Radargelenktes Feuer deutscher Kriegsschiffe im WWII

Begonnen von Matrose71, 09 August 2014, 17:08:26

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olpe

Hallo,
... nachgereicht noch einige Bilder zum ,,Berlin"-Funkmessgerät FuG 224 aus einer Sammlung der Horst-Beck-Collection. Sie sind qualitativ recht gut und detailreich. Gerade der Antennenteller mit den dielektrischen Stielstrahlern ist eindrucksvoll, da auf anderen historischen Fotos diese meist nicht so detailreich zu sehen sind.

Eine Frage: in Bild 2 am Rundumsichtschirm rechts ist ersichtlich, dass die Gradeinteilung des Peilringes von 0° bis 360° linksherum läuft. Was mag das für einen Grund haben ... ggf. eine Besonderheit der damaligen Luftwaffe? Im Marinebereich wird die Gradeinteilung ja genau umgekehrt verwendet.

(Q Bilder: http://horst-beck-collection.com, Slg. OLPE. Das Einverständnis zur direkten Bildnutzung von J. Beck liegt mir vor)

Grüsse
OLPE

Gabler

Hallo Allerseits,

als Ergänzung zu olpes vorigen Schaubildern noch eine weitere Darstellung von Telefunken ("EZc 288"), die die Gerätschaften des Berlin-Radars im einzelnen zeigt mit einem Serviervorschlag für einen Heinkel HE 177 Nachtjäger mit einem zusätzlichen Sichtgerät für den Piloten:
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Wer sich noch mehr in die Technik einlesen möchte: Es gibt ein vorläufiges Handbuch, die sog. "Berlin-Fibel", zu finden auf der CDVandt-Seite:
https://www.cdvandt.org/fug224-berlin.htm
Als Auszug aus dieser Fibel und als Ergänzung zu den oben gezeigten Aufnahmen noch der Aufbau des Sichtgeräts mit Beschriftung:
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Und noch zwei Beispiele für die Anzeigen:
Panoramazeige
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Links ein Landschaftsrelief, rechts die Darstellung der von innen nach außen geschriebenen Zeitlinien.
Zackenanzeige:
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Ganz links das Nullzeichen, dann die Höhenmarke, rechts davon mehrere Zielzeichen. Auch bei dem Luftwaffengerät wurde damit die Entfernung gemessen und offenbar nicht über die Panorama-Anzeige. Das war also eine Art kombinierte Anzeige. Der Meßbereich war umschaltbar auf 18km oder 60km, den Umschalter habe ich noch nicht entdeckt. Bei dem Marinegerät wurde demnach die Höhenmarke ausgeblendet, ansonsten war die Anzeige wohl gleich. Die Höhe wurde über ein Potentiometer eingestellt und abgelesen (Wo?). Was es mit dieser Höhe des Helltastimpulses auf sich hat, weiß ich auch noch nicht.

Auf der Aufnahme des Beck´schen Geräts kann man wie bei der des PG-Geräts vor dem kleinen Rohr einen Alu-Aufsatz sehen. Den kleinen nach links gelegten Bügel kann man aufstellen, danach den Aufsatz mit einer Drehung entriegeln und abnehmen. Auf dem holländischen Gerät fehlt dieser Aufsatz, dort kann man aber den Bajonett-Verschluss sehen. Wozu dieser Aufsatz dient, kann man nur vermuten: Mglw. wurde damit eine (austauschbare) Strichplatte festgeklemmt, die die Entfernungsskala enthielt. Denn irgendwie mußte man diese ja ablesen können. Vielleicht mußte man eine solche Strichplatte wechseln, wenn man den Meßbereich umgeschaltet hat, denn das Meßbereichsverhältnis für 18km/60km beträgt 1/3,33, ich weiß nicht so recht, wie man das mit einer einzigen Skala einigermaßen anschaulich erschlagen können soll ( bei dem Hohentwiel-Gerät war das Verhältnis 1/10, da konnte man mit einer Skala sowohl den hm- als auch den km-Meßbereich auf einer Skala ablesen).

Eine Erklärung für die linksweisende Skala habe ich auch nicht. Mglw. die Seitenpeilung vom Ziel zum eigenen Gerät? Nur wozu? Die Skala auf dem PG-Gerät kann ich beim besten Willen nicht entziffern, nur zwischen zwei und dreistelligen Zahlen ist zu unterscheiden.

