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Flotten der Welt => Bundesmarine / Volksmarine / Deutsche Marine => Thema gestartet von: RonnyM am 07 September 2010, 19:42:15

Titel: Raketenversuche mit S-Boot Klasse 142
Beitrag von: RonnyM am 07 September 2010, 19:42:15
Moin Lüüds,

soweit meine trüben Augen durchblicken, ist hier wohl noch nicht über unsere Anfänge der Raketenversuche berichtet worden. Auf Wunsch eines einzelnen Herrn - ja auch Einzelwünsche berücksichtige ich - versuche ich mal, die Vergangenheit ein wenig aufzuhellen :-D.

Was war denn der Stand Mitte der 60er Jahre. Unsere S-Boote schossen mit 40 mm und in der Ostsee schwammen die raketenbestückten OSA-S-Boote von der anderen Feldpostnummer :cry:. Unsere Torpedos waren nicht flugfähig, also mußte Abhilfe geschaffen werden.

Es bildete sich 1966 eine Arbeitsgruppe aus VFW-Fokker und General Dynamics sowie vom 7. S-Boot Geschwader die Boote NERZ, ZOBEL und FRETTCHEN. Als Zielschiff fungierte ein alter M 35-Bock, der mit Kork ausgestopft war. Damit der Dampfer auch immer auf der vorgesehene Position verbracht werden konnte, wurde für die Versuche auch der Schlepper Y 821 FÖHR abgestellt. Zu diesen Zossen gabs noch eine schöne Bergungsstory. :-D

Bei einem Sturm im Sommer 1966 riss sich der vor Hörnum  verankerte Bock los und strandete nördlich - an Roem vorbei - auf der dän. Insel Fanoe. Der LmVH (Leiter milit. Versuche Hörnum), FK Beichle lief mal wieder zur Höchstform auf. Dampfer aufgeben, kommt nicht in Frage. (Für mich war es immer eine Köstlichkeit, wie er mit den RR und ORR in Kiel umsprang wenn die erstmal eine Bedarfsmeldung sehen und prüfen wollten). Es fuhren nach DK:
1 Schwimmbagger
1 Bergungsschlepper (Bugsier) neben der FÖHR
2 Bergepanzer
Es wurde eine Rinne gebaggert und ein Bergepanzer mit einem - ich glaube - 4 m-Rohraufsatz, der das Schleppseil unter Wasser zum Schlepper brachte. (Später mehr, meine Chefin ruft...)                               
Titel: Re: Raketenversuche mit S-Boot Klasse 142
Beitrag von: Urs Heßling am 07 September 2010, 21:37:25
guten Abend, Ronny,

Zitat von: RonnyM am 07 September 2010, 19:42:15
Bei einem Sturm im Sommer 1966 riss sich der vor Hörnum  verankerte Bock los und strandete nördlich - an Roem vorbei - auf der dän. Insel Fünen.

also das muß aber ein Wirbelsturm Stärke 12+ gewesen sein, der den M-Bock glatt über Jütland hinwegtrug ...  :ML: :MLL:

mit dem herzlichen Gruß  :-) eines einzelnen älteren Herrn  8-),

Urs
Titel: Re: Raketenversuche mit S-Boot Klasse 142
Beitrag von: RonnyM am 08 September 2010, 08:54:49
...ja, manchmal schlägt das Alter unerbärmlich zu... Natürlich Fanoe lieber Urs :O/Y
(So doll war der Sturm nun auch wieder nicht :-D).

Grüße Ronny
Titel: Re: Raketenversuche mit S-Boot Klasse 142
Beitrag von: brueckenhein am 08 September 2010, 09:08:05
jaja Ronny, das Alter! So kennen wir ihn!! :MLL: :MLL: :MV: :MZ: Und vorsichtig, Hey lööcht asn Stint!! :MZ:
Titel: Re: Raketenversuche mit S-Boot Klasse 142
Beitrag von: RonnyM am 08 September 2010, 12:33:21
Nachdem die Rinne gebaggert war, wurde mit dem Panzer eine Schleppverbindung zum Schlepper hergestellt und der Zossen wieder ins freie Wasser gezogen. In dänischen Blättern wurde - auch mit Bildern - berichtet. Leider habe ich nix gefunden. Am Rumpf waren keine Schäden festgestellt, sodass die Versuche ihren Fortgang nahmen.

