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Seekrieg allgemein => Sonstige Zeit => Thema gestartet von: Mario am 29 Oktober 2009, 18:59:07

Titel: Heute vor 20 Jahren --- Eine kleine Erinnerung
Beitrag von: Mario am 29 Oktober 2009, 18:59:07
Am heutigen Tage ist es genau 20 Jahre her, daß der Matrose Mario G. als Angehöriger der Volksmarine entlassen wurde.

Als ich mich an diesem Tage auf dem Wag von Sassnitz in meine Heimatstadt machte, konnte ich noch nicht im entferntesten ahnen, was in den nächsten Tagen alles in der DDR passieren würde. Zunächst freute ich mich nur auf meine neuerworbene Freiheit, das Wiedersehen mit Freunden und Familie und ab Montag dann wieder die gewohnte Arbeit in einer Autowerkstatt.
Einige unter Euch werden sicher nachvollziehen können, wie man sich damals wohl fühlte, wenn man nach 18 Monaten "Ehrendienst" in der NVA  in Zivilkleidung im Zug nach Hause saß.

In Sassnitz gab es zu der Zeit lediglich DDR-Fernsehen und -Radio. So kam es, daß wir nur aus einige Gerüchten, ausgestreut von zurückkehrenden Urlaubern von den seltsamen Vorgängen hörten, die sich damals in Berlin, Leipzig und anderen Städten, vor allem im Süden der DDR, ereigneten. Angeblich sollten sogar Republikflüchtlinge über Ungarn in den Westen geflohen sein, so berichteten zumindest einige unserer Urlaubsrückkehrer hinter vorgehaltener Hand, die zuhause Westfernsehen hatten. 10 Tage zuvor war Honecker zurückgetreten, allein diese offizielle Nachricht aus den DDR-Medien kam einem Erdbeben gleich.

Was habt Ihr in diesen Tagen vor genau 20 Jahren erlebt.
Titel: Re: Heute vor 20 Jahren --- Eine kleine Erinnerung
Beitrag von: harold am 29 Oktober 2009, 19:40:44
Am Mo. 30.10. 1989 (nach meinem Arbeitsjournal) hab ich vormittags aus meiner Schule mit der DEFA telefoniert, um "Wie ich ein Neger wurde" (die Verfilmung von Horvaths "Jugend ohne Gott") als 16-mm-Kopie für meinen Unterricht zu bestellen.
Mit denen hatte ich vorher schon öfters mal zu tun. Gute Kooperation, nie Probleme. Ausgemachter Liefertermin war 30.11.
Die vier Filmrollen kamen nie an.-

Die hatten da wohl andere Prioritäten...


Titel: Re: Heute vor 20 Jahren --- Eine kleine Erinnerung
Beitrag von: Bugsierstefan am 29 Oktober 2009, 22:09:13
Heute vor 20 Jahren.............
lief ich noch meine Grenzstreifen als BGS Beamter im Ratzeburger Grenzraum. Als die Mauer fiel, bekam ich Zuhause von meiner Kaserne einen Anruf, dass ich mich auf einen Dienst in Gudow an der Autobahn 24 vorbereiten solle.
So kam es auch, wir verstärkten die dortigen Kollegen mit der Ansage: Verkehrsregelung auf alle Kontrollspuren, verteilt die Fahrzeuge so gut es geht und lasst sie fahren!
Ein Wahnsinnsauflauf von allen Seiten, von westdeutscher Seite wurde so heftig auf die Dächer der Trabis eingeklopft, dass ich schon Angst hatte, dass nur noch zerbrochene und eingedrückte Autos zurückbleiben!
Von ostdeutscher Seite eine Fahrzeuglawine bis zum DDR Kontrollpunkt! Ich selbst stand mitten auf der Autobahn und versuchte die Durchfahrtsspuren gleichmäßig zu füllen.
Immer wieder sprangen aus den Autos Leute heraus, die mich umarmten und mir irgendwelche Getränke (Bier, Sekt, Weinbrand, Korn, Wodka usw.) mit den Worten: "Mit dem ersten Westdeutschen wollen wir anstoßen", in die Hand drückten, das Ganze gleich Flaschenweise!
Ich musste jedesmal dankend ablehnen, ( das hätte ich wohl auch nicht lange durchgehalten, von den Ängsten wegen disziplinarischen Folgen ganz zu schweigen.......), so füllte sich der Autobahnbelag hinter mir mit einer Pyramide von Flaschen mit durchaus "geistigem" Inhalt.
Sah witzig aus, weil ich ca. 200m vor den Kontrollboxen stand, ich musste ich die "Buddeln" irgendwo lassen, nur wo, auf einer betonierten, geteerten Autobahn, ohne den zugewiesenen Posten zu verlassen?
Also stellte ich die Flaschen hinter mir schön auf, der Berg wuchs und wuchs, denn die Überbringer wollten unbedingt weiter.............!
In der Nacht erschien plötzlich vor mir eine Gruppe von Offizieren der DDR Grenztruppen. Anhand der Schulterstücke konnte ich nur "höhere Tiere" erkennen. Sie stellten sich mit Handschlag bei mir vor und baten um ein Gespräch mit unserem Dienstellenleiter/Chef usw.
Der Grund war die komplette Überlastung der Kontrollstellen, es gab da wohl noch einiges zu regeln. Da ich keine Verbindungsmöglichkeit hatte, (ich war ja Verkehrsregelposten), musste ich zu denen sagen, dass sie bitte an mir vorbei zur Grenzübergangstelle gehen und sich dort nach dem Chef erkundigen mögen!
Die Gesichter von denen waren in diesem Moment Klasse, ich selbst kam mir allerdings etwas doof vor!
In einer Pause musste ich durch die jubelnde Menschenmenge, um wenigstens einmal austreten zu können. Ich machte wohl ein recht verkniffenes Gesicht, jedenfalls wurde ich von irgendeiner Frau gefragt, ob ich mich denn nicht auch freue..........!!!!????
Mit den hamburgischen Worten: "Lot den Trabi da heil", ( wo sie heftig raufklopfte), verschwand ich in Richtung WC!
So ging das die ganze Nacht, im Morgengrauen fuhr ich nach Dienstschluss und Ablösung durch den Tagesdienst nach Hamburg und sah nur Fahrzeuge mit Ostdeutschen Kennzeichen.
Schlafen konnte ich da nicht, sondern sah mir zuhause am Vormittag nur die Nachrichten an, fast alle Sender hatten nur dieses Thema.
Die Begegnung mit den ostdeutschen Kommandeur der dortigen Grenzübergangstelle ging mir nicht aus dem Sinn! Sonst kannte ich die DDR Grenzer nur wortkarg und abweisend bis feindselig, in der Nacht mit Handschlag und netten Worten, war für mich eine völlig neue Erfahrung!
Gegen Mittag haute ich mich dann doch aufs Ohr, denn ich hatte ja am nächsten Tag wieder Dienst............
Dass dieses jetzt schon 20 Jahre her ist, wo ist die Zeit geblieben? Beim BGS bin ich mittlerweile nicht mehr, die Erinnerung ist aber noch recht frisch!