In der Berlin-Fibel ist noch ein Goniometer beschrieben, mit dem Seiten- und rw.-Peilung kombiniert wurden, vielleicht liegt da die Erklärung. Auch komisch, warum dieser Peilring Skalenstriche an der Innen- und an der Außenkante aufweist. Wozu? Sind jetzt eher mehr Fragen geworden als weniger :-)

Grüße

Gabler

Zieten

Zitat von: Gabler am 17 September 2026, 15:11:23als Ergänzung zu olpes vorigen Schaubildern noch eine weitere Darstellung von Telefunken ("EZc 288"), die die Gerätschaften des Berlin-Radars im einzelnen zeigt mit einem Serviervorschlag für einen Heinkel HE 177 Nachtjäger mit einem zusätzlichen Sichtgerät für den Piloten:
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Die Zweckbestimmung als Nachtjäger bezweifle ich. Die He 177 war ein viermotoriger schwerer Bomber mit sechs Mann Besatzung, der in puncto Wendigkeit und Geschwindigkeit als Nachtjäger völlig unzweckmäßig, bzw. nicht zu gebrauchen gewesen wäre.

Jedoch konnte sie die Hs 293 "Schmetterling" Schiffsbekämpfungsraketen und FX 1400 Gleitbomben tragen (mit dieser wurde im September 1943 die Roma versenkt und die Warspite schwer beschädigt, allerdings von Do 217 abgeworfen).

Ich vermute, daß der Einbauvorschlag des FuG 224 Berlin etwas mit dieser Aufgabe zu tun gehabt hat (Schiffssuchradar oder evtl. als Navigationshilfe analog zum Rotterdam-Gerät für "gewöhnliche" Bomber?).

Hier eine künstlerische Darstellung mit zwei Hs 293 unter den Tragflächen:
https://luftkrieg-ueber-europa.de/warum-besas-deutschland-keine-strategischen-bomberflotten/

Urs Heßling

moin,

Zitat von: Zieten am 17 September 2026, 21:37:05Die Zweckbestimmung als Nachtjäger bezweifle ich. Die He 177 war ein viermotoriger schwerer Bomber ...
Vielleicht war es nur ein Tippfehler ? -> He 219

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

Gabler

Mein Fehler. He 177 stimmt schon, nur die Zuordnung als Nachtjäger ist falsch, hatte tatsächlich die He 219 im Hinterkopf. Sorry für die Verwirrung.
Verwendung zur Navigation erscheint plausibel, Verwendung als Luft-Seezielgerät wäre noch zu prüfen, müsste aber möglich gewesen sein, ging ja mit den Schiffen auch.
Gabler

Gabler

Gerne möchte ich nochmals zurück zur Technik der Gema-Geräte kommen, dieses Mal nun zum R-Gerät.

Im Laufe der Zeit haben wir in diesem Faden bereits einige Bauteile des Gema-Gerätesatzes "auseinander genommen" und versucht, Funktion und Bedienung zu erforschen. Da war zunächst das Auswertegerät "O": Die Messkette OK mit ihren elektronischen Schaltelementen, ihren Anzeigen und dem Entfernungsgeber, ihre inneren Aufbauten sowie die Möglichkeiten der Bedienung. Dann das OB-Gerät, die Braunsche Röhre mit der Darstellung der Reflexionszeichen, Justierung und Ablesung oder die beleuchtete Messlinie. Dann das Zusatzgerät "Z" mit dem Frequenzgenerator, Funktionen und Anwendung des Frequenzschalters und des Nullphasenschiebers. Weiter haben wir zumindest teilweise den Aufbau und die Entwicklung der Sendergestelle erörtert, die Entwicklung der Braunschen Röhren und sind schließlich bei den Peilgeräten mit Minimum-, Kehrbild- oder Schnittbildanzeigen gelandet, haben deren Vor- und Nachteile eruiert und sind dabei der Feuerleitfähigkeit der Geräte gegen verschiedene Ziele auf den Grund gegangen. Das ist schon mal eine ganze Menge und geht zum Teil  deutlich über das hinaus, was in der bisherigen Fachliteratur enthalten ist, aber die Diskussion hier läuft ja auch schon lange und mglw. wird sie auch noch fortgeführt - hoffe ich zumindest.

So habe ich bspw. schon vor längerem eine grafische Rekonstruktion der Übersichtsanzeige NB durchgeführt, das ist denke ich eine ganz interessante Sache, da zur Anschauung und v.a. zur Bedienung kaum etwas bekannt ist. Dazu werde ich noch kommen, es fehlt mir aber noch ein Puzzlestück fürs Gesamtbild, vielleicht bringt die von Herrn Nilsson o.a. Quelle Linderung. Auch weitere enorm informative Fundstücke zum Beispiel von olpe entdeckte Beschreibung der Funkmessanlagen in Göhren auf Rügen vom Oktober 1945, vertiefen und ergänzen bzw. korrigieren auch tw. unsere bereits getroffenen Feststellungen.