Überhaupt die Logistik, die war beachtlich. Nördlich von Hörnum, etwa 2 Km, wurde die Station BUNKER HILL errichtet. Die Shelter (Container kannte man noch nicht) wurde mit einem Sikorsky-Transporthubschrauber durchgeführt. Zu der Zeit der größte, der neben 7,0 t Eigengewicht auch 7,0 t Nutzlast fliegen konnte. Zwischen BH und unsere Station bestand eine RF-Verbindung. Als "Rakete" fungierte eine T 33 Doppelsitzer von VFW-Fokker. Die war in Westerland stationiert.


Titel: Re: Raketenversuche mit S-Boot Klasse 142
Beitrag von: RonnyM am 08 September 2010, 12:49:03
Natürlich zeigte sich die andere Feldpostnummer sehr interessiert und während der Versuche hielten sich die russ. Fischdampfer - unauffällig mit Antennen bestückt - in der Deutschen Bucht auf. Da die Kameraden nur bei Überreichweiten sichtbar waren, mußten wir also Verstärkung aus der Luft haben. Das erfüllten die Stabos und Oberstabos der Luftwaffe mit ihren NORAS. Sie kamen abwechselnd vom LTG 61 und 63 (Hohn u. Ahlhorn) uns besuchen (auch in Westerland Mittag gegessen).

Da die Russen ja an unseren Telemetriedaten Intresse hatten, wurden die von der NORA gemeldeten Objekte geplottet (machten aber kaum Fahrt), sodass wir die Sektoren entsprechend gelegt haben, um ungestört unsere Versuche fortzusetzen.

Mitlerweile konnte ich mich aus unseren Dienstablauf davon schleichen und der LmVH nahm mich voll in Beschlag. So z.B. beim Tetrapodenbau. "OMt Meyer holen Sie mal den Jeep. Wir wollen den Bau kontollieren". Das war FK Beichle...
Titel: Re: Raketenversuche mit S-Boot Klasse 142
Beitrag von: RonnyM am 08 September 2010, 13:44:50
...was`n nu los :? :? :? Mein letzter Bericht mit Fotos zeigt mir nach ABSCHICKEN der Schirm nach einiger Zeit - wegen der Bilder - einen weißen Schirm...
Bin ich jetzt vom MAD gesperrt :?

Grüße Ronny
Titel: Re: Raketenversuche mit S-Boot Klasse 142
Beitrag von: Urs Heßling am 08 September 2010, 14:18:17
moin

Zitat von: RonnyM am 07 September 2010, 19:42:15
Als Zielschiff fungierte ein alter M 35-Bock, der mit Kork ausgestopft war.

M 81 (KM 1941-45, GMSA 1945-47) > franz. LAFFAUX (1947-56) > dt. HUMMEL (1957-60 Geleitgeschw., 1960-63 Schulgeschw.) > Zielschiff (1964-1967) >Auflieger des BWB (1967-75) > verk. 1976 > verschrottet

Gruß, Urs
Titel: Re: Raketenversuche mit S-Boot Klasse 142
Beitrag von: RonnyM am 08 September 2010, 14:33:24
...Urs, herrlich, du kannst wenigstens "ungestört" arbeiten und schmetterst die Fakten auf die Back... :O/Y

Geüße Ronny
Titel: Re: Raketenversuche mit S-Boot Klasse 142
Beitrag von: RonnyM am 08 September 2010, 14:48:04
...also once more...
Einmal konnte ein S-Boot wegen einer defekten Pumpe nicht auslaufen. Jetzt lief der LmVH wieder zur Höchstform auf.
Anruf MARS Kiel ob auf Lager. Dann wieder ein Paar StoV-Zivis zusammengeschissen, gehorcht, ob eine DO 27 in Holtenau parat steht, Transport organisiert und gegen 11:00 Uhr landete die Maschine mit dem Ersatz in W`land. Um 16:00 Uhr meldete sich das S-Boot "klar zum". Das war FK Beichle... Am nächsten Tag war der Verband wieder vollzählig.
Im Forum las ich, dass die PFÄLZERLAND 1967 verkauft wurde. Das kann nicht stimmen. Zwar hatten wir 1967 einen zivilen Versorger, Tanker ALFRED, mit dem Smut hatte ich ein hopfenintensives Verhältnis :-D, aber ab 1968 war Y 831 der Versorger. Siehe Fotos - die ich jetzt aber im Extra-Fred schicke...
Titel: Re: Raketenversuche mit S-Boot Klasse 142
Beitrag von: RonnyM am 08 September 2010, 14:51:16
Hier der Beweis:
Titel: Re: Raketenversuche mit S-Boot Klasse 142
Beitrag von: RonnyM am 08 September 2010, 15:08:39
Die Versuche liefen ja nur im Sommerhalbjahr. Am spannsten war natürlich der Tag, wo der erste scharfe Schuss abgegeben wurde. Leider habe ich keine Bilder, wo auf NERZ ein Gestell montiert wurde und darauf die Rakete. Auf jeden Fall war das Erfolgserlebnis "überdimensional" groß. Es machte uns stolz, daran beteiligt gewesen zu sein. Das gebe ich hier ganz ehrlich zu :O/Y.

