Geschichte der Sowjetischen U-Boote ab 1945
Nach dem zweiten Weltkrieg dachte man zuerst an einen Niedergang der Seekriegsflotte, begründet in ihrer Verwundbarkeit der Schiffe selbst durch eine Atomare Bedrohung.
Erst durch erproben der Kernwaffen und den Einsatz von Kernkraftgeriebenen Schiffen haben die Sowjetunion und andere Staaten, den wahren Wert dieser strategisch einsetzbaren Möglichkeiten, speziell in Atomgetriebenen U-Booten, erkennen können.
Gerade für die Supermächte UdSSR und USA waren mit Beginn des Kalten Krieges solche Möglichkeiten von großen Wert.
Nur reiche Länder konnten sich den kostspieligen Luxus solcher Atomgetriebenen Unterseeboote leisten.
Für andere Nationen waren und sind immer noch die Dieselelektrischen U-Boote interessant.
Nach weiteren Verbesserungen der herkömmlichen U-Boote durch Erkenntnisse aus dem Weltkrieg wurde mit den ersten Kernkraftgetriebenen U- Booten eine wesentliche Steigerung ihrer Kampfeffektivität erreicht.
Das erste Projekt:
Die Projektantengrupee Peregudows (Kapitän zur See Peregudow ab 1952 Chefkonstrukteur) hatte im März 1953 ein Vorprojekt geschaffen.
Diese Kernkraftgetriebene U-Boot sollte einen elliptischen Bug haben um dort einen riesigen Torpedo von 23,5 Meter Länge und 1,55 Meter Durchmesser, den T-15 mit Nuklearkopf unter zu bringen.
Zur damaligen Zeit waren kleiner Nuklearsprengköpfe nicht zu bauen.
Man wählte für dieses Boot ein Ausstoßrohr mit Selbstausstoß für den T-15, dass gleich mit einer Gewichtsersparnis einher ging.
Das Boot sollte eine Geschwindigkeit von 25 kn und eine Tauchtiefe bis 300 Meter. Erreichen.
Es wurde weiter entwickelt. Unter anderem wurden das Atom-U-Boote nur mit Verdopplung der Kraftanlage ( 2 Reaktoren) gebaut.
Was ein Zweischraubenantrieb nach sich zog. Dadurch wurden diese Boote schneller als ihre Gegner.
Es fanden gleichzeitige Forschungen an der Akustik, Lenkbarkeit, geräuscharme Schrauben, gefederte Anlagenfundamente, ortungs- und schalldämmende Schichten, statt.
Zum ersten Mal wurden Belüftungseinrichtungen zur Umwälzung der Luft eingeführt.
Gedacht war das Projekt für Angriffe auf Küstennahe Objekte eines Feindes.
Da sich das U-Boot auf 40 km nähern sollte, kamen Bedenken bei den Fachleuten der Seekriegsflotte.
Angriffe in einem von dem Gegner kontrollierten Küstennahen Seegebiet würden mit diesem U-Boot nicht durchführbar sein. Die Geschwindigkeit wurde auch als zu langsam eingeschätzt.
Eine Veränderung des Entwurfs wurde 1955 vorgelegt. Das Grundprojekt blieb erhalten, mit einem Zweihüllenrumpf.
Der T-15 war gestrichen und statt dessen hatte man jetzt 8 mal 53,5 cm Torpedorohre, 20 Torpedos insgesamt.
Die Schussdaten wurden von einem Feuerleitsystem ,,Torij" automatisch ermittelt, Abschüsse bis zu einer Tiefe aus 100 Meter waren vorgesehen.
.Weiter war es mit Hydroakustischen Anlagen, Radarwarnanlage und einer Ortungsanlage für Überwasserziele und zur Feuerleitung beim Torpedoschiessen ausgerüstet.
Es besaß ein Gerät zur Auffassung Geräuscherzeugender Ziele und konnte sie damit automatisch verfolgen.
Mit diesem U-Boot wurde das erste Sowjetische Atom-U-Boot auch mit modernsten Navigations- und Nachrichtenübermittlungsgeräten ausgestattet.
Quellen sind Sowjetisch-russische Atom-U-Boote, Unterseeboote
Moin moin,
Erstmal danke für den ausführlichen Beitrag und überhaupt die Aufmerksamkeit auf die sowjetische Marine :)
Eine kleine Ergänzung von mir.
Hier geht es um das U-Boot der Projekt 627 ("Kit") (NATO-November)-Klasse.