Ein eher unscheinbares weiteres Bauteil des Gerätesatzes der Gema ist dabei das "Bediengerät" mit dem Kürzel "R", wobei "Bediengerät" eher ein Euphemismus ist, denn das ganze Gerät besitzt nur zwei Knebelschalter und oben drüber eine Reihe horizontal nebeneinander angeordneter Anzeigen. So viel ist da also nicht zu "bedienen", aber das R-Gerät ist für die Stromversorgung aller anderen Geräte und Bauteile zuständig. Daher wird dieses Gerät verschiedentlich auch als "Netzgerät" bezeichnet. In einem Blockschaltbild der Stromversorgung des Gerätsatzes befindet es sich daher nicht ohne Grund zentral in der Mitte. Ich habe es mal rot eingerahmt, ebenso die Anschlüsse:
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Unten links eingekreist zunächst der Stromeingang vom Bordnetz. Dieser ist hier mit ganz normalen 220V bei 50Hz Wechselstrom angegeben, obwohl anscheinend auch mit 380V-Starkstrom versorgbar. Bei den mobilen Landgeräten kommt der Strom über einen Maschinenkoffer von einem Diesel- oder Benzin-Generator, diese gehören zu den FuMO-Gerätesätzen dazu. Bei den Schiffs-Bordanlagen sind dieses Gerätschaften nicht notwendig, da kommt der 220V-Strom aus der Steckdose, also dem Schiffsbordnetz.

Dann gibt es vier Ausgänge mit 220V Wechselstrom, die direkt oder indirekt fast alle Geräte mit Strom versorgen. Das sind die roten Pfeile. Die lila Pfeile wiederum zeigen die Gleichstrom-Hochvoltausgänge: Einer führt mit 580V bzw. 600V zum Steuergerät TS des Senders, die beiden anderen mit -2000V (-2KV) bzw. +9000V (9kV) zum Ultrateil TU. Also, alle drei Hochspannungsleitungen führen zum T-Gerät, während der komplette Rest der Anlage mit normalem "Haushaltsstrom" versorgt wird.

Das R-Gerät findet sich sowohl in den Drehständen als auch an Bord der Schiffe in der Regel unten rechts unter dem Tisch und kann (neben der Buchstabenbezeichnung) anhand der beiden Drehknebel leicht identifiziert werden:

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Neben originalen Darstellungen des Herstellers gibt es auch recht aktuelle Farbaufnahmen eines erhaltenen Geräts (stammt von einem Freya-Sender aus Holland, hochgeladen auf der CDVandT-Seite):
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So sieht es dann im Innern aus, wenn die Schnellverschlußdeckel entfernt sind:
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Das Innenleben besteht aus drei Einsätzen von oben nach unten: Das Instrumententeil (RI); das Netzteil (RN) und das Hochfrequenzteil (RH). Von Interesse bezüglich der Bedienung ist das Instrumententeil RI. Die Nahaufnahme aus Göhren ist da sehr detailliert mit guter Auflösung:
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Zu sehen sind auf der Oberseite die sechs Bandinstrumenentanzeigen (Von 1 bis 6 durchnummeriert). Von Interesse sind die ersten beiden links: Das erste ("1") zeigt die Eingangsspannung, also die Netzspannung in Volt an und reicht von 0V bis 300V. Sie soll möglichst genau 220V betragen. Die zweite Anzeige rechts daneben ("2") zeigt die Anodenspannung an, die am Sender anliegt und zwar in Kilovolt (kV). Sie beträgt bei den TS6-Röhren in der Regel maximal +8kV, ev. auch +9kV, s. Schaltbild oben.

Auf der Stirnseite des Instrumententeils sieht man auf dieser Aufahme in ausgbauten Zustand die kreisförmigen Grundplatten der beiden abgezogenen Knebelschalter. Zur Veranschaulichung hier ein noch ein Blick auf das holländische Gerät in geschlossenem Zustand:
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Der linke Knebelschalter ist der Hauptschalter. Mit ihm wird die Stromzufuhr vom Bordnetz für das ganze Gerät aus- und eingeschaltet; Er hat zwei Positionen (aus - ein) und ist auch so beschriftet. Über diesen Schalter laufen sowohl die 220V-Ausgänge als auch die Hochspannungsanschlüsse.