Die Flugbahn wurde natürlich von den VFW-Leuten und den Amis gefilmt, aber leider alles unter Verschluß gehalten. Da ja alles draussen war, nur Schlepper FÖHR lag noch im Hafen, bekam ich vom LmVH die Erlaubnis, mit dem Schlepper zum Zielschiff zwecks "Begutachtung" zu fahren. Es war schon beeindruckend, wie das Geschoss den Kohle-Küchenherd sauber teilte :-o.

Das waren die Anfänge bei uns.

Grüße Ronny
Titel: Re: Raketenversuche mit S-Boot Klasse 142
Beitrag von: RonnyM am 08 September 2010, 15:12:24
Und hier noch mal die Bilder dazu...
Titel: Re: Raketenversuche mit S-Boot Klasse 142
Beitrag von: RonnyM am 08 September 2010, 15:15:22
...und Schlepper FÖHR...

Ward nix, Datei zu groß - obwohl nur winziges Bild. Sch... Technik...
Titel: Re: Raketenversuche mit S-Boot Klasse 142
Beitrag von: RonnyM am 08 September 2010, 16:14:36
Nachtrag:

Es wäre schön, wenn ehemalige Fahrenslüüd von damals berichten und es aus Ihrer Sicht schildern :lol:

Grüße  Ronny
Titel: Re: Raketenversuche mit S-Boot Klasse 142
Beitrag von: Urs Heßling am 08 September 2010, 16:24:34
moin,

Zitat von: RonnyM am 08 September 2010, 14:51:16
Hier der Beweis:

das Boot mit der Radar-"Kugel" ist natürlich das Versuchsboot NERZ (P 6096); auf Bild 1 und 3 vor dem Einbau des TARTAR-Starters (noch mit achterem ToRo), Bild Ma 42 mit Starter , btw schöner Steam im Hafen Hörnum !  :-D

bei den beiden anderen "normalen" 142ern (ZOB und FRE) sieht man achtern das Ende der Minenschienen (zum Minenübernehmen und -wurf mußten die achteren ToTo abgebaut werden); diese Schienen fielen dann beim Umbau zum 142A mit nach achtern schießenden Rohren weg.

Gruß, Urs
Titel: Re: Raketenversuche mit S-Boot Klasse 142
Beitrag von: Urs Heßling am 08 September 2010, 16:47:18
hi

Zitat von: RonnyM am 07 September 2010, 19:42:15
FK Beichle lief mal wieder zur Höchstform auf. ...Für mich war es immer eine Köstlichkeit, wie er mit den RR und ORR in Kiel umsprang wenn die erstmal eine Bedarfsmeldung sehen und prüfen wollten.

Was haben ein Regierungsrat (RR) und eine Trottellumme (Uria aalge) gemeinsam ?

Beide antworten auf die Frage, was sie werden wollen, mit dem Ruf "ORR"  :-D :-D :-D

Gruß, Urs
Titel: Re: Raketenversuche mit S-Boot Klasse 142
Beitrag von: Urs Heßling am 08 September 2010, 16:55:50
moin,

Zitat von: RonnyM am 08 September 2010, 15:08:39
Es war schon beeindruckend, wie das Geschoss den Kohle-Küchenherd sauber teilte :-o.

