Crew-Rundbriefe der Crew ´35 (SanOffz)

Begonnen von f_2k_b, 28 August 2026, 18:50:05

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f_2k_b

Hallo zusammen,

ich beschäftige mich derzeit einmal wieder aus zeitgeschichtlichem Interesse mit dem Nachlass meines Großvaters Dr. Klaus Feodor Steen, der als Marinesanitätsoffizier der ,,Crew 35" angehörte. In diesem Zusammenhang sind mehrere handschriftliche Briefe aus dem Kreis der Crew 35 erhalten, die ich gern hier einstellen würde.
Die Schrift ist für mich leider nur sehr schwer zu entziffern. Falls jemand von euch Freude an alter deutscher Handschrift hat und Zeit und Lust hätte, einzelne Briefe oder Passagen zu transkribieren, würde ich mich darüber sehr freuen. Es geht mir dabei nicht um eine besonders schnelle Bearbeitung – auch einzelne Wörter, Namen oder Abschnitte wären bereits eine große Hilfe.
Der erste Brief stammt von meinem Großvater Dr. Klaus Feodor Steen selbst; bei weiteren Schreiben handelt es sich um Korrespondenz aus seinem damaligen Kameradenkreis. Ich werde die Scans nach und nach in möglichst guter Qualität einstellen und würde mich über jede Unterstützung sehr freuen.
Vielen Dank schon einmal an alle, die sich die Mühe machen, einen Blick darauf zu werfen.
Viele Grüße

P.S.: Falls sich jemand an frühere Beiträge von mir hier im Forum erinnern sollte: Ich bin tatsächlich derselbe Nutzer. Auf meinen alten Account habe ich allerdings keinen Zugriff mehr, weil die dazugehörige E-Mail-Adresse inzwischen im digitalen Nirwana verschwunden ist.

f_2k_b


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#2
Hallo zusammen,

hier nun der zweite Brief aus dem Rundbrief der Crew 35. Dieser ist glücklicherweise deutlich besser lesbar als der erste. Der Brief wurde in Varel am 27.10.1939 geschrieben und ist lediglich mit ,,Euer Harald" unterzeichnet.

Damit bleibt für mich noch die Frage offen: Wer war Harald? Aus dem Inhalt geht hervor, dass er gemeinsam mit Klaus Steen in Varel im Sanitätsdienst tätig war und offenbar zu derselben jungen Gruppe von Marineärzten bzw. Sanitätsoffizieranwärtern gehörte. Falls jemand den vollständigen Namen zuordnen kann, wäre ich für einen Hinweis sehr dankbar.

Meine bisherige Transkription lautet:

> Varel, den 27. X. 39.

Da mich Klaus also einmal mehr aufforderte, zu ,,meiner Verlobung" und dem ,,neuen Anzug" Stellung zu nehmen, will ich das, Gott sei's geklagt, wieder tun:

1.) Verheiratet bin ich noch nicht, das andere wisst Ihr ja besser als ich!

2.) Mein schöner neuer Anzug hängt leider in Berlin ,,eingemottet" im Kleiderschrank. Es tut mir jeden Tag mehr leid, dass ich ihn der Vareler Marineärztlichen Akademie nicht vorführen kann. Aber Schwamm drüber!!

Klaus hat ja nun mit so beredter Zunge Euch geschildert, wie es bei uns im ,,Mittelpunkt der Welt" aussieht. Da möchte ich nun einige nette ,,Stückchen" berichten.

Neulich, es war am Abend der Ribbentrop-Rede, saßen wir Ärzte gemütlich beim lecker bereiteten ,,Mahle", da schrillte das Telefon und ich als diensteifrigster von allen – Klaus kam mit seinem Ischias nicht so schnell hoch vom Stuhl (er ist ja auch sonst immer unser kleiner [unleserlich] und unser ,,Schönster" dazu) – und stürzte auf die Strippe.

,,Ja, hier Uffz. X, Sie bekommen heute Abend noch 50 Patienten, wir müssen auf höheren Befehl hin unser Revier auflösen."

Ihr könnt Euch denken, infolge dieser Nachricht war Zustand A bei uns. Chef, Adjutant und leitende Ärzte fluchten durcheinander und wir Fähnriche konnten nur immer ,,Jawoll" brüllen. Demzufolge ist es natürlich das alleinige Verdienst der Fähnriche gewesen, dass alles nachher ganz vorzüglich geklappt hat.

Mit 5 Sankas rollten die Herren Flieger an mit einem Unikat von Stabsarzt. Na, nach 1½ Stunden war die ganze ,,Bande" auf unseren einzelnen Stationen untergebracht.

Nach Abfahrt des Herrn Fliegerstabsarztes begaben wir uns zum wohlverdienten Bier im ,,Victoria-Hotel" (fängt auch wie Varel mit ,,V" an, passt also auch in die heutige Zeit; wir sind unbedingt fortschrittlich!), wo die Marineärztliche Akademie Varel zu tagen pflegt.

Dort spielt sich unser gesellschaftliches ,,Herren"leben ab. Nur ab und zu besucht eine ,,verwitwete" Frau ihren Herrn Gemahl hier; das sind so die einzigen Peilpunkte auf die holde Weiblichkeit, wir peilen in dieser Beziehung hier schrecklich in die Pütz!

Um uns nun auf anderem Wege ein bisschen Luft zu schaffen und damit die ,,Samenmetastasen in der Großhirnrinde" einen nicht zu großen Umfang annehmen, haben wir den Segelclub ,,Hiev Up" der Marineärztlichen Akademie Varel gegründet. Gestern war erste Vollsitzung mit anschließendem Kegeln. Natürlich siegte die ,,Innere" über die ,,Chirurgie". Es war eine pfunds Stimmung!

Überhaupt haben wir hier herrliche Kameradschaft mit all den Reserveärzten. Nur eins fehlt: die See und das Schiff. Aber wie ich gehört habe, soll ja bald mal getauscht werden!!!

Hoffentlich beglückt man uns jetzt bald mit dem ,,Assi". Unsere Kameraden vom Heer sind es schon alle (Nachricht von der M.A. Berlin). Na, Ihr wisst ja, bei der K.M. geht alles seinen Dienstweg!

Nun ahoi, Ihr ,,Schietbüddels"!

Gruß
Euer Harald



Für Korrekturen einzelner Wörter oder Passagen bin ich natürlich ebenfalls sehr dankbar.

Zieten

Zitat von: f_2k_b am 28 August 2026, 20:10:13Hoffentlich beglückt man uns jetzt bald mit dem ,,Ossi". Unsere Kameraden vom Heer sind es schon alle (Nachricht von der M.A. Berlin). Na, Ihr wisst ja, bei der K.M. geht alles seinen Dienstweg!

Das heißt meines Erachtens »Assi«, nicht Ossi. Gemeint ist offenbar die Beförderung vom Oberfähnrich zum Dienstgrad "Assistenzarzt", der bei den anderen Offizieren dem Leutnant entspricht (gleiches Dienstgradabzeichen mit dem Äskulapstab auf den Schulterstücken wie die Leutnante).

f_2k_b


Teddy Suhren

Gruß
Jörg

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