Viele Grüße, Bugsierstefan




Titel: Re: Heute vor 20 Jahren --- Eine kleine Erinnerung
Beitrag von: Trimmer am 30 Oktober 2009, 15:55:22
Das schönste war für mich, daß ich mit meiner Frau entlich zum Friedhof ihrer Oma und ihrer Tante fahren konnte.Man lebte in einer Stadt und durfte bis dahin nicht mal gemeinsam zum Begräbnis fahren.
Den Tag habe ich in aller Stille verbracht. Der nächste Tag auf der Baustelle - fast die Hälfte  der Leute war nicht da und einige sind auch nicht wieder gekommen. Besonders kennzeichnent war,daß der Herr Parteisekretär das weite gesucht hatte. Vielleicht besser für ihn.Habe dann die ganzen Reden von Krenz und Co. angesehen und hatte irgendwie so ein "Kotzgefühl". Geht mir aber auch heute noch so wenn einige dieser Herrn im Fernsehn auftreten.( Schabowski )Oder auch wenn ich dann sah wie einige Generäle der NVA im Schulterschluß mit Offizieren der BW saßen. Das Wort "Wendehals" wurde in diesen Stunden tausend mal lebendig.

Gruß an alle in Ost, West, Nord und Süd - und laßt es nie wieder zu, daß unser Land getrennt wird ! Trimmer- Achim
Titel: Re: Heute vor 20 Jahren --- Eine kleine Erinnerung
Beitrag von: Big A am 01 November 2009, 22:36:57
Ich war seit wochen auf Lehrgang in den USA, Deutschland (wohlgemerkt, wir reden von der Zeit vor dem Internet) weit weg, eigentlich interessierte nur der Wechselkurs, am Rande ein wenig deutsche Politik, gelegentlich ein Telefonat zur Freundin (war damals auch verdammt teuer).
Am Wendetag war ich in Orlando, offizoell beim Navy Center for Simulation Technology - so hieß das galube ich - am Nachmittag dann mit Kollegen im Epcot - Center. Zurück ins Hotel, TV an, da tanzten welche auf der Mauer. Kommentar: Dreh den Mist ab, wieder so'n Science Fiction!
Dann rumgezappt und überall die gleichen Bilder!  Anruf zu Hause, anschließend an der Bar! Als die mitkriegten, dass wir Deutsche waren, war der Abend gerettet! :-D :OuuO:

Axel
Titel: Re: Heute vor 20 Jahren --- Eine kleine Erinnerung
Beitrag von: kalli am 01 November 2009, 23:03:44
Nun ich war den ganzen Oktober in Leipzig, Reichenbach und Plauen und war dadurch hautnah dabei. Die Maueröffnung habe ich in Berlin erlebt.
Vieles was heute in den Medien gezeigt wird habe ich in einem anderen Erinnerungsbild. Weil diese Bilder nicht die Gespräche, Gedanken, Ängste wiedergeben können.
Titel: Re: Heute vor 20 Jahren --- Eine kleine Erinnerung
Beitrag von: harold am 01 November 2009, 23:47:42
"...nicht die Gespräche, Gedanken, Ängste wiedergeben können."

Um genau die gehts aber, Kalli. Tu diese Dinge ruhig mal rein.

Für mich wars damals anfangs nur die seltsame Erfahrung mit der DEFA, dass die auf einmal nicht mehr so richtig spurten.-
Am Morgen (10.11.), als meine damalige Freundin und ich mitbekommen hatten über die Radio-Nachrichten so zum Frühstück, dass die Mauer gefallen war ... wir haben beide aus Freude geheult, und uns umarmt.
Als Österreicher, nicht als Deutsche.
Wenn du das nicht glauben willst, zeig ich dir beim "Gansl" meine damaligen Tagebucheintragungen.

Knapp einen Monat später waren dann die Tschechen "ohne den Stacheldraht" - für uns hier waren dies die unmittelbaren Nachbarn, und die waren dann auch hier in Wien, zu Zehntausenden.
Mensch was wurde damals in Wien gefeiert!- 

Ich meine, ihr Deutsche habt eher nur die DDR im Fokus ... wir (randgeographisch, ganz wo anders) sahen auch anderes, die CSSR, Rumänien, Bulgarien... dieser Winter 89/90 war mir und den Leuten, die ich so kenne, "völlig irreal".
Abgehoben vom Gewohnten ...
:MV: Harold
Titel: Re: Heute vor 20 Jahren --- Eine kleine Erinnerung
Beitrag von: OWZ am 02 November 2009, 01:25:13
 Als die ostdeutschen Landsleute damals über die Mauer krabbelten, musste ich sofort an den 17.6.1953 denken und mir war klar, dass die Panzer immer noch bereit standen. Entsprechend war auch meine gefühlsmäßige Reaktion.

Ich hatte in jenen Tagen ehrlich gesagt nicht unbedingt die Erwartung, dass sich Gorbatschow gegenüber den Militärs durchsetzen könnte. - Erst nach ein paar Wochen konnte ich mich richtig freuen.

Erlebt habe ich die erste Zeit nur zuhause vor dem TV, habe dann aber schnell durch Zurverfügungstellung von Wohnraum Kontakte knüpfen und kommunizieren können - `crazy days´ in der Tat.

OWZ




Titel: Re: Heute vor 20 Jahren --- Eine kleine Erinnerung
Beitrag von: Trimmer am 02 November 2009, 09:57:36
Ich muß da voll Kalli zustimmen. Neben der Freude waren da so viele Gedanken im Spiel die man eigentlich nicht ausdrücken kann. Bleibt es friedlich oder schlägt Polizei, Armee und Stasi zu ? Rollen Panzer wie 1968 in Prag ? Wie wird die persönliche Zukunft ?Wie geht es weiter wenn der Rausch verflogen ist ? Auf all diese Fragen konnte damals keiner eine Antwort geben. Dazu gab es auch andere Stimmen welche die Vereinigung Deutschlands ablehnten - sowohl im Osten als auch im Westen.
Waren nur mal einige Gedanken