In der Marine waren schon 1964/65 teilweise "heftige" Diskussionen zwischen der "Studiengruppe Marine (STM)" (heute würden wir "think tank" sagen) und den Kommandeuren der Z- und S-Flottille geführt worden, in denen es seitens der Kommandeure um die mangelnde Brauchbarkeit des TARTAR ging (mit 15 kg-Sprengkopf als Seeziel-FK zu schwach, mit einer Treffwahrscheinlichkeit von ca. 0,5 gegen Jets und 0,2 gegen FK zu schlecht)

Gruß, Urs
Titel: Re: Raketenversuche mit S-Boot Klasse 142
Beitrag von: RonnyM am 08 September 2010, 18:51:35
Ach übrigens, der Hafenanlauf war bis zu 2 Stunden vor und nach HW die Knoopsche Rinne. Gibts heute nicht mehr, da die ganze ehemalige Südspitze heute verschwunden ist. Geblieben ist der 15 sm-Umweg über Vortrapp Tief. Bis heute. :-)

Grüße Ronny
Titel: Re: Raketenversuche mit S-Boot Klasse 142
Beitrag von: RonnyM am 18 September 2010, 12:47:11
Moin,

hier hab`ich noch ein Foto gefunden vom Hubi, der die Shelter auf Bunker Hill schleppte.

Grüße Ronny
Titel: Re: Raketenversuche mit S-Boot Klasse 142
Beitrag von: Albatros am 18 September 2010, 16:46:26
Das war dann der Sikorsky S-64A (CH-54A) "Skycrane'

http://www.eichhorn.ws/html/body_sikorsky_s-64a_skycrane.htm

er konnte ein bisschen mehr als die 7 to. Tragen.

Ronny, das war dann bestimmt ein Ami oder hat die Bundeswehr auch mal solche Sikorsky S-64A (CH-54A) "Skycrane' im Dienst gehabt ?

:MG:

Manfred
Titel: Re: Raketenversuche mit S-Boot Klasse 142
Beitrag von: RonnyM am 18 September 2010, 16:55:55
...ne ne, Manfred, mit dem Ding hatten die Amis (General Dynamic) gearbeitet. Die Shelter kamen mit dem Autozug nach W'land und wurden zum Flugplatz gefahren. Dort pickte der Hubi sie auf und flog sie nach Bunker Hill. :wink:

Grüße Ronny
Titel: Re: Raketenversuche mit S-Boot Klasse 142
Beitrag von: PiLaBo41 am 19 September 2010, 05:11:49
Die Bundeswehr besaß zwei Maschinen vom Typ S-64 SKYCRANE. Am 9. Mai 1962 startete der Prototyp bei Sikorsky zum Erstflug.
Noch im gleichen Jahr erhielt Weser Flugzeugbau zwei ,,Bausätze" der S-64, die in Bremen montiert wurden. Die Bundeswehr hatte Interesse an dem Skycrane angemeldet und die Verantwortlichen bei Sikorsky und Weser Flugzeugbau hofften auf eine gewinnbringende Kooperation. Ab Ende 1962 wurden die beiden Kranhubschrauber, Weser Flugzeugbau bezeichnete sie bereits als WF-S 64, mit den Erprobungskennzeichen D-9510 und 9511 bei der Heeresfliegerwaffenschule in Bückeburg und der Erprobungsstelle 61 in Manching (heute WTD 61) eingehend auf ihre Eignung für die Bundeswehr untersucht. Die Ergebnisse waren gut, doch letztendlich fiel die Entscheidung zum Kauf der mittelschweren Sikorsky CH-53, der bei Weser Flugzeugbau (später in VFW umbenannt) unter der Bezeichnung VFW CH-53G in Lizenz gefertigt wurde.
Ab 1965 dienten die beiden Kranhubschrauber noch für drei Jahre bei der 1. Luftrettungs- und Verbindungsstaffel in Fürstenfeldbruck der Luftwaffe mit den Kennzeichen LA+112 bzw. LA+113 und wurden anschließend an eine amerikanische Privatfirma verkauft. Die Erprobungskennzeichen mit der Nummernfolge 95xx waren ausschließlich der Bundeswehr vorbehalten.
Es liegt durchaus im Bereich des Möglichen, dass die "WF-S 64" der Luftwaffe zum Einsatz gekommen ist. Während der Erprobungszeit wurden die vielfältigsten Aufgaben erledigt. Aber auch später bei der 1. Luftrettungs- und Verbindungsstaffel war sie vielseitig tätig. Anbei einige Bilder von den Einsätzen (2 Fotos während der Erprobung und eins aus der Zeit in Fürstenfeldbruck).
Quelle der Fotos: Luftwaffe.

