche Reich als Konkurrent (und keineswegs nur wirtschaftlich, sondern auch politisch und militärisch) und Bedrohung gesehen wurde - und das hat wiederum zu einer Bündnisstruktur geführt, in der die deutsche Politik sich immer mehr eingekreist und bedroht fühlte.

Hat auch nie jemand behauptet, nur wie schon in unseren früheren Diskussionen festgestellt wurde, hat sich das Kaiserreich völlig normal für eine damalige Großmacht benommen.
Wenn man es mit den anderen Großmächten vergleicht, sogar ein Stück zurückgenommen, aber man wollte sich nun nicht andauernd die Butter vom Brot nehmen lassen. Russland, Frankreich und England taten das ja auch nicht, eher das Gegenteil.

Klar hat die deutsche Politik Verantwortung in diesen Jahren, aber das GB das Kaiserreich als Bedrohung und Konkurrent sah, hat nach meinem Wissens- und Lesestand eher wirtschaftliche als militärische Gründe.
Die beiden Entents wurden aktiv von England herbeigeführt, völlig egal was Berlin dazu denken oder wie es zukünftig handeln wird. Es war eine aktive Aktion von GB und keine zu der DE wirklich durch Handeln Anlass gegeben hätte.

Man kann ja haargenau sehen was in Frankreich seit der Entente Cordiale passierte. Frankreich wurde schlagartig aggressiv im Bereich Kolonialpolitik (Marokko) und im Bereich Rüstung, massive Aufrüstung und Einberufung von 80% eines Jahrgangs zur Ausbildung an der Waffe. Das alles passierte 1905, ohne das es die Engländer auch nur juckte, nein sie schlossen 2 Jahre später dann die Triple Entente.
Viele Grüße

Carsten

maxim

Ja, das Kaiserreich hat sich wie eine damalige imperialistische Großmacht benommen - und stellte somit natürlich nicht nur eine Bedrohung für die Staaten dar, die es zu Kolonien machen wollte, sondern auch für die anderen imperialistischen Großmächte. Es wollte unbedingt wie diese werden. Es sah sich aber durch diese beschränkt (u.a. weil dieses zum Teil schon ein viel größeres Kolonialreich hatten) und diese wiederum versuchten es auch zu beschränken.

Oder anders gesagt: die deutsche Politik entschied sich dafür, auf Konfrontation zu den existierenden Großmächten zu gehen, um selbst eine zu werden.

Oder etwas drastisch ausgedrückt: man wollte unbedingt auch ein großer Schläger werden, den die anderen Schläger fürchten würden - und das ungestraft schwächere vermöbeln konnte. Nur im Endeffekt waren die anderen Schläger stärker und das Kaiserreich verlor.

Die Flottenrüstung war eines der Elemente, mit denen das Kaiserreich auf Konfrontation ging (und dies auch ausdrücklich nach innen so propagierte!). D.h. nicht unbedingt, dass ohne die Flottenrüstung es keine Konfrontation gegeben hätte. Z.B. wäre es nur mit einer Küstenverteidigungsflotte und stattdessen wesentlich mehr Ressourcen in die Armee für Frankreich und Russland noch gefährlicher gewesen. D.h. wenn alle anderen Ziele des Deutschen Reichs gleich geblieben wären und nur auf den Aufbau einer Hochseeflotte verzichtet worden wäre, hätte dies wohl nicht viel geändert.

Matrose71

Zitat von: maxim am 13 Dezember 2025, 09:07:49Oder anders gesagt: die deutsche Politik entschied sich dafür, auf Konfrontation zu den existierenden Großmächten zu gehen, um selbst eine zu werden.

Oder etwas drastisch ausgedrückt: man wollte unbedingt auch ein großer Schläger werden, den die anderen Schläger fürchten würden - und das ungestraft schwächere vermöbeln konnte. Nur im Endeffekt waren die anderen Schläger stärker und das Kaiserreich verlor.

Wo? In der Drastik dargestellt und ausgedrückt?