Trimmer - Achim
Titel: Re: Heute vor 20 Jahren --- Eine kleine Erinnerung
Beitrag von: Torpedo am 02 November 2009, 11:38:25
Ich hatte im Sommer gerade meine Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Deutschen Bank beendet und war danach dem Werben des Vorstands erlegen. So hatten wir die ganze Woche "Verkaufsseminar" in Klausur im Johannisstift in Berlin und dementsprechend komplett abgeschirmt von der Außenwelt. Am Donnerstag war also der "letzte" Tag und zogen abends nach Berlin zum Feiern. Gegen halb zwei brachen dann zwei Kolleginnen auf, um sich ein Taxi zurück zur Unterkunft zu nehmen und stürzten zehn Minuten später mit einem wildfremden wieder in das Salsa-Lokal in der Nähe des Kudamms. "Die Mauer ist gefallen!" "Ja, klar! Habt ihr soviel getrunken?" Daraufhin meldete sich der Typ, zückte seine Papiere und sagte "Nee, wirklich! Kiekt mal, ick bin von drüben - hier is meen Ausweis!".
Daraufhin zogen wir am Olivaer Platz auf den Kudamm, der mit Trabbis und Wartburgs verstopft war und ich verschenkte an wildfremde Leute Zwanzig-Mark-Scheine. Wir liefen dann bis zum KaDeWe und ich trampte mit einer Freundin zum Brandenburger Tor, wo wir an den Wasserschläuchen auf die Mauer kletterten. "Jetzt oder nie" sagten wir uns und ließen uns auf der Ostberliner Seite herunter und gingen "einmal" unter das Brandenburger Tor und jubelten. Sofort waren VoPos neben uns und sagten, wir könnten zwar hier sein, aber bitte nicht so laut. Durch die Doppelpostenkette der VoPos mit Kampfanzug nach Ostberlin zu gehen trauten wir uns dann aber nicht. Man wußte ja nicht, was passieren würde und ob wir zurückkämen...
Mit der einen Kollegin landete ich dann noch in ihrem Bett und am nächsten Tag wurde natürlich nichts mehr geschult und wir gingen nach Hause.
Dort erwartete mich eine traurige Nachricht. Unser fast 15jähriger Beagle war so schwach, dass meine Eltern den Tierarzt geholt hatten, der ihn einschläfern mußte. Unter viel Tränen haben wir ihn dann am 10.11. im Garten begraben, sind aber trotzdem abends Richtung Wannsee an die Potsdamer Glienicker Brücke und haben die Trabbis begrüßt - rüber durften wir ja da leider nicht.

In den nächsten Tagen machte ich dann auch meine Ausflüge in den "Osten" und zahlte am Bahnhof Zoo in der Filiale der Deutschen Bank am Wochenende Begrüßungsgeld aus. War komisch mit je 10.000 DM links und rechts in den Jacket-Taschen nur gegen Stempel im Paß auszuzahlen...

In den kommenden Wochen war ich dann immer dabei, wenn etwas passierte, so z.B. kurz vor Weihnachten als die Mauer am Brandenburger Tor endgültig abgebaut wurde. In dem Nieselregen habe ich mir noch Schuhe und Mantel ruiniert...aber das ist Stoff für eine andere Geschichte.
Titel: Re: Heute vor 20 Jahren --- Eine kleine Erinnerung
Beitrag von: Q am 02 November 2009, 12:34:12
Mein Vater konnte die Maueroeffnung auch nicht glauben. Als er vom Schlaf nach der Nachschicht von meiner Mutter mit dieser Information geweckt wurde. Deshalb sind wir auch recht spaet gen Westen aufgebrochen. Der Stau von Teistungen bis vor unsere Haustuere (16 km davon) war dann auch unser erstes seltsames Erlebniss da in Richtung Westen sonnst nie soviel Verkehr war. Mit etlichen Schleichwegen die mein Vater aus seiner Zeit bei den Grenztruppen kannte konnten wir sehr viele Staukilometer abkuerzen. Als naechstes waren wir dann in Eschwege in der Altstadt und da kam ich mir beim betrachten der Schaufanster als Neunhaehriger schon wie im Schlarffenland vor.

Mein Vater hat in den Monaten darauf allerdings sehr vor der Wiedervereinigung gewarnt vor allen vor der Forderung die D-Mark haben zu wollen. Fuer ihn war klar das mit D-Mark Lohn keiner mehr den Zement aus Deuna kaufen wuerde. Darin hatte er dann wohl auch recht. Viele die damals die D-Mark wollten haben 2 Jahre spaeter die DDR wieder haben wollen, dies war meine Erfahrung mit Wendehaelsen.

Ich zumndest bin froh um die Reisefreiheit. Sonnst haette ich wohl kaum Europa per Autostop erleben koennen.

Don´t Panic
Titel: Re: Heute vor 20 Jahren --- Eine kleine Erinnerung
Beitrag von: Commander3 am 02 November 2009, 20:15:13
Was soll ich sagen, das war 9 Monate vor meiner Geburt :MZ:  (wir kommen aus dem ehemaligen Sperrgebiet, die Freude war sicher groß hier :MLL:)
Titel: Re: Heute vor 20 Jahren --- Eine kleine Erinnerung
Beitrag von: Mario am 02 November 2009, 20:37:20
Zitat von: Commander3 am 02 November 2009, 20:15:13
Was soll ich sagen, das war 9 Monate vor meiner Geburt :MZ:  (wir kommen aus dem ehemaligen Sperrgebiet, die Freude war sicher groß hier :MLL:)
Naja, jetzt können wir uns alle lebhaft ausmahlen, wie dort bei Euch gefeiert wurde  :MV:   :MLL:
Titel: Re: Heute vor 20 Jahren --- Eine kleine Erinnerung
Beitrag von: Torpedo am 03 November 2009, 09:42:26
 top !!!  :MLL:
Titel: Re: Heute vor 20 Jahren --- Eine kleine Erinnerung
Beitrag von: H44 am 03 November 2009, 11:51:50
Hallo zusammen,

also ich lebe ja direkt am äußersten Zipfel Bayerns und war zum Zeitpunkt der Grenzöffnung 12. Das erste Gute für einen Schüler war, das mann an diesem tag aufgrund der Verkehrssituation sehr spät zur Schule kam (Freitag, 10.11.1989). Einer unserer Ortsteile hatte einen Grenzübergang (Rottenbach-Eisfeld) von diesem Grenzübergang bis zur nahen Kreisstadt Coburg sind es ca. 13 km, und auf dieser Strecke stand ein Trabi nach dem anderen ohne voranzukommen. Auch die paar Läden die in unserem Ort waren haben sich in der Zeit nach der Grenzöffnung eine goldene Nase verdient.

Übrigens mein persönlicher Schicksalsschlag war das am besagten Freitag, das ZDF Alf ausfallen ließ, einhellige Meinung unter meinen gleichaltrigen Kumpels war "Die hätten Ihre Grenze ja auch an einem anderen Tag aufmachen können"  :wink:

Bei Interesse kann ich auch ein paar Bilder einstellen. Die die Situation nach der Wende im Bundesdeutschen Grenzland wiederspiegeln.