Herzliche Grüsse von der Spree
Berndt
Titel: Re: Raketenversuche mit S-Boot Klasse 142
Beitrag von: RonnyM am 19 September 2010, 09:29:49
Moin Berndt,

also, dass sind Argumente... Jetzt komme ich doch ins Schleudern - so nach über 40 Jahren - könnten es auch die Bajuwaren gewesen sein :|. Ich hatte die Amis vermutet, da dass Hauptequipment von GD war.

Danke dir für deine Dokumentation top.

Grüße Ronny

PS Und hocherfreut kann Wilfried seine über alles geliebte schwebene Ziege entdecken...
Titel: Re: Raketenversuche mit S-Boot Klasse 142
Beitrag von: schinram am 01 November 2010, 17:12:09
Urs, wer hat Dir denn diese Zielprozente und Gewichte verkauft? Frag doch lieber mal nen Fachmann!

War dienstlich mit dem Kram beschäftigt, wie Du sehr genau weißt. Habe wiederholt mit FlAdm Geier und FK Zimmermann, die beiden damaligen Erprobungskommanten der betroffenen Schnellbootskommandanten über diese Versuche unterhalten, da ich für die Finanzierung der Entwicklungskosten LFK RIM-7M(VL) Geld brauchte und die Abrechnung der für uns entwickelten GMLS Mk32 noch offen war, was auch gelang, da InspM jegliche Entwicklungskosten für F123 untersagt hatte.

1. Die Treffwahrscheinichkeit des LFK RIM-24 Tartar mit einem Gefechtskopfgewicht von 130 lbs, ca. 59kg und Continuous Road, Reichweite 25 kyds, dann durch LFK RIM-66 SM1 Blk.IV, Reichweite 50 kyds gegen Luft- und FK-Ziele, lag und liegt deutlich über 85 %!
2. Der in der Flugabwehr damals üblichen Gefechtköpfe mit Continouous Rod wurde ausgewechsels gegen über den Güterbahnhof Wilhelmshaven angelieferten Massiv-Gefechtsköpfen des LFK BULLPUP, die bei USAF-Geschwadern in der Pfalz gegen Nuklearköpfe ausgewechselt waren und uns kostenlos überlassen wurden, und im MMunDp 4 Zetel in den TARTAR eingesetzt wurden. (Bearbeiter MaraMRüst 421 KL Grünberg)
3. Grund für Abbruch der 50(!) geschossenen LFK war zum einen die zu geringe Entfernung (max 9sm) gegen Seeziele, was auf die Aufstellungshöhe der Trackantenne und des CWI-Beleuchters AM/OT64 in der M20/2, die als Versuchsträger für die WM27 auf S143 diente, zum anderen der hohe Geräteaufwand an Bord.
4. Diese für S143 für LFK-Leitung geschaffene Kombination konnte dann als Radar WM 27 sofort in die S-Klasse/F122 eingerüstet werden.
4. Die WIESEL-Anlage ist später auf dem Schießplatz Todendorf aufgebaut worden.
5. Der Startkontainer GMLS Mk.32 , eine Kiste mit Scharnier an der Schmalstell und Rail unter dem Deckel, ist dann von der USN auf den sogenannten Gunboats der ASHVILLE-Klasse und in Taiwan  für die CHI YANG-Klasse serienmäßig eingebaut worden.
6. Grund für einen Wechsel auf MM38 war die einfachere Leitung (fire and forget)
7. Überbleibsel in der Bundesmarine war der Querfeldverstärker für CWI in der WM27 auf S143 und die überflüssigen 3cm-Hohlleiter in der WM27 in S143/S143A, deren Ausbau und Umkonstruktion aber teurer gewesen wäre, als sie zu belassen. Diese Konstruktion wird derzeit  für SM1/SM2-Leitung auf der FFG-7 in der Feuerleitanlage MK92 (Kombiniertes Antennensystem) mit dem 2.Feuerleitkanal SPG-60 (STIR= Separate Tracking and Ilumination Radar, nicht HSA-Produkt STIR !) verwendet, die wir als Trackteil der Feuerleitanlage M86 auf Z103B kennen, eingerüstet ist.
Titel: Re: Raketenversuche mit S-Boot Klasse 142
Beitrag von: Urs Heßling am 01 November 2010, 19:05:53
hallo, Opi,

Zitat von: schinram am 01 November 2010, 17:12:09
Urs, wer hat Dir denn diese Zielprozente und Gewichte verkauft? Frag doch lieber mal nen Fachmann!

