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Flotten der Welt => Die Deutsche Kriegsmarine => Deutsche Kriegsmarine - Allgemein => Thema gestartet von: Maurice Laarman am 03 März 2012, 09:05:52

Titel: Vater und Sohn in die Kriegsmarine
Beitrag von: Maurice Laarman am 03 März 2012, 09:05:52
In die Geschichte der Kriegsmarine 1939-45 gibt es mehrere, teils tragische Geschichte von Vater und Söhne.

Die Bekannteste sind vielleicht die beide Söhne von Grossadmiral Dönitz. Peter fiel auf U-954 am 19.5.1943, Klaus am 13.05.1944 auf S-141.

Umgekehrt gibt es das auch;

Vizeadmiral Kurt vom dem Borne verstarb in Russische Gefangenschaft 31.1.1946, sein Sohn, Oberleutnant zur See Dietrich-Alfred wurde verwundet am 16.02.1942 auf U-156 bei ein Unfall mit dem Deckkanone.

Sind mehr von solche Fälle bekannt?

Dank im voraus,

Maurice
Titel: Re: Vater und Sohn in die Kriegsmarine
Beitrag von: Urs Heßling am 03 März 2012, 11:14:43
moin,

mit Dank an @hubertus
Burkhardt, Wolfgang   OFähnr.z.S.   "PRINZ EUGEN" + air raid.   Brest   02.07.1941   25.12.1919   Wilhelmshaven   Crew of 1938

war der Sohn von Marineoberbaudirektor/Ministerialrat Burkhardt (1936 Chef der Schiffbauabteilung im Marinekonstruktionsamt, d.h. "Chefkonstrukteur" der PG)

Gruß, Urs
Titel: Re: Vater und Sohn in die Kriegsmarine
Beitrag von: Arche am 03 März 2012, 20:06:09
Mir fällt da Generalleutnant Helmuth Huffmann ein

http://www.lexikon-der-wehrmacht.de/Personenregister/HuffmannH.htm

Sein Sohn Ernst hat sich am 15.09.1943 erschossen (kommando U-843)

Gruß
Heinz-Jürgen
Titel: Re: Vater und Sohn in die Kriegsmarine
Beitrag von: ufo am 03 März 2012, 22:01:44
Hej Maurice!

Die Deutsche Marine war stets eine 'Marinefamile'. Die Beispiele von Vater Sohn Schiksalen sind zahllos. Allein das Crewbuch der Crew 1913 nennt von 17 gefallenen Soehnen von Crewangehoerigen allein 7, die als Marineoffiziere starben:

Justus v. Bonin als Leutnant z.S. und U-Boot WO gefallen auf U 1107 25.04.1945 – Sohn von Kapitaen z.S. Udo v. Bonin

Geert Brinkmann als Leutnant z.S. und U-Boot WO gefallen auf U 621 18.08.1944 – Sohn von Admiral Helmuth Brinkmann (bekannt als Prinz Kommandant waehrend Rheinuebung)

Christianbrandt Coester Kapitaenleutnant z.S. gefallen als U-Bootkommandant auf U 542 28.11.1943 – Sohn von Fregattenkapitaen Wolfgang Coester

Eberhard Cranz als Leutnant z.S. und S-Boot WO gefallen 05.1945  - Sohn von Major Eberhard Cranz (dieser im zweiten Weltkrieg allerdings bei der Luftwaffe)

Joachim Dieckmeyer als Leutnant z.S. und U-Boot WO gefallen 05.1943 – Sohn von Korvettenkapitaen Gustaf-Adolf Dieckmyer (dieser im Mai 1945 in russischer Kriegsgefangenschaft verstorben)

Klaus Dietrich Ettel als Oberleutnant z.S. und U-Boot WO gefallen auf U 1225 24.06.1944 – Sohn von Hauptmann Erwin Ettel (im zweiten Weltkrieg ebenfalls Luftwaffe)

Hans-Detlef Luchting als Leutnant z.S. und U-Boot WO gefallen auf U 600 25.11.1943 – Sohn von Fregattenkapitaen Edgar Luchting

Raeders Idee von der Deutschen Marine als Familienbetrieb war durchaus auch gelebt. Das waren allein 7 Vater-Sohn Paare aus der Crew 1913 - wobei ich auf die Schnelle jetzt auch nur jene rausgesucht habe von denen einer zu Tode kam.