Münkler hat das in seinem Buch "Der große Krieg" sehr pointiert auf den Punkt gebracht, als auch bei seinen Ausführungen zu seinem Buch im Plenum.
Aus Spieltheoretischer Sicht, also aus der Sicht eines rational Handelnden an "seinen Zielen" orientierten "Spieler", hätte das Kaiserreich bei unterstellter imperialistischen Zielen, 1905 Frankreich den Krieg erklären "müssen", da Russland (als Hauptverbündeter) den Krieg gegen Japan gerade verlor oder verloren hatte und somit als Hilfe ausfiehl und England eine große Reorganisation seiner Landstreitkräfte nach den Burenkriegen eingeleitet hatte und durchführte und somit an Land auch nicht hätte unterstützen können!

Warum handelte denn das Kaiserreich nicht nach diesen imperialistischen Zielen, die du unterstelltst?
Viele Grüße

Carsten

mhorgran

Zitat von: TW am 11 Dezember 2025, 18:36:11
Zitat von: mhorgran am 11 Dezember 2025, 18:33:31ich frage mich gerade ob der autor die nötige vorbildung zu diesem thema hat.
Den Satz hättest Du Dir sparen sollen. Reine Gehässigkeit 
findest du? die meinung sei dir gegeben.
ich allerdings finde es einen wirklich eklatanten fehler wenn man zwei zeitperioden vergleicht die 30 jahre auseinanderliegen und in welchen es immense technische veränderungen gab. wir könnten ja dementsprechend auch 1944 mit 1974 vergleichen. wäre das in deinem sinne passend?

Zitat von: hans@achimkoerver.de am 12 Dezember 2025, 18:51:36
Zitat von: mhorgran am 11 Dezember 2025, 18:33:31
Zitatich frage mich gerade ob der autor die nötige vorbild zu diesem thema hat.
moin,
ein anderer ohne "nötige Vorbildung", ein gewisser Admiral Reinhard Scheer, befahl im August 1918 die Verdreifachung der Uboot-Produktion und die Stilllegung von Teilen der Hochsee-Flotte. Etwas spät, quasi zu zwölfter Stunde, aber es hätte in 1916 oder 1915 etwas bewirken können.
Wie hier oft gesagt wurde - es ist post-ex Wissen.
Aber angesichts der hochtrabenden Ankündigungen der KM zum uneingeschränkten Ubootkrieg ("England kapituliert in 6 Monaten") und seinen Folgen für Deutschland (Versailles and after) darf man ihr diese "objektiven" Fehler doch einmal unter die Nase reiben.
Wer schon alles auf eine Karte setzt, sollte doch ein möglichst starkes Blatt in der Hand haben.

Gruss
Achim
 
es ging um fachpersonal.

maxim

Na ja, das ist kein gutes Argument, dass Deutschland 1905 nicht den Krieg erklärte. Das würde bedeuten, dass es nur dann eine imperialistische Großmacht sein könnte, wenn jede Entscheidung in diesem Sinne richtig gewesen wäre, also es versucht hätte jede Chance zu nutzen. Das ist aber kein Kriterium, um einen Staat als imperialistisch zu definieren.

Das ist z.B. eine Definition, die Gemini gerade geschrieben hat:
ZitatImperialismus
ist die Politik einer machtvollen Nation, ihre Herrschaft über andere Länder und Völker auszudehnen, sei es durch direkte Eroberung (Kolonialismus) oder durch politische, wirtschaftliche und kulturelle Kontrolle, um Macht, Reichtum und Einfluss zu vergrößern, oft mit dem Ziel, Rohstoffe zu sichern und neue Märkte zu erschließen. Es geht um die Errichtung eines Imperiums, oft getrieben von Nationalismus, wirtschaftlichen Interessen und dem Gefühl der eigenen Überlegenheit, wie es besonders im späten 19. Jahrhundert in Afrika und Asien stattfand.

Offensichtlich war nach dieser Definition das Deutsche Reich eine imperialistische Macht. Es hatte Kolonien (sowohl in Europa als auch Afrika, Asien und Ozeanien), versuchte weitere zu erlangen und auch über andere Elemente mehr Einfluss und neue Märkte zu gewinnen, z.B. in China.

Beispiele, in denen das propagiert wurde, währen die "Hunnenrede", "Platz an der Sonne" etc.