Gruß Alex   
Titel: Re: Heute vor 20 Jahren --- Eine kleine Erinnerung
Beitrag von: weers am 03 November 2009, 14:59:15
Als Jahrgang 1949 bin ich ein "Kind" des Kalten Krieges gewesen. Als die Mauer gebaut wurde habe ich als 14-Jähriger im Schwarz-Weiß-Fernseher miterlebt, als auf "Republikflüchtlinge" tödliche Schüsse abgegeben wurde, konnte ich es nicht glauben und als ich zum ersten mal im Harz den "antifaschistischen Schutzwall" sah, wusste ich nicht, was ich dazu sagen sollte.

Ich erinnere die Schikanen beim Grenzübergang, die peinlich genaue Einhaltung der Geschwindigkeitsbegrenzungen auf der Transit-Strecke nach Berlin, die Einkehr bei "Mitropa" und eine einwöchige Studienreise als Student und Symphatisant des MSB Spartakus nach Schwerin. Danach war ich vom real existierenden Sozialismus gründlich bedient. Ich erinnere, dass man mich nicht über den Ubahnhof Friedrichstraße nach Ostberlin einreisen lassen wollte (wohl weil ich inzwischen bei den Grünen gelandet war) und ich erinnere, dass die "Ostpolitik" zuvor für mich ein Grund waren, in die SPD einzutreten. Als die beiden "Willis" in Erfurt aueinandertrafen, keimte so etwas wie Hoffnung auf eine bessere, friedlichere Zukunft in mir auf. Und als Gorbatschow den denkwürdigen Satz von der Strafe für diejenigen sprach, die zu spät kommen, konnte eigentlich alles nur besser werden.

Den 9. November habe ich bei einem Verwandtenbesuch in Kiel miterlebt - und als ich die Menschen auf der Mauer stehen sah, konnte ich es nicht glauben und ich hatte ziemlich nasse Augen. Aber ich fürchtete auch einen neuen 17. Juni oder eine erneute Prager Intervention und wollte nicht glauben, dass die Sowjets das nochmals zulassen würden, was sie den Ungarn zuvor erlaubt hatten.

Es war die schiere Freude, die ich empfand. Der tiefe Bruch, der durch Deutschland und die Welt ging und unser Land zu einem potentiellen Schlachtfeld machte, schien überwunden. Die Montagsdemonstrationen schienen für mich ein Akt der Befreiung zu sein, und es mutet schon fast als Komödie an, dass die Überwindung der Mauer nur durch Schabrowskis Dusseligkeit möglich wurde. Ein Witz der Geschichte...

Ob alles zusammen wächst, was zusammengehört, kann ich nicht beurteilen. Manchmal frage ich mich, was aus diesen Menschen geworden ist, welche dieses System der Unfreiheit zu verantworten haben und was sie heute so treiben. Aber diese Frage stelle ich mir nur im stillen Kämmerlein. Ich möchte den Prozess des Zusammenwachsens nicht durch unbequeme Fragen stören.

Was mich stört ist es, dass nicht der 9. November als Tag des Volkes zum Nationalfeiertag bestimmt wurde, sondern der 3. Oktober als ein Tag der Administration.

Beste Grüße,
Arnold
Titel: Re: Heute vor 20 Jahren --- Eine kleine Erinnerung
Beitrag von: Woelfchen am 03 November 2009, 15:01:34
An den Tag genau kann ich mich nicht mehr erinnern, aber an die Zeit.
Auf jeden Fall gab es aber im Fernsehn (Tagesschau) Bilder auf denen man viele glückliche Menschen sehen konnte. Wiedervereinigung von Deutschland musste also was tolles sein. Hätte nur vorher mal wissen müssen das Deutschland geteilt war..... :roll:

Ach ja, war damals 8 Jahre alt.

Titel: Re: Heute vor 20 Jahren --- Eine kleine Erinnerung
Beitrag von: Hastei am 03 November 2009, 16:06:17
ich erinner mich auch noch genau. Gerade wollte ich los zu unserem MK-Abend,da sah ich, schon  im Mantel,im Fernsehen die Bilder der offenen Grenze. Erst stand ich ganz gebannt guckend, jeden Moment mit einem großen Knall rechnend, vor dem Fernseher. Dann musste ich mich setzen. Ich konnte es nicht glauben. Die Zeit verstrich ,ich merkte es nicht. Tränen kamen mir ! Das kann doch nicht wahr sein. Meine Kinder guckten mich ungläubig an, Vater weint .
Als ich dann später ins Vereinslokal kam, wussen noch nicht Alle was geschehen war, sie sagten wir spinnen. Ich muß gestehen, ich war selten so gerührt. Noch heute bekomme ich feuchte Augen , wenn ich die Bilder sehe.
Dann, nach der Vereinigung machten wir vom Reservistenverband einen Truppenbesuch in Schwerin.
Man , das war was. Wir als alte Klassenfeinde in Uniform in Schwerin und übernachten in einer großen Kaserne. Weiß den Namen nicht mehr. Und das schönste, wir wurden von der Bevölkerung mit Interesse wahrgenommen, rege Gespräche führten wir auch mit ehem. NVA Soldaten ,die noch in der Kaserne waren.In einer Kfz-Halle lagen bis zum Knie lauter Uniformteile, nagelneu. Wir suchten uns natürlich soviel wie möglich als Erinnerung aus. Leider fanden wir nie passende Stiefel oder Schuhe, immer nur rechte oder linke.
Koppel, Stahlhelm ,Kokarden Kfz-Nummernschild, das hab ich heute noch.
Rückblickend finde ich es immer noch als ein Geschenk, dass alles so friedlich ausging.

es grüßt der noch immer gerührte Hastei


Titel: Re: Heute vor 20 Jahren --- Eine kleine Erinnerung
Beitrag von: Balu der Baer am 03 November 2009, 18:55:02
Hallo, Ich war damals 26 Jahre alt und Fabian (der kleine Bär) war gerade 3 Monate alt. Ich kam von der Arbeit nach Hause und meine Frau war spazieren. Wie immer schaltete ich den Fernseher an und wunderte mich das die angekündigte Sendung gar nicht kam. Es dauerte ein paar Minuten bis ich begriffen hatte was hier geschehen war. Ich saß vor dem Fernseher als meine Frau zurück kam. Ich nahm meinen Sohn auf den Arm und sagte zu Ihm: "Ich denke du bist in eine glückliche Zeit geboren".  Ich hatte immer das Gefühl, das hält niemand mehr auf. Da ist eine Mauer gebrochen und diesen Geist bekommt keiner mehr in die Flasche zurück. Auch nicht die größten Betonköpfe.....
Im Sommer 89 waren noch Verwandte aus Finsterwalde zu Besuch. Mit alle Haken Tricks und Ösen konnten Sie eine Besuchserlaubnis bekommen.
Mitte November konnten wir dann wiedersehen feiern und konnten noch immer nicht glauben das es so einfach war.