Ufo 
Titel: Re: Vater und Sohn in die Kriegsmarine
Beitrag von: ufo am 03 März 2012, 22:36:06
Mal so diagonal durch die Crew 1914 geguckt:

Hier waren von 20 gefallenen Crewsoehnen nur 3 bei der Marine:

Karl Friedrich Gross als Seeoffizier Anwaerter auf Z 27 gefallen 12.1943 – Sohn von Fregattenkapitaen Wilhelm Gross

Klaus Gutjahr als Leutnant z.S. (Crew 40) gefallen 1943 in der Nordsee – Sohn von Konteradmiral Karl-Otto Gutjahr (der zweite Sohn Volker, Faehnrich z.S. (Crew X/43) ueberlebte den Krieg)

Dietz Lambrecht als Matrose 1943 – Sohn von Korvettenkapitaen Hans Lambrecht

Es starben zwei Vaeter:

Christian Wiarda (Crew IV/42) ueberlebte den Krieg hier aber fiel der Vater Kapitaen z.S. Dotias Wiarda 01.02.1945

Hans Joachim Kleffel (Crew V/41) ueberlebte den Krieg ebenso wie sein Schwager Eberhard Marx (Crew V/41); der Vater und Schwiegervater Oberst der Luftwaffe Berndt Kleffel fiel am 28.03.1945.

Und ein Happy End war beschert Horst Schlottmann (Crew 37a), der genau wie sein Stiefvater Leutnant Karl Hermann Werner Deckert den Krieg ueberlebte.

Ufo
Titel: Re: Vater und Sohn in die Kriegsmarine
Beitrag von: Maurice Laarman am 03 März 2012, 23:18:39
Nah, schau mal, man geht irgendwo essen, und wenn man zurück ist, gibt es viel interessante Ergänzungen!

Danke, macht mir auch klar das nicht so selten war das Vater und Sohn der selbe Waffengattung angehörte. Jedoch ist es interessant zu wissen um mehr von die Aufbau und Verbintnissen innerhalb die KM zu erfahren.

Herzliche Gruss,

Maurice
Titel: Re: Vater und Sohn in die Kriegsmarine
Beitrag von: Urs Heßling am 04 März 2012, 15:53:25
moin,

Zitat von: ufo am 03 März 2012, 22:36:06
Hans Joachim Kleffel (Crew V/41) ueberlebte den Krieg ...
... und war mein (geschätzter) Fachlehrer für Navigation an der Marineschule Mürwik (1972).

Gruß, Urs
Titel: Re: Vater und Sohn in die Kriegsmarine
Beitrag von: joern am 04 März 2012, 17:11:32
Hier reiht sich leider auch das Schicksal meiner Familie ein.
Mein Gro0ßvater K.z.S. H. Schmidt war Seekommandant"U" als er bei der Sprengung des rumänischen Hauptquartiers am 22.10.1941 in Odessa ums Leben kam.
Den Untergang von S.M.S. Blücher im WK I hatte er überlebt.
Mein Vater war Oberfähnrich auf S 216 und ihn erwischte es am 9.5.1945 bei einem sowjet. Fliegerangriff.Er überlebte schwer verletzt.

Grüße Joern
Titel: Re: Vater und Sohn in die Kriegsmarine
Beitrag von: ufo am 05 März 2012, 00:13:18
Ich denke die Vater und Sohn Geschichten aus der Deutschen Marine machen neben der oft erlebten Tragik noch viel mehr deutlich: Die Marine erwiess sich von Kaiserlicher zu Reichs- und Kriegsmarine als erstaunlich robust gegenueber ausseren Einflussen, gegenueber Reformation oder gar Revolution. Einen Platz als Marine Offizier Anwaerter zu bekommen – das war von 1921 bis weit in die 30er Jahre ausgesprochen schwirig. Es gab zahllose Bewerber auf wenige Ausbildungsplaetze. Das eine Kriterium, welches einem jungen Mann Tuer und Tor oeffnete war ein Vater, der selbst Marineoffizier war. Die Kontinuitaet, die familiaere Atmosphaere war gewollt, war gefoerdert und so hat es viel Vater-Sohn Paare gegeben ... mit in Kriegszeiten all der zugehoerigen Tragik.

Bei der Crew 1912 wie folgt:

Klaus Joachim Bredow faellt als WO auf U 879 noch kurz vorm Schlusspfiff am 19.04.1945 – Sohn von Konteradmiral Hermann von Bredow

Georg Wilhelm Heinichen faellt als I.WO auf einem U-Boot am 15.05.1943, sein Bruder Walter Eduard Heinichen faellt am 23.09.1940 als Faehnrich z.S. im Kanal; ein juengerer Bruder ueberlebt den Krieg – Vater Kapitaen z.S. Eberhard Heinichen

Ulrich Knackfuss faellt als U-Bootskommandant am 10.06.1944, sein Bruder Detlev Knackfuss als WO auf U-Boot am 8.10.1943 und der juengste Bruder Burghardt Knackfuss als Seekadett in der Festung Gironde am 15.04.1945; keine weiteren Geschwister – Vater Fregattenkapitaen Karl Knackfuss