Der rechte Knebelschalter ist elektrisch in Reihe dahinter geschaltet. In der Funkmessgerätekunde (MDV 971) wird er als "Hochspannungsschalter" bezeichnet, andernorts als "Hochspannungsregler". Er ist für die Regulierung der Anodenspannung des Senders und damit der Senderleistung zuständig. Leider habe ich bis jetzt keine hochauflösende originale Aufnahme gefunden, auf der die Beschriftung der Schalter lesbar ist, mußte mich daher mit einer dänischen Beschreibung als Beleg behelfen:
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Dort wird die Beschriftung mit "Hochspannungsregler" angegeben. Darunter wiederum heißt es: "Auf 0 vor Einschalten des Hauptschalters". Das ist vielleicht banal, aber "auf 0" bedeutet 0V Spannung, der Sender ist damit ausgeschaltet. Damit erklärt sich die Bezeichnung "Schalter". Da die Spannung bzw. die Leistung aber zudem verändert damit geregelt werden kann, ist dieser Knebel gleichzeitig ein "Regler". Es mag etwas erbsenzählerisch klingen, aber aus technischer Sicht handelt es sich damit nicht (nur) um einen Schalter oder einen Regler, sondern genauer gesagt um einen "Schaltregler", also ein Bedienteil mit beiden Funktionen: Aus- und Einschalten und Veränderung der Senderspannung. Vergleichbares kennt man vielleicht vom Autoradio: Ein Knopf zum Ein- und Ausschalten des Radios und gleichzeitiges Drehen zur Lautstärkeveränderung. Auch das ist technisch gesehen ein Schaltregler mit zwei Funktionen.

Die Anweisung "Auf Null stellen vor Einschalten", wurde wohl deshalb gegeben, um mögliche Spannungsspitzen und damit ggf. Schäden an Röhren und weiteren Bauteilen des Senders beim Einschalten zu vermeiden. Außerdem soll das Gerät nicht von jetzt auf gleich auf maximale Leistung hochgejazzt, sondern lebensdauerverlängernd nach und nach gesteigert werden. Leopard hat vor einiger Zeit einmal geschrieben, daß die maximale Senderleistung und damit Reichweite erst nach etwa 20 Minuten erreicht wurde (was aber nicht bedeutet, daß das Gerät nicht von der ersten Sekunde an betriebsbereit gewesen wäre).

Da sowohl die Gema als auch die Marine selbst ihre Pappenheimer kannten, hat man den Hauptschalter (links) noch mit einer automatischen mechanischen Einschaltsperre versehen: Diese wurde nur aufgehoben, wenn der rechte Knebelschalter für den Hochspannungsregler tatsächlich auf "Null" stand. Sonst konnte man den Hauptschalter gar nicht erst umlegen. Habe ich auch erst kürzlich in der Beschreibung zu den Göhrener Geräten gelesen.

Zuletzt: Auf Tip von olpe habe ich noch die "Jagdschloß"-Beschreibung zum R-Gerät zur Hand genommen und dabei das letzte Detail zur Bedienung klären können: Die Spannungs- bzw. Leistungsregulierung erfolgte nicht kontinuierlich, sondern stufenweise. Schon vor längerem waren die bogenförmig angebrachten Löcher auf der Unterseite des rechten Knebelschalters aufgefallen (s. Großaufnahme d. holländischen Geräts oben) und zwar bei allen R-Geräten und zwar nur bei dem rechten Knebel. Dabei handelt es sich offenbar um Rasten. Demzufolge wird wohl auf der Unterseite des Hochspannungsknebels hinten vmtl. eine bewegliche Kugel oder ein Stift angebracht gewesen sein, der mit einer Feder in diese Rasten gedrückt wird. Damit sollte das versehentliche Verstellen der Senderspannung aufgrund Vibrationen oder Erschütterungen vermieden werden. Ob wirklich alle Rasten ausgewählt werden konnten, ist nicht klar, es findet sich links an einer Stelle ein eingedrehter Schraubenkopf, das könnte ein mechanischer Anschlag sein für die maximal einstellbare Spannung, im Fall des TS6-Senders die schon erwähnten 8kV.

Damit sind von meiner Seite aus alle Klarheiten beseitigt. Wer es bis hierher geschafft hat: Glückwunsch ;-)

Als Quintessenz ergibt sich daraus nun folgende einfache Bedienungsanleitung für das Gema-Bordgerät

1. Hochfrequenzregler auf "Null" stellen

2. Hauptschalter auf "ein" stellen

3. Eingangsspannung kontrollieren, ggf. auf genau 220V einstellen (kann über das Z-Gerät genau eingestellt werden)

4. Abwarten, bis auf den OB- und NB-Röhren die Basis sichtbar wird (dringende Empfehlung aus dem Göhrener Bericht)

4. Senderspannung langsam stufenweise erhöhen, bis der Sende seine Betriebstemperatur und damit maximale Leistung erreicht hat (Anhaltspunkt für Zeitdauer: ca. 20 Minuten).