Ich zitiere hierzu Miertzschke in Deutsche Marinepolitik im Ersten Weltkrieg:
ZitatDurch den Bau einer mächtigen Flotte, das war zu dieser Zeit nicht nur die Vision des Monarchen, sondern ein auch im deutschen Bürgertum verbreiteter Wunsch, sollte Deutschland von einer europäischen Großmacht zu einer Weltmacht aufsteigen. Zu diesem Zweck konzipierte der 1897 zum Staatssekretär des Reichsmarineamtes ernannte Admiral Alfred von Tirpitz den Plan zum Bau einer Schlachtflotte, deren Größe nach ihrer Fertigstellung 60 Großkampfschiffe – zwei Drittel der britischen Royal Navy – betragen sollte.2 Diese sogenannte Risikoflotte, deren Vorhandensein in der Nordsee die bestehende Weltmacht Großbritannien permanent in Schach halten würde, sollte jene von einem Krieg gegen Deutschland abschrecken und dadurch dem Reich ,,eine große überseeische Politik" ermöglichen.3 Vieles deutet darauf hin, dass Tirpitz auf lange Sicht sogar den Bau einer Flotte anstrebte, die der britischen zahlenmäßig ebenbürtig, vielleicht sogar überlegen sein sollte.

mhorgran

Zitat von: maxim am 13 Dezember 2025, 09:07:49Oder anders gesagt: die deutsche Politik entschied sich dafür, auf Konfrontation zu den existierenden Großmächten zu gehen, um selbst eine zu werden.

Oder etwas drastisch ausgedrückt: man wollte unbedingt auch ein großer Schläger werden, den die anderen Schläger fürchten würden - und das ungestraft schwächere vermöbeln konnte. Nur im Endeffekt waren die anderen Schläger stärker und das Kaiserreich verlor.
aha,
mit einem heer das seinen gegnern, an mannstärke, deutlich unterlegen war.

Matrose71

#186
Zitat von: maxim am 13 Dezember 2025, 09:52:52Na ja, das ist kein gutes Argument, dass Deutschland 1905 nicht den Krieg erklärte. Das würde bedeuten, dass es nur dann eine imperialistische Großmacht sein könnte, wenn jede Entscheidung in diesem Sinne richtig gewesen wäre, also es versucht hätte jede Chance zu nutzen. Das ist aber kein Kriterium, um einen Staat als imperialistisch zu definieren.

Zitat von: maxim am 13 Dezember 2025, 09:07:49Ja, das Kaiserreich hat sich wie eine damalige imperialistische Großmacht benommen - und stellte somit natürlich nicht nur eine Bedrohung für die Staaten dar, die es zu Kolonien machen wollte, sondern auch für die anderen imperialistischen Großmächte. Es wollte unbedingt wie diese werden. Es sah sich aber durch diese beschränkt (u.a. weil dieses zum Teil schon ein viel größeres Kolonialreich hatten) und diese wiederum versuchten es auch zu beschränken.

Merkst du selber?
Wie Münkler es bereits richtig ausgeführt hat, bot sich 1905 für ein unterstelltes imperialistisches Kaiserreich das um Weltherrschaftt kämpft eine einmalige Gelegenheit für jeden rational Handelnden.
Russland als Hauptverbündeter war aus dem Spiel, England beschäftigt und die Armee nicht eindatzbereit, es wäre nur auf Frankreich und DE hinausgelaufen.

Komisch, dass das Kaiserreich das eben nicht gemacht hat, da es nicht mal einen Kriegsgrund hätte erfinden müssen, denn die Marokkokrise hätte sich 1A angeboten, als Vorwand über Frankreich "herzufallen".

https://www.youtube.com/watch?v=eFV0vAkevus&t=1045s

17:20 - 19:20
Viele Grüße

Carsten

maxim

Wie gesagt: das ist kein gutes Argument. Das Argument nimmt an, dass die verantwortlichen Akteure zu jedem Zeitpunkt logisch, rational, zielbewusst und fehlerfrei handelten. Das ist aber praktisch nie der Fall.

Mit der Frage, ob das Deutsche Reiche eine imperialistische Macht war und eine Bedrohung für andere darstellte, hilft diese Frage sowieso nicht weiter. Für die Beantwortung für diese Frage kann man z.B. auf den Deutsch-Dänischen, Deutsch-Deutschen, Deutsch-Französischen Krieg, Ersten Weltkrieg und die Besetzung der ganzen Kolonien verweisen. Auch das Handeln der anderen imperialistischen Mächte zeigt, dass diese das Deutsche Reiche als Bedrohung auffassten, z.B. die Bildung der Bündnisse (Entente), die Umstrukturierung der Royal Navy für den Einsatz in der Nordsee unter Fisher oder die verschiedenen Eindämmungsversuche des deutschen Imperialismus, auf die du selbst schon verwiesen hast.

