Von der Kaiserlichen Marine lernen, heißt (auch heute noch) siegen lernen...??
Anbei eine Abschrift der Kaiserlichen Instruktion zur Pirateriebekämpfung von 1877.
Leider handelt es sich bei dieser Datei nur um eine Abschrift, ohne Hinweise auf die herausgebende Diensstelle. Es wäre von einem gewissen Interesse herauszufinden, welche dienstliche Stelle als Autor/ Erlassgeber dieser Instruktion verantwortlich zeichnet.
Vielleicht hat jemand ja eine Idee.
Ich würde mich freuen.
Das kann zu der Zeit (1877) eigentlich nur die Kaiserliche Admiralität heraus gegeben haben.
Vorher war es das Oberkommando der Kriegsmarine (!), hinterher der Admiralstab der Marine und zuletzt das Reichsmarineamt.
Wie man 'damals' Piraten jagte und verurteilte ist wirklich ein interessantes Thema.
Handelt es sich eventuell um dieses Dokument? "Die Ksl. Marine verfügte bspw. insoweit nur über Dienstvorschriften, etwa die "Vorläufige Instruktion für die Kommandanten deutscher Kriegsschiffe in Betreff der Unterdrückung der Seeräuberei in den chinesischen Gewässern" vom 20.08.1877 oder die "Bestimmungen für den Dienst an Bord" vom 21.11.1903". http://www.humboldt-forum-recht.de/deutsch/3-2010/beitrag.html
Hier ist eine britische Handhabung von 17 Piraten: http://picasaweb.google.com/urudofsky/AnAdmiralSYarn#slideshow/5481984645054273426
Bei einer Goggle Buch-Suche: kaiserliche marine piraten .... kommen einige Volltextsachen zum Vorschein ...... Beispiel: Das international öffentliche Seerecht der Gegenwart: http://books.google.com/books?id=gCKhAAAAMAAJ&dq=kaiserliche%20marine%20piraten&pg=PR9#v=onepage&q&f=false
Mir ist aktuell kein Fall von Piratenbekämpfung seitens der Kaiserlichen Marine bekannt.
Dass man für solche, wie auch möglichst für alle anderen Eventualitäten, vorbereitet sein wollte, schon um den Kommandanten Rechtssicherheit zu geben, zeigt die Druckschrift der Kaiserlichen Admiralität.
Voraussetzend, dass es zu allen Zeiten Piraterie gab, werden sich die Kommandanten der auf Auslandsstation befindlichen Schiffe (1877 hatte das Deutsche Kaiserreich noch keine eigenen Kolonien) vorrangig um das Eigentum deutscher Staatsangehöriger sowie deutscher Firmen gekümmert haben.
Inwieweit hierbei auch die Unterdrückung des Sklavenhandels eine Rolle spielte, müßte noch hinterfragt werden.
Zitat von: Big A am 09 November 2009, 08:44:04
Anbei eine Abschrift der Kaiserlichen Instruktion zur Pirateriebekämpfung von 1877.
Hallo, sehr interessant !
In Zusammenhang mit welchen Ereignissen in den chinesischen Meeren ist diese Instruktion geschrieben ?
Ich kann diese Frage nicht beantworten.
Tatsache ist, dass die Kommandanten S.M. Schiffe Tagebücher führten und alle Beobachtungen, Ereignisse und Begebenheiten schriftlich festhielten. Nach Rückkehr wurden diese, zusammen mit dem Logbuch, ausgewertet.
So ist es möglich, dass daraus
a) gewonnene Erkenntnisse direkt in Anweisungen bzw. Allgemeine Marinebefehle umgesetzt wurden, oder
b) an die an die Marine-Akademie kommandierten Offiziere als Halb- oder Jahresarbeit übertragen wurde.
Solche Arbeiten wurden, je nach Güte oder Umfang, entweder im Anhang der Marine-Verordnungsblätter (MVBl.) oder im Militair=Wochenblatt veröffentlicht.
Welche konkreten Ereignisse dieser genannten Instruktion zugrunde lagen, ist mir nicht bekannt. In der zeitgenössischen Literatur werden aber Piraten-Dschunken beschrieben.
Welche konkreten Ereignisse dieser genannten Instruktion zugrunde lagen, ist mir nicht bekannt. In der zeitgenössischen Literatur werden aber Piraten-Dschunken beschrieben.
Hallo in die Runde,
die Herausgabe dieser Instruktionen stand unmittelbar mit den Handlungen deutscher Kriegsschiffe im Frühjahr 1876 in Ostasien im Zusammenhang. Die Korvetten "Hertha", "Vineta", "Ariadne", "Louise" und die Kanonenboote "Cyclop", "Nautilus" wurden unter Führung des Grafen v. Monts in Honkong zusammengezogen. Aufgabe dieses Geschwaders war es, im Zusammenwirken mit anderen Seemächten, die chinesische Regierung zu zwingen, gegen das "Piratenunwesen" an ihren Küsten vorzugehen. Mittels dieser Machtdemonstration gelang es dem deutschen Vertreter in Peking, Herrn von Brandt, die chinesische Zentralgewalt zu Aktionen gegen diese Piraterie zu veranlassen.
Gruß Jack
Das war mir so nicht bekannt, aber mit dieser Erklärung der Ereignisse macht die Instruktion Sinn.