Danach sollte man die Sendefrequenz über den Frequenzmesser (TF100), falls vorhanden, am T-Gerät kontrollieren und den Empfänger mit oder ohne Abstimmgerät (X-Gerät) auf den Sender abstimmen. Außerdem sollte man auf jeden Fall eine Nullpunktjustierung am O-Gerät, ggf. auch am NB-Gerät vornehmen, dann steht erfolgreichem und genauem Funkmessen nichts mehr im Wege :-)

Eigentlich ist das nur halb lustig, denn an der Front wurden bei der Bedienung viele Fehler gemacht, die zu keinen, falschen oder unzureichenden Meßergebnissen geführt haben, was wiederum dazu führte, beredt Klage über das Gerät zu führen. Das A und O war damals und ist es bis heute: Gute Geräte allein reichen nicht, eine fundierte Ausbildung in der Bedienung der Geräte ist Voraussetzung für optimalen Einsatz der Technik. Zwei Anwendungsfälle, ein realer und ein theoretischer will ich noch in den nächsten Beiträgen besprechen.

Grüße

Gabler

olpe

Hallo Frank,
... gute Beschreibung, gute Recherche! ... :TU:) ...
Kleine Manöverkritik und Ergänzung:

Zitat von: Gabler am 20 September 2026, 13:15:06Das Innenleben besteht aus drei Einsätzen von oben nach unten: Das Instrumententeil (RI); das Netzteil (RN) und das Hochfrequenzteil (RH).
... RH wird eher als Hochspannungsteil angesprochen ...

Zitat von: Gabler am 20 September 2026, 13:15:06Leider habe ich bis jetzt keine hochauflösende originale Aufnahme gefunden, auf der die Beschriftung der Schalter lesbar ist ...
... ja, das ist echt ein Problem. Unten die Vergrößerung eines Bildes vom FuMO 26 auf PG in den USA 1946. Das Original habe ich verkleinert daneben gelegt, es ist (normalerweise) über diesen link downloadbar (u.a. hochauflösend als tiff mit ca. 26 MB).
--/>/> https://www.history.navy.mil/our-collections/photography/numerical-list-of-images/nhhc-series/nh-series/NH-96000/NH-96446.html

Leider ist auch hier nicht so recht zu erkennen, welche Beschriftungen zu welcher Stellung des Schaltknebels gehören ...

Des Weiteren der Einschaltprozess der beiden R-Geräte (Ortung und Kennung) beim FuMG 404 ,,Jagdschloss" aus der ,,Vorläufigen Kurzbeschreibung und Bedienungsanleitung" (Invenio: RL 2-V/44).

Vielleicht hilft es ein wenig weiter ... :O/Y ...
Soweit.
Grüsse
OLPE

mhorgran

unter RM 6/2051 findet sich bei senseo "einsatz von funkmeßgeräten in Küstenbatterien" vom Dez 1944

unter RL 3/6146 das Berlingerät unter einer Ju 288

Gabler

Hallo Olaf,

danke für Deinen Hinweis, Du hast natürlich recht. Leider habe ich auch ein paar Rechtschreibfehler und Satzbaufehler entdeckt, die ich nicht mehr ändern kann, hatte den Text mehrfach umgestellt...
Auch die Steuerspannung für den Sender führt beim TS6 zum Röhrengitter und noch nicht zur Anode wie bei den späteren Hochleistungssendern (und den englischen Geräten), habe das leider verwechselt.

Zu den Beschriftungen: Links scheint klar: "Hauptschalter", darunter "Aus - Ein", das scheint auch auf der PG-Aufnahme so entzifferbar. Für rechts hatte ich die deutsche Beschreibung von der Gyges-Seite oben angefügt gehabt, und auch die holländische Beschriftung des CDVandT-Geräts erscheint identisch: "Hochspannungsschalter", darunter dann "Auf 0 vor Einschalten des Hauptschalters", das scheint eine wörtliche Übersetzung zu sein, bis auf den Genitiv :-)

Nochmal kurz zurück zur Stromversorgung, danach zum Einschaltvorgang:

Bei den (mobilen!) Drehständen des FuMO 2 gehört die Stromversorgung mit dazu: Ein Diesel- oder Benzingenerator, daran angeschlossen der "Maschinenkoffer", erst dann das eigentliche Dete-Gerät. Nach etwas Quellenstudium scheint es so zu sein, daß die Wehrmachtsgeneratoren offenbar in der Regel 380V-Drehstrom produzierten. Mit diesem wurde der Maschinenkoffer versorgt und von dort eine erste Stromverteilung vorgenommen und zwar z.B. für die Nebenaggregate wie Beleuchtung, Heizung (in dem Bild R-Gerät-Seetakt-Göhren in in meinem Beitrag #1100 ist übrigens unten rechts im Fußraum ein Heizkörper zu sehen - die Heizung also nicht für irgendwelche Bauteile, sondern tatsächlich für die Bedienmannschaft) und Lüftung und nicht zuletzt den Schwenkmotor für den elektrischen Drehstand vorgenommen. Natürlich wurde auch das eigentliche FuMO mit Strom versorgt. Das benötigte aber tatsächlich 220V Wechselstrom, also so wie in dem Blockschaltbild oben angegeben. Daher wurde hier noch ein mechanischer Spannungsumwandler, ein sog. "Leonard-Umformer" dazwischen geschaltet. In der MDV Funkmessgeräte ist in der Übersichtdarstellung des Geräts auch ein "Leonard-Regler" zu sehen und  beschriftet. Dieser hat also mit der eigentlichen Bedienung des Geräts nichts zu tun, mit ihm sollte "nur" die Eingangsspannung für das R-Gerät, abzulesen am Instrumententeil RI in der ganz linken Anzeige (1) genau eingestellt werden. Damit wäre nun auch endlich mal die Bedeutung dieses Reglers geklärt, steht leider nichts dazu in der MDV.

Noch etwas in dem Zusammenhang: Es wird bei der Röhrenregelung darauf hingewiesen, daß die Spannung peinlich genau auf 220V zu halten sei, weil es sonst offenbar zu Fehlern bei den Röhren und damit mglw. falschen Anzeigen kommen würde. Deshalb hat man beim Z-Gerät, das u.a. zwischen R-Gerät und Sender geschalten ist, noch eine zusätzliche Feinregulierung der Spannung eingebaut: Im Z-Gerät oben ist ein großes und empfindliches Spannungsmeßgerät zu sehen mit einem Meßbereich von nur 200V-240V (das Voltmeter im R-Gerät mißt von 0-300V).220V liegt genau in der Mitte unten, der Zeiger soll also im besten Fall genau senkrecht nach unten zeigen. Das ist sehr geschickt, das kann man sogar aus größerer Entfernung auf einen Blick erkennen.

Feinreguliert wird die Eingangsspannung des Z-Geräts über einen Spannungsregler, der sich ganz unten rechts im Z-Gerät befindet, Beschriftung "--- mehr Spannung -->" Unten steht noch "Eigengenerator". Tatsächlich gibt es noch einen zweiten Spannungsregler links daneben, wenn das Dete-Gerät als "Nebenstelle" über einen anderen Frequenzgenerator eines baugleichen Geräts benutzt wird - also bei kombiniertem Funkmess. Dann muß man den Kippschalter ganz unten links umlegen und die Feinregulierung nach dem Fremdgenerator vornehmen.
Sie dürfen diesen Dateianhang nicht ansehen.

Damit wären auch hier die letzten Unklarheiten über die Bedeutung und Funktion der Bedienelemente des Z-Geräts ausgeräumt. Es fügt sich...

Schließlich: Ich habe den Einschaltvorgang der Jagdschloß-Anlage durchgesehen und mit der anderen Beschreibung verglichen, entspricht schon der von mir oben aufgestellten Reihenfolge, ist aber deutlich umfangreicher, da die Anlage u.a. zwei komplette Dete-Geräte hat, eins für Ortung, eines für Kennung. Bei die Bordanlagen auf den Schiffen ist das jedoch nicht so kompliziert. Selbst die vorgeschalteten Gerätschaften für die Stromversorgung (Generator, Maschinenkoffer, Umformer, Regler) fallen bei den Bordanlagen weg, da hier die Stromversorgung über das Bordnetz erfolgt, die o.a. Anweisung genügt also im großen und Ganzen, wenn man ein Schiffsradar bedienen will ;-)