Diese Frage ist nur für 1905 interessant (was wussten die damalige Akteure, was verstanden sie, mit was beschäftigten sie sich damals etc.).

Für die Marine ist die Frage wahrscheinlich einfach zu beantworten: sie war 1905 weit von der gewünschten Stärke entfernt und wollte wahrscheinlich keinen Krieg - wie auch 1914 oder 1939. Aber wahrscheinlich interessierte das außerhalb der Marine weder 1905, 1914 noch 1939 irgendjemanden Verantwortlichen.

beck.Schulte

#188
Hallo Stefan.  Das Thema war Vernachlässigung des UBootsbau. Also durch Stopp der Arbeiten an allem oberhalb der Kl. Kreuzer ein eine starke U-Flotte zu erhalten, die dann recht schnell GB in die Knie zwingen würde.  Diese These wurde von der ,,Auf See unbesiegt" – Fraktion fleißig vertreten. Sie ist aber wie ,,das fehlende Armeekorps an der Marne" reines Wunschdenken.
Was ich bisher überhaupt noch nicht gelesen habe, ist wie der zusätzliche U-Bootsbau praktisch gehandhabt werden sollte. Völliger Unsinn ist, dass man damit schon 1914 hätte anfangen können. Mit welchem Bootstyp?   Mitte 1915 wäre realistischer (wenn man bei der Betrachtung überhaupt von ,,Realismus" sprechen kann) .  Bis zur Auftragsvergabe nochmals einige Zeit und danach müssten die zum Bau benötigen Materialien und Ausrüstungsgegenstände geordert werden. Bis die vor Ort eintreffen würden (falls überhaupt rasch lieferbar) sind wir schon im Jahr 1916. Frontbereit mit eingefahrener Besatzung sind wir denn schon Mitte 1916. Wie die dann die Briten ans Verhungern bringen würden, mir nicht erkennbar (Deutschland war am Verhungern) . der ,,uneingeschränkte" würde die USA rasch in den Krieg bringen. Nach Prisenordnung aufwendig und gefährlich (U-Falle / Sicherungsverbände /Flieger) . Völlig ausgeblendet, dass die Briten/Amerikaner sich nichts hätten einfallen lassen. Möglich eine erweiterte Minensperre im östlichen Kanalausgang. Verstärkung er Bewacher im Zwangsweg an der Ostküste.  Wie wären z.B. US Kombifrachter anzuhalten, wenn diese sich mit Hinweis auf die ,,Freiheit der Meere" weigern würden sich untersuchen zu lassen?
Aber zurück zum Thema. Ich habe mal als Beispiel für eine Bauwerft die G.Seebeck AG ausgewählt.    Diese verfügte über 2 Baudocks und einen Helgen.   Denken wir uns den Hamburg Süd-Dampfer mal weg, dann wären es wohl 6 – 8 Boot zeitgleich. Dafür fällt dann die gleiche Zahl am M-Booten aus. Ganz optimistisch könnten Mitte / Ende 1916 diese Boote abgeliefert und Anfang 1917 frontreif sein. Dem steht entgegen, dass von der 1275 Mann starken Belegschaft vor Kriegsbeginn ein Teil eingezogen wurde, Ca. 300 Facharbeiter in den Docks an der Geeste kriegswichtige Reparaturen und Instandsetzungsarbeiten durchführten. Selbst für den technisch nicht so aufwendigen Bau der Marine-Fischdampfer und M-Boote fehlte es an Personal. An Nieter z.B. für den Druckkörper waren andere Anforderungen zu stellen als die für den M-Bootsbau. Die Kesselschmiede und der Maschinenbau müssten weiter in Betrieb bleiben.
Dazu mussten  die E-Zentrale, die Autogenschweiß Anlagen vergrößern werden. So war es dann auch nötig eine neue Eisen- & Stahlgießerei zu fordern (konnte bis Kriegsende nicht eingerichtet werden) , da durch Überlastung es nicht möglich war dünnwandigen Qualität Gussstahl zu erhalten. Man kann das unendlich weiterführen. Gleiches hätte auch für Tecklenborg gegolten. Unterweser und Rickmers waren überhaupt nicht in der Lage den U-bootsbau aufzunehmen. Auch Frerichs und Atlas nicht.
Der U-bootsbau ging also zu Lasten des der M- und Sicherungsboote. Ab Anfang 1917 zeichnete sich ab, dass die Briten weiterhin ungestört ,,fast täglich" im Sperrgebiet Mine verlegten und zu deren Abwehr es an M-Booten mangelte.  Selbst für das ständige Verlegen der Zwangswege für den U-Boots-Geleit  fehlte es an M-booten. Alles so mal ,,außen Ärmel" .
Gruß von hier nach Bayern

