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Seekrieg allgemein => Zweiter Weltkrieg => Thema gestartet von: Karsten am 31 März 2010, 07:41:04

Titel: Um welches dänisches Küstenpanzerschiff handelt es sich?
Beitrag von: Karsten am 31 März 2010, 07:41:04
Hallo Forum,

in einem Urteil vom 12. August 1953 hat der Strafsenat des Schleswig-Holsteinischen Oberlandesgerichts in einem Revisionsverfahren eine Verurteilung wegen gemeinschaftlichen Diebstahls bestätigt. Das Urteil ist zu finden in SchlA 1953, S. 295. Ihm lag folgender Sachverhalt zu Grunde:

"Die Firma Sch. und Co. besaß die Bergungsgenehmigung für das im äußersten Südwesten der E.-Bucht auf Grund liegende Wrack des Schiffs "Herrenwyk". Darüber hinaus hatte das Wasser- und Schiffahrtsamt diese Firma zum Bergen von herrenlosem Schrott in der E.-Bucht berechtigt, hierbei aber ausdrücklich verboten, Wracks und Kabel anzufassen und Schrott von Wracks zu entnehmen. Die Firma Sch. und Co. bediente sich zur Schrottbergung ihres Fahrzeugs "H-F". Der Kapitän dieses Bergungsdampfers war der Angeklagte, seine früheren Mitangeklagten waren Basatzungsmitglieder.

4 - 5 Seemeilen ost-nordöstlich der "Herrenwyk" lag noch innerhalb des Hoheitsgebiets in 28 Meter Tiefe das Wrack eines früheren dänischen Küstenpanzerschiffs. Dieses war während des letzten Krieges von der deutschen Kriegsmarine übernommen und bei Kriegsende versenkt worden. Das Wrack ist durch eine Wracktonne gekennzeichnet. 1950 hatte die dänische Regierung das Wrack zur Bergung ausgeschrieben. Die Firma Sch. und Co. hatte sich für die Bergung interessiert, jedoch nach einer Rücksprache mit dem Angeklagten wegen zu hoher Kosten davon Abstand genommen. Die Bergungsgenehmigung wurde schließlich einer Hamburger Firma erteilt.

Am Heck des Kriegsschiffes befanden sich, wie in Kreisen der Schrottfischer allgemein bekannt war, zwei große, wertvolle Bronzeschrauben. Noch im April 1951 war das Vorhandensein der Schrauben durch Taucher festgestellt worden. Als die Hamburger Firma Anfang März 1952 mit den Bergungsarbeiten am Wrack begann, wurde das Fehlen der Backbordschraube festgestellt. Diese war von dem Angeklagten und anderen Besatzungsmitgliedern der "H-F" von der Zeit vom 12. bis 20. Dezember 1951 geborgen worden. Da von dem Wrack der "Herrenwyk" damals nur wenig Schrott geborgen werden konnte, kamen die Besatzungsmitglieder der "H-F" überein, beim Wrack des Kriegsschiffes festzustellen, ob von dort noch mehr zu holen sei. Der Taucher D. stellte fest, dass die Backbordschraube fehlte und nur der Wellenstumpf aus dem Schiff hervorstand. In 3 m Entfernung vom Heck des Schiffes entdeckte er einen Schraubenflügel, der aus dem Schlick hervorragte. Er meldete dies dem Angeklagten als Schiffsführer, der das Heraufholen der Schraube anordnete. Da die Schraube im Ganzen zu groß und zu schwer war, sprengte D. die Schraube am nächsten Tag in drei Teile. Ein Schraubenflügel wurde am selben Tag geborgen, am nächsten Tag weigerte sich D., weiter bei der Bergung der Schraube mitzumachen., weil er inzwischen in einer anderen Schrottdiebstahlssache die Anklageschrift erhalten hatte. Auch andere Besatzungsmitglieder äußerten Bedenken, die aber von dem Angeklagten zerstreut wurden. An Stelle von D. wurde der Taucher B. eingesetzt. Diesem gelang jedoch die Bergung weiterer Schraubenteile nicht. Nach der Erkrankung des B. kam der Taucher K. an Bord. Diesem gelang es, die Nabe und einen weiteren Schraubenflügel zu bergen. Die gesamte Beute wurde nochmals über flachem Grund zersprengt und dann zusammen mit anderem Schrott von der "Herrenwyk" auf einem Lastwagen der Firma Sch. und Co. zu der Firma B. nach N. gefahren. Der Angeklagte erzählte anwesenden Beamten der Wasserschutzpolizei und des Zolls, dass die Schraubenteile von einer großen Schiffsschraube stammten, die sie nördlich des Wracks der "Herrenwyk" auf dem Meeresgrunde gefunden hätten. Die Firma B. schrieb der Firma Sch. und Co. für die Schiffsschraubenteile einen Betrag von 7.094,75 DM gut. Der Angeklagte erhielt hiervon 400 DM als Bergelohn und die übrigen Beatzungsmitglieder außer D. ihren entsprechenden Anteil."

Soweit der Tatbestand des Urteils. Die Angeklagten wurden wegen Diebstahls der Schiffsschraube des dänischen Küstenpanzerschiffs verurteilt. Ein Stück deutscher Nachkriegsgeschichte. Raue Sitten waren das damals!

Aus den Entscheidungsgründen ergibt sich, dass das Küstenpanzerschiff wohl zu Kriegsende von den Deutschen selbst versenkt worden ist.

Meine Frage nun: Um welches dänisches Küstenpanzerschiff handelt es sich? Hat jemand eine Ahnung? Von welcher Bucht ist die Rede?