Auf das weiter zusammenwächst was immer zusammen gehört hat. :MG:

gruß Michael
Titel: Re: Heute vor 20 Jahren --- Eine kleine Erinnerung
Beitrag von: rosenow am 04 November 2009, 05:54:38
Ja damals fanden wir das ganz toll, da wussten wir noch nicht, wie sich moderne Sklaverei anfühlt.  :-D
Titel: Re: Heute vor 20 Jahren --- Eine kleine Erinnerung
Beitrag von: brueckenhein am 04 November 2009, 06:42:29
Ich hörte die Meldung der Maueröffnung auf der Autobahn im Radio. Ich dachte an eine Radioente oder an einen verspäteten Aprilscherz. Zu Hause gab es nichts anderes im Fernsehen. Ich habe damals zu meiner Frau gesagt jetzt kommt die Wiedervereinigung! Sie ist gekommen aber unter was für Voraussetzungen!
Titel: Re: Heute vor 20 Jahren --- Eine kleine Erinnerung
Beitrag von: MS am 04 November 2009, 06:58:59
Zitat von: rosenow am 04 November 2009, 05:54:38

Ja damals fanden wir das ganz toll, da wussten wir noch nicht, wie sich moderne Sklaverei anfühlt.  :-D


Da ist jetzt aber eine Erklärung fällig...


Gruss
:MG:
Titel: Re: Heute vor 20 Jahren --- Eine kleine Erinnerung
Beitrag von: Hastei am 04 November 2009, 09:08:38
ich versteh das auch nicht .

Gruß Hastei
Titel: Re: Heute vor 20 Jahren --- Eine kleine Erinnerung
Beitrag von: Trimmer am 04 November 2009, 09:41:01
Hallo ringsum - Irgendwie kann ich Michael verstehen. Für viele Menschen in der DDR brach eine Welt zusammen in der man sich irgendwie eine Nische gesucht hatte und einfach lebte. Die Netze der "sozialistischen Hängematte " - sicheren Arbeitsplatz,gesicherte Mieten, kostenlose Schulbücher usw. brachen mit einem Mal weg. Suppenküchen, Obdachlose, Arbeitslose - alles Sachen die es so bis dahin nicht gab. Andere hatten eine Erwartungshaltung die Fern jeder Realität war.Der graue Alltag zeigte das auch im Westen nicht alles Gold ist was glänzt.Hart getroffen wurden auch viele, die bis dahin sogenannte Westgrundstücke hatten und nun plötzlich mit den Eigentümern rechnen mußten. Sind jetzt alles so Sachen die mir auf die Schnelle so einfallen.   
Man war plötzlich wieder auf sich selbst gestellt und das ist Einigen sehr schwer gefallen.
Ich selbst freue mich immer wieder das vieles sich so gut verändert hat bin aber auch mit einigen Sachen nicht zu frieden.Das ist aber eine andere Sache.

Gruß- Trimmer - Achim
Titel: Re: Heute vor 20 Jahren --- Eine kleine Erinnerung
Beitrag von: rosenow am 04 November 2009, 18:21:18
Gutgut Jungs der Meere und Freiheit, für die unter Euch, die nicht so mit dem Leben in der DDR vertraut sind, außer vom hörensagenfernsehen, hier meine Meinung.  :-)
Nunja, im Voraus, ich würde mir, eine DDR nie und nimmer wieder wünschen, denn wirkliche Freiheit, die ich mir oft ohne Zustimmung der Staatsgewalt  einfach nahm, soweit es ging, war doch immer eingeschränkt und mit Risiken verbunden und das waren dann die schöneren  Zeiten in der DDR, wenn ich mal die Beobachtung und die Bevormundung ignoriere.
Mal abgesehen von der Badefreihit, FKK, die war toll.  Ich kann die verklemmten  Menschen nicht verstehen.   :roll:

(Nur so nebenbei: Das Regime der DDR hat ohne mit der Wimper zu zucken meine erste kleine Familie 1980 zerstört, Entscheidungsfreiheit oder Hilfe hatte ich nicht.
Vor 20 Jahren gründete ich dann eine neue Familie, mit der ich sehr glücklich bin.)

Die Bevormundung, die Aufsicht über dich, mich und jedermann, oft in Gestalt  deines Nachbarn und sogar besten Freundes, schränkt deine Lebensweise doch sehr stark ein.
Ich und viele andere wurden faktisch gezwungen mit ins Boot zu steigen und zu rudern oder unterzugehen, gesteuert wurde von ganz oben. Ich hatte leider nicht den Mut über die Grenze zu verschwinden, fragliche Gelegenheit wohl.

Warum schränkte das dein Leben ein?  Ich wurde vorgeladen, aus scheinheiligen Gründen, abgeholt von der Arbeit,  verhört und wieder nach Hause geschickt,   ich stand auf Arbeit wie in der Öffentlichkeit unter Beobachtung, bei Bedarf immer zur Verfügung.  Wo soll, konnte ich auch hin?  Meine einzige Ruhe fand ich in der freien Natur, wenn ich Glück hatte.
Wie Trimmer- Achim schon erwähnt, ich habe mich recht und schlecht unter der Knute des Regimes wie ein moderner Sklave in seiner Hütte eingerichtet, auch wenn mit scheinbarer Freiheit innerhalb des Systems, ich bin so aufgewachsen, hatte nichts anderes kennen gelernt.

Mit sechs Jahren hatte ich das erste Mal beim Regime angeeckt. Schule, Flagge der Deutschen Demokratischen Republik malen, ich malte was konnte, das Hoheitszeichen war mir aber zu schwer.

Unser schöner neuer Staat ist auf dem besten Wege in Richtung DDR , so habe ich das Gefühl, eine  gewisse Freiheit erlauben können sich nur noch Menschen, die finanziell unabhängig  sind, dennoch kann man vieles erreichen, wenn man den Willen dazu hat, dass das nicht immer  für jeden zutrifft, liegt daran, dass wir in dem kapitalistischen System das Ausleseverfahren haben und dabei fallen immer die  ,,Kleinsten" , die ohne Widerhaken an den Ellenbogen, durchs Netz, jojo manchmal bleibt auch Schleim hängen. Lernen, oberstes Gebot!

Trimmerachims Meinung trifft wohl für sehr viele Menschen im Osten zu und nun wohl auch immer mehr für westliche Bürger, wer geglaubt hat, dass der Osten dem Westen angeglichen wird, der liegt Goldrichtig, was Technik usw.  angeht, Politisch hat sich wohl nach außen hin einiges getan, doch die andere Seite der Medaille, die soziale Sicherheit durch Arbeit,  wurde drastisch vernachlässigt und gilt nur noch für wenige ,,glückliche" Sklaven.
Ja es ist damals gesagt worden, dass die Löhne dem Westen angeglichen werden, Jubel,  Jubel, Freude, Heiterkeit, naja die Löhne werden angeglichen, aber eher wohl das westliche  an das Ostniveau.

