Derartige Triebwerke wurden etwa von 1940 bis 1970 in größerer Anzahl im Westen gebaut. Aufgrund ihrer komplexen Mechanik wurden sie hier
später durch Motoren mit maximal zwei Zylinderbänken (Reihen-, V-, Motoren) oder durch Gasturbinen verdrängt.
Warum griff man für die Sassnitz-Klasse gerade auf solch einen Motor sowjetischer Bauart zurück ?
Gab es keine anderen verfügbaren Motoren in den WP-Staaten ?, stellte die DDR nicht selbst schnell laufende Dieselmotoren her ?
:MG:
Manfred
moin,
Zitat von: Albatros am 19 September 2010, 16:43:26
Warum griff man für die Sassnitz-Klasse gerade auf solch einen Motor sowjetischer Bauart zurück ?
Ein wichtiger Gesichtspunkt war wohl die Logistik/Ersatzteilbeschaffung.
Auch die RS-Boote "Projekt 205" (NATO: OSA) und TS-Boote "Projekt 183" (NATO: SHERSHEN) hatten einen typgleichen Motor (M503A) desselben Herstellers JSC Zvezda.
Gruß, Urs
Zitat von: Albatros am 19 September 2010, 16:43:26
Warum griff man für die Sassnitz-Klasse gerade auf solch einen Motor sowjetischer Bauart zurück ?
Gab es keine anderen verfügbaren Motoren in den WP-Staaten ?, stellte die DDR nicht selbst schnell laufende Dieselmotoren her ?
Hallo Albatros,
nun, diese Frage ist nicht so leicht zu beantworten. Ich versuche es mit kurzen Stichworten:
- Projekt 151 (NATO: SASSNITZ-Klasse) wurde aus deutlich kleineren Entwürfen so zusagen im bottom-up-Verfahren hochentwickelt (Pr. 141.1 WIESEL, Pr. 141.2 NERZ, Pr. 142). Herbei ist man im Wesentlichen vom Antriebskonzept mit sowjetischen Sternreihenmotoren ausgegangen. Eine Variante mit Tragflächen wurde nicht weiter verfolgt.
- die Projektanten und Konstrukteure der Peene-Werft sowie der auftraggebenden VWSB (Verwaltung Schiffbau Rostock, angesiedelt im Verteidigungsministerium) hätten schon gerne einen Gasturbinenantrieb, aber die vorhandenen sowjetischen Typen waren relativ groß und verbrauchten entsprechend viel Treibstoff.
- des weiteren gab die UdSSR keine Exportfreigaben für hochwertige Gasturbinen (der Exportkatalog für Waffentechnik beinhaltete diese nicht ... )
- die anfangs geforderte Maximalgeschwindigkeit von ca. 42 kn konnte nicht realisiert werden, das Skizzenprojekt ergab dann 35 kn, Vertragsgeschwindigkeit waren dann 34 kn. Mehr erreichte die Antriebsanlage mit 3x M-520 nicht, trotz extremer Leichtbauweise. 34 kn wurden schließlich akzeptiert.
- in der VM gab es eine breite Basis des Einsatzes und der Logistik der 42- und 56-Zylinder-Sternreihenmotore M-503A und M-504, sodass der M-520 gut in das System hineingepasst hat
-eigene Leichtbaumotoren dieser Leistungsklasse baute die DDR nicht
(mehr über Pr. 151: )
Schiffprofile: BALCOM 10 - Projekt 151 (http://www.das-geschichtsbuch.de/product_info.php?info=p5230_Olaf-Pestow--Balcom-10---Raketen-Schnell-Boot-Projekt-151.html&XTCsid=pcdthtcbe)
Einer der aktuellen Motoren ist der M-532, Nachfolger der o.g. Typen. Bei diesen und weiteren Modellen ist übrigens das Problem mit dem Fahren < 400°C Abgastemperatur gelöst worden ...
Unten noch einige Impressionen, die ich während der IMDS 2003 in St. Petersburg aufgenommen habe: Einer der beiden 56-Zylinder Sternreihenmotore M-520B auf dem Schnellboot des Projektes 14310 MIRAZH sowie ein Motorenmodell des M-532.