Klasse Ergebnis top :MG:
Zitat von: Matthias Strauß am 08 Januar 2011, 16:02:44
die Herausgabe dieser Instruktionen stand unmittelbar mit den Handlungen deutscher Kriegsschiffe im Frühjahr 1876 in Ostasien im Zusammenhang. Die Korvetten "Hertha", "Vineta", "Ariadne", "Louise" und die Kanonenboote "Cyclop", "Nautilus" wurden unter Führung des Grafen v. Monts in Honkong zusammengezogen. Aufgabe dieses Geschwaders war es, im Zusammenwirken mit anderen Seemächten, die chinesische Regierung zu zwingen, gegen das "Piratenunwesen" an ihren Küsten vorzugehen. Mittels dieser Machtdemonstration gelang es dem deutschen Vertreter in Peking, Herrn von Brandt, die chinesische Zentralgewalt zu Aktionen gegen diese Piraterie zu veranlassen.
Hallo, Matthias Strauß !
Solches große deutsche Geschwader in Entferntem Osten in 1870 Jahren- die Neuheit für mich. Ich wie der Ortsbewohner, wollen mit der russischen Flotte vergleichen, die gleichzeitig galt. Die große Bitte, wenn es die Möglichkeit gibt, die Erklärungen zu geben:
1. Den taktischen Charakteristiken der deutschen Schiffe.
2. Die allgemeine antipiraten Beschreibung in 1876 Jahr.
Die Hinweise auf die Materialien ins Internet werden begrüsst.
Mit freundlichen Grüßen. :MG:
Privjet Dima,
zu 1. Die von mir genannten deutschen Kriegsschiffe (takt.-techn. Daten) mit ihren Einsätzen sind in dem Standartwerk über die deutschen Kriegsschiffe von Hans Hildebrand, Albert Röhr und Hans-Otto Steinmetz umfassend beschrieben. Solltest du nicht an diese Literaturquelle herankommen, sende ich Dir später einige Scans dazu, wenn Du es wünschst. Wird aber etwas dauern. Budjet.
zu 2. Bereits seit dem Jahre 1868 richtete der Norddeutsche Bund mit Preußen an der Spitze eine Ostasiatische Station ein, um die wirtschaftlichen Interessen in dieser Region zu überwachen und bei Notwendigkeit die deutschen Handelsschiffe zu schützen. Die Piraterie um die chinesischen Küstengewässer war seit Jahrhunderten mehr oder weniger vorhanden. Als Anfang der 70iger Jahre des 19. Jahrhundert auch eine deutsche Handelsbrigg durch chinesische Piraten aufgebracht wurde, begann ein jahrelanges militärisches und diplomatischen Ringen, um diese Gefahr für den Handel zwischen Europa und Ostasien zu minimieren. Die Korvette "Hertha" war deshalb bereits im Frühjahr 1871 schon einmal auf Piratenjagd an der chinesischen Küste. Auch fünf Jahre später unternahm die chinesische Staatsgewalt keine großen Anstrengungen, um diesen Zustand zu verbessern. Deshalb kam es zu der von mir benannten Machtdemonstration zum Jahresbeginn 1876, übrigens auch durch britische, japanische und russische Schiffe. Dies führte dann doch zu einigen Maßnahmen gegen die in der Region handelnden Piratenboote. Aus heutiger Sicht (Horn von Afrika) außerordentlich interessant. Man könnte Bücher darüber schreiben, soviel wäre darüber noch zu erzählen.
Ich hoffe, dir ein wenig geholfen zu haben.
Gruß Jack
SMS HERTHA, SMS VINETA: ARCONA-class wooden built cruiser corvettes, three-masted full-rigged ships, one funnel, builder: royal yard Danzig, launched: 1863-4, completed: 1864-65, displacement: 2,500 tons, dimensions: 73,3 x 12,9 x 5,5 m, 1 horizontal 2-cyl expansion engine, four boilers, ca 1550 hp, 11,5 knots max., armament: 17 x 15 cm/ l22 BLR, 2 x 12,5 cm/ l23 BLR, complement: 380.
SMS ARIADNE, SMS LUISE: ARIADNE-class wooden built cruiser corvettes, three-masted full-rigged ships, one funnel, builder: imperial yard Danzig, launched: 1871-2, completed: 1872-74, displacement: 2,070 tons, dimensions: 68 x 10,8 x 4, 8 m, 1 horizontal 3-cyl double expansion engine, four boilers, ca 2,300 hp, 14,1 knots max., armament: 6 x 15 cm/ l22 BLR, 2 x 12 cm/ l23 BLR, complement: 234.
SMS NAUTILUS: ALBATROSS-class wooden built high-sea gunboat, barque-rigged three-masted ship, one funnel, builder: imperial yard Danzig, launched: 1871, completed: 1873, displacement: 780 tons, dimensions: 57 x 8,3 x 3,6 m, 2 1-cyl expansion engines, 2 boilers, 600 hp, 10,9 knots max., armament: 2 x 15 cm/ l22 BLR, 2 x 12 cm/ l23 BLR, 3 Rev., complement: 103.
SMS CYCLOP: CHAMAELEON-class, 400 ton, wooden built barque-rigged, weakly armed gunboat
source: Groener.
Zitat von: Matthias Strauß am 09 Januar 2011, 15:01:03
Solltest du nicht an diese Literaturquelle herankommen, sende ich Dir später einige Scans dazu, wenn Du es wünschst.
Ich werde sehr dankbar sein.
>> Für
Leutnant Werner.
Sehr interessant, Danke.
Mit Grüßen, Dmitrij.
Hallo Zusammen,
ist zwar nicht ganz kaiserlich (weil vor 1871), aber die preußische Marine war schon zuvor gegen die Piraterie im Einsatz:
Gefecht von Tres Forcas (1857) (http://www.marine-infanterie.de/html/4_3.html)
Viel Spaß beim recherchieren,
Markus