Nach der Pleite meiner Firma im Jahre 97, wo ich als LKW-Fahrer und später mir das Dachdeckerhandwerk annahm und weiteren 3 Jahren als Dachdecker, habe ich eine Durststrecke von acht Jahren Arbeitslosigkeit hinter mir, schon alleine der Umstand Acht Jahre arbeitslos gewesen zu sein, ist für sehr viele Firmen ein Grund zur Ablehnung und dich weiterhin in der  öffentlichen Hand zu belassen.
Übrigens ab einem Jahr Arbeitslosigkeit sinkt die Wahrscheinlichkeit eines für dich glücklichen Erfolges drastisch.
In diesen Acht Jahren habe ich so manches mit gemacht, sei es vom Amt für Arbeit oder auf Stellensuche. Jaja, Amt für Arbeit und Stellensuch haben nicht viel gemeinsam, das erkläre ich jetzt aber nicht auch noch.

Dabei sind mir Firmen untergekommen, die mich tatsächlich für 2,65 Euro bis immerhin 4,80 Euro eingestellt hätten, Brutto versteht sich, die Arbeitszeit nur nebenbei erwähnt,  12  bis 15 Stunden am Tag in jeder dieser Firmen. Ach ja, dabei habe ich ja fast vergessen, dass die bezahlte Arbeitszeit nur für Acht Stunden berechnet wurde.
Viele Menschen im östlichen Norden arbeiten unter dem Lebenserhalt und müssen noch zur öffentlich Hand, um sich wenigsten über Wasser zu halten.
Sowas nenne ich ganz einfach moderne Sklaverei.
So hatten sich wohl Millionen von Befürwortern der Einigung, ihre Zukunft nicht vorgestellt.
Gründe für die Missstände werden seit Jahren immer neu erfunden. Staatskasse leer usw., aber Steuergelder werden zum Fenster heraus geschmissen, wenn ich nur an die vielen sinnlosen oder auch  nicht durchdachten Maßnahmen des Arbeitsamtes Rostock denke, dann kann ich nur  mit Kopf schütteln und denken ,,Armes Deutschland" .
Ich weiß nicht, ob die Verkehrsplaner auch dazu gehören, aber die in Rostock gehörten wegen Fehlplanungen auf den untersten Arbeitsmarkt.
Schlimmer wird's dann mit Steuergeldern, die von Ämtern sinnlos verpulvert werden, nur um die Folgesumme für das kommende Jahr in selber Höhe zu erhalten.
Ich will hier nicht weiter ins Detail gehen. Voraus zusehen war es, doch glauben wollte es keiner so recht.
Zu schön war die Vorstellung eines blühenden Deutschlandes. Naja, wie sooft holt uns die Realität auf dem Boden der Tatsachen zurück.

Ich jedenfalls, habe mich bemüht und etwas neues begonnen,  habe das System erkannt und es für mich genutzt, auch wenn  der Busfahrer nicht die Welt ist, für mich bedeutet es wieder am Leben Teil zu haben und mich unabhängig zu bewegen, tja leider nicht in Deutschland, hier gibt es keine Arbeit für Busfahrer, es sei denn für einen Sklavenlohn auf Zeit oder Schwarz.

Meine Vermittlerinnen, selbst Sklaven auf Zeit im Systems,  haben mich dabei kräftig unterstützt und hier kann ich nur meinen Dank aussprechen, für so viel Menschlichkeit unter den harten Bedingungen, es gibt Sie, die Möglichkeiten, man muss nur an menschliche Vertreter unserer Spezies kommen und wissen sie zu nutzen. Ein Schelm, wer unartiges denkt.   :-D

So nun genug , jetzt wird wieder nach Vorn geschaut.   :O/Y

Gruß Michael


Titel: Re: Heute vor 20 Jahren --- Eine kleine Erinnerung
Beitrag von: Spee am 04 November 2009, 19:19:48
@Rosenow,

jep!

Solch schicken Sätze wie: "Wenn Ihnen was nicht paßt, sie können ja gehen!" usw. hab ich vor 1990 nicht gehört. Oder versuche mal als alleinstehende Frau mit 2 Kindern arbeiten zu gehen? Wie war doch der nette Spruch: "Früher durfte ich nicht sagen, daß Honecker ein Arsch.loch ist, aber meinem Chef. Heute .... ".
Aber das sind Symptome und hat nichts mit dem Kern der Wiedervereinigung zu tun. Das war ein Glücksfall der Geschichte, freuen wir uns drüber!!
Titel: Re: Heute vor 20 Jahren --- Eine kleine Erinnerung
Beitrag von: Q am 04 November 2009, 19:41:55
Auch mal Global gedacht, war die Wiedervereinigung wohl das Beste was passieren konnte. Zweifelhaft ob der Kaltekrieg nicht vor der totalen Pleite ein heisser geworden waere. Da hat es sich jedenfals gelohnt das dies imense Drohpotential freidlich abgebaut wurde. Auch dank der paar Hanseln in Leipzig, Prag usw.

Bleibt mir nur zu sagen: "Es steht alles zum besten, in der besten aller moeglichen Welten!" um mit der Ironie des Pangloss zu sprechen.  :-P

Don´t Panic
Titel: Re: Heute vor 20 Jahren --- Eine kleine Erinnerung
Beitrag von: rosenow am 04 November 2009, 20:50:36
OH ja, wie wahr, wie wahr Q  top

Hi Thomas, habe ich das Thema verfehlt?   :/DK:
Na sicher freue ich mich über die gelungene friedliche Vereinigung, sind die Seewege doch nun frei und ich brauch nicht mehr mit sehnsüchtigen Blicken über die Ostsee schauen, jetzt darf ich sogar drüber fahren.
Die Welt steht uns nun offen, über Geld reden wir dabei nicht, das hat man oder das Reisen bleibt wie eh und je begrenzt.  :-D
Da stoße ich doch glattweg an mit euch!  :OuuO:
Gruß Michael
Titel: Re: Heute vor 20 Jahren --- Eine kleine Erinnerung
Beitrag von: Spee am 04 November 2009, 21:23:53
@Rosenow,

nein, keinesfalls Thema verfehlt :-) !
Titel: Re: Heute vor 20 Jahren --- Eine kleine Erinnerung
Beitrag von: Q am 04 November 2009, 22:23:56
Zitat von: rosenow am 04 November 2009, 20:50:36
...
über Geld reden wir dabei nicht, das hat man oder das Reisen bleibt wie eh und je begrenzt.  :-D
...

Ich habe da eine Alternative gefunden. Die Wunder der Erde fuer weniger als einen Dollar pro Tag.  top :MV:

Don´t Panic
Titel: Re: Heute vor 20 Jahren --- Eine kleine Erinnerung
Beitrag von: weers am 04 November 2009, 22:31:24
Obwohl...

als Ostfriese war ich ja auch in meiner Region ein Ossi. Nach der Wende wurde die fest eingeplante A 31 zwischen dem Kohlenpott und Ossi-Land auf Eis gelegt. So haben Ostfrieslands Handwerker ihre Groschen zusammen gekratzt und die A 31 privat vorfinanziert. Ob sie ihr Geld jemals wieder bekommen, weiß kein Mensch.  