Interessant ist in der Projektierungsgeschichte dieses U-Bootes folgendes. Aus Geheimhaltungsgründen wurden Marinespezialisten zuerst zur Arbeit nicht herangezogen. Deshalb wurde solche ziemlich wunderliche Bewaffnungsvariante gewählt. Erst im Juli 1954 lernten Marineoffiziere den Projekt kennen. Und sofort faßten sie einen Beschluß, dass das U-Boot mit solcher Bewaffnung seine Aufgaben nicht machen kann.
Und noch eine kleine Ergänzung zur ersten Variante der Bewaffnung: zwei 533-mm TR mit zwei Torpedos wurden von Anfang an vorgesehen.
Danke Warjag :MG:
Keine Ursache :MZ:
Die Sache mit dem Mega-Torpedo hört sich an als hätte man sich in der SU die Hitlerschen Wahnvorstellungen von gigantischen Waffen reingezogen.
Verwunderlich nur, das hier kein Laie herumspukte sondern immerhin Marineoffiziere mit wirkten. Oder war Peregudow auch eher ein Theoretiker, überspitz gesagt eine "Landratte" ?
@Scheer
Moin,
In der UdSSR bedeutete ein Militärsrang NICHT unbedingt, dass seiner Inhaber eine Militärperson war :wink: Viele (vielleicht alle) Konstrukteure, Betriebsdirektoren viele Zivilleiter (Minister usw) hatten einen Militärsrang. V.N.Peregudov war wirklich Kapitän zur See, trotzdem hat er nur als Schiffbau-Ingenieur-Konstrukteur gearbeitet.
Das Torpedo T-15 wurde für den Angriff gegen Küstenobjekte vorherbestimmt (in dieser Zeit hatte die UdSSR keine ballistische Rakete noch, die diese Aufgabe erledigen konnte).
Hallo,
ist zwar ein altes Thema, aber auch die alten leben weiter ... :-D
Unten eine Skizze des oben beschriebenen recht eindruckvollen, aber ominösen Entwurfes des Atom-U-Bootsprojektes 627 KIT (NATO: SSN der NOVEMBER-Klasse) mit dem überschweren Nukleartorpedo T-15. Diese Idee wurde - wie ebenfalls bereits erwähnt - aber nie umgesetzt.
Zur (schlechten) Skizze: Im Bugbereich durch mehrere Abteilungen durchlaufend, das Torpedorohr. Nach meinem Kenntnisstand mit einem Rohrinnenquerschintt von 1600 mm (!).
Der Torpedo selbst besaß folgende taktisch-technische Daten:
- Kaliber: 1550 mm
- Gewicht: 40.000 kg
- Länge: 23,55 m
- Antrieb: Elektro
- Gefechtskopf: Thermo-Nuklear
Der kleinere "Bruder" ist der Atom-Torpedo T-5 ("nur" mit Nuklearsprengkopf). Unten ein Bild ...
(Q: www.deepstorm.ru, www.iss.niiit.ru, atrinaflot.narod.ru)
Grüsse
OLPE
Sehr interessant!!!! Ich frage mich nur was wollten die Supermächte mit Atomsprengtorpedos erreichen? Um gegnerische Schiffe zu versenken ist das wohl etwas übertrieben oder sollten die Torpedos in die Häfen oder Küsten lanciert werden? Wer kann dazu mal etwas sagen?
Zitat von: brueckenhein am 01 Mai 2010, 11:18:12
Ich frage mich nur was wollten die Supermächte mit Atomsprengtorpedos erreichen?
Hallo,
nun, einige Aspekte nannte @Rosenow hierzu bereits ganz am Anfang des treads. Im Hinblick auf die Sowjetunion stand diese in den fünfziger Jahren d.v.J. vor dem Problem, trotz Vorhandenseins nuklearer Gefechtsköpfe diese nicht auf gegnerisches Territorium - sprich USA - verbringen zu können. Die UdSSR besaß keine oder nur wenige nukleare Trägermittel von strategischer Bedeutung. Die vorhandenen (nachgebaute B-29-Bomber und erste Versuche mit der TU-95) waren kaum hierfür geeignet ... und ballistische Raketen in der Entwicklung, noch weit entfernt von einer strategischen Einsatzreife.