Grüsse
OLPE
Zitat von: Urs Hessling am 19 September 2010, 19:31:37
TS-Boote "Projekt 183" (NATO: SHERSHEN) hatten einen typgleichen Motor (M503A) desselben Herstellers JSC Zvezda.
kleine Korrektur: Shershen-Klasse wird das Projekt 206 genannt. (ebenso Turya- und Matka-Klasse, die Nato hat das Projekt aufgeteilt...) Diese hatte den M-503A-Motor. Projekt 183 wäre P-6 Klasse bzw. "Bolschewik", sowie als RS-Boot die Komar-Klasse (Projekt 183R). Dieses Projekt ist zu alt, um den Motor zu haben.
moin, Tostan
Zitat von: Tostan am 19 September 2010, 19:52:12
Zitat von: Urs Hessling am 19 September 2010, 19:31:37
TS-Boote "Projekt 183" (NATO: SHERSHEN) hatten einen typgleichen Motor (M503A) desselben Herstellers JSC Zvezda.
kleine Korrektur: Shershen-Klasse wird das Projekt 206 genannt. (ebenso Turya- und Matka-Klasse, die Nato hat das Projekt aufgeteilt...) Diese hatte den M-503A-Motor. Projekt 183 wäre P-6 Klasse bzw. "Bolschewik", sowie als RS-Boot die Komar-Klasse (Projekt 183R). Dieses Projekt ist zu alt, um den Motor zu haben.
ja, Du hast recht, danke,
Urs
Zitat von: Albatros am 19 September 2010, 16:43:26
Warum griff man für die Sassnitz-Klasse gerade auf solch einen Motor sowjetischer Bauart zurück ?
Gab es keine anderen verfügbaren Motoren in den WP-Staaten ?, stellte die DDR nicht selbst schnell laufende Dieselmotoren her ?
Moin, moin, Manfred,
nicht nur die Sassnitz-Klase hatte diese Motoren,
eingeführt wurden sie schon 1962:
1962 kamen die RS-Booten
205 - OSA1, dort waren es 3 Motoren vom Typ
M503 mit 42 Zylindern, und einer Leistung von 8800 kw je Boot, ergab eine Geschwindigkeit von 39 sm/h,
1968 kamen die TS-Boote
206 - Shershen, dort waren es 3 Motoren vom
Typ M503A mit 42 Zylindern und einer Leistung von 8826 kw je Boot, ergab eine Geschwindigkeit von 46 sm/h, der Motor war eine Weiterentwicklung von M503,
1981 kamen die UAW-Schiffe
133.1 - Parchim1 und
133.1M - Parchim2, welche 3 Motoren vom Typ
M504 mit 56 Zylindern und einer Leistung von 10433 kw je Schiff erhielten, ergab eine Geschwindigkeit von 24 sm/h,
1990 kamen die RS-Schiffe
151 - Sassnitz und
151P - Orkan, welche 3 Motoren vom Typ
M520 mit 56 Zylindern und einer Leistung von 11910 kw je Schiff erhielten, ergab eine Geschwindigkeit von 35 sm/h,
jeder Motortyp war eine Weiterentwicklung des jeweiligen vorgänger Motor und hatte immer eine
Leistungssteigerung zurfolge,
auf alle Fälle hätte man bei den UAw-Schiffen auf der Mittelwelle einen anderen Motor einsetzen sollen, um bei Revier- und Langsamfahrt einen vernünftigen Motor zu haben,
Zitat von: Tostan am 19 September 2010, 19:52:12
Dieses Projekt ist zu alt, um den Motor zu haben.
... jo, die alten "Holzpantoffel" vom Projekt 183 besaßen 4 Dieselmotoren vom Typ M-50F, in Varianten auch den M-50-1 oder den M-50FTK.
Grüsse
OLPE
Danke Euch für die interessanten Antworten..... top
:MG:
Manfred
Beim nachlesen des Threads kam mir folgende Frage in den Sinn..... :O/Y
Hat mal jemand die nennenswerten ehemaligen und die nach der Wende noch vorhandenen Schiffs-
Dieselmotorenhersteller der Ostblock oder WP-Staaten zur Hand ?
Mir fällt da jetzt z.B. SKL und SKET aus Magdeburg ein.....
:MG:
Manfred
JSC Zvezda wäre da wie weiter oben zu sehen noch zu nennen......das war es dann ?
:MG:
Manfred
Ist ein Petersburger Diesel-Hersteller, die noch existiert. http://www.gsgnet.net/c/c.aspx/JSC001
Edit, ups .. hätte genauer lesen sollen, die frage war ja nach weiteren Herstellen :( ... In Bryansk könnte es noch einen gegeben haben. Allerdings weiss ich nicht, ob und wie bedeutend der damals war. Dort wurden/werden auch Diesel für Lokomotiven hergestellt.