Andererseits war ich zehn Jahre nach der Wende auf der Durchreise und der Suche nach einem Hotel in Bad Eberswalde. Neben mir saß mein Freund, von Berufs wegen Landschafts- und Gartenarchitekt. Der staunte nicht schlecht, als er die prachtvollen Laternen sah, mit denen die Einfahrt nach Eberswalde bestückt war. "Die kosten pro Stück 50.000 Euro", meinte er. "Bei uns kriegst Du sowas bei Dorferneuerungen nie genehmigt."

Hinter den Luxus-Laternen war die Plattenbrache mehr zu ahnen, als zu sehen. Aber Kohl hatte ja blühende Landschaften versprochen, sei es noch so unsinnig.

Solidarische Grüße,
Arnold
Titel: Re: Heute vor 20 Jahren --- Eine kleine Erinnerung
Beitrag von: rosenow am 05 November 2009, 05:16:37
Sind die Wessis damals nicht Clever gewesen? Haben den Ossis die teuren Laternen verkauft, das Geld das sie den Ossis gerade zum Aufbau geschenkt haben floß somit gleich wieder zurück in den Westen und so gibt es viele Beispiele für das indianische Verhalten der Ossis.  :-D  :ROFL:
Titel: Re: Heute vor 20 Jahren --- Eine kleine Erinnerung
Beitrag von: Q am 05 November 2009, 09:25:43
Und damit wurde auch gleich ein schoenes Neid/ Feindbild aufgebaut. Ich als Ossi war genau wegen den ungeleiteten Solizuschlaegen in der Schule in Bayern neues Feindbild nach der Wende. Schoen von den Eltern den Schuelern indoktriniert.

Was sollen da die Bremer sagen Jahrzehnte lang Bayern mit dem Solizuschlag aufgebaut. Und jetzt Pleite. Ironie des Schicksals.

Don´t Panic
Titel: Re: Heute vor 20 Jahren --- Eine kleine Erinnerung
Beitrag von: Trimmer am 05 November 2009, 09:59:00
Michael - zeigt es aber auch nicht das Verhalten von uns Ossis. Alles was aus dem "Westen "war war gut und mußte unbedingt her. Das da einige ganz clevere Leute ihren Schnitt gemacht haben wundert mich nicht.Wie viele sind damals, gerade von den ehemaligen DDR - Chefs in den Kombinaten, in der Armee und sonst wo den "Wessis" direkt  in den A.. gekrochen. Ihre viel gepriesene "sozialistische Moral" mit der man ständig belöffelt wurde, ihre "Rotlichtstunden " - auf einmal war alles nicht mehr wahr. Der Begriff " Wendehals" stimmte doch 100 % ig.Waren es nicht gerade die "neuen" Kapitalisten aus der ehemaligen DDR die Löhne drückten. Ich habe damals lange Zeit für eine westdeutsche Firma hier in Berlin gearbeitet. Wir hatten Westlohn und Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld usw. Der Kollege aus Hamburg hatte genau soviel Lohn wie der Kollege aus dem Osten. Mag sein es war nicht überall so aber viele Ursachen lagen auch hier.
Heute mag ich diese Debatte Ossi-Wessi eigentlich nicht mehr. Ich habe Freunde in Gesamtdeutschland und darüber bin ich froh. Die Frage was gewesen wäre wenn und aber sind Schnee von Gestern.

Gruß - Trimmer - Achim   
Titel: Re: Heute vor 20 Jahren --- Eine kleine Erinnerung
Beitrag von: Q am 05 November 2009, 10:20:55
Soweit muss man in der Zeit garnicht zurueck gehen. Geschaeftemacherei auf kosten des Steuerzahlers hat man doch in unserem Land schon fast zur Perfektion gebracht. Ganz gleich ob in den Alten oder Neuen Bundeslaendern. Dennoch im Internationalen Vergleich geht es uns deutschen so gut wie kaum nem anderen. Nur Leider kann der nicht Zweit-, Drittwelt- Reisende immer nur mit seiner Vergangenheit vergleichen. Das beim errinern an die Vergangenheit eher die Guten Sachen in Errinerung bleiben sollte hier mehr als klar sein. Mich als der Zweit- und Drittwelt- Bereiste muss mich immer wundern wie viel doch in unserem reichen Land gejammert wird am Stammtisch. Wie herzlich ich in Asien und Afrika aufgenommen wurde. Wie viel weniger depressiv die Menschen dort sind, obwohl sie nicht wissen ob das Essen naechsten Monat reichen wird.

Don´t Panic
Titel: Re: Heute vor 20 Jahren --- Eine kleine Erinnerung
Beitrag von: Trimmer am 05 November 2009, 10:34:15
Hallo Jan- dafür sind wir aber doch in der Welt bekannt - Jammern auf hohem Niveau.  :-D
Eigentlich hatte ich nach 20 Jahren mal erwartet, daß ein realistisch geschriebenes Buch über die DDR auf den Markt kommt. So wie es wirklich war mit all den schlechten aber auch guten Seiten. Ich meine damit nicht solche Autoren wie Krenz und Co. Viele gerade der jüngeren Jahrgänge ( so ca.ab Baujahr 1980 ) kennen doch vieles nur noch aus Erzählungen. Selbst in der Schule wird das Gebiet DDR doch kaum noch richtig behandelt und irgendwann entstehen dann Legenden und Märchen.

Trimmer - Achim 
Titel: Re: Heute vor 20 Jahren --- Eine kleine Erinnerung
Beitrag von: Q am 05 November 2009, 10:41:39
Tja Achim das koennte doch ne Arbeit fuer dich sein. Weiss garnicht ob du schon in Fruehrente bist, aber vielleicht waer das ja ne nutzbringende Beschaeftigung. :wink: Wenn es allerdings so lange dauert wie die Aufarbeitung der NS Zeit, dann kann sowas noch sehr lange dauern.