Quelle: BA-MA, BM 1/104 Studie "Führung und Taktik moderner See- und Seeluftstreitkräfte", Zusammenfassender Bericht über Arbeitstagung der Flotte, FüAkBw StudGrp Marine Az 31-05-14 TgbNr 29/65 geh., 26.1.1965, zitiert nach Sander-Nagashima, Die Bundesmarine 1950-1972, Konzeption und Aufbau, Teil III, S. 300 ff, besonders 313-314.

Das war die damals (Januar 1965, m.W. begannen die S-Boots-Versuche danach) aktuelle Lagebeurteilung der Studiengruppe Marine!  :MG: Ich habe diese Fach-Quelle zitiert, nicht eine eigene Meinung vertreten, weil ich selbst darüber nichts wußte.  :/DK:

Der Ton macht die Musik, auch hier im Forum, daran mußt Du noch arbeiten, Fachmann :wink:

Gruß, Urs





Titel: Re: Raketenversuche mit S-Boot Klasse 142
Beitrag von: schinram am 01 November 2010, 22:57:19
Genau das , Urs, war ja das Verheerende in der von Dir zitierten Studiengruppe.
Habe die 20 Jahre alten Unterlagen in meinem Schreibtisch liegen gehabt. Es waren nur wenige Überwasserwäffner, ausschließlich Artilleristen und einige Beamte der HA Rü und von BWB FK III6 (weißer Jahrgang!), aber kein einziger LFK-Mann (gab ja noch keine). Paul Schmalenbach und Mausi Fürst waren die ersten deutschen Marineoffiziere, die Einblick bekamen (Lehrgangsunterlagen Paul zu TARTAR NC auf NWTC Great Lakes habe ich 2006 vernichten lassen. Sie belegten schon damals, daß die StudGrp-Daten falsch waren. Die Deutsche Marine hat erstmal bei ID Z-Lütjens 1968 die entsprechenden TARTAR-Unterlagen SPS-52-MK74-MK13-RIM-24 in die Hände bekommen. Und die Unterlagen des deutschen FKO auf DDG-5 BIDDLE unter NATO-Command, später umgetauft in CLAUDE V.RICKETTS wurde von dieser sagenhaften StudGrp ÜWWaSeekr garnicht erst angefordert! Da war aber das Thema längst gegessen und die Nutzung von semiaktiven LFK zugunsten franz Seeziel-LFK-Technik der EXOCET-Familie mit "fire and forget" korrekterweise entschieden. Und der Mann, der das maßgeblich beeinflußt hat, war der damalige KK Geier von der Deutschen Botschaft in Paris, Abteilung Bureau Liaison Allemagne, der zuvor Kommandant des Erprobungsbootes NERZ war. Aber gleichzeitig fiel für Schiffe der Marine die Entscheidung dagegen, weil der Ortungshorizont höher und die Reichweise des RGM-84 Harpoon adäquater war, wenn auch die Treffgenauigkeit damals aufgrund seines Lenkprinzipes deutlich geringer war, also für F122 6 Einheiten Röhrenversion und Z103B mit GMLS MK13 Mitte der Achtziger.  Es wurden für und bei dieser Testkampagne durch die genannte StudGrp ÜWaSeekr abgesegnet für Betriebkosten der Fahrzeuge, Umbau Geleitboot als Zielschiff, Flugbetriebskosten der Luftwaffe und Entwicklung GMLS Mk32 sowie Beschaffung von 50 LFK RIM-24 Millionen "versenkt". Soviel zum Wahrnehmungsgehalt der von Dir zitierten Studiengruppe. Und das hat mit Ton nichts zu tun, sondern mit der Fachkenntnis oder auch mangelnden Fachkenntnis mancher selbsternannten Spezialisten in diesem Bereich.
Bitte verzeih, aber mir kommt bei diesen Figuren immer noch die Galle hoch, denn es sind unsere Steuergelder und die Sicherheit unserer Besatzungen. Zeit also, Klugschnacker rechtzeitig zu entlarven.