Hans Jochen Langsdorff faellt als Kleinst-U-Bootfahrer vor Antwerpen am 14.12.1944 – Vater Kapitaen z.S. Hans Langsdorff Freitod am 20.12.1939 in Buenos Aires

Kurt-Juergen Neugebauer faellt als Schnellbottskommandant am 7.04.1945 – Vater Korvettenkapitaen Friedrich-Karl Neugebauer gefallen auf U-Jaeger Bruno am 23.04.1940

Gerd Piper gefallen als Seekadett am 19.04.1945 – Vater Korvettenkapitaen Hans Piper

Rolf Riesen gefallen als U-Bootskommandant am 22.08.1944 – Vater Korvettenkapitaen Guenter Riesen

Hans Joachim Scheurlen gefallen als Leutnant z.S. auf U-Boot am 25.03.1943 – Vater Vizeadmiral Ernst Scheurlen gefallen 8.04.1945 bei Fallingbostel

Hans Georg Schloifer gefallen als Oberleutnant z.S. auf U 482 am 16.01.1945 – Vater Kapitaen z.S. Walter Schloifer

Klaus Henning Wery von Limont gefallen als Oberleutnant z.S. auf U-Boot am 18.02.1944 – Vater Fregattenkapitaen Alexander Wery von Limont

Nee ... Krieg ist schon Mist; da kann man nix dran schoenreden.

@ Urs, Joern - spannend, wie sich denn so Boegen aus der Vergangenheit ins hier und Heute spannen. Sowas macht nuechterne Namen, Zahlen oder Datenkolonnen dann wirklich lebendig.
Ufo
Titel: Re: Vater und Sohn in die Kriegsmarine
Beitrag von: Arche am 05 März 2012, 18:56:14
Siemens   Leopold   Vizeadmiral.z.V   17.05.1889      Crew 1910
DKiG. 08.11.44.
Siemens   Theodor   Mtr.d.R   31.01.1922      01.12.1944   5 U-Fl
Tragisch ist hier auch der Selbstmord des Sohnes
Titel: Re: Vater und Sohn in die Kriegsmarine
Beitrag von: Thorsten Wahl am 06 März 2012, 12:52:01
Zitat von: ufo am 05 März 2012, 00:13:18
Ich denke die Vater und Sohn Geschichten aus der Deutschen Marine machen neben der oft erlebten Tragik noch viel mehr deutlich: Die Marine erwiess sich von Kaiserlicher zu Reichs- und Kriegsmarine als erstaunlich robust gegenueber ausseren Einflussen, gegenueber Reformation oder gar Revolution.

Dies trifft nicht nur auf die Marine zu,
Ich hatte bei mir in der Lehre jemanden, dessen komplette Ahnenreihe  bis zum 30 jährigen Krieg in der preussischen, deutschen und DDR Armee gedient hat.
Titel: Re: Vater und Sohn in die Kriegsmarine
Beitrag von: Maurice Laarman am 06 März 2012, 17:57:33
Es freut mich hier viele weitere Beispiele gelesen zu haben, dank an alle!  top

Vielleicht gehen wir ein bisschen ausserhalb das Thema, jedoch ist es interessant zu erwähnen.

Zitat: Die Marine erwiess sich von Kaiserlicher zu Reichs- und Kriegsmarine als erstaunlich robust gegenueber ausseren Einflussen, gegenueber Reformation oder gar Revolution.

Deine Wörte überlege ich mich gerade.  Was meinst du damit, im Licht gesehen von die Kieler Matrosenaufstand? (nicht etwa, der Landseraufstand, oder Fliegeraufstand)

Ich kann es verstehen wenn es um die zweite WK geht, wenn die KM weniger (nicht:kein) Einfluss hatte von der NSDAP wie der andere Waffengattungen. Beispiel; Hitlergruss erst eingeführt nach der 20.Juli 1944.
Ein Effekt der Aufstand von 1918 in die Kriegsmarine von 1939-45 scheint mir gewesen zu sein, vielleicht in der ganze Wehrmacht, das ein Todesurteil wegen Fahnenflucht oder Dienstverweigerung rascher gefällt wurde.

Sollte ein Aufstand in die Reihen der Landser am Westfront statt gefunden haben, konnte man das noch verstehen. Die Leute dort sahen taglich Ihr Kameraden verbluten und hatten es schwer. Die Meuterei/Aufstand fand aber in die Reichsmarine statt.

Herzliche Gruss,

Maurice
Titel: Re: Vater und Sohn in die Kriegsmarine
Beitrag von: ufo am 06 März 2012, 21:54:59
Ok – ich glaube hier muss ich einiges differenzieren:

Zum einen gibt es - so sehe ich das - einen grossen Schnitt von der Stellung der Matrosen zwischen Kaiserlicher und Reichs- / Kriegsmarine. Ich denke bis zum Ende der Kaiserlichen Marine darf man die Matrosen (mit etwas Zynismus) der Kohle, der Munition und dem Schmieroel zurechnen – Gebrachsmaterial. Der Matrosenaufstand ist dann in etwa das Selbe wie eine Torpedokrise: ein 'Materialversagen'.