PS: Noch unrealistischer der "Scheer-Plan". Als der rauskam was der Drops schon gelutscht

Quellen: Staats- bzw Stadtarchiv  Bremen Bremerhaven Stade  , DSM, Histr. Museum BHV,  BA/MA Akten betr.  Festung a.d. Unterweser, S.B.K. Bremerhaven, Bau- & Reparatur Fd und M-Boote, u.v.an. Gröner, KzS Technik usw.  Ich bin kein Historiker, dafür mit über 50 Jahren Erfahrungen im Schiffbau und der Beschäftigung mit der Marine 14-18.

bodrog

Zitatich sehe, das mein Excel-sheet zur Gröners Zahlen doch vielfach down-geloadet wurden.
Das sind die FAKTEN, das ist der statistische TREND

Naja: Ich habe länger überlegt, ich zu dem Nonsens überhaupt was schreibe...

Was mich stört:

Tabelle schön und gut - so und wo sind jetzt: Die FÜNF GROSSEN W, die jeder Student im Proseminar Geschichte im 1. Semester anhören darf? Also: Wer, Was, Wo, Wann und Warum! Und dann kommt die Frage: Ob derjenige auch in der Lage ist, Quellen (eine Tabelle wäre eine solche - ist ja nur eine statistische Zusammenfassung) auch zu interpretieren?! Ja bin ich: Dürfte auch 1. Semester sein (aber diesmal Soziologie/Statistik): Scheinkorrelationen und Co...

Man kann doch nicht so eine Zusammenfassung bringen und lässt dabei die ganzen technischen Entwicklungen außer Acht, die währendessen stattfanden. Ganz spontan: Einführung von SK oder Turbinenantrieb oder sogar solche Sachen wie Ölfeuerung...

Die ganze Aufstellung bewegt sich auf dem Niveau damaliger Marinezeitschriften, wo ein Autor mittels Tabellen und Koeffizienten irgendwelche Kampfwerte ausrechnen wollte. Das läuft doch an der Sache absolut vorbei:

Zäsuren kommen nicht vor! (Und hier meine ich sowohl politische als auch technische). Es ist nicht angängig, Schiffe mittels Tonnage zu vergleichen, die nicht vergleichbar sind...

Wenn wir allein das Dt. Reich mit Iststand 1912 nehmen, dann haben wir einen Konflikt mit GB wegen des 2. Flottengesetzes. Stimmt das wirklich? Bündnissysteme außer Acht gelassen mag sein - Bündnissysteme mitbetrachtet nein! Wo bleibt bei der Betrachtung das Flottengesetz für die russische Flotte und vor allem deren "Kleines Bauprogramm" für die Baltische Flotte? Letzters sah bis (wir reden von Friedenszeiten von 1912) 1930 (ist auch lang hin) 2 aktive Geschwader zu je acht Schlachtschiffen und je vier Schlachtkreuzern vor; Summe: 24! Mit Novellierung mit kurzfristigen Programm von 1911 (ach ja!) bis 1915 vier Gangut (fertig) und vier Borodino (zumindest in Bau) und noch vier weitere bis 1920 (was realistisch ist ohne Krieg)... Fragt man sich gegen wen? Schweden oder Dänemark?

Gabs sowas wie eine Entende? Zumindest aus der Tabelle nicht ersichtlich... Soviel zum Wert des ganzen Elaborats

Bei Bedarf kann ich Ihnen per PM gern nährere Ausführungen zu den verschiedensten Fallstricken einer solchen Herangehensweise wie der Ihren machen.

MfG


maxim

Das mit der Russischen Flotte hatten wir schon öfters.