Viele Grüße,

Karsten


Titel: Re: Um welches dänisches Küstenpanzerschiff handelt es sich?
Beitrag von: Leutnant Werner am 31 März 2010, 08:47:56
Mmmh, 1943 waren nur noch NIELS JUEL und ein oder zwei von den PEDER SKRAM-Monitoren vorhanden. Im Gröner wirds stehen. Kann ich erst heut Abend nachschauen, bis dahin wird schon ein anderer sein Ei hier gelegt haben. Ich tippe mal auf NIELS JUEL, die meiner Erinnerung von den Dänen 1943 in flachen Gewässern versenkt und anschließend von den Deutschen gehoben wurde, um in einer anderen Funktion weiterverwendet zu werden (Flakbatterie?). Bei Kriegsende dann erneut gesunken.
Titel: Re: Um welches dänisches Küstenpanzerschiff handelt es sich?
Beitrag von: MS am 31 März 2010, 08:49:00

"Niels Juel" in der Eckernförder Bucht, in der KM als Schulschiff "Nordland"


Gruss
:MG:
Titel: Re: Um welches dänisches Küstenpanzerschiff handelt es sich?
Beitrag von: Karsten am 01 April 2010, 07:33:05
Vielen Dank - wie immer eine schnelle Antwort hier im Forum!  :MG:

An Peder Skram hatte ich auch schon gedacht, aber bei dem passten die Gröner-Angaben nicht. Niels Juel war mir unbekannt. So ist das also nun gelöst.  :-)

Beste Grüße,

Karsten

Titel: Re: Um welches dänisches Küstenpanzerschiff handelt es sich?
Beitrag von: rocco am 05 Dezember 2010, 23:07:24
Hallo,

das Thema ist zwar schon etwas älter, aber ich möchte euch diesen interessanten Bericht zur Geschichte der "Nils Juel" alias "Nordland" nicht vorenthalten: http://www.bubblewatcher.de/bericht_Nordland_50_Wracks.html

Viele Grüsse Rocco!
Titel: Re: Um welches dänisches Küstenpanzerschiff handelt es sich?
Beitrag von: longwood am 07 Dezember 2010, 12:23:51
Hallo,

vorweg: Ich wohne im Kreis Rendsburg-Eckernförde und habe an der Eckernförder Bucht seit 50 Jahren ein Wochenendhaus.

Schon damals wurde viel von der "Niels Juel" gesprochen - aber keiner wusste etwas genaues.

Daher hatte ich die Absicht, einen Beitrag ein dem jährlich erscheinenden Jahrbuch der Heimatgemeinschaft Eckernförde zu veröffentlichen und habe auch
Material gesammelt - aber zu einer Zeit, als es noch kein Internet gab.
Z. B. hatte ich in den Geschäftsräumen der "Eckernförder Zeitung" Jahrgänge der damaligen Zeit - die auf Mikrofilm archiviert waren - "studiert" und betreffenden Beiträge herauskopiert.

Leider ist aus meinem Vorhaben nichts geworden - obwohl ich jetzt im Ruhestand lebe und eigentlich Zeit genug haben müsste...

Die Zeitungsausschnitte müssten in meinem Wochenendhaus (hoffentlich) noch liegen; ebenso ein größerer Beitrag aus einem dänischen Buch.

Da meine Frau und ich über die Festtage wahrscheinlich dorthin fahren, werde ich in meiner (Un-) Ordnung nachschauen...

Ich erinnere mich schwach daran, dass das deutsche Berungsschiff "Pakistan" an der Bergung beteiligt und eine Schiffsschraube "spurlos verschwunden" war...


Gruß

longwood



Titel: Re: Um welches dänisches Küstenpanzerschiff handelt es sich?
Beitrag von: Darius am 15 Dezember 2010, 20:49:17
Hallo longwood,

ja, alle Infos sind erwünscht - dann können wir vielleicht das Thema bei einem Treffen im Marinearchiv in Stuttgart fortsetzen:
http://forum-marinearchiv.de/smf/index.php/topic,12038.0.html

:MG:

Darius
Titel: Re: Um welches dänisches Küstenpanzerschiff handelt es sich?
Beitrag von: longwood am 16 Dezember 2010, 12:05:37
Hallo Darius,

ich werde fleißig recherchieren und hoffe, dass meine Frau und ich über Weihnachten nach dem Wochenendhaus an der Nordseite der Eckernförder Bucht in Langholz (daher mein Username longwood - meine Tochter meint aber, dass dieser Name etwas "anrüchig" ist) fahren können; z. Z. ist aber Schnee hoch drei hier...   ...und hoffe, dort noch Unterlagen zu finden.

Ich habe mich auch schon mit Karsten Klein über PN hinsichtlich dieses Themas ausgetauscht.

Wie ich auf das Thema "Niels Juel" komme?  Das hat zwei Gründe; und zwar

- In Langholz hatte ein Hotel- und Restaurantbesitzer einen ähnlich klingenden Vor- und Zunamen und er sagte immer - allerdings zu vorgerückter Stunde - dass ein Kriegsschiff mit seinem Namen auf dem Grund der Eckernförder Bucht liegt.

- Ich hatte eine Kollegin, die in Dänemark geboren war und jetzt in Deutschland lebt. Ihr in Dänemark lebender Neffe ist (Sport-) Taucher und wollte das Wrack der NIELS JUEL "ertauchen". Er ließ bei mir anfragen, ob es noch Zweck hätte - ich habe es aber verneint.

Gruß - und eine besinnliche Vorweihnachtszeit wünscht

longwood