Ich denke erst mit der Reichsmarine sehen wir einen Wandel in der Auffassung von den Matrosen; einen Trend zu mehr Sorge, mehr Verstaendnis fuer die Belange der Mannschaften.


Das die Revolution 1918 nicht von der Front ausging ist glaube ich natuerlich. Soldaten im Feld haben wenig Zeit fuer Pamphlete, fuer Reden und Ansprachen. Das taegliche Ueberleben nimmt Zeit und Verstand ein. Die Sorge um Kameraden, Freunde, das eigene Leben laesst politische Erwaegungen hohl und platt erscheinen. Hunger und ungleiche Behandlung wirken wie notwendige Erscheinungen des Lebens im Felde.

Ich denke nur eine Truppe in Ruhestellung kann die Unruhe aufbauen eine Revolution anzuzetteln.


Was die 'Marinefamilie' betrifft, so wird die aber auch bis in die Kriegsmarine von den Offizieren gebilded und definiert. Die nur meinte ich mit der Aussage, dass sie ausgesprochen robust gegenueber aeusseren Einfluessen waren.

Praktisch kein Marineoffiziere hat 1918 Revolution gemacht. Praktisch kein Marineoffizier hat beim Putschversuch 1944 mitgemacht. Unpolitisch waren die sicher nicht. Aber un-Partei-politisch waren die glaube ich schon relativ lange. Schaut man durch die Hefte der Marine Offizier Vereinigung aus den Zwanziger und Dreissiger Jahren, so war Nationalsozialistisches Gedankengut weiter verbreitet als das nachher jemand wahr haben wollte aber gegen ganz konkrete NS Parteipolitik war das Marineoffiziers Korps tatsaechlich relativ lange immun. Etwas ueberspitzt gesagt: Die Kriegsmarine war eher aus gemeinsamem Interesse mit der NSDAP Nationalsozialistisch.

Ufo   
Titel: Re: Vater und Sohn in die Kriegsmarine
Beitrag von: Maurice Laarman am 16 März 2012, 07:58:16
Zwei weitere Beispiele;

Die Zerstörer Karl Gaster Z20, in Dienst gestellt 21.03.1939, wurde nach der Offizier Karl Gaster benannt. Er war Kommandant der Torpedoboot S 22, untergegangen 1916. Sein Vater war Vizeadmiral Dr H.C. Karl Gaster.

Zerstörer Bernd von Armin ist ein ähnliches Beispiel, benannt nach Kapitänleutnant Bernd von Armin, untergegangen mit G 42 in 1917, Vater war Admiral Volkmar von Armin.

Vielleicht gibt es bei die Namensgebung der Zerstörer weitere solche Fällen, diese fand ich zufälligerweise in Marine Rundschau Juni 1939.

Herzliche Gruss,

Maurice
Titel: Re: Vater und Sohn in die Kriegsmarine
Beitrag von: Maurice Laarman am 17 April 2012, 17:32:59
Fand noch ein Beispiel,

Ludwig-Ferdinand von Friedeburg, Crew V/41, WO auf U-548, Kommandant U-155 (Ein Fahrt von Lorient nach Flensburg, august 1944), dann Kommandant U-4710.
Vater war Admiral Hans Georg von Friedeburg.

Gruss,

Maurice
Titel: Re: Vater und Sohn in die Kriegsmarine
Beitrag von: suhren564 am 10 Juni 2013, 12:54:50
Hallo,


mir fallen auf der Stelle zu diesem Thema noch 3 weitere Vater/Sohn- KM- Angehörige ein.

KzS Heinz Bonatz (u.a.MND) - Lt.z.S. Heinz-Diethelm Bonatz + 05.10.43 U 336
VAdm. Kurt Hoffmann- Heinz Hoffmann, Offz. auf einem U-Boot (1942);leider keine näheren Angaben
Adm. H.von Fischel - Oltn.z.S. Unno v. Fischel + 12.01.1942 U 374
Titel: Re: Vater und Sohn in die Kriegsmarine
Beitrag von: M-54842 am 08 Oktober 2014, 19:07:52
Ich habe auch noch eine U-Boot-Kommandanten-Familie:

Vater:
- Admiral Otto Schultze (im I WK Kommandant U 63)
Söhne:
- OltzS. Rudolf Schultze (Kommandant U 2540)
- Kapitänleutnant Wolfgang Schultze (gefallen als Kommandant U 512 am 02.10.1942)
- Kapitänleutnant Heinz-Otto Schultze (gefallen als Kommandant U 849 am 25.11.1943)