Daher entstand der Gedanke, mit einem Atom-U-Boot und einem überschweren Langstreckentorpedo mit thermo-nuklearem Kopf zumindest küstennahe Bereiche und Häfen des 'Gegners' angreifen zu können. Dieser Torpedo ist nach meinem Dafürhalten eher in der strategischen Ebene anzusiedeln, als in der taktischen (Schiffsbekämpfung). Bedingt durch die starke U-Bootabwehrfähigkeiten der Nato erschien der Erfolg eines 'Durchkommens' eher gering ... daher legte man die Pläne des Torpedos T-15 und des umgebauten Projektes 627 KIT dann doch ad acta ...
(Anmerkung: ähnlich sollten später auch konventionelle U-Boote mit Flügelraketen des Projektes 651 (NATO: SSG der JULIETT-Klasse) handeln. Mit ,einfachen' Nuklearraketen vom Typ P-5 sollten Flächenziele in den USA angegriffen werden ... Schussabstand: ca. 300 -400 km von der Küste ... man gab diese Variante des Einsatz aber auch gleichen Gründen wie oben wieder auf ...)
Grüsse
OLPE
Danke für die Erklärung!!! :MG:
hi
denkbar wäre auch, mit einer solchen Waffe einen der US-Trägerverbände anzugreifen (vor dem die Sowjetmarine wohl viel Respekt hatte). Es wäre nicht einmal ein Treffer auf einem Träger erforderlich gewesen. Ein Treffer auf einem Geleitfahrzeug oder nur eine Detonation in Luv des Verbandes hätte aufgrund der massiven Verseuchung durch den radioaktiven Wasser-Fallout für große Probleme gesorgt und einen Trägerflugzeugeinsatz sicher sehr erschwert.
Gruß, Urs
Zitat von: Urs Hessling am 02 Mai 2010, 22:42:41
... der US-Trägerverbände anzugreifen (vor dem die Sowjetmarine wohl viel Respekt hatte).
Hallo,
ja, in der Tat lag die operative Ausrichtung der ehemaligen Sowjetischen Seekriegsflotte neben der ozeanischen U-Bootjagd und der Unterbrechung von atlantischen Seeverbindungen der NATO im Wesentlichen auf dem Angriff auf U.S.-Trägerverbände. Hierfür wurden in Ermangelung adäquater Marinekampfmittel (also eigene Flugzeugträger) eher asymetrische Formen des Gegengewichtes favorisiert. Im Zuge dessen kamen nicht wenige konventionelle und nukleargetriebene U-Bootsserien mit Flügelraketen zum Einsatz. Ziel: Bekämpfung der Trägerverbände und anderer Überwasserschiffe - mit Nuklearraketen. Hier eine kurze Auflistung der Raketen und der Träger-U-Boote:
Rakete: P-5 PYATERKA (NATO: SS-N-3A SHADDOCK-NON-HOMING)
Rakete: P-6 (NATO: SS-N-3C SHADDOCK-ANTI-SHIP)
Konventionelle U-Boote
Projekt 613 (NATO: SSG der WHISKEY SINGLE CYLINDER-Klasse) eher Versuchsboot
Projekt 644 (NATO: SSG der WHISKEY TWIN CYLINDER-Klasse) geringe Stückzahl
Projekt 665 (NATO: SSG der WHISKEY LONG BIN-Klasse) geringe Stückzahl
Projekt 651 (NATO: SSG der JULIETT-Klasse) ausgereifter Entwurf
Atom-U-Boote
Projekt 657 (NATO: SSGN der ECHO-I-Klasse)
Projekt 675 (NATO: SSGN der ECHO-II-Klasse)
Rakete: P-70 (NATO: SS-N-7 STARBRIGHT)
Atom-U-Boote
Projekt 670 SKAT (NATO: SSGN der CHARLIE-I-Klasse)
Projekt 670M CHAIKA (NATO: SSGN der CHARLIE-II-Klasse)
Projekt 661 ANCHAR (NATO: SSGN der PAPA-Klasse) Versuchsboot
Rakete: P-700 (NATO: SS-N-19 GRANIT)
Atom-U-Boote
Projekt 949 (NATO: SSGN der OSCAR-I-Klasse)
Projekt 949A (NATO: SSGN der OSCAR-II-Klasse)
Unten einige Impressionen der U-Boote und Raketen...
(Q: TAIFUN, www.testpilot.ru, forums.airbase.ru, balancer.ru, www.militaryphotos.net)
Grüsse
OLPE
... hier noch der Start einer P-5 bzw. P-6-Rakete von einem WHISKEY-TWIN-CYLINDER-Boot ...
Ist eigentlich bekannt bis zu welchem Stadium der in diesem Thread behandelte nukleare ,,land-attack" Torpedo T-15 gekommen ist?
:MG:
Manfred