Man sollte aber hier zwei Punkte beachten:
a) die Russische Flotte war 1912 total dezimiert und überwiegend hoffnungslos veraltet. Dieses Neubauprogramm hatte eine Wiederherstellung und Modernisierung der Flotte nach den Verlusten aus dem Russischen-Japanischen Krieg zum Ziel. Natürlich richtete sich diese Flottenrüstung gegen Deutschland - durch die Entente war der Konflikt mit Großbritannien beigelegt worden und für Russland blieb nur noch eine größere Macht mit einer Flotte als Gegner übrig. Der Hintergrund ist auch eine massive Verschiebung der Kräfteverhältnisse zugunsten Deutschlands durch die massive maritime Aufrüstung der deutschen Marine auf der einen Seite und die massiven Verluste Russland auf der anderen Seite. Die russischen Pläne zusammen mit der Bildung der Entente machte Tirpitz Ziel, durch die deutsche Flottenrüstung Großbritannien davon abzuhalten, sich an einem Krieg gegen Deutschland zu beteiligen, noch unrealistischer als sowieso je gewesen sind.

b) Russland war spät dran, wenn es um die Umstellung auf die Dreadnought-Generation ging. Deshalb war die russische Flotte 1914 immer noch sehr schwach, weshalb die Kaiserliche Marine es sich im Ersten Weltkrieg leisten konnte, in der Ostsee fast nur veraltete oder technisch mangelhafte Schiffe einzusetzen.

In einem Punkt ähnelten sich die deutschen und russischen Pläne: für den Ersten Weltkrieg waren der Flottenbau in erster Linie eine massive Ressourcenverschwendung. Mehr Investitionen in das Heer wären sehr viel wichtiger gewesen.

bodrog

Ne, ne Maxim - das ist anders und die haben maximal Kohle dfür eingesetzt (inkl. franz. Kredite). Beschäftige dich mal mit der Nowik und Folgebauten... und das gleiche gilt für kleine Kreuzer (sind zwar nicht feriggeworden aber das ist ein anderer Fall) und bei den Fürchtenixen und U-Booten ist es auch so (Geld spielte da keine Rolle aber die begrenzte Werftkapazität)

Urs Heßling

moin,

Betr. Investitionen in das deutsche Heer. Meines Wissens wurde eine Vergrößerung des Heeres vor ca. 1910 von  höchster Ebene im Heer verhindert aus Furcht, dass dann zu viele "bürgerliche" Offiziere in hohe/höchste Dienststellen aufrücken.
Betr. französische Kredite an Russland; diese dienten weniger einer Heeresvergrößerung als der Verbesserung der Logistik durch Bauen von Eisenbahnlinien im "Herzogtum Warschau" (= Polen)

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

maxim

Zitat von: bodrog am 19 Dezember 2025, 13:49:37Beschäftige dich mal mit der Nowik und Folgebauten... und das gleiche gilt für kleine Kreuzer (sind zwar nicht feriggeworden aber das ist ein anderer Fall) und bei den Fürchtenixen und U-Booten ist es auch so (Geld spielte da keine Rolle aber die begrenzte Werftkapazität)
Die sind mir bekannt - aber was ändern die an meiner Aussage?

Die ändern doch nichts daran, dass die russische Marine vor diesem Programm extrem schwach war und überwiegend nur veraltete Schiffe hatte. Und selbst 1914 dann noch extrem schwach war.

Die deutsche Flottenrüstung hatte mit der russischen herzlich wenig zu tun. Zum Zeitpunkt der russischen Planungen schwächte sich die deutsche Flottenrüstung doch eher ab und geriet im Vergleich zur britischen immer mehr ins Hintertreffen.

Big A

Nochmal zwei Schritte zurück:

Zitatwie etwa der Rezensent der ZMSBW bei der Besprechung (MGZ 76/1, 2017: S. 279–282) meines ersten Buches zu diesem Thema. Er fand (an einer leider wichtigen Stelle) keine Fussnote (mein Buch hat 250 Seiten und 508 Fussnoten), und erklärte kurzerhand alles als "Fälschung", mich also als "Fälscher".

Der Nachweis steht ( immer ) noch aus :?

Axel
Weapons are no good unless there are guts on both sides of the bayonet.
(Gen. Walter Kruger, 6th Army)

Real men don't need experts to tell them whose asses to kick.

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