Allerletzte Anmerkung: Anhand der gezeigten Gerätesätze aus PG und der Jagdschloß-Anlage kann man noch einmal schön die Unterschiede zwischen der älteren TS6-Anlage im Vormars von PG und der neuen Hochleistungssendeanlage identifizieren: Der Ortungssender (links in der Darstellung) zeigt sowohl einen Drehknopf vorn links oben als auch einen Sehschlitz für die Einstellskala des durchstimmbaren Hochleistungssenders. An der Position des Drehknopfs kann man übrigens auch erkennen, daß es sich um einen T41-Hochleistungssender (400kW?) auf der 2,4m-Welle handelt, der 100kW-Seetakt-Hochleistungssender Gisela hat den Drehknopf in der Mitte :-)

Der Empfänger NE (rechter Einschub im N-Gerät) zeigt oben wiederum die gleiche Einstllskala wie der Hochleistunngssender, er nennt sich "Kreuzeck-Empfänger", Bilder davon auf der CDVandt-Seit oder in diesem Thread zu finden. All dies Merkmale hat die Anlage auf Prinz Eugen NICHT, von daher noch einmal die bekräftigende Klarstellung, daß PP weder im Vormals noch in der achteren FuMO-Hütte eine Hochleistungsanlage hat, die Gerätebezeichnungen lauten also nach MDV nach wie vor FuMO26 (Vormars) und FuMO25 (achtern), und nicht etwa FuM034 bzw. FuMO33.

Beste Grüße

Gabler

mhorgan:

Danke für die Quellenhinweise, sind notiert, sobald invenio wieder ohne Anmeldung zugänglich ist.  :TU:)

Gabler

Um das Thema R-Gerät noch etwas abzurunden noch zu zwei Anwendungsfällen der Bedienung:

Der "praktische" Anwendungsfall

Ein solcher wurde schon beschrieben auf S. 57 dieses Fadens (auch schon wieder über ein Jahr her): Bei dem Nachtangriff von Gneisenau auf den britischen Frachter Harlesden am Abend des 22.02.1941 hatte sich GU per reinem Funkmess herangefühlt. Das erste Echozeichen wurde um 21:20 mit einer Zeichenhöhe von (nur) 1-2mm festgestellt. In der Folge wurde das Echosignal mit der Annäherung aber immer größer (13mm, 50mm, ganze Skala), bis die Spitze des Zeichens nach 22:17 nicht mehr auf dem Bildschirm dargestellt wurde. Damit jedoch konnte man auch keine Entfernung mehr messen, da diese eben an dieser Spitze abgenommen und eingestellt werden sollte. Also hat Krautwig nach und nach über den Hochspannungsregler des R-Geräts stufenweise die Senderspannung reduziert, von anfägnlich Maximum (6kV) bei 184hm auf erst 3kV (81hm), dann 2kV (63hm), 1,5kV (50hm) und dann auf nur noch 1kV bei 30hm Entfernung, eben um die Echospitze im sichtbaren Bereich zu halten. Bei einer Entfernung von 26hm war das Signal wieder bis zur Grenze der Anzeige angewachsen, dann wurde "Scheinwerfer auf" befohlen. Mglw. ließ sich die Spannung nicht mehr weiter reduzieren und damit kleinere Entfernungen nicht mehr messen. Das ist nun nichts weltbewegendes, aber immerhin wissen wir nun genau, wie er das damals gemacht hat.

Ich habe die beiden Seiten aus dem Krautwig-Bericht (S.35/36 / Bl. 258/259 d.A.) sowie meine beiden damaligen (maßstabsgetreuen) zeichnerischen Rekonstruktionen unten nochmals angefügt, falls es interessiert.

Gabler

Der zweite Anwendungsfall ist eher von hypothetischer Natur:

Die Tatsache, daß mit dem Hauptschalter das gesamte Gerät bis auf den Sender eingeschaltet wird und mit dem Hochspannungs-Schaltregler "nur" die Senderspannung reguliert, ggf. bis auf 0 herabgeregelt wird, bedeutet im Umkehrschluß, daß man das "restliche" Gerät betreiben kann, ohne den Sender anzuschalten, das Gerät also als rein passives Beobachtungsgerät verwenden kann. Diese Frage stand immer wieder im Raum, jedoch: von Erprobungserfahrungen oder gar einem praktischen Einsatz gelesen habe ich zumindest noch nirgends.

Weder stand derartiges im Lastenheft der Marine, noch in den Schulungsunterlagen oder der Anleitung für den seetaktischen Funkmessdienst, auch nicht in später veröffentlichter Fachliteratur. Es scheint offenbar nicht geplant gewesen zu sein, dieses Gerät als ein Funkmessbeobachtungsgerät einzusetzen. Ein wesentlicher Grund dafür mag m.E.n. die enge Bandbreite des Empfängers sein - zwar nicht genau bekannt, dürfte sie jedoch etwa 81cm +/- wenige Zentimeter betragen haben. Dies im Unterschied zu den (gewünschten) breitbandigen reinen Funkmessbeobachtungsgeräten wie bspw. dem Metox R600 (25-265cm) oder auch dem R&S Samos Gerät (64-333cm). Eine solche Breitbandigkeit war für das Funkmessgerät auch nicht erforderlich, wenn es nicht als passives Empfangsgerät ausgelegt worden war.