Don´t Panic
Titel: Re: Heute vor 20 Jahren --- Eine kleine Erinnerung
Beitrag von: Trimmer am 05 November 2009, 10:53:06
Jan - bin in Frührente - aber so ein "Literarisches Werk " sollte man nie alleine verfassen.Wäre zu Subjektiv.Könnten uns aber zusammen tun. Auf vieles hast Du bestimmt schon wieder eine andere Sicht als ich. Und wenn Du Deinen Vater fragst sind es bestimmt schon drei Ansichten. Nehmen wir dann noch zwei - drei Leute aus Ost und West dazu -
kommt es nie zu einem Buch  :-D

Achim
Titel: Re: Heute vor 20 Jahren --- Eine kleine Erinnerung
Beitrag von: Q am 05 November 2009, 11:00:15
Was besang schon Reinhard Mey?  "Mehr als zwei sind eine Gruppe! Jeder dritte hat ein anders Ziel"

Wobei ich ja nach deiner Aussage ab Baujahr 1980 wohl kaum geeignet bin da mitzumachen. Fuer mich war trotz Disidenten Papa die DDR als Kind unerreicht spannend und toll. Wenn ich allein schon an das Ferienprogram der GST denke. Bekomme ich ein ganz wehmuetiges Gefuehl. Dazu bin ich nichtmal der tipysche Ossi als Eichsfelder der sogar mit Antenne RTL empfangen konnte von HR3 ganz zu schweigen.

Und immer musste der DJ im Radio in das Gitarrensolo von Sultans of Swing quatschen wenn man gerade den Sternrecorder auf Aufnahme hatte  :MS:

Don´t Panic
Titel: Re: Heute vor 20 Jahren --- Eine kleine Erinnerung
Beitrag von: Spee am 05 November 2009, 11:30:39
@Q,

hättest du RIAS gehört, wäre dir das nicht passiert. Lord Knud hat nie dazwischen gequatscht :-) !
Titel: Re: Heute vor 20 Jahren --- Eine kleine Erinnerung
Beitrag von: Q am 05 November 2009, 11:31:43
Rias war jenseits der Reichweite unseres Empfaengers.

Don´t Panic
Titel: Re: Heute vor 20 Jahren --- Eine kleine Erinnerung
Beitrag von: Torpedo am 05 November 2009, 11:31:53
Jetzt gebe ich doch auch noch mal meinen "politischen" Senf dazu. Wie schon beschrieben habe ich die Wende unmittelbar erlebt. Die Zeit um 1990 war die aufregenste überhaupt, man hatte das Gefühl das hier wirklich Geschichte geschrieben wird. Leider auch oft falsch. Der größte Fehler m.E. war die Währungsunion mit 1:2 - 1:4 oder 1:6 hätte uns bis heute viel Ärger erspart und einige Unternehmen überleben lassen.
Zuerst habe ich auch gedacht, alles wird besser! Kein Kalter Krieg mehr, überall nur noch Friede, Freude und Eierkuchen. Hat sich schnell erledigt. Am erschreckensten fand ich, dass meine alte Bundesrepublik, die ich für die lebenswerteste Staatsform hielt, nach Raubrittermanier agierte und opportunistisch entschied. Die willkürlich bestätigten DDR-Enteignungen, aber auch manche unsinngen Rückgaben veranschaulichen dies eindrücklich.
Zu den heutigen Verhältnissen kann ich nur sagen (und ich habe auch viel Scheisse hinter mir), dass echte Unternehmer NIE ihre Angestellten derart aussaugen, sondern sich eher um sie kümmern. Zumindest diejenigen, die ich kennengelernt habe. Aber viele "angestellte" Vorstände und Geschäftsführer beuten teilweise ihre Mitarbeiter auf unerträgliche Art und Weise aus; dafür habe ich kein Verständnis.

Ich hoffe, wir schaffen irgendwann noch mal echte Reformen und bauen dieses total überbürokratisierte System wieder zu einem menschenwürdigen um. Allerdings bin ich ich der Ansicht, dass das mit den linken Parteien nie gehen wird, so paradox es klingt, aber das könnten wohl eher die Konservativen und Liberalen schaffen. Aber nun genug von Politik!!! Erzählt mal lieber weiter, was Ihr damals so erlebt habt.
Titel: Re: Heute vor 20 Jahren --- Eine kleine Erinnerung
Beitrag von: Trimmer am 05 November 2009, 11:32:39
Jan - bitte verbeiß Dich nicht am Baujahr  :-D Unserei hat immer die Musik vom " Deutschen Soldatensender " aufgenommen - bei den älteren Semestern bestimmt noch bekannt.
Ich will jetzt aber doch mal schreiben wie ich einen sehr guten Freund kennen lernte der im damaligen Westberlin wohnte. Gleich nach der Wende wurden wir zu einer Familienfeier nach Frohnau eingeladen. Dort war unter allen Gästen auch ein Mann der total über die Ossis her zog. "Können nichts, haben nichts usw. " Irgend wann hat es mir gereicht und ich sagte zu ihm " Ich bin wirklich dankbar über die Einigung. Entlich kann ich meinen Holzlöffel weglegen und mit Messer und Gabel essen". Es stellte sich heraus, daß die Verwandtschaft von ihm in der DDR bei jedem Besuch bettelte und um Geschenke schrieb. Bei einem Gegenbesuch - so erfuhr er später - hatten sie ihre guten Sachen wie Fernseher und Kühlschrank beim Nachbarn abgegeben damit er es nur nicht sieht.
Heute sind wir echt gute Freunde aber bei seiner Verwandtschaft läßt er sich nicht mehr sehen.
Ich bin fest der Meinung ob Ost oder West ist mir egal. Für mich zählt der Mensch und nichts weiter.

Trimmer - Achim
Titel: Re: Heute vor 20 Jahren --- Eine kleine Erinnerung
Beitrag von: Q am 05 November 2009, 11:47:59
 top Kann ich nur befuerworten. Um damit zu Torpedo zu kommen, ich hab gerade in Afrika, Sibirien und Rumaenien festellen koennen, das Bakschisch sehr viel persoehnlicher ist als der Extralarge Wasserkopf genannt Buerokratie in Deutschland. Waere auch mal spannend zu schauen ob nicht Bakschisch finanziel guenstiger ist als die Buerokratie. Auch waeren so mehr Arbeitskraefte vorhanden die nicht nur Akten hin und her schieben den lieben langen Tag. Aber Buerokratie gehoert wohl auch zur AB Massnahme.

Insider: Wie in Meiner Bibel "The Hitchhickers Guide to the Galaxy" so schoen beschrieben ist der Wellblechhuettenbewohner mit seiner Katze die den Namen Gott hat der beste Diktator des Universums.

Mein Votuum fuer die moralisch gefuehrte Diktatur ohne Buerokratie. Wohl eine Utopie!

Don´t Panic
Titel: Re: Heute vor 20 Jahren --- Eine kleine Erinnerung
Beitrag von: Spee am 05 November 2009, 11:58:52
@Torpedo,

....bauen dieses total überbürokratisierte System wieder zu einem menschenwürdigen um.


Schau dir die Beamtenquote im Bundestag an und du wirst wissen, es wird so nie geschehen. Oder hat sich jemals ein Spezies selbst beschränkt?
Titel: Re: Heute vor 20 Jahren --- Eine kleine Erinnerung
Beitrag von: Q am 05 November 2009, 12:02:38
@ Spee ja die britische Marine mit 14" Kalibergroesse.  :-P

Sorry musste sein Spee!

Don´t Panic