Mir ist derzeit auch kein alliiertes Gerät bekannt, das auf der selben Welle wie das Gema-Gerät gesendet hat, daher wird damit wohl auch kein gegnerisches Signal empfangen worden sein, selbst wenn man das Gema-Gerät versuchsweise so betrieben hat, anders als bei benachbarten eigenen Seetakt-Geräten. Genau für diese Fälle wurde ja eigens der Tastfrequenzumschalter hineinkonstruiert, da es offensichtlich schnell klar wurde, daß mehrere eigene Geräte in unmittelbarer Nachbarschaft sich gegenseitig stören würden.

Auch Krautwig schreibt nichts von einer Funktion als rein passives Ortungssystem und er hatte das Gerät auf Herz und Nieren geprüft und dabei dessen Potential erkannt und ausgenutzt. So konnte zum Beispiel die Dete-Anstrahlung von Scharnhorst auch bei gleichzeitigem aktiven Betrieb festgestellt werden - das Gerät musste also gar nicht auf "passiven Modus" umgeschaltet, also der Sender abgeschaltet werden. Er hat zudem herausgefunden, die Eigenstrahlung von der Fremdstrahlung zu unterscheiden, indem er die Tastfrequenz seines eigenen Geräts mit dem Frequenzschalter im Z-Gerät verändert (um insgesamt 5 mal 6 Hz-Schritten möglich) hat. Damit ist das eigene Zeichen zwar leicht gesprungen, das direkte Fremdzeichen der Scharnhorst hingegen gänzlich aus dem Sichtbereich verschwunden. Nur wenn sowohl Sende- als auch Tastfrequenz identisch waren, blieb das direkte Signal an der selben Position stehen, täuschte also eine eigene Ortung vor. Sobald die Tastfrequenz nur geringfügig differierte, begann das direkte Signal zu wandern. Krautwig nannte das den "Radfahrer". Man konnte also auch fremde Dete-Strahlung identifizieren, ohne die eigene Ortungsmöglichkeit ausschalten zu müssen.

Das ist nach meinem Dafürhalten auch besser als ein Betriebsartenumschalter, weil damit die eigenen Ortungsmöglichkeiten nicht verloren gehen. Außerdem würde ich vermuten, daß häufigeres An- und Abschalten des Senders zum Betriebsartenwechsel der Lebensdauer der Röhren nicht zuträglich war, von längeren Erwärmungs- und Abkühlphasen ganz zu schweigen.

Schließlich unterschieden sich eigener und fremder Impuls auch in der Höhe: Der direkte Impuls von Scharnhorst war in seinem beschriebenen Fall 10mm hoch, der eigene reflektierte Gneisenau-Impuls nur 2-3mm. Das läßt sich mit dem Energieverlust bei der Reflexion erklären: Der größte Teil der eigenen Strahlen wird vom Ziel zur Seite hin "weggespiegelt", nur ein kleiner Teil gelangt zurück zum Empfänger. Wenn man über den Hochspannung-(Schalt-)regler also noch die Signalstärke variiert, gewinnt man damit sogar noch ein weiteres Mittel, um Eigen- von Fremdanstrahlung zu unterscheiden: Man verändert die Anoden- bzw. Gitterspannung des eigenen Senders, womit dann die eigene Zeichengröße verändert, während die Zeichengröße des Fremdsignals gleich bleibt - sofern der andere nicht ähnlichen Schabernack treibt ;-)

Auf Seite 25 des Krautwig-Berichts steht übrigens noch, daß eigener Sender- und fremder Sendeimpuls nahezu gleichzeitig angezeigt wurden, es also KEINEN Reichweitenvorteil eines eventuellen passiven Empfängers geben sollte. Eine Erkenntnis von überhaupt nicht zu unterschätzendem Wert, die dennoch offenbar im Verlauf des gesamten Krieges mehr oder weniger unbeachtet blieb, wurden doch die Einheiten in der Folge angewiesen, "Funkmessstille" zu halten, um sich selbst nicht zu verraten - womit letztlich der Wert der eigenen Funkmesstechnik vollkommen konterkariert wurde...

Nun aber Ende der Abschweifung

Grüße

Gabler

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